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Mat­thi­as-Erz­ber­ger-Saal

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1935 bis 1945

Der Balkon gibt den Blick auf die historische Wilhelmstraße frei. Im 19 Jahrhundert hatte sich die Straße zum Regierungsviertel Preußens und später des Deutschen Kaiserreichs sowie der Weimarer Republik entwickelt. Nach 1933 entstand hier das Machtzentrum der Nationalsozialisten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele der schwer beschädigten historischen Gebäude abgerissen. Während die Straße durch den Bau der Mauer 1961 zusehends an Bedeutung verlor, siedelten sich nach der Wiedervereinigung und dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin wieder Ministerien und Botschaften in und um die Wilhelmstraße an.

Historische Aufnahme vom "Großen Saal" im heutigen Bundesfinanzministerium in Berlin
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Der „Große Festsaal“ diente im Dritten Reich hauptsächlich als repräsentativer Veranstaltungsraum im Machtzentrum Hermann Görings. Der Hausherr selbst ließ sich, abgesehen von festlichen Anlässen wie der „Feierstunde zum 10. Jahrestag der Machtergreifung“, nur selten in seinem Ministerium blicken. Denn trotz seiner repräsentativen Architektur verfügte das Reichsluftfahrtministerium nicht über ein richtiges Arbeitszimmer für den „Reichsmarschall“ und Luftwaffenchef.



Historische Aufnahme vom "Grpßen Saal" im heutigen Bundesfinanzministerium in Berlin
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Der „Große Festsaal“ war Endpunkt der inszenierten Route vom Ehrenhof über die Steinhalle und den Treppenaufgang. Neben seiner schieren Größe fiel der Saal auch durch seine pompöse Ausgestaltung auf. Monumentale Pfeiler, Reliefs an den Wänden und eine indirekt beleuchtete Kassettendecke waren nach Geschmack Hermann Görings gestaltet. Ein aus Keramik gefertigter überdimensionaler Reichsadler auf goldenem Grund prangte an der Stirnseite des Raumes. An der Rückwand ließen die Bauherren eigens eine Orgel installieren, den Boden mit Marmor auskleiden. So ausgestattet konnte der Saal seine intendierte Wirkung entfalten: Der monumentale Charakter überwältigte viele Besucher.

1945 bis 1990

Historische Aufnahme der Straße vor dem heutigen Bundesfinanzministerium in Berlin
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen
Wie alle Gebäudeteile wurde auch der Große Saal nach dem Krieg von den neuen Besitzern „entnazifiziert“. NS-Symbole und Inschriften wurden entfernt. Die Säulen erhielten eine neue Ummantelung, die Kassettendecke wurde durch eine in Pastellfarben gehaltene Decke ersetzt. Anstelle des Reichsadlers säumten nun säulenähnliche Wandpfeiler die Stirnseite des Saals. Zusätzlich wurde ein Podium für Pressekonferenzen errichtet. Die ausführenden sowjetischen Architekten orientierten sich an der Klassizistik der Stalin-Ära und waren bei ihren Veränderungen recht zurückhaltend. Dennoch erhielt der Saal durch die Umbauten einen weitaus festlicheren Charakter und verlor seine Strenge.

Historische AUfnahme vom "Großen Saal" im heutigen Bundesfinanzministerium in Berlin
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Der Große Saal im Haus der Ministerien war Schauplatz einer Vielzahl historischer Ereignisse: Als Reaktion auf die Gründung der Bundesrepublik erklärte sich am 7. Oktober 1949 der Deutsche Volksrat zur provisorischen Volkskammer und rief die Deutsche Demokratische Republik aus. Wenige Tage später wurde an selber Stelle Wilhelm Pieck zum ersten Präsidenten der DDR gewählt. Im großen Saal fanden jährlich bis zu 100 Veranstaltungen statt. Darunter eine Vielzahl von Empfängen, Parteiveranstaltungen und Festakten. So hatte beispielsweise jedes Ministerium in der DDR seinen eigenen Feiertag.


Historische Aufnahme vom "Großen Saal" während einer Pressekonferenz im Jahr 1961
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen
Neben seiner Funktion als Veranstaltungsort diente der Saal auch als Raum für Pressekonferenzen. Die historisch bedeutendste fand wohl am 15. Juni 1961 statt: Mit den Worten „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“ äußerte sich Walter Ulbricht, der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR, zur Situation in Berlin. Nur zwei Monate später begannen Arbeiter damit, an den Sektorengrenzen zu Westberlin Sperranlagen zu errichten. Die Teilung Deutschlands war damit besiegelt, die Mauer verlief am Südflügel des Gebäudes.

1990 bis heute

Aufnahme vom "Großen Saal" im heutigen Bundesfinanzministerium in Berlin
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen
Seit 1990 wird der Saal vom Bundesfinanzministerium für vielfältigste Veranstaltungen oder auch für Personalversammlungen genutzt. Vorher waren jedoch auch hier umfangreiche Umbauten nötig: Im Rahmen der Baumaßnahmen 1996 sollte der Raum in der Version von 1947 erhalten werden, denn laut Denkmalschutzauflagen mussten bei der Sanierung alle historischen Phasen des Bauwerks berücksichtigt werden. Neu eingebaut wurden unter anderem eine neue zeitgemäße Lüftungsanlage sowie moderne Kommunikations- und Heiztechnik.


Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble bei einem Festakt zur Umbenennung des Matthias-Erzberger-Saals
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen / Jörg Rüger
Am 26. August 2011 hat das Bundesfinanzministerium den Großen Saal des Detlev-Rohwedder-Hauses in „Matthias-Erzberger-Saal“ umbenannt. Der neue Namensgeber des größten und repräsentativsten Saals des Berliner BMF-Dienstsitzes bekleidete in der Weimarer Republik das Amt des Reichsfinanzministers. 1918 hatte er das Waffenstillstandsabkommen von Compiègne unterzeichnet und die Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags befür-wortet. Am 26. August 1921 wurde Erzberger von ehemaligen Freikorpsoffizieren ermordet. Der Bundesfinanzminister würdigte Erzberger als „streitbaren Demokraten, Finanzpolitiker und Friedensstifter“. Da Erzberger ein „Stiefkind der deutschen Erinnerungskultur“ geblieben sei, habe das Ministerium sich entschieden, mit der Saalumbenennung dieses großen Politikers dauerhaft zu gedenken. Prof. Robert Leicht bezeichnete Erzberger als „Opfergänger der Republik“. Er hob auch die Volksverbundenheit Erzbergers hervor, die ihn von vielen seiner Politikerkollegen unterschied: „Er bleibt innerlich bei den kleinen Leuten, aus deren Kreis er stammt – und er ist doch zugleich einer der frühen modernen Berufspolitiker.“ Sein Einsatz für den Frieden und die Demokratie kostete ihn schließlich das Leben.

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