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21.10.2016

Monatsbericht

Brief­mar­ken – Zei­ten­spie­gel, Wohl­tä­ter, Kunst­wer­ke

  • Das BMF ist seit 1998 Herausgeber der Postwertzeichen mit dem Aufdruck „Deutschland“.
  • Jährlich werden rund 50 neue Motive herausgegeben.
  • Ihre hohe Auflage sichert eine beachtliche Breitenwirkung - auch außerhalb Deutschlands.
  • Sogenannte Plusmarken erzielen zusätzliche Erlöse in Millionenhöhe für gemeinnützige Projekte.
  • Postwertzeichen sind ein Kulturgut mit langer Tradition.

1 Geschichte der Briefmarke

Seit Beginn der Menschheit gibt es den Austausch mündlicher Botschaften über weite Entfernungen. Um die mündlichen Nachrichten nicht zu vergessen, nahmen die Boten Knotenschnüre oder Kerbhölzer mit. Aus der Erfindung der Schrift vor rund 5000 Jahren entwickelte sich der postalische Austausch. Kaiser Augustus schuf um Christi Geburt eine Postorganisation, die das gesamte damalige Römische Reich mit seinem 80 000 km langen Straßennetz umfasste. Entlang der Verkehrswege zwischen den römischen Provinzen gab es Stationen, sogenannte mansio posita, lateinisch für festgelegter Aufenthaltsort, Raststelle, wovon sich das italienische Wort „posta“ und das deutsche „Post“ ableiten. Diese frühe Form der Post diente – anders als heute – im Wesentlichen der amtlichen und militärischen Kommunikation. In Deutschland beauftragte im 15. Jahrhundert Kaiser Maximilian I. die Familie Taxis, ein systematisches Reichspostnetz einzurichten und zu unterhalten, in dem bald als zusätzliche Einnahmequelle auch private Post befördert wurde. Dabei wurden üblicherweise die Transportgebühren erst beim Empfänger der Sendung eingefordert.

Die Briefmarke wurde erstmals 1840 in England eingeführt. Die erste war die sogenannte One Penny Black mit einem Portrait der jungen Queen Victoria, zu deren Gestaltung ein öffentlicher Wettbewerb ausgeschrieben worden war. Im Zuge der dortigen Postreform hatte die britische Regierung festgelegt, dass nun Postwertzeichen als Beleg für ein bereits vom Absender bezahltes Porto auf die Post aufzukleben waren. Neben der „Prepaid-Funktion“ konnten so unabhängig von der Entfernung standardisierte Einheitsgebühren festgelegt werden, was den Postbetrieb erheblich vereinfachte und den Massenverkehr förderte. Die erste deutsche Briefmarke war der Schwarze Einser, der 1849 vom Königreich Bayern durch Gesetz geschaffen wurde. Mit der Gründung des Weltpostvereins auf Initiative des deutschen Generalpostmeisters Heinrich von Stephan, der Errichtung des Briefkastensammelsystems und durch den Ausbau der Eisenbahn wurde der Brief zum wichtigsten Kommunikationsmittel. So erreichte die Verbreitung der Briefmarke um 1900 ihren Höhepunkt. Die Auflagenhöhen von Briefmarken gingen zu dieser Zeit bis in den Milliardenbereich.

Briefmarke zum Tag der Briefmarke.
"175 Jahre Briefmarken" (2015); Gestaltung Postwertzeichen: Prof. Johannes Graf, Dortmund; Bildvorlage mit freundlicher Genehmigung des Archivs für Philatelie, Museumsstiftung Post und Telekommunikation, Bonn.

2 Zuständigkeiten und Marken

2.1 Zuständigkeit

Das BMF ist gemäß § 43 Absatz 1 des Postgesetzes Herausgeber der Postwertzeichen mit dem Aufdruck „Deutschland“. Es hat das Recht zur Ausgabe und Ungültigerklärung von Postwertzeichen. Diese hoheitliche Aufgabe im Sinne des Art. 87f Absatz 2 Satz 2 Grundgesetz hatte es zum 1. Januar 1998 im Zuge der Postreformen vom nunmehr aufgelösten Bundesministerium für Post und Telekommunikation übernommen. Da Postdienstleistungen gemäß dem Grundgesetz ausschließlich durch private Unternehmen erbracht werden dürfen, werden Postwertzeichen durch einen Lizenznehmer vervielfältigt und vertrieben.

Im europaweiten wettbewerblichen Auswahlverfahren um die exklusive Erlaubnis hat sich die Deutsche Post AG als erfolgreiche Bieterin durchgesetzt. Sie war, als mit der Postreform 1995 das Briefbeförderungsmonopol und das ursprünglich hieran gekoppelte Monopol für die Verwendung der Postwertzeichen wegfielen, aus der Deutschen Bundespost mit der Aufgabe der Übermittlung von Brief- und Frachtpostsendungen („Gelbe Post“) entstanden. In dem mit dem BMF abgeschlossenen Lizenzvertrag werden die sich aus der Dienstleistungskonzession ergebenden Rechte und Pflichten der Deutschen Post AG konkretisiert: Staatlich herausgegebene Postwertzeichen werden in hinreichender Auflage hergestellt, bundesweit flächendeckend in kundenfreundlicher Art und Weise angeboten, zur Abgeltung von Postdienstleistungen benutzt und für den Privat- und Geschäftskundenbereich sowie im Bereich der Philatelie vermarktet. Weitere Pflichten sind z. B. die kundenfreundliche verkaufsfördernde optische Präsenz der Sondermarken in den Filialen, die Mitwirkung an der Bewahrung der Postwertzeichen als Kulturgut oder die Pflege des Philateliemarkts.

2.2 Briefmarken allgemein und Programm

Sondermarken sind motivisch besonders gestaltete Briefmarken aus bestimmtem Anlass mit dem Aufdruck „Deutschland“. Von ihnen werden jährlich rund 50 neue Motive herausgeben. Von den Sondermarken erscheint eine bestimmte Anzahl als sogenannte Plusmarken, früher Zuschlagsmarken genannt, deren zum Frankaturwert zusätzlicher Erlös unmittelbar den Projekten gemeinnütziger Organisationen zufließt (dazu unter Punkt 4 mehr). In der Regel ist auch ein Markenplatz für eine Gemeinschaftsmarke mit einem anderen Staat vorgesehen. Zusätzlich zum regulären Programm können noch Ad-hoc-Marken aus aktuellem Anlass herausgegeben werden.

Briefmarke zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014.
"Deutschland Fußball-Weltmeister 2014"; Grafische Gestaltung: Lutz Menze, Wuppertal, Fotovorlage: © Getty Images, Clive Mason

Bestimmte Themen sind so ergiebig, dass daraus regel- oder unregelmäßige Serien entstanden sind, z. B. Leuchttürme, Grimms Märchen, Deutschlands schönste Panoramen und Kirchenmarken. Rund 20 Programmplätze legt die Deutsche Post AG selbst fest, das BMF hat insoweit nur ein Vetorecht. Aufgrund ihrer Funktion für den Postverkehr hat die Deutsche Post AG aber bei den anderen Marken wesentliche Mitspracherechte, z. B. bei den Wertstufen.

Die Deutsche Post hat daneben inzwischen eine Reihe von technischen Alternativen zur Freimachung entwickelt, die der betriebswirtschaftlichen Rationalisierung insbesondere bei Großkunden Rechnung tragen: Automatenmarken, Freistempelmaschinen, Handyporto, Internetmarke, E-Postbrief usw., bei denen es sich aber nicht mehr um Postwertzeichen im eigentlichen Sinn handelt. Nach Schätzungen der Deutschen Post AG tragen heute noch rund 24 % aller von ihr beförderten Sendungen ein Postwertzeichen. Der rückläufige Stellenwert von Briefmarken wird daneben u. a. durch die elektronischen Möglichkeiten der Informationsübermittlung via Mobiltelefon und Internet befördert.

3 Entstehung von Briefmarken

Die Ausgabe der Briefmarken im Sinne des Postgesetzes umfasst alle Entscheidungen und Handlungen, die für das Inverkehrbringen des Postwertzeichens notwendig sind. Ein langjährig bewährtes Verfahren gewährleistet die im In- und Ausland anerkannte hohe Qualität der deutschen Briefmarken.

Es beginnt mit der Entscheidung über die Themen der rund 50 Sondermarken des übernächsten Jahres. Jedermann kann dazu Vorschläge machen. Das BMF als Herausgeber erhält jährlich hunderte Zusendungen, von denen etwa 50 die Chance haben, verwirklicht zu werden. Das letzte Wort bei der Themenauswahl hat der Bundesfinanzminister. Dabei wird er vom Programmbeirat unterstützt. Dieser besteht aus insgesamt 14 Mitgliedern, die sich aus Vertretern des BMF, der Deutschen Post AG, Bundestagsabgeordneten, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Deutschen Presserats, des Bundes Deutscher Philatelisten und des Bundesverbands des Deutschen Briefmarkenhandels zusammensetzen. Der Programmbeirat tagt einmal jährlich – im Regelfall im Herbst –, prüft die vorliegenden Anregungen und erarbeitet eine konkrete Empfehlung für den Bundesfinanzminister für das Programm des übernächsten Jahres (aktuell also für das Jahr 2018).

Der interessantere, manchmal auch schwierigere Teil ist sicherlich die Umsetzung der Themen auf das Format der Briefmarke. Hierbei wird das BMF von den 13 Mitgliedern des sogenannten Kunstbeirats unterstützt: Vertreter des BMF, der Deutschen Post AG, Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Professoren aus dem Grafikbereich, Vertreter des Bundes Deutscher Philatelisten und des Bundesverbands des Deutschen Briefmarkenhandels gewährleisten die Pluralität der Geschmacksrichtungen. Für die Ausschreibungen der Wettbewerbe zur Gestaltung greift das BMF derzeit auf einen Stamm von rund 100 Grafikern zurück. Diese werden aus vielen Bewerbern – in der Regel ausgebildete Experten aus dem Bereich Grafik- und Kommunikationsdesign – vom Kunstbeirat u. a. nach ihrer Fähigkeit ausgewählt, im nur wenige Quadratzentimeter großen Format zu arbeiten. Jeweils sieben bis acht von ihnen werden gebeten, für eine neue Marke bis zu drei Entwürfe abzugeben. Der Kunstbeirat beurteilt die grafische Qualität der Entwürfe und bereitet ein Votum vor, auf dessen Grundlage der Bundesfinanzminister sich schließlich für den besten entscheidet.

Die Herstellung der Briefmarken erledigen ausgewählte Druckereien im Auftrag der Deutschen Post AG. Insgesamt werden rund 2,8 Milliarden Wertzeichen pro Jahr hergestellt. Hier wird neben der Sicherheit großen Wert auf eine makellose Qualität gelegt. Denn Fehldrucke sind rar und bei Sammlern begehrt. Derzeit liegen die Auflagenhöhen bei nassklebenden Briefmarken zwischen 2 bis 7 Millionen Stück, bei selbstklebenden reichen sie bis in den dreistelligen Millionenbereich. Dauermarken werden grundsätzlich bis auf Weiteres nachproduziert.

Einige Marken werden in zeitlicher Nähe zum Ausgabetag der philatelistischen und medialen Öffentlichkeit vorgestellt. Die Vorstellung nimmt der Bundesfinanzminister selbst oder die ihn vertretenden Staatssekretäre vor. Dies geschieht oft an Orten, die einen besonderen Bezug zum Markenthema haben.

Die Grafik stellt den Themenfindungs- und Entwicklungsprozess von Briefmarken dar.

4 Zweck der Marken

Neben dem bereits benannten betriebswirtschaftlichen Zweck der vereinfachten und standardisierten Freimachung von Postsendungen kommen der Briefmarke noch weitere Bedeutungen zu. Briefmarken sind Spiegel der Zeit und Teil staatlicher Repräsentation. Sie sind nicht nur Alltagsgut, sondern geben die kulturelle Vielfalt Deutschlands und den Zeitgeist facettenreich, seriös, manchmal auch spielerisch wieder. So weisen sie auf herausragende historische oder aktuelle Ereignisse, Geburtstage verstorbener Persönlichkeiten, Wunder der Natur, Besonderes aus den Regionen oder allgemein Wissenswertes hin.

Briefmarke mit dem Abbild von Pina Bausch.
"75. Geburtstag Pina Bausch" (2015); Grafik: Prof. Dieter Ziegenfeuter, Dortmund; Foto: Wilfried Krüger, Wuppertal.

Wie sehen die Deutschen ihr Heimatland? Welches Bild Deutschlands soll in die Welt getragen werden? Vieles, was für Deutschland bedeutsam war und ist, findet seine Ehrung auf den Marken und sichert durch die hohe Auflage eine beachtliche Breitenwirkung – auch außerhalb Deutschlands.

Gemeinschaftsmarken, die Deutschland regelmäßig zusammen mit einem anderen Land herausgibt, erinnern darüber hinaus an nationenverbindende Personen und Ereignisse. Solche Briefmarken sind Botschafter der Freundschaft. 2016 kam die Sonderbriefmarke „25 Jahre Deutsch-Polnisches Jugendwerk“ heraus, 2015 das Motiv „50 Jahre diplomatische Beziehungen mit Israel“.

Daneben ist die einzelne Briefmarke als Trägermedium bereits für sich betrachtet ein Kulturgut mit langer Tradition: ein Kunstwerk auf ungefähr 3,5 mal 3,5 cm, das unsere Post schmückt. Große Themen auf kleinstem Raum im Einklang mit den postalischen Notwendigkeiten überzeugend darzustellen, ist eine Kunst für sich. Nicht zuletzt das macht sie zum beliebten Sammlerobjekt.

Auf der Briefmarke werden das Deutsche Sattelschwein sowie das Rhönschaf dargestellt.
"Alte und gefährdete Nutztierrassen in Deutschland" (2016); Grafische Gestaltung: Carsten Wolff, Frankfurt am Main; Foto Rhönschaf: Fränkisches Freilandmuseum Fladungen; Foto Deutsches Sattelschwein mit Vorhanghintergrund: Paul Farnham.

Briefmarken können auch Wohltäter sein. Die seit 1949 jährlich herausgegebenen sogenannten Plusmarken übernehmen eine wichtige Funktion innerhalb des gesellschaftlichen Engagements. Sie sind erkennbar am Plus-Zeichen; zudem ist neben der Wertstufe (als Beförderungsentgelt) ein zusätzlicher Wert aufgedruckt, den die Deutsche Post AG beim Verkauf vereinnahmt und an die jeweilig benannten Begünstigten auskehrt. Die kleinen Beiträge von 30 bis 55 Cent zeigen große Wirkung: Die erzielten zusätzlichen Erlöse aus dem Spendenanteil belaufen sich auf derzeit jährlich rund 11 Mio. , seit 1949 über 1 Mrd. €. Deshalb ist es ein zentrales Anliegen des BMF, den Absatz und die Verbreitung von Plusmarken für die direkte und konkrete Hilfe gemeinnütziger Projekte zu fördern. Es bürgt dafür, dass jeder Cent gut angelegt ist und direkt bei denen ankommt, die auf die Solidarität angewiesen sind, ob Kinder oder Jugendliche, Menschen mit Behinderungen oder ältere Menschen, Spitzensportler oder Umweltschutzprojekte.

Briefmarke "Für den Sport 2016": Rugby, Fussball, Golfball. Im unteren Teil der Marke kann man lesen: "Gutes tun. Mit Briefmarken helfen."
Gestaltung Postwertzeichen: Thomas Serres, Hattingen "Für den Sport 2016, Spielbälle". Quelle:  Fußball: Fotolia.com, © Jan Matoska; Rugbyball: albund/Shutterstock; Golfball: Winai Tepsuttinun/Shutterstock

Begünstigte sind seit 1949 die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. (BAG), seit 1962 die Stiftung Deutsche Jugendmarke e. V., seit 1968 die Stiftung Deutsche Sporthilfe, seit 1992 das Bundesministerium für Umwelt sowie seit 1993 die Stiftung Philatelie und Postgeschichte. Seit 1969 erscheinen darüber hinaus jährlich zwei beziehungsweise seit 2012 jährlich eine Weihnachtsmarke zugunsten der BAG. Die BAG konnte seit ihrer Gründung über 4 Milliarden Wohlfahrts- und Weihnachtsmarken verkaufen und ist so die größte Erlösempfängerin. Sie leitet(e) die 650 Mio. € an die soziale Arbeit der Arbeiterwohlfahrt, der Caritas, des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, des Deutschen Roten Kreuzes, der Diakonie und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland weiter. Diese betreuen mehr als 3,6 Millionen Menschen in nahezu 100 000 Einrichtungen. Ihr Engagement reicht von der Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe sowie Gesundheits- und Familienhilfe, sozialen Maßnahmen für Arbeitslose, Flüchtlinge, Suchtkranke bis hin zur internationalen Katastrophenhilfe. Schirmherr des Sozialwerks Wohlfahrtsmarken (ebenso wie für die Deutsche Sporthilfe) ist traditionell der amtierende Bundespräsident. So vermitteln die Plusmarken die Botschaft, wie wichtig z. B. das bürgerliche Engagement für die Gesellschaft ist.

5 Rechtliches

5.1 Zivilrecht

Postwertzeichen sind juristisch gesehen sogenannte kleine Inhaberpapiere im Sinne des § 807 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 11. Oktober 2005 (XI ZR 395/04) gilt das auch für die vor der ersten Postreform 1989 ausgegebenen Marken. Das bedeutet, dass die Marke als Urkunde einen Anspruch auf Beförderung einer Postsendung in dem Umfang verkörpert, der dem aufgedruckten Wert entspricht. Im internationalen Postverkehr sichern die Vereinbarungen des Weltpostvertrags, dass auch die Postdienstleister unterwegs und im Bestimmungsland diesen Nachweis akzeptieren. Mit der Entwertung durch die Stempelung kann keine Leistung mehr verlangt werden. Solange die Postbeförderung staatlich war, war nach der Postordnung das Entgelt für die Briefbeförderung eine öffentlichrechtliche Gebühr. Aufgrund der heutigen privaten Organisationsform der Postunternehmen handelt es sich beim Erwerb des Postwertzeichens um einen privatrechtlichen Kauf.

5.2 Urheberrecht

Briefmarken unterliegen dem Urheberrechtsschutz; es handelt sich nicht um amtliche Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes. Beim BMF als Herausgeber liegt das ausschließliche Nutzungsrecht. Zudem kann u. a. das Recht des Gestalters als Urheber tangiert sein. Eine Abbildung ist unter bestimmten Voraussetzungen jedoch möglich.

6 Technisches

Briefmarken sind im Allgemeinen rechteckig, da sie so leichter zu zähnen und aus dem Bogen zu trennen sind. Die Zähnung ist die weltweit übliche Weise der Perforation. Briefmarken erscheinen mit Gummierung oder auf selbstklebender Kunststofffolie. Das Papier ist speziell für den Druck von Briefmarken hergestellt, da es besonderen drucktechnischen Anforderungen genügen sowie einheitlich und fälschungssicher sein muss. Postwertzeichen werden in der Regel im Offsetdruckverfahren produziert. Jenes ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen – wesentliche Nutzung der Wertzeichen zu Frankaturzwecken, Anforderungen an die Farbigkeit von Wertzeichen, Wirtschaftlichkeit der Herstellung etc. – die derzeit beste Wahl unter den verschiedenen Druckverfahren. Gedruckt wird auf holzfreiem, fluoreszierendem Spezialpapier, das vor dem Druck gummiert wird, wofür seit geraumer Zeit ausschließlich Kunststoffe verwendet werden. Im Jahr 2010 kamen das erste Mal sogar „Duftmarken“ heraus, Wohlfahrtsmarken mit Obstmotiv, die beim Darüberreiben den Geruch der abgebildeten Frucht verströmten.

7 Philatelie

Mit dem Massenbriefverkehr Ende des 19. Jahrhunderts setzte auch die große Bewegung des Briefmarkensammelns ein. Bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts wird es die am meisten verbreitete aktive Freizeitbeschäftigung in Deutschland gewesen sein. Der Begriff Philatelie stammt aus dem Griechischen: „Philos“ bedeutet Freund, „ateleia“ Gebührenfreiheit, was man mit Liebhaber für Gebührenfreiheitszeichen übersetzen könnte, also das systematische Sammeln und Erforschen von letztlich allen postalischen Erscheinungsformen. Dies umfasst nicht nur Briefmarken, sondern z. B. auch Ersttagsstempel, Ersttagsbriefe und Numisblätter. Das BMF misst dem Philateliemarkt eine besondere Bedeutung zu, die sich in der Verpflichtung des Lizenznehmers widerspiegelt, den Sammlermarkt zu fördern. Der Anteil der Sammler an der jeweiligen Markenauflage liegt nach Schätzungen bei rund einer Million. Der Umsatz im Händlerbereich dürfte jährlich bei etwa 150 Mio. € liegen. Nach einem längeren Abwärtstrend, der mit der Jahrtausendwende einsetzte und den Sammlermarkt ungefähr halbierte, stabilisiert er sich seit geraumer Zeit auf gleicher Höhe. Als Einnahmequelle für die Deutsche Post AG ist die Philatelie nicht zu unterschätzen. Die an die Sammler verkauften Postwertzeichen und Begleitprodukte bedeuten eine Einnahme ohne zu erbringende Beförderungsleistung, also einen jährlichen Reingewinn im geschätzten niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Seltene, alte, besonders schöne oder Briefmarken mit einer besonderen Geschichte erzielen bei ausreichender Qualität nach wie vor bei Auktionen beachtlich hohe Preise. Die teuerste Marke der Welt dürfte nach Zeitungsberichten die British Guiana 1 Cent magenta mit einem Ersteigerungserlös von 9,5 Mio. US-Dollar (erzielt 2012 bei Sotheby's) sein. Zu den berühmtesten hierzulande zählen wohl die obengenannte One Penny Black, die Blaue Mauritius (aus Mauritius von 1847), der obengenannte Schwarze Einser oder die deutsche Wohlfahrtsmarke Audrey Hepburn von 2001. Letztere kam nach dem Druck von 14 Millionen Exemplaren nie zur Ausgabe. Die Erben der Schauspielerin hatten kurz vor der Ausgabe ihre Zustimmung verweigert, da ihre Mutter auf dem Filmmotiv mit Zigarettenspitze abgebildet war. Dennoch gelangten einige Exemplare aus bis heute ungeklärten Gründen in den Umlauf. Ein Zehnerbogen konnte für 430 000 Euro versteigert werden.

Zu den beliebtesten Motiven bei den Briefmarken in den vergangenen Jahren gehören die Leuchtturm-Motive. Die Serie wurde schon 2004 aufgelegt und war nur für wenige Jahre gedacht. Erstes Exemplar war der Leuchtturm Roter Sand in der Außenweser. Seither werden alljährlich zwei Leuchtturmmarken in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes herausgegeben – einer aus dem Nordsee- und einer aus dem Ostseeraum im Postkarten- und Brieftarif. Aktuell erschienen am 7. Juli die Leuchttürme Staberhuk auf Fehmarn und Kampen auf Sylt.

Für 2017 sind die Türme Bremerhaven Unterfeuer und Kiel-Holtenau vorgesehen.

Zwei Briefmarken mit Leuchttürmen in Staberhuk und Kampen
Gestaltung Postwertzeichen: Prof. Johannes Graf, Dortmund Quelle:  © Reinhard Scheiblich, Norderstedt
Tabelle 1: Liste der ausgewählten Themen zum Sonderpostwertzeichen-Jahresprogramm 2017
ThemenAnzahl PWZ
Markenthemen
500 Jahre Reformation (Gemeinschaftsmarke mit Brasilien)1
50 Jahre Justitia et Pax1
Die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers1
300. Geburtstag Johann Joachim Winckelmann1
200 Jahre Fahrrad - 1817 Karl Drais1
150. Geburtstag Walther Rathenau1
Topographie des Terrors1
1000 Jahre Stadt Neunburg vorm Wald1
150 Jahre Norddeutscher Bund1
100. Geburtstag Heinrich Böll1
200. Geburtstag Theodor Mommsen1
200. Geburtstag August Wilhelm Schlegel1
400 Jahre Fruchtbringende Gesellschaft1
100. Geburtstag Heinz Sielmann1
50 Jahre Farbfernsehen in Deutschland1
Weltkulturerbe der UNESCO - Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft1
Weinanbau in Deutschland1
Motive von Otto Waalkes1
Weihnachten/Winter1
Plusmarken

Serie „Für den Sport“

zur Unterstützung der Stiftung Deutsche Sporthilfe:

50 Jahre Deutsche Sporthilfe

3

Serie „Für die Jugend“

zur Unterstützung der Stiftung Deutsche Jugendmarke e. V.:

Motive der Augsburger Puppenkiste

3

Serie „Für die Wohlfahrtspflege“

zur Unterstützung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien

Wohlfahrtspflege e. V.:

Grimms Märchen – Die Bremer Stadtmusikanten

3

Serie „Weihnachten“

zur Unterstützung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien

Wohlfahrtspflege e. V.:

Vom Himmel hoch

1

Serie „Tag der Briefmarke“

Fix & Foxi

1
Serien

Serie „Aktuelles“:

G20-Präsidentschaft Deutschland 2017

Eröffnung der Elbphilharmonie


1
1

Serie „Burgen und Schlösser“:

Schloss Ludwigsburg

1

Serie „Leuchttürme“:

Kiel-Holtenau und Bremerhaven Unterfeuer

2

Serie „Europa“:

Die Wartburg

1

Serie „Deutsche Fernseh-Legenden“:

Das Millionenspiel

1

Serie „Design aus Deutschland“:

Lindinger Straßenbahn

1

Serie „Automobil-Klassiker (1950er bis 1980er Jahre)“:

Opel Manta A und VW Golf 1

2

Serie „Deutschlands schönste Panoramen“:

Badische Weinstraße/Markgräflerland

2

Serie „Mikrowelten“:

Menschliches Haar und Vitamin C

2

Serie „Schätze aus deutschen Museen“:

Jan Vermeer van Delft – Mädchen mit dem Weinglas

Jean-Baptiste Oudry – Pfefferfresser, Jungfern- und Haubenkranich

2

Serie „Tierkinder“:

Iltis und Wildschwein

2

Serie „Wildes Deutschland“:

Mecklenburgische Seenplatte und Reinhardswald

2

Serie “Astronomie”:

Unser Sonnensystem

2
Änderungen vorbehalten. Stand: September 2016.

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