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21.04.2016

Monatsbericht

Mün­zen – mehr als Klein­geld

  • In Deutschland liegt das alleinige Recht, Euro-Münzen auszuprägen, beim Bund, vertreten durch das BMF. Der wertmäßige Gesamtumfang der jährlichen Münzausgabe muss allerdings von der Europäischen Zentralbank (EZB) genehmigt werden.

  • Jährlich wird ein umfangreiches Münzprogramm an Umlauf-und Sammlermünzen aufgelegt. Die Sammler- und Gedenkmünzen als besondere Erinnerung an kulturelle und historische Ereignisse.

  • Die innovative neue 5-Euro-Sammlermünze 2016 als münztechnische Weltneuheit.

1 Einleitung

Das Recht, Münzen auszugeben, ist im Euroraum eine nationale Aufgabe, die den einzelnen Mitgliedstaaten zusteht. Dieses Recht, das sogenannte Münzregal, geht auf die Zeit zurück, in der es ausschließlich Münzen und kein Papiergeld gab und liegt seit vielen Jahrhunderten beim Landesherrn beziehungsweise beim Staat. In Deutschland gibt der Bund, vertreten durch das BMF, sowohl die Euro-Umlaufmünzen aus, die im täglichen Zahlungsverkehr verwendet werden, als auch die Euro-Sammlermünzen. Dabei bedarf der wertmäßige Gesamtumfang der jährlichen Münzausgabe, d. h. Umlauf- und Sammlermünzen, der Genehmigung der EZB.

Mit dem Münzregal verbunden ist auch der Anspruch auf den Münzgewinn. Die Differenz zwischen dem Nominalwert der Münzen und den Material- und Produktionskosten dürfen vom Bund vereinnahmt werden. So fließen aktuell aus der Ausgabe von Umlauf- und Sammlermünzen jährlich Erlöse im niedrigen dreistelligen Millionenbereich in den Bundeshaushalt ein.

Für die Ausgabe von Banknoten ist dagegen die EZB gemeinsam mit den nationalen Zentralbanken zuständig.

2 „Münzherr“ BMF

Das BMF hat als „Münzherr“ auch die Aufsicht über die Herstellungsprozesse aller deutschen Euro-Münzen inne. Es wird dabei in seinem Geschäftsbereich vom Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) unterstützt. So ist das BADV u. a. zuständig für die Materialbeschaffung und übt die Fachaufsicht über die fünf Münzstätten der Länder aus, die im Auftrag des Bundes die Münzen prägen. Woher eine Münze stammt, ist an dem aufgeprägten Münzzeichen erkennbar: „A“ – Berlin; „D“ – München; „F“ – Stuttgart; „G“ – Karlsruhe; „J“ – Hamburg. Die Buchstaben sind Überbleibsel der Kaiserzeit, als es in Deutschland eine Vielzahl an Münzprägestätten gab und jeder Fürst seine eigenen Münzen herausgeben konnte. Man benötigte zur Unterscheidung fast das ganze Alphabet; heute sind nur noch diese fünf Buchstaben übrig geblieben.

3 Umlaufmünzen

3.1 Nationalstaatliche Angelegenheit und europaweite Koordinierung

Wie viele Umlaufmünzen produziert werden, entscheidet das BMF auf Basis der Bedarfseinschätzung der Deutschen Bundesbank. Diese prognostiziert den jährlichen Prägebedarf für jede Münzstückelung (1 Cent bis 2 Euro). Für das Jahr 2016 beläuft sich der Bedarf insgesamt auf circa 1,6 Mrd. Stück. Die Deutsche Bundesbank bringt die Umlaufmünzen auch in den Verkehr. Dafür übernimmt sie die Münzen vom Bund und schreibt diesem im Gegenzug den Nennwert gut.

Die Stückelung und die technischen Merkmale der Umlaufmünzen sind durch europäisches Recht geregelt.1 Für die Gestaltung der Münzen gelten ebenfalls besondere Vorgaben. Die „Wertseite“ der Münze ist als „europäische“ Seite einheitlich gestaltet und in allen Mitgliedstaaten des Euroraums gleich. Das Design der nationalen Seite dagegen obliegt jedem Mitgliedstaat. In Deutschland bestimmt die Bundesregierung per Kabinettbeschluss über die Gestaltung dieser Münzseite. Seit der Einführung des Euro-Bargelds tragen die deutschen Euro-Umlaufmünzen unverändert die Motive „Eichenzweig“ (1, 2 und 5 Cent), „Brandenburger Tor“ (10, 20 und 50 Cent) und „Adler“ (1 und 2 Euro).

Der Münzsektor ist eine nationalstaatliche Angelegenheit, die aufgrund der gemeinsamen Währungsunion auch europaweiter Koordinierung bedarf. Zentrales Abstimmungsgremium auf europäischer Fachebene ist das „Euro Coin Sub-Committee“, ein Unterausschuss des Wirtschafts- und Finanzausschusses, in dem Deutschland durch das BMF und die Deutsche Bundesbank vertreten ist.

3.2 Der „Zwitter“: 2-Euro-Gedenkmünzen

Eine Art „Zwitterstellung“ zwischen Umlauf- und Sammlermünzen kommt den „2-Euro-Gedenkmünzen“ zu. Höchstens zwei solcher Münzen kann ein Mitgliedsland des Euroraums pro Jahr ausgeben, um einem Ereignis von großer nationaler oder europäischer Bedeutung zu gedenken. Darüber hinaus können alle Mitglieder des Euroraums gemeinsame Gedenkmünzen zu Themen von höchster europäischer Bedeutung emittieren. Die 2-Euro-Gedenkmünzen haben die gleichen Merkmale und Eigenschaften wie die regulären 2-Euro-Umlaufmünzen und sind ebenso wie sie gesetzliches Zahlungsmittel im gesamten Euroraum. Der Unterschied zur „normalen“ 2-Euro-Münze besteht lediglich in der Ausgestaltung des Gedenkcharakters auf der nationalen Seite. Die Mitgliedstaaten des Euroraums unterrichten einander und die Kommission über entsprechende Gestaltungsentwürfe, um zu vermeiden, dass nationale Befindlichkeiten berührt werden. Letztlich bedarf jede 2-Euro-Gedenkmünze der Genehmigung des Rates der Europäischen Union.

Beispiele für deutsche 2-Euro-Gedenkmünzen:

  • 25 Jahre Deutsche Einheit (2015).
  • Die „Bundesländer-Serie“: Seit 2006 erscheint jährlich eine 2-Euro-Gedenkmünze zur Würdigung desjenigen Bundeslandes, das den Bundesratsvorsitz innehat.

3.3 Keine Abschaffung der 1- und 2-Cent Münzen

Die Stückelung der Euro-Umlaufmünzen ist für den gesamten Euroraum einheitlich geregelt. Die Abschaffung einzelner Nominale könnte daher nur auf europäischer Ebene beschlossen werden. Damit bleiben die 1- und 2-Cent-Münzen auch in denjenigen Ländern gesetzliches Zahlungsmittel, die freiwillige Rundungsregeln für den nationalen Bargeldverkehr eingeführt haben. Dies sind zurzeit Belgien, Finnland, Irland und die Niederlande. Die Mehrheit der Euro-Mitgliedstaaten hat sich im Rahmen einer Folgenabschätzung der Europäischen Kommission im Jahr 2013 für eine fortgesetzte Ausgabe der 1- und 2-Cent-Münzen ausgesprochen.

Insgesamt ist die Einstellung der Menschen zu den sogenannten Kleinmünzen europaweit sehr unterschiedlich ausgeprägt. So ist in Deutschland das Zahlen mit Bargeld beliebter als in anderen Ländern und auch zu den 1- und 2-Cent-Münzen hat die Mehrheit der Deutschen ein positives Verhältnis („Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“).

In der Diskussion um die Kleinmünzen spielen oft die Produktionskosten eine Rolle. In Deutschland liegen die Herstellungskosten für eine 1-Cent-Münze über dem Nennwert, bei der 2-Cent-Münze liegen sie darunter. Auf europäischer Ebene werden zurzeit Möglichkeiten für eine kostengünstigere Produktion der Kleinmünzen untersucht. Die abschließenden Ergebnisse stehen hier noch aus.

Seitens des BMF gibt es derzeit keine Überlegungen zur Abschaffung der Kleinmünzen oder zur Einführung nationaler Rundungsregeln.

4. Sammlermünzen

Mit Münzen hat jeder täglich zu tun, zumindest als reines Zahlungsmittel. Darüber hinaus haben Münzen aber auch für viele einen besonderen Wert als Sammlerobjekt. Neben Umlaufmünzen und Umlauf-Gedenkmünzen werden in der Bundesrepublik Deutschland auch Sammlermünzen ausgegeben. Diese sind zwar gesetzliche Zahlungsmittel in Deutschland, jedoch aufgrund ihrer besonderen Charakteristika im Zahlungsverkehr nicht gebräuchlich.

Die Sammlermünzen erinnern an wichtige kulturelle oder historische Ereignisse und würdigen bedeutende Persönlichkeiten, die Deutschland nachhaltig geprägt haben.

Im BMF gehen jedes Jahr eine Vielzahl von Themenvorschlägen für die Ausgabe von Münzen ein. Die Vorschläge kommen weitestgehend aus der Bevölkerung, von Vereinen, Stiftungen und Museen sowie aus dem politischen Raum. Für die Vielzahl von Vorschlägen stehen allerdings nur wenige Münzausgaben pro Jahr zur Verfügung. Das heißt, jeder Vorschlag muss gut abgewogen werden, bevor er zur Umsetzung empfohlen werden kann. Alle Themen werden daher zunächst an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) weitergeleitet, die die Vorschläge für Gedenkmünzen sammelt und inhaltlich aufbereitet. Nach Abstimmung innerhalb eines unabhängigen Beirats, dem u. a. Vertreter aus Kultur, Wissenschaft, Medien und Politik angehören, entscheidet der Bundesminister der Finanzen abschließend über die Themen des jeweiligen Ausgabejahres.

Zur künstlerischen Gestaltung des Münzmotivs (Bild- und Wertseite der Münze) wird ein Münzwettbewerb ausgeschrieben und von einem Preisgericht bewertet. Das Preisgericht besteht aus vier Fachpreisrichtern – zwei Künstlern, einem Numismatiker sowie einem Themenvertreter – und drei Sachpreisrichtern – je einem Vertreter des BMF, der BKM und des BADV.

Der Siegerentwurf wird zur Umsetzung empfohlen und schließlich durch den Bundesfinanzminister dem Bundeskabinett zur Billigung vorgelegt.

In den Ausgabeprozess der Sammlermünzen sind verschiedene Institutionen eingebunden. Die operativen Aufgaben übernimmt dabei das BADV, das auch für die Abwicklung der Prägeaufträge mit den Münzstätten zuständig ist. Der Vertrieb und das Marketing für die deutschen Sammlermünzen erfolgt durch die Verkaufsstelle für Sammlermünzen, die ebenfalls dem BADV zugeordnet ist. Hier werden die Bestellungen entgegen genommen und der Münzversand durchgeführt.

Mehr zu diesem Thema und dem Ausgabeprogrammen erfahren Sie unter www.deutsche-sammlermuenzen.de.

4.1 Neuerungen im Ausgabeprogramm 2016

Mit Abschluss des Jahres 2015 wurde auf Beschluss der Bundesregierung die Emission von 10-Euro-Sammlermünzen aus Kupfer-Nickel beziehungsweise aus 625er Silber eingestellt. Ab 2016 werden stattdessen 20-Euro-Sammlermünzen in einer Legierung aus 925er Silber (Sterlingsilber) ausgegeben. Sie sind durch die Aufprägung „SILBER 925“ gekennzeichnet. Diese Anpassung soll zu einer nachhaltigen Stärkung und Belebung des Sammlermarkts führen. Sie trägt außerdem dem Wunsch vieler Sammler nach „wertigeren“ Münzen Rechnung.

Alle Sammlermünzen werden in der aufwendigen Prägequalität „Spiegelglanz“ und in der normalen Prägequalität „Stempelglanz“ hergestellt. Dies gilt nicht für die Goldmünzen, die ausschließlich in der Stempelglanz-Ausführung geprägt werden.

Tabelle 1: Die Emissionen des Programms 2016
Münze / Thema Ausgabetag
2-Euro-Gedenkmünze
Serie „Bundesländer“; Bundesland: Sachsen; Motiv: Dresdner Zwinger5. Februar 2016
5-Euro-Gedenkmünze (innovative Münze)
Serie „Grimms Märchen“; Motiv: Rotkäppchen
Motiv: 125. Geburtstag Nelly Sachs
Motiv: 200. Geburtstag Ernst Litfaß
Motiv: 175 Jahre Deutschlandlied
Motiv: 125. Geburtstag Otto Dix
4. Februar 2016
7. April 2016
7. Juli 2016
6. Oktober 2016
3. November 2016
20-Euro-Goldmünze
Serie „Heimische Vögel“; Motiv: Nachtigall23. Juni 2016
100-Euro-Goldmünze
Serie „UNESCO Welterbestätten in Deutschland“
Motiv: Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof

4. Oktober 2016

4.3. Die 5-Euro-Münze „Planet Erde“ – eine Weltneuheit

Am 14. April 2016 hat das BMF die 5-Euro-Sammlermünze „Planet Erde“ herausgegeben. Es ist die erste 5-Euro-Münze Deutschlands. Die neue Sammlermünze ersetzt aber nicht den Fünf-Euro-Schein. Diese Sammlermünze ist zwar gesetzliches Zahlungsmittel in der Bundesrepublik Deutschland, sie kann im Zahlungsverkehr aber nur in Deutschland eingesetzt werden. Die Münze besteht aus drei Komponenten: einem äußeren Ring, einem inneren Kern und einem prägbaren, zwischen Ring und Kern eingefügten lichtdurchlässigen Polymerring. Durch diese Kombination von Metallkomponenten und Kunststoff stellt sie zudem weltweit eine Münzneuheit dar. Mit der Ausgabe der Münze soll nicht nur das bislang auf den klassischen Münzsammler zugeschnittene Produktportfolio im Sammlermünzbereich erweitert werden. Durch den niedrigen Verkaufspreis und das außergewöhnliche Erscheinungsbild ist beabsichtigt, auch neue, gerade junge Zielgruppen zu erreichen.2

5 Euro Sammlermünze Planet Erde
Münzgestaltung: Stefan Klein, Iserlohn; Vorlage Adlermotiv: Alina Hoyer, Berlin Quelle:  Fotograf: Hans-Jürgen Fuchs, Stuttgart; Copyright © BADV

Zu besonderen Anlässen kann das Ausgabeprogramm um weitere Münzen ergänzt werden. So wurde im Jahr 2015 die 25-Euro-Gedenkmünze „25 Jahre Deutsche Einheit“ ausgegeben, welche die Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 würdigt. Mit ihren Merkmalen, die in Bezug auf den Nennwert (25 Euro) und das Material (Feinsilber; Ag 999) in der bisherigen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einmalig sind, ist diese Münze nicht nur für Sammler ein exklusives Erinnerungsstück.

25 Euro Sammlermünze - 25 Jahre deutsche Einheit
Münzgestaltung: Bernd Wendhut aus Bernkastel-Kues Quelle:  Fotograf: Hans-Jürgen Fuchs, Stuttgart; Copyright © BADV

Funßnoten

1 Verordnung (EU) 729/2014.

2 Weitere Informationen zur Sammlermünze „Planet Erde“ sind unter http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Service/Sammlermuenzen/2016-sammlermuenze-planet-erde.html zu finden.

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