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08.03.2017

Hel­ping SMEs go glo­bal – Mo­ving for­ward in SME Fi­nance

Am 24. Februar 2017 fand in Frankfurt am Main der Workshop „Helping SMEs go global – Moving forward in SME Finance“ statt. Über 150 Experten aus den G20-Staaten, von Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen und dem Privatsektor diskutierten am Sitz der KfW über Fragen der Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

G20-Workshop “Helping SMEs go global – Moving Forward in SME Finance”
Quelle:  KfW-Bankengruppe / Thorsten Futh

Zu den Themen des Workshops gehörten die bessere Einbindung von KMU in nachhaltige globale Wertschöpfungsketten, die Rolle innovativer Finanztechnologien bei der Entwicklung von KMU, die Rolle von Entwicklungsbanken bei der Schaffung von Zugangsmöglichkeiten zu Finanzmitteln für KMU sowie die Rolle der Politik bei der Finanzierung von KMU. Die Ergebnisse des Workshops werden in die weiteren Diskussionen innerhalb der G20 einfließen.

Internationale Großkonzerne erwarten von ihren Zulieferern zunehmend die Erfüllung von Nachhaltigkeits- und Sozialstandards wie beispielsweise Sicherheit am Arbeitsplatz, und zwar vor allem aufgrund des gestiegenen Bewusstseins der Verbraucher für die ökologischen und sozialen Folgen ihres Konsumverhaltens. Deshalb müssen KMU, die die Einbindung in globale Wertschöpfungsketten anstreben, gewährleisten, dass ihre Herstellungsverfahren internationale Standards erfüllen. Dabei ist es schwierig, notwendige Investitionen mit Gewinnen aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren. Die Teilnehmer erörterten verschiedene Möglichkeiten, um KMU besser in globale Wertschöpfungsketten einzubinden, darunter eine cloudbasierte Zahlungsmethode, bei der die Zulieferer Vorauszahlungen für ihre Rechnungsbeträge erhalten (Reverse Factoring) und, sofern sie Nachhaltigkeitsstandards einhalten, von geringeren Finanzierungskosten profitieren; eine an eine Datenbank gekoppelte Smartphone-App für Landwirte, die eine bessere Verwertung von Leistungsdaten ermöglicht, auf deren Grundlage KMU fundierte Finanzierungsentscheidungen treffen können; eine bessere Ausbildung im Bereich Umwelt-, Sozial- und Governancestandards. Während der deutschen G20-Präsidentschaft wird die Entwicklung bewährter Verfahren zur Einbindung von KMU in nachhaltige globale Wertschöpfungsketten durch besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen weiter vorangetrieben.

Des Weiteren wurde im Rahmen des Workshops diskutiert, welche Rolle innovative digitale Finanztechnologien (Fintechs) wie beispielsweise Kreditplattformen und Zahlungs-Apps für die Finanzierung von KMU spielen können. Finanztechnologien können als Schnittstelle zwischen KMU und Investoren fungieren. Vor allem in den Schwellenländern können Finanztechnologien den Zugang zu Finanzdienstleistungen erheblich verbessern, indem sie die Voraussetzungen für digitale Zahlungen schaffen. Darüber hinaus wurde betont, dass Technologien zwar entscheidend sind, das persönliche Element oft aber weiterhin unerlässlich ist – insbesondere, wenn es darum geht, Vertrauen zu schaffen. Im Anschluss an die Präsentation von vier Fintech-Geschäftsmodellen nahmen Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sowie Dr. Ingrid Hengster, Mitglied des Vorstands der KfW, an einer Diskussion mit Fintech-Vertretern teil. Dabei erklärte der Parlamentarische Staatssekretär Jens Spahn: „Heute muss jede Bank auch als Fintech fungieren. Das Wichtigste ist Zusammenarbeit.“ Er stellte in Aussicht, dass Big Data schon bald ein zentrales Thema sein werden. Es bestand weitgehend Einigkeit darüber, dass die Vorteile von Finanztechnologien für die Finanzierung von KMU überwiegen. Gleichzeitig müssten die Finanzstabilität sowie Cyber- und Verbraucherrisiken genau beobachtet werden. Bei der Frage nach der Regulierung von Finanztechnologien betonte Spahn: „Nicht Technologien, sondern Geschäftsmodelle werden reguliert – Banken bleiben Banken.“

Angesichts der wichtigen Rolle der Entwicklungsbanken, was den Zugang zu Finanzierungsmitteln für KMU betrifft, berichteten Mitglieder der G20-Entwicklungsbanken (D20) und des International Development Finance Club (IDFC) über ihre Erfahrungen in Bezug auf die Einbindung von KMU in die weltweiten Wertschöpfungsketten. Die Small Industries Development Bank of India und die Central American Bank for Economic Integration steuerten ihre Erkenntnisse zur Finanzierung von KMU bei und betonten u. a.-unter anderem die Bedeutung der Diversifizierung von Finanzprodukten. Die KfW und die Agence Française de Développement (AFD) berichteten über ihre Erfahrungen beim Abbau von Risiken in der KMU-Finanzierung mithilfe von Garantieprogrammen und strukturierten Fonds. Die lokale Währungsfinanzierung sowie die Kombination aus Finanzdienstleistungen und dem Aufbau von Kapazitäten, um Projekte finanzierbar zu machen – auch unmittelbar in den KMU – wurden als weitere wichtige Tätigkeitsfelder angeführt. Die Schaffung von Anreizen für private Kapitalinvestitionen ist ebenfalls wichtig.

Des Weiteren wurde im Rahmen des Workshops die entscheidende Rolle der Politik und Regulierung für die Finanzierung von KMU betont. Ein Beispiel für die Umsetzung politischer Reformen in konkrete Aktionspläne lieferte die Türkei. Die Teilnehmer betonten die Bedeutung der G20-Arbeiten zur wirksamen Umsetzung der in den Hochrangigen Prinzipien der G20/OECD zur Finanzierung von KMU (G20/OECD High-Level Principles on SME Financing) verankerten Ansätze. Auch der Aktionsplan der G20 zur Finanzierung von KMU (G20 Action Plan on SME Financing) wurde als wichtiges Element zur Verbesserung der Finanzierung von KMU hervorgehoben. Schwerpunkte des Aktionsplans sind 1. die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Kreditauskünfte für KMU, 2. Reformen, die es Banken und Nichtbanken ermöglichen, KMU gegen Mobiliarsicherheiten Kredite zu gewähren, sowie 3. Reformen des Insolvenzrechts. Die G20-Mitglieder treffen derzeit Maßnahmen zur Umsetzung dieses Aktionsplans. Weitere interessante Beispiele für hilfreiche politische Maßnahmen steuerten Großbritannien und Kenia bei.

Darüber hinaus kamen bei der Veranstaltung auch Vertreter der B20 (Wirtschaftsvertreter der G20-Länder) sowie der Business Angel Peter Jungen zu Wort, die die Bedeutung einer unternehmerischen Kultur als Voraussetzung für erfolgreiche Start-up-Unternehmen betonten.

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