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    Grü­ne Kon­ver­si­on von Bun­des­flä­chen: das Na­tio­na­le Na­tur­er­be

    • Das Nationale Naturerbe ist eine Initiative des Bundes mit dem Ziel, die aus Naturschutzsicht wertvollsten Bundesflächen langfristig zu schützen.
    • Seit dem Jahr 2005 haben die jeweiligen Bundesregierungen in ihren Koalitionsverträgen beschlossen, insgesamt 156.000 Hektar besonders wertvolle Bundesflächen nicht zu privatisieren, sondern dauerhaft für den Naturschutz zu sichern.
    • Der größte Flächenanteil stammt aus dem Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Es handelt sich überwiegend um Flächen, die früher militärisch genutzt wurden. Sie verfügen sehr oft über einen hohen ökologischen Wert.
    • Die ausgewählten Flächen werden Ländern, Stiftungen und Naturschutzverbänden eigentumsrechtlich unentgeltlich, aber unter strengen Naturschutzauflagen übertragen. Viele Flächen werden weiter durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben – Sparte Bundesforst naturschutzfachlich betreut und entwickelt.
    • Vom 9. bis 11. Juni 2017 sind viele Naturschutzflächen beim „Tag des Nationalen Naturerbes“ für jedermann zugänglich.

    Einleitung

    Von den Auen an Elbe oder Donau über eine faszinierende Boddenlandschaft bis hin zu unberührten Mooren – es gibt hierzulande mannigfaltige Landschaften mit den unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten. Deutschland hat unzählige solcher grüner, lebendiger Schätze. Dieses wertvolle Nationale Naturerbe (NNE) gilt es für folgende Generationen zu schützen und zu entwickeln. Als größter Naturschutzflächendienstleister Deutschlands stellt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) – Sparte Bundesforst das ökologische Management auf den Flächen des NNE für zahlreiche Träger sicher.

    Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

    wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2005 auf der Grundlage des Gesetzes über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImAG) als Nachfolgeorganisation der Bundesvermögensverwaltung gegründet. Die BImA hat nach § 1 Abs. 1 BImAG die Aufgabe, die Liegenschaftsverwaltung nach kaufmännischen Grundsätzen vorzunehmen und nicht betriebsnotwendiges Vermögen wirtschaftlich zu veräußern. Sie ist die zentrale Dienstleisterin für Immobilien des Bundes. Sie gehört zum Geschäftsbereich des BMF und betreut insgesamt rund 20.000 Liegenschaften. Mehr als 37.000 Wohnungen und etwa 480.000 Hektar Grundstücksfläche befinden sich in ihrem Eigentum. Davon entfallen knapp 410.000 Hektar auf forstlich betreute Flächen. Darüber hinaus betreut die Bundesanstalt mit ihrer Sparte Bundesforst im großen Umfang Wald- und Offenlandflächen für Dritte. Zusammen mit den ehemals militärisch genutzten Flächen sowie den Wohn-, Industrie- und Gewerbeimmobilien bildet diese Flächenkulisse eines der größten Portfolios Deutschlands.

    Da die Bundesregierung den Wert dieser Flächen erkannte, hat sie im Jahr 2005 die Initiative „Nationales Naturerbe“ ins Leben gerufen. Diese sieht eine besondere Form der Konversion vor: Der Bund verzichtet auf den Verkauf wertvoller Naturflächen, die sich in seinem Eigentum befinden. Stattdessen gibt er sie in die Hände des Naturschutzes. Im Jahr 2005 war die Sicherung naturschutzfachlich wertvoller Bundesflächen unter dem Begriff „Nationales Naturerbe“ erstmals Gegenstand einer Koalitionsvereinbarung. In den beiden nachfolgenden Legislaturperioden kamen eine zweite und dritte Flächenübertragung hinzu, sogenannte Tranchen. Insgesamt 156.000 Hektar sind inzwischen als NNE dem Naturschutz gewidmet. Das entspricht in etwa 220.000 Fußballfeldern.

    Tranchen

    Der aktuelle Koalitionsvertrag für die 18. Legislaturperiode führt zur 3. Tranche des NNE Folgendes aus: „Naturschutz und biologische Vielfalt: Wir wollen den Naturreichtum und die Artenvielfalt unserer Heimat bewahren. Die nationale Biodiversitätsstrategie wird umgesetzt. Das Nationale Naturerbe wird um mindestens 30.000 Hektar erweitert und hierfür Flächen, die aus der militärischen Nutzung genommen werden, von der Privatisierung ausgenommen und an interessierte Länder, Umweltverbände oder -stiftungen übertragen.“ Die erste Tranche umfasste bereits 100.000 Hektar, mit der zweiten Tranche kamen weitere 25.000 Hektar hinzu.

    Hochwertige Areale wurden als überregional bedeutsame Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten identifiziert und aus einer ansonsten bestehenden Verkaufsverpflichtung herausgenommen. Neben der Bodenverwertungs- und -verwaltungs-GmbH (BVVG) sowie der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) trug auch die BImA ihren Flächenanteil zu der ersten Tranche bei – mit über 66.000 Hektar sogar den größten Teil. Zu den ausgewählten Arealen gehört beispielsweise auch das „Grüne Band“, der Bereich des ehemaligen Grenzstreifens zwischen der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland. Und das NNE wurde noch umfassender: In einer weiteren Tranche kamen noch 25.000 Hektar dazu. Im Koalitionsvertrag für die 18. Legislaturperiode vereinbarten die Regierungsparteien 2013 noch eine weitere dritte Tranche (mindestens 30.000 Hektar), um das NNE zu bewahren. Dabei stellt all diese Flächen der zweiten und dritten Tranche – ehemals militärisch genutzte, weiträumige Liegenschaften des Bundes – die BImA bereit.

    Der Bundesrepublik fiel insbesondere in den Jahren seit der deutschen Einheit ein umfangreiches Flächeneigentum zu – nicht mehr genutzte militärische Liegenschaften, Flächen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, ehemalige Braunkohletagebaue. Insbesondere der Umnutzung beziehungsweise zivilen Nachnutzung (Konversion) von großen, nicht mehr genutzten Militärliegenschaften kommt eine wichtige Bedeutung zu. Wenn das Militär abzieht, werden Flächen für eine komplett neue, zivile Nutzung frei. So stehen insbesondere ehemalige Truppen- und Standortübungsplätze mit ihren weitläufigen Heiden und Grünlandflächen, Mooren und Feuchtgebieten sowie lichten Wäldern und Waldrandstrukturen, die einen besonderen ökologischen Wert besitzen, im Rahmen der Konversion zur Verfügung. Die Flächen dienten allein der militärischen Geländenutzung. Sie waren weder Besucherverkehr noch dem Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt. Daher konnte sich die Natur an diesen Stellen trotz intensiver Nutzung frei entfalten. Es entstanden Lebensräume für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

    Vorsicht Fleischfresser: Auch der Sonnentau ist eine geschützte Pflanzenart, die im NNE Lebensräume findet
    Abbildung 1 Quelle:  Torsten Beuster/BImA

    Organisation des NNE

    Mit rund 125.000 Hektar stellt die BImA über 80 % der NNE-Flächen zur Verfügung. In einem derzeit noch laufenden Prozess gehen die NNE-Flächen der einzelnen Tranchen aus dem Bundesbesitz sukzessive an die Empfänger über: an unterschiedliche Träger des Naturschutzes sowie an Naturschutzverwaltungen der Bundesländer. Die Eigentumsübertragung der ausgewählten Flächen erfolgt unentgeltlich, aber unter strengen Naturschutzauflagen. Die größte Flächenempfängerin ist die DBU Naturerbe GmbH, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die neuen Eigentümer sind künftig für die Pflege und Entwicklung der Flächen verantwortlich. Ein Teil der Flächen verbleibt im Besitz der BImA. Für diese sogenannte Bundeslösung übernimmt die BImA – Sparte Bundesforst selbst die Naturschutzaufgaben.

    An­tei­le der Flä­chen­ge­ber am Na­tio­na­len Na­tur­er­be

    in %

    Kreis­dia­gramm: An­tei­le der Flä­chen­ge­ber am Na­tio­na­len Na­tur­er­be
    Quelle: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
    Anteile der Flächengeber am Nationalen Naturerbe
    Anteile der Flächengeber am NNEWert in Prozent
    BVVG18
    LMBV1,6
    BImA80,3
    Abbildung 2

    Flächenauswahl

    Um sicherzustellen, dass die ökologisch wertvollsten Flächen Bestandteil der NNE-Kulisse werden, wurden die Flächen nach festgelegten naturschutzfachlichen Kriterien ausgewählt. Hierzu stimmten sich das jeweilige Bundesland, das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die BImA ab. Es wurden folgende naturschutzfachliche Kategorien definiert, die für die Auswahl der NNE-Liegenschaften anzuwenden waren:

    • Flächen entlang des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens („Grünes Band“)
    • Nationalparks
    • Kernzonen beziehungsweise Naturschutzgebiete (NSG) und Natura 2000-Gebiete in Biosphärenreservaten
    • Kerngebiete der Naturschutzgroßprojekte des Bundes
    • Gebietskulisse Natura 2000 (Flora-Fauna-Habitat-Gebiete und Vogelschutzgebiete)
    • NSG mit einer Größe von mehr als 50 Hektar
    • ehemalige militärische Übungsflächen mit einer Größe von mehr als 1.000 Hektar sowie Flächen zwischen 1.000 Hektar und 100 Hektar mit mehr als 20 % ausgewiesenen Schutzgebieten (NSG, Natura 2000-Gebiete)
    • Bergbaufolgelandschaften mit einer Größe von mehr als 100 Hektar
    • Gebiete mit besonderer Bedeutung für den bundes- und landesweiten Biotopverbund
    • Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Artenschutz.

    Flächen mit NNE-Status sind im gesamten Bundesgebiet verteilt. Sie reichen von der wilden Küstenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern und der Dünenlandschaft der Insel Sylt über ausgedehnte Wälder und Moore, weite Heidelandschaften und vielgestaltige Auenwälder bis hin zu strukturreichen Kulturlandschaften aus Streuobstwiesen und Magerrasen in deutschen Mittelgebirgen. Auch in unmittelbarer Nachbarschaft von Großstädten wie Berlin, Köln, Hamburg, Nürnberg und München gibt es Flächen des NNE. Abbildung 2 zeigt eine Übersicht aller NNE-Flächen, die die BImA bereitgestellt hat.

    Die Karte zeigt eine Übersicht aller NNE-Flächen, die die BImA bereitgestellt hat
    Abbildung 3

    Flächenempfänger

    Die größte Flächenempfängerin mit insgesamt rund 69.000 Hektar (44 %) in neun Bundesländern ist die DBU Naturerbe GmbH. Weitere Empfänger sind neben der Heinz Sielmann Stiftung beispielsweise die Stiftung Nationales Naturerbe des Naturschutzbundes Deutschland e. V. (NABU) oder die Naturstiftung David. Insgesamt werden circa 30.000 Hektar (19 %) an die Bundesländer und deren Naturschutzstiftungen übertragen – darunter fast alle Bundesflächen im „Grünen Band“. Für etwa 25.000 Hektar (16 %) haben Naturschutzstiftungen und Naturschutzverbände die Verantwortung übernommen. Mehr als 32.000 Hektar (21 %) der ehemaligen Militärflächen bleiben als sogenannte Bundeslösung weiter im Eigentum der BImA.

    An­tei­le der Flä­chen­emp­fän­ger an BI­mA-Flä­chen

    in %

    Kreis­dia­gramm: An­tei­le der Flä­chen­emp­fän­ger an BI­mA-Flä­chen
    Quelle: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
    Anteile der Flächenempfänger an BImA-Flächen
    Anteile der Flächenempfänger an BImA-FlächenWert in Prozent
    DBU Naturerbe GmbH55,6
    Länder/Verbände/Stiftungen18,3
    Naturerbe Bund (Bundeslösung)26,1
    Abbildung 4

    Der Bund knüpft die unentgeltliche Übertragung der Flächen an konkrete Bedingungen. Die Flächenempfänger verpflichten sich, den naturschutzfachlichen Wert der Flächen dauerhaft zu erhalten. Für jede Liegenschaft erarbeitet der Flächenempfänger in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden des jeweiligen Bundeslandes und dem BfN ein übergeordnetes Leitbild. Die geplanten Maßnahmen müssen in einem Pflege- und Entwicklungsplan festgehalten werden. Ziel ist es, festzuhalten, wie die Flächen zukünftig entwickelt werden sollen. Dadurch wird gewährleistet, dass sie tatsächlich dauerhaft dem Naturschutz dienen. Die Flächenempfänger verpflichten sich zudem, auch die Kosten und Risiken zu tragen, die mit der Fläche und der naturschutzfachlichen Betreuung verbunden sind.

    Die BImA als Dienstleisterin

    Der Bundesforst verfügt über die ganze Bandbreite an Dienstleistungen und Erfahrungen, die für Naturschutz und Waldpflege nötig sind. Der Großteil der Flächen des NNE wird auch nach der Übertragung an Dritte in deren Auftrag weiter von der BImA – Sparte Bundesforst betreut. Im Dezember 2008 schlossen die BImA und die DBU Naturerbe GmbH, die von der BImA bis dahin 46.000 Hektar des NNE übernommen hatte, einen Dienstleistungsvertrag. Hiernach übernimmt der Bundesforst unter Federführung des neuen Eigentümers DBU Naturerbe GmbH die komplette Liegenschaftsverwaltung und naturschutzfachliche Geländebetreuung. Eine der bekannten DBU-Naturerbeflächen ist beispielsweise Prora auf der Insel Rügen, die größte ist die Ueckermünder Heide am Stettiner Haff. Der Bundesforst übernimmt daneben auch die Geländebetreuung auf NNE-Flächen weiterer Träger. Zusätzlich werden auch Flächen der „Bundeslösung“ vom Bundesforst betreut, die nicht von Trägern des Naturschutzes übernommen wurden (rund 32.000 Hektar), beispielsweise die Nationalparks Müritz und Vorpommersche Boddenlandschaft.

    Blick in die Lübtheener Heide von der größten aktiven Binnendüne Deutschlands
    Abbildung 5 Quelle:  Sabine Stein/BImA

    Die Bundesforstbetriebe vor Ort verfügen über geschultes Fachpersonal, das auf einen großen Erfahrungsschatz im Naturerbe und anderen Naturschutzprojekten zurückgreifen kann. Dazu zählen neben der naturschutzfachlichen Betreuung von Wald- und Offenland auch Kompensationsmaßnahmen, sogenannte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für unterschiedliche Bedarfsträger. Der Rückbau oder die Renaturierung ehemaliger militärischer Infrastruktur spielen hierbei eine ebenso große Rolle wie die Erhaltung, Pflege und Entwicklung von wertvollen Lebensräumen und gefährdeten Arten.

    Im Einklang mit der Natur

    Die Flächen des NNE stellen einen Schatz dar, der für nachfolgende Generationen bewahrt werden soll. Es handelt sich oftmals um weitläufige Gebiete, die als Übungsplätze für das Militär oder zur Gewinnung von Braunkohle sowie als Acker und Grünlandflächen dienten. Diese Gebiete entwickelten sich trotz ihrer zum Teil sehr intensiven militärischen Nutzung zu Rückzugsräumen für seltene Tier- und Pflanzenarten. Hier fanden im Laufe der Zeit beispielsweise Fledermaus, Hirschkäfer und Schwarzstorch ein Zuhause.

    Abbildung eines Schwarzstorches
    Abbildung 6 Quelle:  Torsten Beuster/BImA

    Der Bund hat Verfahren und Ziele festgelegt, die eine langfristige naturschutzfachliche Entwicklung und Sicherung der NNE-Flächen gewährleisten. Diese Vorgaben müssen die neuen Flächeneigentümer einhalten und umsetzen. Unterschiedliche Bereiche einer Fläche bedürfen dabei einer individuell angepassten Naturschutzstrategie.

    Wälder – der Natur ihren Lauf lassen

    Für alle Wälder des NNE ist eine forstliche Nutzung ausgeschlossen. Ziel ist es, naturnahe Wälder wie beispielsweise Buchenwälder zu erhalten und zu entwickeln. Ist der Baumbestand bereits naturnah, werden keine weiteren Maßnahmen durchgeführt. In naturfernen Wäldern hingegen, wie beispielsweise in Fichtenwäldern im Flachland, können in einem befristeten Übergangszeitraum Entwicklungsmaßnahmen erfolgen. Dieser Prozess kann mehrere Jahrzehnte dauern. Eine Ausnahme bilden hier besondere, historisch bedingte Waldformen wie Hute-, Nieder- und Mittelwälder oder bestimmte Eichenwaldlebensräume. Sie können nur durch gezielte Eingriffe (z. B. Entnahme standortfremder Baumarten) erhalten werden. In natürlichen Wäldern kommt u. a. reichlich Alt- und Totholz vor, was die Lebensgrundlage für Insekten, Pilze, Moose und Flechten darstellt und damit wiederum die sich von ihnen ernährende Arten (z. B. Spechte, Fledermäuse) anzieht.

    Offenland und Feuchtgebiete – Schutz durch gezielte Erhaltungsmaßnahmen

    Im Gegensatz zu den Wäldern benötigen Offenlandbereiche im Naturerbe eine angepasste Pflege. Gerade auf diesen Arealen konnten sich im Laufe der jahrzehntelangen Nutzung – insbesondere durch das Militär – viele Tier- und Pflanzenarten ansiedeln. Bleiben gezielte Pflegemaßnahmen aus, wachsen diese Flächen wieder zu und es entsteht Wald. Damit verschwinden auch die Tier- und Pflanzenarten, die sich an diese Lebensräume angepasst haben. Alle Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen auf Offenlandbereichen sind daher darauf ausgerichtet, diesen Prozess aufzuhalten. Diese NNE-Flächen werden u. a. gemäht oder beweidet – z. B. mit Wildpferden, Schafen oder Ziegen. Offenlandbereiche bieten u. a. Lebensraum für gefährdete Arten wie die Kreuzotter, die Heidelerche, seltene Schmetterlinge und Pflanzen (z. B. Sandstrohblume). Auch Feuchtgebiete und Gewässer sollen möglichst in ihren ursprünglichen Zustand zurückgeführt beziehungsweise erhalten werden. Naturnahe Feuchtgebiete bieten Lebensraum für z. B. Biber, Fischotter, Frösche und seltene Orchideen.

    Konikpferde als Landschaftspfleger für Heideflächen auf der NNE-Liegenschaft Cuxhavener Küstenheide
    Abbildung 7 Quelle:  Henning Wehebrink/BImA

    Wildmanagement

    Auch die Jagd wird an die naturschutzfachlichen Ziele des NNE angepasst. Die Flächeneigentümer erarbeiten ein Konzept zum Wildmanagement. Die Jagd dient hier dem Naturschutz. Meist ist sie nötig, um (Wild-)Schäden von benachbarten Flächen zu verhindern. Vor allem soll sie auch ermöglichen, dass junge Triebe eine Überlebenschance haben und so eine natürliche Verjüngung der heimischen Baumarten auch ohne Waldschutzmaßnahmen (wie z. B. Einzäunung) möglich ist. Auf Flächen des NNE wird ausschließlich mit bleifreier Munition gejagt.

    Fazit

    Die BImA hat den gesetzlichen Auftrag, Liegenschaften, die für Bundeszwecke nicht mehr benötigt werden, nach kaufmännischen Grundsätzen zu veräußern. Hiervon abweichend hat der Haushaltsgesetzgeber mit der Sicherung naturschutzfachlich wertvoller Bundesflächen unter dem Begriff „Nationales Naturerbe“ ein klares Signal für den Naturschutz gesetzt. Es wurde zugelassen, dass Flächen des NNE unentgeltlich und unter strengen Naturschutzauflagen an die Bundesländer, Bundes- oder Landesstiftungen oder unter bestimmten Voraussetzungen an andere Träger des Naturschutzes eigentumsrechtlich übertragen werden.

    Der Bundesforst sorgt auf einem Großteil der Naturerbeflächen dafür, dass die Refugien von Seeadler, Ziegenmelker und Co. sowie von seltenen Pflanzen wie Mondraute und Knabenkraut für zukünftige Generationen bewahrt werden. Die Wälder des NNE werden dabei künftig ihrer natürlichen Entwicklung überlassen und viele geschützte Arten im Offenland oder in Feuchtgebieten durch geeignete Maßnahmen erhalten. Grüne Konversion ist das Ziel. Mit der Sicherung eines beträchtlichen Teils bundeseigener (Wald-)Flächen für das NNE hat der Bund auch einen wesentlichen Beitrag zur biologischen Vielfalt geleistet.

    Der Einfluss des Menschen soll auf den NNE-Flächen so gering wie möglich gehalten werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die interessierte Öffentlichkeit ausgeschlossen wird. Im Gegenteil: Alle Beteiligten im NNE arbeiten daran, die Flächen auch für Interessierte zu öffnen, ohne dabei sensible Tier- und Pflanzenarten einer zu großen Störung auszusetzen. Auf vielen Naturerbeflächen werden Aussichtsplattformen errichtet. In Bereichen, in denen keine Gefahr aus der militärischen oder bergbaulichen Vornutzung besteht, gibt es Rundwege, Besucherzentren und Informationstafeln. Auch geführte Wanderungen und Exkursionen sind möglich. Das NNE wird auf diese Weise einen Bildungsbeitrag leisten. Alle Bürger sind herzlich eingeladen, die außergewöhnlichen Landschaften und die Vielfalt des Naturerbes selbst zu entdecken, so z. B. am Wochenende des 9. bis 11. Juni 2017. Eine Reihe von Naturschutzakteuren öffnen ihre Pforten und laden auf ihren Naturerbeflächen zu einem „Tag des Nationalen Naturerbes“ ein. Angeboten werden Exkursionen, Wanderungen und viele weitere Aktionen in verschiedenen Regionen Deutschlands (Hinweise zu den Veranstaltungen auf der Website des BMUB unter www.bmub.bund.de/P4602).

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