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Briefmarken und Sammlermünzen

Dr. Wolf­gang Schäu­b­le an­läss­lich der Prä­sen­ta­ti­on der Son­der­post­wert­zei­chen-Se­rie „Für die Wohl­fahrts­pfle­ge 2017“ und der 20-Eu­ro-Ge­denk­mün­ze „Die Bre­mer Stadt­mu­si­kan­ten“

  • Datum 30.01.2017
  • Ort Berlin

Es gilt das gesprochene Wort

Ich freue mich, Ihnen heute zum vierten Mal Briefmarken mit Märchenmotiven präsentieren zu können.

Und ich kann schon versprechen: Es wird nicht das letzte Mal sein, nicht, weil es ja Politiker geben soll, die im Wahlkampf gerne Märchen erzählen, sondern weil Märchen menschliche Grunderfahrungen thematisieren.

Märchenhelden sind meist in schwierigen Situationen und finden dennoch Wege, Notlagen zu meistern. Oft geht es um Existenzängste, die uns allen gut bekannt sind.

Der drohende Verlust des Arbeitsplatzes durch Alter oder Krankheit – diese Furcht bekamen auch unsere vier Bremer Stadtmusikanten zu spüren:

Nach einem langen harten Arbeitsleben gelten Esel, Hund, Katze und Hahn nicht mehr als rentabel für ihre Besitzer. Statt das wohl verdiente Gnadenbrot oder eine – aus dem Bundeshaushalt mitfinanzierte – Rente zu erhalten, sollen sie grausam getötet werden:

Die Katze will man ersäufen, dem Hahn den Kopf abschneiden.

 Eine Notlage, zweifellos. Wie kann man damit umgehen? „Etwas Besseres als den Tod findest Du überall“, sagt der Esel zum Hahn.

Die Tiere schließen sich zusammen und brechen auf in ein neues unsicheres Leben. Trotz ihrer geringen musikalischen Talente treibt sie die Idee an, gemeinsam in der Stadt Musik zu machen. Ein schier phantastisches Unterfangen!

Doch wie so oft im Märchen – ich denke an Hänsel und Gretel oder Schneewittchen – wandelt sich für die, die sich auf den Weg machen, auf fast magische Weise die gefährliche Situation.

Unterwegs im unheimlichen Dunkel des nächtlichen Waldes kommen Esel, Hund, Katze und Hahn an ein beleuchtetes Haus. Dort hausen Räuber, die wohl symbolisch alles Destruktive, das Böse im Menschen verkörpern.

Was dann passiert, ist für mich besonders wichtig:

Gemeinsam verfolgen die Tiere einen tollkühnen Plan. Sie bilden ihre berühmte Formation und schreien aus Leibeskräften im Chor. Die Räuber lassen sich ins Bockshorn jagen. Sie flüchten vor den vermeintlichen Gespenstern und – nicht zu vergessen – vor ihrem eigenen schlechten Gewissen und verschwinden auf Nimmerwiedersehen.

Die schon abgemeldeten Alten haben doch gesiegt. Gemeinsam finden sie in ihrer „Alten-WG“ eine neue Heimat.

Das Märchen endet mit den Worten:

„Der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.“

Und tatsächlich ist die Botschaft zeitlos aktuell: Unsere vier Helden ringen mit dem Bösen und um ihr Leben. Dabei wollten sie nur Gerechtigkeit.

Trotz aller Widrigkeiten endet das Märchen mit einer optimistischen Botschaft: Dass auch der Schwache nicht hilflos ist. Dass er sein Leben gestalten kann, wenn er gemeinsam mit anderen aufbricht.

Allen Märchenhelden zusammen gelingt es, das Beste aus ihren Möglichkeiten zu machen; auch weil sie in einem entscheidenden Moment Mut beweisen. Das ist keine Sozialutopie.

Auch wir können die vielen schwierigen Situationen meistern, die wir gegenwärtig erleben, am besten durch gemeinsames Handeln.

Wir haben die Solidarität, wie sie die Bremer Stadtmusikanten untereinander üben, zu einem Teil auch an die Institutionen unseres Sozialstaates delegiert. Unsere Soziale Marktwirtschaft bietet dafür die richtigen Rahmenbedingungen.

Es gibt zum Beispiel Initiativen wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege mit ihren sechs Spitzenverbänden:

  • der Arbeiterwohlfahrt,
  • dem Deutschen Caritasverband,
  • dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland,
  • dem Deutschen Roten Kreuz,
  • dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband
  • und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Hier widmen sich viele Bürgerinnen und Bürger hauptberuflich oder ehrenamtlich Menschen, die besonders auf unsere Solidarität und Hilfe angewiesen sind. Insgesamt werden mehr als 3,6 Millionen Menschen in bundesweit fast 100.000 Einrichtungen betreut.

Das Spektrum reicht von der Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe sowie der Gesundheits- und Familienhilfe über Hilfen für Arbeitslose, Flüchtlinge und Suchtkranke bis hin zur internationalen Katastrophenhilfe.

Die Briefmarke

Diese wichtige Arbeit wollen wir unterstützen. Deshalb werden die drei Wohlfahrtsmarken, die wir heute vorstellen, mit einem zusätzlichen Cent-Betrag herausgegeben.

Seit 1949 sind fast vier Milliarden Wohlfahrts- und Weihnachtsmarken verkauft worden. Auf diese Weise sind rund 650 Millionen Euro für die Unterstützung bedürftiger Menschen zusammengekommen.

Die Serie „Grimms Märchen“ ist so beliebt, dass wir beschlossen haben, sie als Marke und Münze über 2017 hinaus fortzuführen.

Genügend Märchenstoff gibt es.

Die Sammlung, die die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals veröffentlichten, umfasst rund 200 Werke.

Die Grimm‘schen „Kinder- und Hausmärchen“ sind – neben der in diesem Jahr besonders gefeierten Luther-Bibel – das bekannteste und weltweit am meisten verbreitete Buch der deutschen Kulturgeschichte.

Grund genug für die UNESCO, die Märchensammlung in das Weltdokumentenerbe aufzunehmen. Das Märchenmotiv für die Wohlfahrtsserie im kommenden Jahr darf ich hier schon verraten: 2018 wird uns „Der Froschkönig“ als nächstes Motiv begegnen.

Die Gestalter der Marke

Jede Wohlfahrtmarke ist zugleich ein kleines Kunstwerk. Die detailreiche Übertragung der „Bremer Stadtmusikanten“ auf drei kleine Markenbilder ist das Werk der Grafiker Astrid Grahl und Lutz Menze aus Wuppertal. Beide haben auch in den letzten drei Jahren die Serie „Grimms Märchen“ gestaltet.

Ihnen ist es gelungen, eine Bildsprache zu finden, die entscheidend zur Beliebtheit der Serie beigetragen hat.

Ich möchte Ihnen ganz persönlich danken für Ihre Arbeit nicht nur bei der Serie „Grimms Märchen“, sondern auch bei der Gestaltung vieler anderer deutscher Briefmarken.

Vielleicht haben Sie nachher noch etwas Zeit, uns über Ihre Arbeit zu erzählen.

Münze

Auch Münzsammler können sich freuen:

In der Serie „Bremer Stadtmusikanten“ wird es ebenfalls eine 20-Euro-Gedenkmünze geben. Auf dem Münzrand ist das Märchen-Zitat „Etwas Besseres als den Tod findest Du überall“ zu lesen.

Die Gestaltung der Münze haben wir Elena Gerber aus Berlin zu verdanken.

Frau Gerber hat ebenfalls schon an der Serie für die Wohlfahrtspflege mitgewirkt. Sie lieferte bereits den Entwurf für die Rotkäppchen-Münze.

Im Gestaltungswettbewerb zu den „Bremer Stadtmusikanten“ überzeugte Frau Gerbers Entwurf die Jury durch – ich zitiere: „seinen klaren zentralen Aufbau und die Eleganz in der Ausführung“.

Außerdem wird die lebendige Gestaltung der Tiergestalten gelobt. Dem kann ich nur zustimmen. Ich bedanke mich für Ihre sehr gelungene Arbeit. 

Portowert und Auflage

Und jetzt versorge ich Sie noch mit einigen Zahlen zur Serie der „Bremer Stadtmusikanten“:

Die Briefmarken haben die Portowerte von 70, 85 und 145 Cent. Die Marken weisen jeweils zusätzliche Beträge für die gute Sache in Höhe von, 30, 40 und 55 Cent aus.

Sie sind nassklebend und werden in einer Auflage von rund drei bis fünf Millionen Stück gedruckt. Zugleich wird es Markensets und Markenboxen mit selbstklebenden Marken geben, in einer Auflage von rund fünf beziehungsweise rund acht Millionen Postwertzeichen.

So besteht die Möglichkeit, dass mit vielen Briefsendungen Gutes getan werden kann. Vom 9. Februar an gibt es die Marken zu kaufen, ebenso die Gedenkmünze.

Sie kann bei vielen Banken und Sparkassen sowie den Filialen der Bundesbank oder bei der Verkaufsstelle für Sammlermünzen der Bundesrepublik Deutschland (VfS) erworben werden.

Übergabe der Erstdrucke und der Münze

Ich freue mich, nun die Erstdrucke der Marken und die Erstprägungen der Münze zu überreichen, und zwar in einem roten Album an Herrn Bundespräsident Joachim Gauck.

Verehrter Herr Präsident,

dies ist unsere letzte gemeinsame Präsentation. In wenigen Wochen endet Ihre Amtszeit.

Ich möchte Ihnen deshalb an dieser Stelle Dank sagen.

Dank für die Gastfreundschaft, die Sie uns bei der Vorstellung der Wohlfahrtsmarken gewährt haben.

Vor allem aber möchte ich Ihnen auch meinen ganz persönlichen Dank sagen, für das, was Sie für unser Land und für alle, die wir hier leben, getan haben.

Sie haben unserem Land in unruhigen Zeiten einen Kompass gegeben.

Mit Nachdruck haben Sie immer wieder daran erinnert, wie wichtig es ist, dass wir unsere liberale Demokratie, das Projekt der europäischen Einigung und das westliche Lebensmodell verteidigen.

Das erfordert Kraft und Zuversicht. Beides haben Sie nicht nur eindringlich eingefordert, sondern selbst überzeugend vermittelt.

Klar und entschieden haben Sie auch im Ausland immer wieder auf die Bedeutung unserer fundamentalen Werte und Prinzipen – auf Freiheit, Menschenrechte, demokratische Teilhabe und die Herrschaft des Rechts – verwiesen.

Um diese Werte zu bewahren, müssen wir zusammenhalten – als internationale Partner, in Europa und hier bei uns Zuhause.

Die Pflege dieses Miteinanders in schwierigen Zeiten haben Sie, verehrter Präsident, auf beeindruckende Weise gefördert.

„Wir haben gute Gründe, uns Zukunft zuzutrauen“, haben Sie einmal gesagt und versichert, dass Sie auch nach Ihrem Amtsende Ihren Beitrag dazu leisten werden. 

Und den Verfechter und Förderer der liberalen Demokratie Joachim Gauck werden wir auch künftig brauchen, mehr denn je.

Für Ihren nächsten Lebensabschnitt wünsche ich Ihnen,

Herr Präsident, von Herzen alles Gute.

Ich freue mich nun,

noch einige Alben zu überreichen.

Ein weißes Album erhalten:

Herr Prälat Dr. Peter Neher,

Frau Astrid Grahl und Herr Lutz Menze

Frau Elena Gerber

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