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18.06.2013

Ein­gangs­state­ment von Carl-Lud­wig Thie­le Mit­glied des Vor­stands der Deut­schen Bun­des­bank

Sehr geehrte Damen und Herren,

SEPA ist die Abkürzung für Single Euro Payments Area, zu Deutsch einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum. Dabei geht es zunächst um die Einführung von Überweisungen und Lastschriften in einem einheitlichen technischen Datenformat in den Ländern des Euroraums. Dies muss nach EU-Gesetzesvorgaben bis zum 1. Februar 2014 geschehen. Die Zeit drängt somit. Es sind bis dahin nämlich nur noch etwas mehr als sieben Monate. Die Umstellung auf SEPA ist ein tiefgreifender Wandel für den deutschen Zahlungsverkehr. Seit fast vierzig Jahren nutzen wir in Deutschland für Überweisungen und Lastschriften ein und denselben technischen Standard. Dieser deutsche Standard für die Datenformate von Überweisungen und Lastschriften unterscheidet sich deutlich von denen anderer Länder in Europa. Mit SEPA wird eine ganz neue Epoche im Zahlungsverkehr eingeleitet, die einen gemeinsamen Markt in Europa für bargeldlose Euro-Zahlungen schaffen wird.

Doch Umstellungen sind immer mit Aufwand verbunden, der bekanntermaßen von vielen Beteiligten gescheut wird. Zwar ist der Umstellungsaufwand verschieden: Für Privatpersonen ist es eine eher sanfte Umgewöhnung, für Unternehmen und Vereine dagegen eine echte Herausforderung. Und viele Beteiligte wollen immer noch nicht glauben, dass sie betroffen sind. Deshalb sollte hier ganz deutlich werden, dass es nicht nur um grenzüberschreitende Zahlungen oder den Zahlungsverkehr großer, international tätiger Unternehmen geht.

  1. Jeder, der Überweisungen oder Lastschriften tätigt, ist betroffen!
  2. Alle Überweisungen und Lastschriften, auch die „nur“ deutschlandweiten, sind betroffen!
  3. Bis zum 1. Februar 2014 muss die Umstellung vollzogen sein. Dies ist Gesetz und wird auch nicht geändert. Es gibt keinen „Plan B“!

Mittlerweile drängt bei der SEPA-Umstellung wirklich die Zeit. Und in Deutschland ist noch zu wenig passiert, es besteht noch großer Handlungsbedarf.

Nationale SEPA-Indikatoren im Euroraum

Auf der Folie „Nationale SEPA-Indikatoren im Euroraum“ sehen Sie die Zahlen für die SEPA-Überweisung für Deutschland im ersten Quartal 2013. Wir liegen lediglich bei 8,72 %. Damit sind wir nicht das Schlusslicht im Euroraum, aber wir liegen ganz deutlich weit hinten. Sie müssen bedenken, dass der Anteil der SEPA-Überweisungen bis Anfang Februar 2014 bei 100 % liegen muss. Die Nutzungszahlen geben zwar keinen Aufschluss über den Vorbereitungstand. Aber auch verschiedene Umfragen unter Nutzern zum Vorbereitungsstand zeichnen leider kein besseres Bild.

SEPA-Indikator für Lastschriften im Euroraum/Deutschland

Wenn Sie auf die Lastschrift schauen, wird das Bild nochmals deutlich schlechter. Im Euroraum waren es Ende März 2013 gerade einmal etwas mehr als 2 % SEPA-Lastschriften. In Deutschland lag der Anteil bei 0,14 % an der Gesamtzahl aller nationalen Lastschriften. Und das bei der besonders hohen Bedeutung der Lastschrift in Deutschland und dem nicht zu unterschätzenden technischen und organisatorischen Aufwand bei der Umstellung auf die SEPA-Lastschrift. Diese Tatsachen bereiten mir durchaus Kopfschmerzen.

Alle Beteiligten, sprich Hausbanken, Verbände, IT-Dienstleister, sind deshalb aufgefordert, ihre Kunden noch fester an die Hand zu nehmen und die SEPA-Umstellung voran zu bringen.

Vergabe von Gläubiger-Identifikationsnummern

Jeder, der als Zahlungsempfänger die SEPA-Lastschrift nutzen möchte, benötigt eine Gläubiger-Identifikationsnummer. Darauf hatte sich die europäische Kreditwirtschaft bei der Entwicklung der Lastschrift geeinigt. Denn die SEPA-Lastschrift verlangt von jedem Einreicher, also dem Gläubiger, eine Nummer, die im Datensatz hinterlegt wird. In Deutschland gab es im Lastschriftverfahren bisher keine solche Nummer.

Diese Gläubiger-Identifikationsnummer vergibt die Bundesbank. Wir haben einen tagesaktuellen Einblick, wie viele Nummern bereits vergeben wurden. Die gute Nachricht ist, dass die Nachfrage zunehmend stärker steigt. Erst kürzlich mussten wir die Telefon-Hotline verstärken, um die mit der Vergabe verbundenen Fragen zeitnah beantworten zu können. Die schlechte Nachricht ist aber, dass die Nachfrage noch immer nicht hoch genug ist. Angesichts von rund vier Millionen Unternehmen und Vereinen, die vermutlich eine Gläubiger-Identifikationsnummer benötigen werden, sind erst rund 490.000 Nummern vergeben worden. Das sind nur etwas mehr als 10 %. Für Vereine waren es knapp 115.000 Nummern.

Lassen Sie mich resümieren: Bei der SEPA-Migration gehört Deutschland nicht zur Spitzengruppe, wofür es sicherlich Gründe geben mag. Aber die besten Begründungen reichen nicht aus, wenn es um die Erfüllung gesetzlicher Vorschriften geht. Daher müssen nun alle Anstrengungen unternommen werden, damit die SEPA-Migration rechtzeitig zum 1. Februar 2014 zu schaffen ist.

Vorteile von SEPA

Bei dem nicht zu vernachlässigendem Aufwand, dem sich insbesondere institutionelle Nutzer bei der SEPA-Umstellung gegenübersehen, fragen sich viele, warum wir SEPA brauchen. SEPA bringt Vorteile:

  1. SEPA bedeutet: Ein technischer Standard für Deutschland und Europa. Sie können also europaweit genauso einfach und sicher bezahlen wie national.

  2. Der paneuropäische Wettbewerb wird intensiviert: Es ist daher davon auszugehen, dass das Leistungsniveau für Nutzer von Zahlungsdiensten in ganz Europa (auch in den Ländern, die vielleicht einen weniger effizienten Zahlungsverkehr als Deutschland hatten) mittelfristig steigen wird.

  3. Europaweit besteht freie Kontowahl: Privatpersonen ebenso wie Unternehmen und andere Organisationen können ihren gesamten Euro-Zahlungsverkehr europaweit von einem einzigen Konto abwickeln.

  4. Das Liquiditätsmanagement der Unternehmen wird einfacher und effizienter: Reduktion von Komplexität, Abbau von Schnittstellen, automatische Weiternutzung von Zahlungsinformationen im betrieblichen Rechnungswesen. Dies könnte ein Vorteil gerade für die vielen mittelständischen Unternehmen in Deutschland sein, die im EU-Ausland aktiv sind.

  5. SEPA ist die Basis für Innovationen im Zahlungsverkehr, z. B. Mobile und Online-Zahlverfahren.
  6. Mit dem SEPA-Standard hält im europäischen Zahlungsverkehr ein technischer Standard Einzug, der weltweit Maßstäbe setzt. Immer mehr Länder auch aus ganz anderen Währungsräumen wollen ihre Zahlungen auf diese technische Basis umstellen.

Es geht also insgesamt darum, die volkswirtschaftlichen Kosten des Zahlungsverkehrs zu reduzieren und den Nutzen zu erhöhen. Und Sie können sicher sein, dass die Bundesbank darauf achtet, dass das Leistungsniveau im deutschen Zahlungsverkehr mindestens erhalten bleibt.

SEPA-Kommunikation der Deutschen Bundesbank

Um den SEPA-Umstellungsprozess zu unterstützen, hat die Bundesbank bereits Kommunikationsmaßnahmen ergriffen – in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Finanzen und den Mitgliedern des Deutschen SEPA-Rates. Zu den Kommunikationsmaßnahmen zählen die Website www.sepadeutschland.de, die Entwicklung eines SEPA-Flyers sowie regelmäßige Presseveröffentlichungen.

Weiterhin habe ich mich in unserem Hause dafür eingesetzt, dass wir im Herbst eine Kampagne starten, die sich an Privatpersonen richtet. Auf der Folie „SEPA-Kommunikation Deutsche Bundesbank“ sehen Sie beispielhaft die Printanzeige, die wir ab Herbst 2013 schalten werden. Hiermit soll insbesondere den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Angst vor der IBAN genommen werden. So schwer ist die IBAN gar nicht zu merken, denn sie besteht aus der bekannten Bankleitzahl und Kontonummer, lediglich ergänzt durch DE für Deutschland und eine zweistellige Prüfziffer, die vor Zahlendrehern schützt.

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