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22.09.2015

La­ge des Eu­roraums: Län­der­ana­ly­se Ir­land

Zum Stand des Reformprozesses in Irland

  • Irland hat sein Finanzhilfeprogramm der Jahre 2010-2013 erfolgreich genutzt, um wichtige Reformen auf den Weg zu bringen. Diese Anstrengungen zahlen sich aus, wie das erstarkte Wirtschaftswachstum, die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und die historisch niedrigen Zinsen auf irische Staatsanleihen zeigen. Der Bankensektor wurde durch frisches Kapital und Umstrukturierung gestärkt, so dass der europaweit durchgeführte Stresstest im Herbst letzten Jahres den irischen Instituten insgesamt eine gute Widerstandsfähigkeit bescheinigt. Dass Irland bereits einen Großteil seines IWF-Kredits vorzeitig getilgt hat, ist ein wichtiges Zeichen einer gelungenen Krisenbewältigungsstrategie.

  • Um die erzielten Erfolge dauerhaft abzusichern, muss Irland den Reformweg auch künftig fortsetzen. Dazu zählt eine dauerhaft gesunde Fiskalpolitik, um die hohe Staatsverschuldung von aktuell 107% des Bruttoinlandsprodukts abzutragen. Die Arbeitslosigkeit sollte durch bessere Vermittlung, Aus- und Weiterbildung und effiziente Anreize weiter gesenkt werden. Die Banken müssen ihre Bilanzen von verbliebenen notleidenden Krediten bereinigen, um eine angemessene Kreditversorgung der Realwirtschaft gewährleisten zu können. Diese Herausforderungen hat die irische Regierung erkannt und zu den Eckpfeilern ihres mittelfristigen Politikprogramms gemacht.

  • Die Solidarität Deutschlands und der europäischen Partner mit Irland ist auch nach Abschluss des Finanzhilfeprogramms ungebrochen. Die Europäische Union wird das Land auf seinem weiteren Reformweg unter anderem im Rahmen der regelmäßigen Nachprogrammüberwachung begleiten. Darüber hinaus unterstützt Deutschland Irland bei der Förderung von kleinen und mittelständischen Unternehmen im Land. Hierzu hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau Irland bei der Gründung eines nationalen Förderinstituts beraten und stellt ein Globaldarlehen von 150 Mio. Euro zur Durchleitung zinsgünstiger Investitionskredite bereit.

1 Ausgangslage

Nach einem rasanten und lang währenden Wirtschaftsaufschwung, der Irland in den 1990er Jahren die Bezeichnung des Keltischen Tigers einbrachte, geriet das Land 2008 in den Abwärtsstrudel im Zusammenhang mit der globalen Finanzkrise. Die Wirtschaft hatte sich – ausgehend vom Bau- und Immobiliensektor – deutlich überhitzt, überproportionale Lohnsteigerungen hatten die Wettbewerbsfähigkeit des Landes geschwächt. Die Staatsfinanzen hatten prozyklisch gewirkt. Mit ihrer stark auf dem Immobiliensektor fußenden Einnahmenbasis, stetigen Ausgabenerhöhungen und plötzlich steigenden Kosten für soziale Sicherung stellten sie sich als nicht nachhaltig heraus. Der Bankensektor war bei unzureichender Aufsicht und Regulierung untragbare Risiken eingegangen. Mit Platzen der Immobilienblase geriet er an den Rand des Zusammenbruchs. Nicht zuletzt die im September 2008 von der irischen Regierung ausgesprochene staatliche Garantie über fast die gesamten Verbindlichkeiten der heimischen Kreditinstitute ließ die öffentliche Hand tief in die roten Zahlen rutschen. Mit Einsetzen der Vertrauenskrise in der Europäischen Währungsunion im Verlauf des Jahres 2010 konnte Irland die Stabilisierung seiner Wirtschaft und seines Finanzmarktes letztlich nicht mehr alleine gewährleisten. Als Investoren die Risiken Irlands immer kritischer bewerteten und entsprechend höhere Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen forderten, verlor das Land schließlich den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt.

Im Dezember 2010 vereinbarte Irland ein dreijähriges makroökonomisches Anpassungsprogramm, das mit Finanzhilfen der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), des Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM), des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie bilateraler Geberländer in einem Gesamtvolumen von 67,5 Mrd. Euro unterstützt wurde. Unter Einrechnung des von Irland selbst bereitgestellten Beitrags von 17,5 Mrd. Euro erreichte das gesamte Programmvolumen rund 85 Mrd. Euro. Das Programm zielte darauf ab, die öffentlichen Finanzen nachhaltig zu gestalten, das Finanzsystem umzustrukturieren und seine Widerstandskraft zu stärken sowie das Marktvertrauen in den Staat zurückzuerlangen. Diese Ziele bildeten die Leitplanken für das Land, die notwendigen Reformen durchzuführen, um am Ende des Hilfsprogramms finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. Dies ist Irland gelungen. Im Dezember 2013 hat es sein Finanzhilfeprogramm planmäßig abgeschlossen.

2 Reformerfolge des Anpassungsprogramms

2.1 Wirtschaftslage

Irland hat sein Finanzhilfeprogramm erfolgreich genutzt, um die erforderlichen Reformen anzugehen. Das Land sitzt heute wirtschaftlich wieder fest im Sattel. Nach der anpassungsbedingten Rezession der Jahre 2008-2010 wächst die irische Wirtschaft seit 2011 wieder und gewinnt zunehmend an Fahrt. Das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dürfte dieses Jahr mit schätzungsweise 3,6% zu den höchsten Werten in der EU zählen. Diese gute Wirtschaftsentwicklung steht auf einem zunehmend breiten Fundament, wie steigende Konsumausgaben, Investitionen und Exporte belegen. Auch das Finanzmarktvertrauen ist vollständig zurückgekehrt. Seit Abschluss seines Hilfsprogramms finanziert sich Irland wieder eigenständig über die Kapitalmärkte.

Die positive Wirtschaftsentwicklung schlägt sich auch zunehmend auf dem Arbeitsmarkt nieder. Die Beschäftigung steigt seit längerer Zeit kontinuierlich an. Die Arbeitslosenquote wird im Jahresmittel 2015 mit erwarteten 9,6% deutlich unter ihrem Höchststand von 14,7% in den Jahren 2010 und 2011 und auch unter dem Durchschnitt der Eurozone insgesamt liegen. Diese Entwicklung wirkt sich belebend auf die Binnennachfrage aus.

In den frühen 2000er Jahren hatten starke Lohnerhöhungen die Wettbewerbsfähigkeit Irlands geschwächt und so seine Exportleistung gedämpft, was sich in deutlichen Leistungsbilanzdefiziten niederschlug. Diese Entwicklung konnte inzwischen umgekehrt werden. Die kontinuierliche Senkung der Lohnstückkosten seit Ausbruch der Krise hat die irische Wirtschaft inzwischen wieder wettbewerbsfähig gemacht und die Exporte stimuliert. Seit 2010/11 ist die Leistungsbilanz ausgeglichen und verzeichnet in den folgenden Jahren einen wachsenden Überschuss  (vgl. Abbildung 1). Die Europäische Kommission erwartet, dass sich das Plus in der irischen Leistungsbilanz in den kommenden Jahren auf dem aktuellen Niveau von rund 5½% des BIP einpendelt.

Zwei Verlaufskurven illustrieren die Entwicklung der nominalen Lohnstückkosten und die Entwicklung der Leistungsbilanz in Irland in den Jahren 2002 bis 2014. Bei den 2014er-Werten handelt es sich um Schätzwerte.

Die Details können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen (Werte auf erste Nachkommastelle gerundet):

Jahr

Lohnstückkosten
(Index: 2005 = 100)

Leistungsbilanzsaldo
(in Prozent des Bruttoinlandsprodukts)

2002

87,1-1,5

2003

91,7-0,3

2004

95,4-1,0

2005

100-4,0

2006

103,5-4,4

2007

109,0-6,1

2008

117,0-6,3

2009

114,0-3,9

2010

105,5-0,1

2011

102,10,1

2012

102,60,9

2013

106,93,8

2014

102,95,5

Quelle: Ameco-Datenbank; 2014: Schätzung
Copyright: Bundesministerium der Finanzen

Die Infografik zeigt die Entwicklung der nominalen Lohnstückkosten und der Leistungsbilanz in Irland in den Jahren 2005 bis 2015.
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

2.2 Gesundung der Staatsfinanzen

Von einem geradezu dramatischen Haushaltsdefizit von über 30% des BIP im Jahr 2010, das vor allem durch Bankenstützungsmaßnahmen geprägt war, hat Irland seine Staatsfinanzen Schritt für Schritt wieder auf einen tragfähigen Pfad gebracht. Die Programmauflagen wurden dabei immer erfüllt, zumeist gar übererfüllt (vgl. Abbildung 2). Nach Schätzungen der Europäischen Kommission soll das Land die 3%-Schwelle des Stabilitäts- und Wachstumspakts in diesem und dem kommenden Jahr wieder einhalten. Angesichts der Konsolidierungserfolge und der aktuell positiven Wirtschaftslage wird dies als erreichbar eingeschätzt.

Die Infografik illustriert das Haushaltssaldo und die Zielwerte Irlands in den Jahren 2007 bis 2015. Bei den 2014er-Werten handelt es sich um Schätzwerte, bei den 2015er-Werten um Prognosen.

Dabei wird das Haushaltssaldo gesamt mit dem Haushaltssaldo gemäß ÜDV-Systematik abgeglichen (jeweils in Prozent des Bruttoinlandsprodukts). ÜDV bedeutet Verfahren zur Korrektur eines übermäßigen Defizits. Dieses Verfahren beziehungsweise die Bewertung im Rahmen des Finanzhilfeprogramms bereinigen den tatsächlichen Haushaltssaldo um Sondereffekte. In Irland betrifft dies insbesondere öffentliche Gelder zur Rekapitalisierung des Bankensektors. Von 2012 bis 2015 sind die Werte des Haushaltssaldos gesamt und des Haushaltssaldos gemäß ÜDV-Systematik identisch.

Außerdem wird die Entwicklung des Haushaltssaldos der Programm- beziehungsweise ÜDV-Vorgabe gegenübergestellt. Von 2011 bis 2014 lag das Haushaltssaldo unterhalb der Vorgaben. Im Jahr 2015 werden die Vorgaben laut Prognose erreicht werden (-2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts).

Die Details können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen:

Jahr

Haushaltssaldo gesamt

Haushaltssaldo gemäß ÜDV-Systematik

Programm- beziehungsweise ÜDV-Vorgabe

2007

0,2 Prozent--

2008

-7,0 Prozent-7 Prozent-

2009

-13,9 Prozent-11,5 Prozent-

2010

-32,4 Prozent-13,3 Prozent-

2011

-12,6 Prozent-8,9 Prozent-10,6 Prozent

2012

-8,0 Prozent-8,0 Prozent-8,6 Prozent

2013

-5,7 Prozent-5,7 Prozent-7,5 Prozent

2014

-3,7 Prozent-3,7 Prozent-5,1 Prozent

2015

-2,9 Prozent-2,9 Prozent-2,9 Prozent

Quelle: Ameco-Datenbank; 2014: Schätzung; 2015: Prognose
Copyright: Bundesministerium der Finanzen

Die Infografik zeigt das Haushaltssaldo und die Zielwerte Irlands in den Jahren 2007 bis 2015
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Der Bruttoschuldenstand ist im Zuge der Krise stark gestiegen und wird zum Jahresende bei rund 107% des BIP liegen. Dies überschreitet die in der EU vereinbarte Grenze deutlich und erfordert eine fortgesetzt gesunde Fiskalpolitik, um nachhaltig abgebaut zu werden. Positiv ist, dass der Schuldenstand nach Erreichen seines Höchstwerts von gut 123% des BIP Ende 2013 nunmehr einen sinkenden Trend aufweist und damit Schulden im Vergleich zur Wirtschaftskraft des Landes wieder zurückgeführt werden. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass bei Fortsetzung des Reformkurses der Schuldenstand in den nächsten Jahren auf unter 90% des BIP sinken wird.

2.3 Widerstandskraft des Bankensektors

Der Bankensektor war ein wesentlicher Faktor, der zum Ausbruch der Krise geführt hat, und er ist ein wesentlicher Faktor bei ihrer Lösung. Wichtige Fortschritte gibt es sowohl bei der Bewältigung von Altlasten als auch bei der Sicherung der Finanzstabilität in der Zukunft.

Die notwendige Restrukturierung und Verkleinerung des aufgeblähten irischen Bankensektors schreitet voran. Gemessen an der aggregierten Bilanzgröße der in Irland operierenden Institute, wird er von über 700% des BIP Ende 2010 auf rund 330% des BIP bis Ende dieses Jahres schrumpfen (vgl. Abbildung 3). Das Geschäft der Banken ist jetzt stärker auf das Inland ausgerichtet.

Die Infografik illustriert anhand eines Balkendiagramms, wie sich der irischen Bankensektor größenmäßig von 2010 bis 2014 entwickelt hat. Dabei ist eine klare Tendenz erkennbar: Der prozentuale Anteil des Bankensektors am Bruttoinlandsprodukts ist immer weiter gesunken. Die Details können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen:

Jahr

Anteil des Bankensektors
(in Prozent des Bruttoinlandsprodukts)

2010

708 Prozent

2011

600 Prozent

2012

505 Prozent

2013

424 Prozent

2014 (Schätzung)

384 Prozent

Quelle: Irische Zentralbank, Ameco-Datenbank; 2014: Schätzung
Copyright: Bundesministerium der Finanzen

Die Infografik illustriert die Größe des irischen Bankensektors (in Prozent des Bruttoinlandsprodukts; von 2010 bis 2014)
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Eine zu Programmabschluss 2013 von der Troika durchgeführte Bilanzprüfung der drei zentralen Banken (Bank of Ireland, Allied Irish Bank und Permanent TSB) stellte keinen weiteren akuten Kapitalbedarf fest. Zwei der drei zentralen Institute erwirtschaften bereits wieder Gewinne und gewährte Staatshilfen werden nach und nach zurückgezahlt. Die Banken nahmen zudem 2014 am EU-weiten Stresstest teil, den die EZB vor Übernahme der einheitlichen Aufsicht gemeinsam mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA durchgeführt hat. Danach weist der irische Bankensektor insgesamt eine angemessene Widerstandsfähigkeit gegen Schocks auf. Lediglich die noch in Restrukturierung befindliche Permanent TSB wies ein Kapitaldefizit auf, welches sie jedoch im letzten Jahr durch Mittel vom Kapitalmarkt beseitigen konnte. Trotz der gesteigerten Rentabilität haben die Banken weiterhin mit notleidenden Krediten aus der Krisenzeit zu kämpfen. Die weitere Bilanzsäuberung der Banken ist wichtig, um eine angemessene Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte zu sichern. Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen ist es häufig noch schwierig, Finanzierung zu tragfähigen Konditionen zu erhalten.

2.4 Strukturreformen

Neben der reinen preislichen Wettbewerbsfähigkeit ausgedrückt in den gesunkenen Lohnstückosten hat Irland bedeutende strukturelle Reformen umgesetzt, die das Wachstumspotenzial steigern. Zur Flexibilisierung des Arbeitsmarkts wurden beispielsweise der Kündigungsschutz gelockert und die Lohnfindung vermehrt auf die betriebliche Ebene verlagert. Die aktive Arbeitsmarktpolitik wurde verbessert durch neue Aus-, Fortbildungs- und Trainingsagentur und einheitliche Kontaktpunkte für Arbeitssuchende, Arbeitslosenhilfe- und Sozialleistungsempfänger. Darüber hinaus wird das Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2028 schrittweise auf 68 Jahre erhöht.

Die Befugnisse und Unabhängigkeit der irischen Wettbewerbsbehörde wurden gesetzlich gestärkt und ihre personelle Ausstattung verbessert, um auch den nationalen Wettbewerb zu erhöhen und so zu Innovation und Wachstum beizutragen. Eine kostendeckende Wasserversorgung soll anhand von Gebühren auf Basis des tatsächlichen Verbrauchs nicht nur Kosten der öffentlichen Hand eindämmen helfen, sondern gleichzeitig eine effiziente Nutzung anregen. Bedeutende Privatisierungsmaßnahmen wie der Verkauf von Kraftwerken des staatlichen Stromkonzerns und die Privatisierung des Erdgasanbieters im letzten Jahr spülten zusätzliche Einnahmen in die Staatskassen.

Irland hat darüber hinaus mehrere Initiativen ergriffen, um die Finanzierung für den Sektor der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zu verbessern. Denn KMU sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: sie stellen mehr als zwei Drittel aller Arbeitsplätze und erbringen rund die Hälfte des Umsatzes im Land. Jedoch fehlt den KMU häufig der Zugang zu Investitionskrediten – auch weil sie teilweise mit Altkrediten belastet sind. Zu den Maßnahmen der irischen Regierung zählen unter anderem unterschiedliche Beratungsangebote, eine Schiedsstelle für abgelehnte Kreditersuchen und finanzielle Unterstützung. Im Oktober letzten Jahres hat Irland zudem mit technischer Hilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eine eigene Förderinstitution gegründet, über die Mittel aus dem staatlichen Pensionsfonds sowie externe Gelder für wachstumsstärkende Projekte nutzbar gemacht werden sollen. In diesem Rahmen stellt die KfW ein Globaldarlehen in einem Gesamtvolumen von 150 Mio. Euro zur Durchleitung zinsgünstiger Investitionsdarlehen an KMU bereit. Zusammen mit den irischen Mitteln und einem Beitrag der Europäischen Investitionsbank in Höhe von 400 Mio. Euro verfügt das Förderinstitut somit über ein Anfangsvolumen von 800 Mio. Euro.

3 Verbleibende Herausforderungen

Die skizzierten Erfolge zeigen, was ein Land über die Dauer eines Finanzhilfeprogramms leisten kann. Irland kam zudem die Ansiedlung zahlreicher ausländischer, exportorientierter Unternehmen zu Gute, die von der Krise weniger betroffen waren und stabilisierend wirkten. Es wäre allerdings unrealistisch zu unterstellen, die makroökonomischen Ungleichgewichte, die sich über einen langen Zeitraum aufgebaut haben, könnten in kurzer Zeit vollständig behoben werden. Vielmehr wird Irland den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen müssen, um die Reformerfolge dauerhaft abzusichern. Dies ist nicht zuletzt mit Blick auf die Kapitalmarktfinanzierung des Landes wichtig, denn günstige Zinsen auf Staatsanleihen erfordern nachhaltiges Investorenvertrauen.

Dazu zählt unter anderem der weitere Abbau der Staatsverschuldung und der Verschuldung im Privatsektor. Wie oben skizziert wird die Staatsschuld ab diesem Jahr kontinuierlich sinken, sofern die Fiskalreformen planmäßig weitergeführt werden. Mit Einhalten der 3%-Defizitgrenze in diesem Jahr ist Irland demnach auch noch nicht am Ziel, sondern wird als nächstes das im Stabilitäts- und Wachstumspakt verankerte mittelfristige Haushaltsziel anstreben. Danach will Irland bis zum Jahr 2019 einen strukturell ausgeglichenen Haushalt aufweisen. Hierzu bedarf es unter anderem weiterer Fortschritte, das defizitäre Gesundheitswesen auf eine nachhaltige Basis zu stellen, die Verwaltung effizienter auszugestalten, das Justizsystem zu reformieren und die mittelfristige Haushaltsplanung konkreter und mit hinreichender Bindungswirkung aufzustellen. Als offene Volkswirtschaft ist Irland daneben gewiss auch abhängig von der Entwicklung seiner Handelspartner.

Die Privatsektorverschuldung in Irland ist zwar bereits zurückgegangen, weist aber mit fast 280% des BIP noch einen der höchsten Werte in der EU auf. Hierunter fallen Konsumentenkredite ebenso wie Hypotheken und Unternehmenskredite. Ein Großteil der Verschuldung im Unternehmenssektor entfällt allerdings auf die zahlreichen internationalen Firmen in Irland und stellt somit weniger ein heimisches Problem dar. Zur Bewältigung der Privatsektorverschuldung ist es wichtig, das gerade vereinfachte Insolvenzrecht anzuwenden, notleidende Kredite umzustrukturieren und Kreditausfälle in den Bankbilanzen konsequent abzuschreiben. Darüber hinaus ist aber vor allem nachhaltiges Wirtschaftswachstum durch strukturelle Maßnahmen weiter zu festigen. Der Abbau des Schuldenüberhangs ist für Haushalte und Unternehmen gleichermaßen bedeutsam, um Konsum und Investitionen zu stimulieren.

Die im Zuge der Krise ganz oder teilweise verstaatlichten Banken sind mittelfristig zu reprivatisieren. Dass einige der Institute inzwischen wieder rentabel arbeiten, ihre Kurse steigen und sie den Zugang zum privaten Kapitalmarkt zurückgewonnen haben, lässt darauf hoffen, dass der irische Staat auf diesem Wege einen Teil der für Bankenstützung aufgewendeten Gelder letztlich wieder vereinnahmen kann. Erneuter Stützungsbedarf durch die öffentliche Hand ist derzeit hingegen nicht erkennbar.

Wichtig für Irland als internationaler Unternehmensstandort ist auch ein wettbewerbsfähiges und gleichzeitig faires Steuersystem. Die Wirtschaftsstärke Irlands beruht zu einem wichtigen Teil auf der Präsenz internationaler Unternehmen. Denn das Land verfügt über gut ausgebildete, englischsprachige Arbeitskräfte und innovative Wirtschaftszweige, ist Teil des Europäischen Binnenmarkts und hat eine gute Anbindung zu Märkten in Nordamerika. Es ist im gemeinsamen Interesse Irlands und seiner Partner, dass diese Unternehmen im Sitzland angemessene Steuern entrichten. Nur so können nationale und international tätige Firmen fair miteinander konkurrieren, nur so lassen sich wesentliche Funktionen des Staats ausgewogen finanzieren. In dem Zusammenhang ist es zu begrüßen, dass Irland sich in die internationalen Verhandlungen zur Eindämmung von Steuervermeidungspraktiken einbringt und in diesem Jahr eine bedeutsame Gestaltungsmöglichkeit (sogenanntes Double Irish) abgeschafft hat.

Die europäischen Partner werden Irland im Rahmen der Nachprogrammüberwachung bei der weiteren Reformumsetzung unterstützen. Dabei prüft die Europäische Kommission, zusammen mit EZB und IWF sowie dem Europäischen Stabilitätsmechanismus halbjährlich die wirtschaftliche, haushaltspolitische und finanzielle Entwicklung in Irland, bis das Land mindestens 75% der Finanzhilfen zurückgezahlt hat. Ziel der Nachprogrammüberwachung ist es, den Dialog über die Fiskal- und Wirtschaftspolitik fortzuführen, möglichen Fehlentwicklungen frühzeitig entgegenzuwirken und die Rückzahlungsfähigkeit eines ehemaligen Programmlandes dauerhaft sicherzustellen.

4 Fazit und Ausblick

Irland ist ein gutes Beispiel dafür, dass die europäische Krisenlösungsstrategie wirkt und wir in Europa auf dem richtigen Weg sind. Es zeigt, dass ein Reformkurs, der Haushaltskonsolidierung mit wachstumsstärkenden Strukturmaßnahmen verbindet, ein Land zurück auf den Pfad von Wachstum, Stabilität und Wohlstand bringen kann. Irland hat sein dreijähriges Finanzhilfeprogramm im Dezember 2013 planmäßig abgeschlossen und steht finanziell nun wieder auf eigenen Beinen. Die Initiative Irlands, schon vorzeitig einen Großteil der Finanzhilfen des IWF zurückzuzahlen, zeugt von der breiten Erholung der Wirtschaft und Stabilität im Land.

Das Problembewusstsein und der Reformmut Irlands haben wesentlich zum Gelingen des Programms beigetragen. Schon vor Programmbeginn hatte Irland viele der für die Krise verantwortlichen Fehlentwicklungen identifiziert und eigenständig einen Katalog an Gegenmaßnahmen entworfen (National Recovery Plan). Auf diesem Maßnahmenkatalog setzten die Anforderungen des Finanzhilfeprogramms letztlich auf, der Grundstein jedoch kam aus Irland selbst. Entsprechend hat die irische Regierung die Reformen auch mit Nachdruck vorangetrieben. Die irische Bevölkerung hat den zuweilen schweren Anpassungspfad aktiv und konstruktiv mitgetragen und so zum Erfolg geführt.

Die Solidarität Deutschlands und der europäischen Partner mit Irland ist auch nach Beendigung des Hilfsprogramms ungebrochen. Die Europäische Union wird Irland im Rahmen der Nachprogrammüberwachung und der regulären Aufsichtsverfahren auf seinem weiteren Reformweg begleiten. Deutschland bleibt auch bilateral im Land engagiert und trägt über ein Globaldarlehen der KfW zur Unterstützung des irischen KMU-Sektors zur Stärkung von Wachstum und Arbeitsplätzen bei.

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