Glossar

Soziale Marktwirtschaft

Begriffsbestimmung

In einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung werden die Produktion und Verteilung aller Güter und Dienstleistungen durch Angebot und Nachfrage bestimmt, d.h. über Marktprozesse frei gehandelt und getauscht. In der "Sozialen Marktwirtschaft" wird dem Staat die Aufgabe zugewiesen, sozialpolitische Korrekturen vorzunehmen und auf sozialen Ausgleich hinzuwirken. Die Soziale Marktwirtschaft gilt heute als Grundlage der deutschen Wirtschafts- und Sozialordnung.

Allgemeines

In einer marktwirtschaftlichen Volkswirtschaft stehen die Anbieter von Produkten und Dienstleistungen in einem Wettbewerb. Die Preise regeln sich über Angebot und Nachfrage. Steigt der Preis für ein begrenzt verfügbares Produkt an, so ist entweder dessen Nachfrage gestiegen, oder es stehen weniger Produkte dem Markt zur Verfügung. Steigt z.B. der Preis für Erdöl, so ist weniger Rohöl am Markt verfügbar, weil weniger gefördert oder vermehrt gekauft wird. In der Konsequenz werden Unternehmen und Haushalte daher versuchen, weniger Rohöl (z.B. in Form von Benzin) zu verbrauchen, d.h. diese Energie rationeller zu verwenden bzw. auf verbrauchsintensive Aktivitäten ganz zu verzichten.

Aus Sicht der freien Marktwirtschaft, wie sie von Adam Smith (1723-1790) beschrieben wurde, werden das Angebot und der Konsum von Produkten und Dienstleistungen alleine vom Markt gesteuert. Staatliche Eingriffe in den Markt finden nicht statt. Der Staat garantiert mit Hilfe von Gesetzen lediglich bestimmte Randbedingungen, z.B. den Schutz des Privateigentums. Smith ging davon aus, dass die Selbstorganisation des Marktes dafür sorgt, dass jeder Marktteilnehmer, auch wenn er nur seine egoistischen Interessen verfolgt, automatisch zum Wohl der gesamten Gesellschaft beiträgt.

Eine ideale Wirtschaft mit perfekten Märkten existiert jedoch in der Realität nicht. Vielmehr gibt es eine Reihe von Unzulänglichkeiten, die u.a. zu Arbeitslosigkeit, Ungleichverteilung von Einkommen und Ausbeutung natürlicher Ressourcen führen. Kernidee der Sozialen Marktwirtschaft ist, dass eine funktionierende Wirtschaftsordnung vom Staat geschaffen und gepflegt werden muss. Dabei gilt der Grundsatz so viel Markt wie möglich, so viel Staat wie nötig (Karl Schiller, Bundeswirtschaftsminister 1966-1972). Bei der sozialen Marktwirtschaft fällt dem Staat die Rolle zu, auf sozialen Ausgleich hinzuwirken. Dies geschieht durch gesetzlich festgelegte Randbedingungen des Wirtschaftslebens, wie Kündigungsschutz, Mutterschutz, oder auch dem Kartellrecht, mit dem u.a. Preisabsprachen zwischen Unternehmen verhindert werden sollen. Die Freiheit der Marktwirtschaft soll letztlich da eingeschränkt werden, wo sie unsozial ist, d.h. wo sie den Starken dient und den weniger Starken schadet.

Die Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft wurde für den Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt. Ihre politische Durchsetzung ist mit den Namen Ludwig Erhard (Bundeswirtschaftsminister 1949-1963) und Alfred Müller-Armack (deutscher Nationalökonom) verbunden. Müller-Armack hat auch den Begriff "Soziale Marktwirtschaft" geprägt.

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