Privatisierungs- und Beteiligungspolitik12.05.2009  

Deutsche Post AG

Die Deutsche Post AG [Extern] ist im Rahmen der Postreform II als eines der drei Postnachfolgeunternehmen (Deutsche Telekom AG, Deutsche Post AG, Deutsche Postbank AG) zu Beginn des Jahres 1995 in die Rechtsform einer Aktiengesellschaft umgewandelt worden.

Ziel dieser Umwandlung war es, die Deutsche Post AG auf die sich abzeichnenden Änderungen der Marktbedingungen vorzubereiten und den Schritt zu einem wettbewerbsfähigen und börsenreifen Unternehmen zu vollziehen. Die Deutsche Post AG hat dies durch erfolgreiche Umstrukturierungen und gezielte Akquisitionen erreicht und kann heute ein weltumfassendes Angebot an Brief-, Express-, Logistik- und Finanzdienstleistungen aufweisen.

Die Trennung vom bislang zum Konzern gehörenden Finanzdienstleistungsbereich hat mit dem Verkauf der Beteiligung an der Postbank begonnen. Die Deutsche Bank AG erwirbt dabei den von der Deutsche Post AG gehaltenen Anteil in einem dreistufigen Prozess (siehe auch unten stehende Ausführungen zur Postbank). Der Bereich Finanzdienstleistungen gehört damit nicht mehr zum Kerngeschäft der Deutsche Post AG.

Durch das Postgesetz und die Postuniversaldienstleistungs- verordnung gewährleistet der Bund im Bereich des Postwesens flächendeckend angemessene und ausreichende Dienstleistungen. Eine Beteiligung des Bundes an der Deutsche Post AG ist daher nicht mehr erforderlich. Mit der Änderung des Postumwandlungsgesetzes im Jahr 2002 wurde die rechtliche Voraussetzung geschaffen, dass der Bund die Kapitalmehrheit an der Deutsche Post AG veräußern kann. In Übereinstimmung mit der Postreform ist es Ziel der Bundesregierung, die Deutsche Post AG - entsprechend der Aufnahmefähigkeit der Kapitalmärkte – schrittweise vollständig zu privatisieren.

Im Vorgriff auf den Börsengang hatte der Bund im Dezember 1999 50 % minus 1 Aktie des Grundkapitals an die Kreditanstalt für Wiederaufbau veräußert (sog. Platzhaltergeschäft). Seit dem Börsengang (IPO) am 20. November 2000 sind die Aktien der Deutsche Post AG an der Börse notiert. Bund und KfW platzierten beim IPO rund 29 % des Grundkapitals der Deutsche Post AG aus dem Bestand der KfW und konnten dabei einen Emissionserlös von rund 6,6 Mrd. Euro [Glossar] erzielen. Bei dieser Erstemission wurden erstmals auch privaten Anlegern außerhalb Deutschlands Aktien zu gleichen Bedingungen angeboten.

Seit dem IPO wurde der Anteil des Bundes/der KfW an der Deutsche Post AG schrittweise weiter reduziert.

  • In den Jahren 2001/2002 erhöhte sich der Anteil der frei gehandelten Aktien im Rahmen einer Akquisition der DHL durch die Deutsche Post AG sowie durch die Ausgabe von Bonusaktien an bezugsberechtigte Kleinaktionäre.
  • Mit einem zweiten Platzhaltergeschäft veräußerte der Bund im November 2003 rund 30 % der Aktien der Deutsche Post AG an die Kreditanstalt für Wiederaufbau. 
  • Im Dezember 2003 wurden von der Kreditanstalt für Wiederaufbau ca. 5,7 % der Aktien an institutionelle Investoren verkauft und eine Umtauschanleihe mit einem Volumen von 1,15 Mrd. , wandelbar in Aktien der Deutsche Post AG, begeben.
  • Im November 2004 veräußerte die Kreditanstalt für Wiederaufbau erneut rund 6,6 %  der Aktien des Unternehmens am Kapitalmarkt an institutionelle Anleger. 
  • Im Januar 2005 verkaufte der Bund weitere rund 13 % der Aktien der Deutsche Post AG an die Kreditanstalt für Wiederaufbau. 
  • Anfang 2005 platzierte die Kreditanstalt für Wiederaufbau eine Umtauschanleihe über 1,1 Mrd. auf dem japanischen Markt (sog. Uridashi). Käufer waren Privatanleger. 
  • Im Juni 2005 verkaufte die Kreditanstalt für Wiederaufbau weitere 11,4 % der Aktien der Deutsche Post AG am Kapitalmarkt. Durch diese Transaktion sank der von Bund und Kreditanstalt für Wiederaufbau gehaltene Anteil unter 50 %.
  • Im Juli 2005 verkaufte der Bund die restlichen 7,3 % der Aktien der Deutsche Post AG im Rahmen eines weiteren Platzhaltergeschäftes an die KfW. Der Bund besitzt damit direkt keine Anteile mehr an der Deutsche Post AG.
  • Im Juli 2006 verkaufte die KfW weitere 6,1 % der Aktien der Deutsche Post AG an institutionelle Investore 
  • Durch die fast vollständige Ausübung der im Dezember 2003 begebenen Umtauschanleihe verringerte sich im Januar 2007 der KfW-Anteil an der Deutsche Post AG um weitere 4,6 %.

Das Grundkapital der Deutsche Post AG umfasst zum 31.03.2009 rund 1.209,0 Mio. Stück Aktien.

Der Anteil der frei an der Börse gehandelten Aktien beträgt 69,5 %, der KfW-Anteil liegt nunmehr bei 30,5 % der DPAG Aktien. Bei einer vollständigen Wandlung des Uridashi würde sich dieser Anteil auf 25,8 % reduzieren.

Deutsche Postbank AG

Die Deutsche Post AG [Extern] entstand als Aktiengesellschaft ebenfalls 1995 im Rahmen der Postreform II. Im Jahr 1999 veräußerte der Bund die Gesellschaft an die Deutsche Post AG und hält seither keine Anteile mehr an der Postbank.

Im Jahr 2000 wurde die Deutsche Siedlungs- und Landesrentenbank (DSL-Bank) auf die Postbank verschmolzen. Die Deutsche Post AG brachte die Postbank im Juni 2004 an die Börse: Ca. 33,2 % der Postbank-Aktien wurden im Rahmen eines IPO direkt an Privatanleger und institutionelle Investoren emittiert. Gleichzeitig begab die Deutsche Post AG auf einen Teil des von ihr gehaltenen Aktienkapitals der Postbank eine Umtauschanleihe mit dreijähriger Laufzeit. Die Umtauschanleihe wurde im Juli 2006 vorzeitig gekündigt.

In der Folge reduzierte sich der Anteil der Deutschen Post AG an der Postbank auf 50 % (plus 1 Aktie) und der frei handelbare Aktienanteil (Free Float) der Postbank erhöhte sich entsprechend auf 49,99 %. Durch eine im November 2008 vorgenommene Kapitalerhöhung der Deutschen Postbank AG mit Bezugsrecht, die zum weit überwiegenden Teil von der Deutschen Post AG getragen wurde, erhöhte sich die Mehrheit der Deutschen Post AG an der Postbank von 50 % (plus 1 Aktie) auf 62,3 %.

Im September 2008 einigte sich die Deutsche Post AG mit der Deutsche Bank AG grundsätzlich über den Übergang der Anteile an der Deutsche Postbank AG. Die Vereinbarung wurde im Januar 2009 angepasst. Danach erwarb die Deutsche Bank AG im Zuge eines Aktientauschs zunächst 22,9 % an der Postbank. Für den Übergang weiterer 27,4 % der Anteile wurde eine Pflichtumtauschanleihe vereinbart. Darüber hinaus bestehen für einen Anteil von 12,1 % Optionsrechte. Kurzfristig wird die Postbank so mit der Deutschen Post AG und der Deutschen Bank AG zwei bedeutende Ankeraktionäre haben, während mittelfristig die Deutsche Bank AG die Möglichkeit hat, die Mehrheit der Stimmrechte an der Postbank zu erwerben.

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