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02.03.2016

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Wie funktioniert das "Bad Bank"-Modell?

Die Infografik erklärt die Funktionsweise des "Bad Bank"-Modells, das es notleidenden Banken in Krisensituationen ermöglicht, ihre hochvolatilen Kredite staatlich garantieren zu lassen.

Beim Zweckgesellschaftsmodell beziehungsweise "Bad Bank"-Modell kann die Bank eine inländische Zweckgesellschaft (auch "Special Purpose Vehicle" oder "SPV" genannt) gründen, auf die sie komplexe strukturierte Wertpapiere mit einem Abschlag vom Buchwert überträgt. Die Zweckgesellschaft erwirbt diese Wertpapiere und bezahlt diesen Ankauf durch Ausgabe von Anleihen an die Bank. Der staatliche "Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung" (SoFFin) garantiert diese Anleihe.

Übertragung der strukturierten Wertpapiere

Die Übertragung der Wertpapiere auf die Zweckgesellschaft erfolgt mit einem Abschlag von in der Regel 10 Prozent auf den Wert, mit dem die Papiere augenblicklich in den Bankbilanzen erfasst sind ("Buchwert"). Als Grundlage für die Übertragung der Wertpapiere kann neben dem tatsächlichen wirtschaftlichen Wert beziehungsweise dem Buchwert per 31. März 2009 als Stichtag auch der 30. Juni 2008 herangezogen werden. Es gilt immer der höhere Wert, wobei der Buchwert per 31. März 2009 nicht überschritten werden darf. Die Zweckgesellschaft refinanziert den Erwerb der Wertpapiere durch Begebung einer Anleihe, die die Bank im Gegenzug zu den übertragenen Aktiva entgegennimmt. Der Bund garantiert die Anleihe, das heißt sowohl den Zins als auch die Rückzahlung. Die Bank zahlt an den Bund eine risikoadäquate Garantiegebühr. Bei der Übertragung der Wertpapiere erfolgt eine Bewertung derselben zur Ermittlung des tatsächlichen wirtschaftlichen Wertes. Auf diesen Wert wird ein Risikoabschlag berechnet. Der dann ermittelte Wert ist der sogenannte Fundamentalwert.

Neben der bereits notwendigen Offenlegung der Risiken vor ihrer Übertragung wird ein verbindlicher Stress-Test der übertragenden Unternehmen nach Vorgaben des SoFFin durchgeführt. Hierbei wird ihre Verlustanfälligkeit mit Hinblick auf wesentliche Risiken analysiert. Aus den Ergebnissen wird der erforderliche Handlungsbedarf für die Geschäftspolitik und die Risikosteuerung der übertragenden Unternehmen abgeleitet.

Ausgleichszahlung und Nachhaftung

Die Bank zahlt maximal 20 Jahre jährlich – in gleichbleibenden Raten aus dem an die Anteilseigner auszuschüttenden Betrag – einen Ausgleichsbetrag in Höhe der Differenz zwischen Übertragungswert und Fundamentalwert an die Zweckgesellschaft. Solange diese Zahlungen erfolgen, kann der Bund nicht aus der Garantie in Anspruch genommen werden.

Um die Eigenkapitalfinanzierung des übertragenden Unternehmens auch während des Zeitraums der Zahlung der Ausgleichsbeträge nicht zu gefährden, wird die Ausgabe stimmberechtigter Vorzugsaktien ermöglicht, deren Bedienung Vorrang vor eventuellen Zahlungsansprüchen des SoFFin hat. Der Umfang kann bis zur Hälfte des Grundkapitals betragen.

Ein eventueller Überschuss bei Auflösung der Zweckgesellschaft wird an die Anteilseigner ausgekehrt. Reicht der Ausgleichsbetrag nicht aus, um Verluste aus den strukturierten Wertpapieren auszugleichen, greift eine rechtsformneutral ausgestaltete Ausschüttungssperre, das heißt Ausschüttungen fließen an den Bund und nicht an die Anteilseigner des Kreditinstituts bis zum vollständigen Ausgleich der Verluste.

Wirkung und Konsequenzen

Im Ergebnis hat die Bank zwar immer noch gleich hohe Forderungen in ihrer Bilanz, jedoch werden hochvolatile Wertpapiere durch eine aufgrund der Bundesgarantien sichere Anleihe ersetzt. Dies bringt der Bank zwei Vorteile: Erstens muss sie eine bundesgarantierte Anleihe nicht mit Eigenkapital unterlegen, und zweitens kann sie diese Anleihe nun als Sicherheit hinterlegen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank aufnehmen will. Den Banken ermöglicht dies eine kurzfristige Bereinigung ihrer Bilanzen und Planungssicherheit im Hinblick auf die erforderlichen Abschreibungen.

Die Eigentümer der Bank erhalten diese Leistung vom Staat nicht kostenlos: Sie müssen dem SoFFin eine marktgerechte Garantiegebühr zahlen. Außerdem müssen sie auch für alle späteren Verluste aus den übertragenen Wertpapieren geradestehen: Die Bank muss die Differenz zwischen Übertragungswert und sogenanntem Fundamentalwert, also dem Wert, der nach einem weiteren Risikoabschlag vom tatsächlichen wirtschaftlichen Wert übrigbleibt, ermitteln und diesen über die gesamte Laufzeit in jeweils gleichen Teilen verzinslich an den Staat zurückzahlen. Soweit dieser Betrag zur Verlustdeckung nicht ausreichen sollte, muss der Fehlbetrag über eine Ausschüttungssperre akkumuliert werden. Das bedeutet: Die Verluste werden zeitlich gestreckt, sie werden aber nicht erlassen. So bleiben die Interessen der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler gewahrt.

Quelle: Bundesministerium der Finanzen

Die Infografik erklärt die Funktionsweise des "Bad Bank"-Modells, das es notleidenden Banken in Krisensituationen ermöglicht, ihre hochvolatilen Kredite staatlich garantieren zu lassen.
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

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