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31.10.2014

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Entwicklung des Finanzierungssaldos

Die Infografik stellt die Entwicklung des Finanzierungssaldos von 1991 bis 2020 dar. Die erste Hälfte der neunziger Jahre war durch hohe gesamtstaatliche Defizite (Maastricht-Abgrenzung) in einer Größenordnung von rund 3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) gekennzeichnet. Dabei waren die strukturellen Defizite – insbesondere durch die Folgen der deutschen Wiedervereinigung – noch deutlich höher als die nominalen. Die konjunkturell gute Lage verdeckte also einen Teil der strukturellen Defizite (Abstand zwischen nominalem und strukturellem Finanzierungssaldo). In der sich anschließenden Phase der Konsolidierung verschlechterte sich bis Mitte der neunziger Jahre gleichzeitig die konjunkturelle Situation, so dass zwar das strukturelle, jedoch nicht das nominale Defizit zurückging. Erst in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre kam es zu einem Rückgang sowohl des nominalen als auch des strukturellen Defizits.

Das Jahr 2000 markierte eine Trendwende: Trotz eines deutlich über Potenzialwachstum liegenden BIP-Zuwachses konnte das nominale Defizit – bereinigt um die Universal Mobile Telecommunications System-Erlöse – nur geringfügig vermindert werden, das strukturelle Defizit stieg sogar wieder an. Die folgenden Jahre waren durch eine zum Teil sehr schwache konjunkturelle Entwicklung gekennzeichnet, die zu einem Anstieg der nominalen und strukturellen Defizite führte. In den Jahren 2001 bis 2005 lag das strukturelle Defizit oberhalb des Maastricht-Referenzwerts von 3 Prozent des BIP. Infolgedessen wurde gegen Deutschland erstmals ein Defizitverfahren im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspakts eröffnet.

Mit der ersten Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts im Jahr 2005 wurde neben dem Maastricht-Defizit das mittelfristige Haushaltsziel (MTO) als strukturelle Kenngröße, die auch die zukünftigen Belastungen des demographischen Wandels berücksichtigt, eingeführt. Deutschland hat sein MTO seitdem auf 0,5 Prozent des BIP festgelegt. Zwar konnte Deutschland sein Maastricht-Defizit ab dem Jahr 2006 wieder unter den Referenzwert von 3 Prozent des BIP zurückführen, das strukturelle Defizit konnte jedoch nur langsam verringert werden und kam erstmals 2009 in die Nähe des MTO. Der nahezu ausgeglichene tatsächliche gesamtstaatliche Finanzierungssaldo in den Jahren 2007 und 2008 ging also wesentlich auf die damals gute konjunkturelle Situation zurück. 

Im Jahr 2009 hat die Finanz- und Wirtschaftskrise zu einem drastischen Wiederanstieg des Maastricht-Defizits geführt. Dieser war maßgeblich durch den konjunkturellen Einbruch und das Wirken der automatischen Stabilisatoren bedingt, so dass das strukturelle Defizit zunächst unverändert blieb. Im Jahr 2010 wirkten sich dann auch die Konjunkturprogramme auf das strukturelle Defizit aus. Der weitere Anstieg des nominalen Defizits war im Wesentlichen durch die Errichtung der Abwicklungsanstalten bedingt. Deutschland befand sich daher in den Jahren 2009 und 2010 erneut im Defizitverfahren.

Mit dem Jahr 2011, unterstützt von der deutlichen konjunkturellen Erholung, machte sich die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte positiv in einer spürbaren Verringerung sowohl des nominalen als auch des strukturellen Defizits bemerkbar. Deutschland wurde daher bereits 2012 aus dem Defizitverfahren entlassen. Im Jahr 2012 wies der deutsche Staat nicht nur einen nominalen, sondern auch einen strukturellen Überschuss auf. 2013 war der gesamtstaatliche Finanzierungssaldo ausgeglichen.

2014 erzielte Deutschland einen strukturellen Überschuss von rund 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Stand: Juli 2017

Quelle: Bundesministerium der Finanzen

Liniendiagramm: Entwicklung des Finanzierungssaldos von 1991 bis 2020. Während bis 2012 strukturelle Haushaltsdefizite erkennbar sind, hat Deutschland 2013 und 2014 Überschüsse erzielt.
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

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