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Nut­zen des Eu­ro

Seit Beginn der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion 1999 haben inzwischen 19 Mitgliedstaaten der Europäischen Union ihre nationalen Währungen aufgegeben und den Euro als Gemeinschaftswährung übernommen. Der Euro ist heute gesetzliches Zahlungsmittel für rund 337 Millionen Menschen. Die einheitliche Währung ist das bislang am weitesten reichende Ergebnis der und Bekenntnis zur europäischen Integration –und zugleich ihr Symbol weit über die europäischen Grenzen hinaus. Neben der symbolischen Wirkung bringt der Euro vor allem wirtschaftliche Vorteile für Bürger, Unternehmen und Mitgliedstaaten gleichermaßen. Durch den Abbau von Handelshindernissen und die Verminderung von Transaktionskosten fördert die gemeinsame Währung den zentralsten Auftrag der Europäischen Union, den europäischen Binnenmarkt, und damit Wachstum und Beschäftigung. Die einheitliche Währungspolitik erfordert darüber hinaus eine enge Kooperation zwischen den teilnehmenden Mitgliedstaaten in allen Bereichen der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Der Euro treibt damit die Weiterentwicklung der Europäischen Union voran.

Der Euro als Symbol der Europäischen Integration

Nationale Währungen sind traditionell eng mit der nationalen Souveränität eines Staates verbunden. Das Aufgeben dieser Währungen und die Einführung des Euro sowie die damit verbundene Übertragung der währungspolitischen Kompetenzen auf die Europäische Zentralbank verdeutlichen das stetige Streben um einen immer engeren Zusammenschluss der europäischen Länder.Die Symbolkraft des Euro zeigt sich auch in der Gestaltung der gemeinsamen Währung. Als Zeichen nationaler Souveränität sind Geldscheine typischerweise mit nationalen Symbolen versehen. Die Gestaltung der Euro-Münzen mit einer einheitlichen europäischen und einer nationalen Seite vereint die verbindenden europäischen Werte mit den charakteristischen nationalen Werten und ergibt auf diese Weise ein Sinnbild für ein gemeinsames und dennoch vielfältiges Europa.

Der Euro erleichtert die Mobilität

Für viele Menschen ist die gestiegene Mobilität wohl der spürbarste Vorteil, den die gemeinsame Währung mit sich gebracht hat: Touristen, Studenten im Auslandssemester oder auch Geschäftsleute – kein Bürger muss mehr Geld wechseln, wenn er von Deutschland nach Frankreich oder in ein anderes Land der Eurozone fährt. So sparen die Menschen auf Reisen nicht nur die Wechselgebühren, die Preise sind auch transparenter. Der Verbraucher kann zum Beispiel beim Autokauf Anbieter aus verschiedenen teilnehmenden Mitgliedstaaten in einer Währung vergleichen, ohne Umrechnungen vornehmen zu müssen.

Die Exportnation Deutschland profitiert von der Gemeinschaftswährung

Die deutsche Wirtschaft ist stark exportabhängig und profitiert davon, dass es innerhalb der Eurozone keine Wechselkursschwankungen mehr gibt. Durch den Wegfall der Wechselkursrisiken sparen deutsche Unternehmen Jahr für Jahr Transaktionskosten in erheblichem Umfang. Auch die Verbraucher profitieren von dieser Entwicklung: Preistransparenz und ein dadurch verstärkter Wettbewerb auf dem europäischen Markt führen zu größerer Produktvielfalt und günstigeren Preisen. Der mit dem Euro verbundene Wegfall dieser Handelshindernisse führte zu einer Vertiefung des europäischen Binnenmarkts, dem inzwischen mehr als 500 Millionen Verbraucher angehören. Im Jahr 2013 gingen circa zwei Drittel der deutschen Exporte in Länder der Europäischen Union und fast 40 Prozent in Länder der Eurozone. Dies sorgt in Deutschland für Wachstum und schafft Arbeitsplätze.

Die Infografik zeigt die die Handelspartner Deutschlands im Jahr 2013, darunter die Europäische Union und die Eurozone, sowie die USA, China und Japan.

Die Anteile der Handelspartner Deutschlands 2013 verteilen sich auf die betrachteten Gebiete wie folgt:

Gebiet

Anteil an Gesamtzahl der Handelspartner Deutschlands 2013

Europäische Union

57%

Eurozone

36,8%

USA

8,1%

China

6,1%

Japan

1,6%

Andere

27,7%

Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Infografik zeigt die die Handelspartner Deutschlands im Jahr 2013, darunter die Europäische Union und die Eurozone, sowie die USA, China und Japan.

Stabiler Wert des Euro

Bei dem Euro handelt es sich um eine stabile Währung, die eine niedrige Inflationsrate aufweist. Die befürchtete Entwicklung zum sogenannten „Teuro“ konnte widerlegt werden, denn der Euro wies nach seiner Einführung eine niedrigere Inflationsrate auf als die Deutsche Mark: Die vom Statistischen Bundesamt ermittelte Inflationsrate zeigt, dass die Preissteigerung in den 10 Jahren vor der Eurobargeldeinführung (also noch zu DM-Zeiten) mit durchschnittlich jährlich 2,2 Prozent um 0,6 Prozentpunkte höher war als die Preissteigerung in den 10 Jahren nach der Euroeinführung (1,6 Prozent). Diese offiziell ermittelte Preissteigerung stellt einen Durchschnittswert dar, der die Preisentwicklung eines angenommenen repräsentativen Warenkorbes widerspiegelt.

Die Infografik zeigt in einem Verlaufsdiagramm die Inflationsrate in Deutschland zwischen 1970 und 2015.

Die Grafik zeigt, dass die Inflationsrate seit der Einführung des Euro als Bargeldwährung im Jahr 2001 in den meisten Jahren die Zielvorgabe der Europäischen Zentralbank "nahe, aber unter 2%" erfüllt.

Den Höchststand erreichte die Inflationsrate in Deutschland im Jahr 1973 mit 7,1%. Weitere Spitzen gab es 1981 mit 6,3% und 1992 mit 5,1%. Für 2015 wird mit einer Inflation von 1,9% gerechnet.

Seit der Einführung des Euro als Bargeld gestaltet sich die Inflationsrate in Deutschland im Detail wie folgt:

JahrInflationsrate in Prozent

1970

3,6

1971

5,2

1972

5,4

1973

7,1

1974

6,9

1975

6,0

1976

4,2

1977

3,7

1978

2,7

1979

4,1

1980

5,4

1981

6,3

1982

5,2

1983

3,2

1984

2,5

1985

2,0

1986

-0,1

1987

0,2

1988

1,2

1989

2,8

1990

2,6

1991

3,7

1992

5,1

1993

4,5

1994

2,6

1995

1,8

1996

1,4

1997

2,0

1998

1,0

1999

0,6

2000

1,4

2001

2,0

2002

1,4

2003

1,1

2004

1,6

2005

1,6

2006

1,5

2007

2,3

2008

2,6

2009

0,3

2010

1,1

2011

2,1

2012

2,0

2013

1,5

2014

1,4

2015

1,9

Quelle: Statistisches Bundesamt, Frühjahrsprojektion der Bundesregierung

Stand: September 2014

Die Infografik zeigt die Entwicklung der Inflationsrate in Deutschland vor und nach Einführung des Euro, zwischen 1970 und 2016.
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Der subjektive Eindruck vieler Konsumenten, dass sich durch den Euro die Preise erhöht haben, ist falsch. Er entstand durch wahrgenommene Preissteigerungen bei Gegenständen des täglichen Bedarfs, die häufig gekauft wurden. Andererseits kam es jedoch bei langlebigen Konsumgütern zu deutlichen Preissenkungen, die jedoch nicht in dem Maße wahrgenommen wurden, in dem sie sich tatsächlich auf die gesamte Inflationsrate ausgewirkt haben. Vergleicht man die Preisentwicklung von Lebensmitteln beispielsweise mit der von elektronischen Geräten, wird deutlich, dass es seit der Einführung des Euro zu einem deutlichen Preisverfall in einigen Bereichen gekommen ist.

Ein weiterer Grund für die Wahrnehmung einer Preissteigerung ist das Verhältnis zwischen der Einkommensentwicklung und der Preisentwicklung. Die in Deutschland in den vergangenen Jahren zu verzeichnenden moderaten Lohnsteigerungen führten zu einem leichten Kaufkraftverlust, da die gesamtwirtschaftliche Einkommensentwicklung hinter der Entwicklung der Lebenshaltungskosten und der Verbraucherpreise zurück blieb.

Auch ohne die Einführung des Euro wären Güter und Dienstleistungen einem inflationsbedingten Preisanstieg ausgesetzt. Ein Produkt, das Ende 2001, also vor der Einführung des Eurobargeldes, noch DM 100,00 gekostet hat, würde heute DM 124,31 kosten. Diese Teuerung ergibt sich, wenn man die durchschnittliche Teuerungsrate von 2,2 % der letzten zehn Jahre vor der Einführung des Eurobargeldes (1992 – 2001) zugrunde legt. Würde man dagegen die durchschnittliche Teuerungsrate von 1,6 % für die Zeitspanne von zehn Jahren nach der Einführung des Eurobargeldes (2002- 2011) zugrunde legen, ergäbe sich lediglich ein Betrag von DM 117,20.

Im Außenverhältnis – Euro im Verhältnis zu anderen Währungen – spielt zudem die Entwicklung von Wechselkursen eine wichtige Rolle: Verliert eine Währung gegenüber einer anderen stark an Wert, besteht das Risiko, dass Anleger und Verbraucher das Vertrauen verlieren und aus dem Ausland Inflationsdruck sozusagen „importiert“ wird. Auch in dieser Hinsicht ist die Entwicklung des Euro positiv zu bewerten. Bei seiner Einführung als Buchgeld zum Januar 1999 mussten für einen Euro 1,18 US$ bezahlt werden. Drei Jahre später, zur Einführung des Euro als Bargeld, notierte er schwächer, nämlich bei 0,89 US$. Seitdem allerdings hat der Euro nachhaltig an Stärke gewonnen und kostet dauerhaft stabil über 1 US$ (Aktuelle Tageswerte zu Wechselkurs und Preisentwicklung finden Sie auf der Webseite der EZB. Dieser Wert wurde auch während der Staatsschuldenkrise nie unterschritten. Von einem schwachen Euro kann somit nicht die Rede sein.

Internationale Bedeutung des Euro

Ein weiteres Indiz für die starke internationale Stellung des Euro ist die Entwicklung hin zur etablierten Reservewährung. Während andere Währungen von internationaler Bedeutung wie zum Beispiel der US-Dollar oder der Yen Anteile an den weltweiten Devisenreserven einbüßen mussten, hat der Euro kontinuierlich hinzugewonnen und seinen Anteil von knapp 18 Prozent im Jahr 1999 auf rund 27 Prozent im Juni 2011 gesteigert. Somit ist der Euro heute nach dem US-Dollar die zweitwichtigste Reservewährung der Welt. Das führt nicht nur zu mehr Direktinvestitionen in den Euro-Ländern, sondern es verleiht der Eurozone auch mehr Gewicht auf internationaler Ebene. Die enge Kooperation von teilnehmenden Mitgliedstaaten, der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Kommission ermöglicht es, die Interessen der Eurozone bei internationalen Wirtschaftstreffen gebündelt zu vermitteln. Die einheitliche Stimme der Eurozone als zweitgrößter Währungsraum hat inzwischen eine beträchtliche Bedeutung. Darüber hinaus ist Deutschland als Teil des größten Binnenmarktes  der Welt in der Lage, im Konzert der großen Wirtschaftsmächte mitzuspielen und die Globalisierung aktiv mitzugestalten.

Die Infografik zeigt in Form eines Verlaufsdiagramms den Anteil des Euro an den weltweit bekannten Devisenreserven von 2001 bis 2014 in Prozent. Dieser Verlauf wird verglichen mit dem Durchschnittswert seit Euro-Bargeldeinführung, der bei 24,4 Prozent liegt.

Die Anteile des Euro an den weltweit bekannten Devisenreserven pro Jahr sehen wie folgt aus:

Jahr

Anteil der Entwicklung in Jahr

2001

17,71%

2002

19,66%

2003

24,65%

2004

23,59%

2005

25,1%

2006

24,51%

2007

25,17%

2008

26,68%

2009

25,83%

2010

27,26%

2011

26,5%

2012

24,8%

2013

23,6%
201424,3%

Quelle: IWF; COFER Update 31. März 2015; eigene Berechnungen.
Copyright: Bundesministerium der Finanzen

Die Infografik zeigt in einem Verlaufsdiagramm den Anteil des Euro an den weltweit bekannten Devisenreserven (von 2001 bis 2014).
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Der Euro in Zeiten der Finanz- und Staatsschuldenkrise

Viele Bürger stehen dem „Projekt Gemeinschaftswährung“ besonders in den letzten Monaten und Jahren sehr kritisch gegenüber. Doch der Euro hat die globale Finanzkrise nicht ausgelöst. Diese wäre auch ohne den Euro eingetreten. Aber wir hätten in Europa ohne den Euro mit hoher Wahrscheinlichkeit extreme Wechselkursschwankungen erlebt, bei denen die D-Mark dramatisch aufgewertet hätte und es zu einem drastischen Einbruchs unserer Exporte und damit unseres Wachstums gekommen wäre. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass Deutschland in die internationale Arbeitsteilung mit Ausfuhren und Einfuhren stärker eingebunden ist als alle anderen vergleichbaren Industrieländer.

Bereits mit dem Einbruch der weltweiten Nachfrage 2008 ging unsere Wirtschaftsleistung um 4,7 Prozent zurück. Ohne den Euro hätte die aufwertende D-Mark einen Verlust an Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen erheblichen Ausmaßes mit sich gebracht.

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