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03.07.2017

Das Det­lev-Roh­wed­der-Haus – Spie­gel der deut­schen Ge­schich­te

Mit der Video-Ausstellung „Das Detlev-Rohwedder-Haus – Spiegel der deutschen Geschichte“ direkt gegenüber dem Haupteingang an der Wilhelmstraße informiert das Bundesministerium der Finanzen über die wechselvolle Geschichte seines Berliner Dienstsitzes. Wie kaum ein anderes Gebäude spiegelt es die Brüche der jüngeren deutschen Geschichte wider. Erbaut als Reichsluftfahrtministerium entwickelt sich das Gebäude nach dem Krieg zum Machtzentrum des sozialistischen Deutschlands. Unmittelbar nach der Wiedervereinigung bezieht die Treuhandanstalt und später das Bundesministerium der Finanzen das Gebäude. Mit dem Bundesfinanzministerium residiert hier heute ein Grundpfeiler des demokratischen Deutschlands sowie der europäischen und weltweiten finanzpolitischen Zusammenarbeit

Media-Container, die die Geschichte des Detlev-Rohwedder-Hauses zeigen.
Bundesministerium der Finanzen

Besucherinnen und Besucher können sich an der Wilhelmstraße gegenüber dem heutigen Bundesfinanzministerium auf eine Zeitreise begeben. Die Video-Ausstellung beleuchtet historisch bedeutende Ereignisse, die im oder vor dem Gebäude stattgefunden haben – ein Streifzug durch die jüngere deutsche Geschichte. Englische Untertitel zu den Filmen sowie englische Bezeichnungen an der Installation machen die Ausstellung auch für die vielen internationalen Touristen in der historischen Mitte Berlins erfahrbar.

Ein Überblick über die gezeigten Stationen:

Die Architektur und Geschichte des Hauses

Erbaut in der Rekordzeit von nur 18 Monaten dient das Gebäude ab 1936 während der Zeit des Nationalsozialismus unter Herrmann Göring bis 1945 als Reichsluftfahrtministerium. Tag und Nacht arbeiten 5.000 Arbeiter, errichten 17 Treppenhäuser und sieben Aufzüge. Ein Koloss von bis dahin nicht gekanntem Ausmaß entsteht: 112.000 m2 Gesamtfläche, 2.100 Räume, bis zu 440 m lange Flure summieren sich zu einem Labyrinth von fast 6,8 km Länge. Der unübersichtliche Komplex soll nach dem Willen seiner Erbauer vor allem eines bezwecken: Einschüchterung durch martialische Proportionen.

Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“

Unter Führung von Harro Schulze-Boysen versucht eine Widerstandsgruppe, die NS-Gewaltherrschaft von innen zu bekämpfen. Diese bewusste Entscheidung führt Schulze-Boysen in eine der Machtzentralen des „Dritten Reichs“: das Reichsluftfahrtministerium. Als Mitarbeiter der Nachrichtenabteilung hat er Zugang zu militärisch geheimen Informationen. Diese leitet er an sowjetische Stellen weiter und warnt Moskau so vor dem bevorstehenden Angriff. Durch ihre Tätigkeit gerät die Gruppe um Schulze-Boysen jedoch in das Visier der Gestapo, die bereits seit geraumer Zeit gegen einen sowjetischen Spionagering in Westeuropa unter der Bezeichnung „Rote Kapelle“ ermittelt. Insgesamt werden 119 NS-Oppositionelle im September 1942 verhaftet. Nach Verhören unter Folter ergehen mehr als 50 Todesurteile.

Die Gründung der DDR

Im Festsaal hinter dem Balkon des heutigen Detlev-Rohwedder-Hauses erklärt sich am 7. Oktober 1949 der „Deutsche Volksrat“ zur „Provisorischen Volkskammer“ und ruft die „Deutsche Demokratische Republik“ aus. Zum Ministerpräsidenten wird der ehemalige Sozialdemokrat Otto Grotewohl gewählt. Der überzeugte Kommunist Wilhelm Pieck tritt als Präsident an die Spitze des zweiten deutschen Teilstaates. Die deutsche Teilung ist damit vollzogen.

Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953

Vor dem damaligen „Haus der Ministerien“, erhebt sich am 17. Juni 1953, nur knapp 4 Jahre nach der Gründung der DDR, das Volk gegen die Regierung und fordert die Rücknahme der kurz zuvor beschlossenen Arbeitsnormerhöhung sowie die Absetzung der Regierung. Die Kunde vom Aufstand verbreitet sich schnell im ganzen Land. Daraufhin greift die sowjetische Besatzungsmacht mit äußerster Brutalität durch und schlägt den Aufstand blutig nieder.

Walter Ulbricht und der Bau der Berliner Mauer

Im Festsaal hinter dem Balkon des heutigen Detlev-Rohwedder-Hauses bestreitet der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht auf einer Presskonferenz mit dem berühmten Satz „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ was längst beschlossen ist. Nur zwei Monate später, am 13. August 1961, beginnen Ost-Berliner Bauarbeiter mit der Errichtung der Berliner Mauer. Mit dieser Maßnahme begegnet die DDR-Regierung dem anhaltenden Flüchtlingsstrom nach Westdeutschland. Sie trennt Ost- und West-Berlin für fast 30 Jahre nicht nur ideologisch, sondern auch physisch voneinander.

Familie Holzapfel: Mit der Seilbahn über die Mauer

Gebäudeteile des „Hauses der Ministerien“ erstrecken sich ab 1961 in den neu errichteten sogenannten Todesstreifen, welcher Ost- und West-Berlin voneinander trennt. Noch heute befinden sich dort letzte Teile der Berliner Mauer. Vom Dach des Gebäudes kommt es am 28. Juli 1965 zu einer spektakulären Flucht von Ost nach West. Die Familie Holzapfel gehört zu den 5.000 Menschen, denen es zwischen 1961 und 1989 gelingt, über die Berliner Mauer dem ostdeutschen Regime zu entfliehen. Hunderte jedoch bezahlen den Wunsch nach einem Leben in Freiheit mit ihrem Leben.

Detlev Karsten Rohwedder und die Treuhand

Politisch vollzieht sich die Vereinigung beider deutschen Staaten schneller als es sich die meisten Beteiligten anfangs träumen ließen. Doch wie steht es um die Angleichung auf wirtschaftlichem Gebiet? Eine Mammutaufgabe, die es zu bewältigen gilt: 8.500 „volkseigene Betriebe“ müssen privatisiert werden; rund 4 Millionen Arbeitsplätze sind betroffen. Die Richtung dieses bisher noch nicht dagewesenen Modernisierungsprozesses gibt Detlev Karsten Rohwedder, von August 1990 bis April 1991 Präsident der Treuhandanstalt, vor: „Schnelle Privatisierung, entschlossene Sanierung, behutsame Stilllegung.“

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