Glossar

Private Equity

Begriffsbestimmung

Private Equity bedeutet die außerbörsliche Bereitstellung von Eigenkapital für ein Unternehmen, das zunächst Kapital von Investoren benötigt, um zu einem späteren Zeitpunkt den wirtschaftlichen Erfolg mit den Kapitalgebern zu teilen. Das Konzept Private Equity ist eine Kapitalunterstützung auf Zeit.

Geschichte und Entwicklung von Private Equity

"Investition in die Zukunft" wird häufig mit Private Equity in Verbindung gebracht, es sollen innovative Technologien und Branchen unterstützt und gefördert werden. Die Idee ist nicht so neu, wie es vielleicht zu vermuten wäre. Große Entdeckungen wären sicherlich erst viel später getätigt worden, wenn nicht innovative Personen Geldgeber gefunden hätten, die Ihnen Vertrauen schenkten. Die Entdeckung des Christoph Kolumbus ist dabei sicherlich eine der bekanntesten und erfolgreichsten Private Equity Unternehmungen, auch wenn sich 1492 noch niemand bewusst war, dass diese Form der finanziellen Unterstützung durch private Investoren auch 500 Jahre später noch mit Innovation und Fortschritt in Verbindung gebracht werden würde.

Geprägt wurde der Begriff Private Equity erst viele Jahre später. Der Mentalität amerikanischer Investoren war es zu verdanken, dass sich hieraus eine Anlageklasse entwickelt hat, die sich dem Gedanken der direkten Förderung innovativer Unternehmen verschrieben hat.

Hintergrund und Definition

Bei Private Equity Kapital (PE-Kapital) handelt es sich um Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Finanzierungsmittel, welche außerbörslich durch eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft (KBG) bereitgestellt werden. Das Kapital wird langfristig in nichtbörsennotierte, zumeist kleine und mittlere Unternehmen investiert. KBGs unterscheiden sich jedoch in ihrem Fokus und der Investitionsphilosophie massiv - und konzentrieren sich daher in ihren Beteiligungen auf unterschiedliche Unternehmenstypen.

Die KBG steht dem Unternehmen beziehungsweise dem Management in vielen Fällen über den Zeitraum der Finanzierung hinweg beratend zur Seite. Beteiligungsgesellschaften interessieren sich in der Regel für Unternehmen mit guten Wachstumspotenzialen. Indem sie Eigenkapital bereitstellen für sinnvolle Investitionen, generieren sie mittelbar Wachstum und Ertragssteigerungen. Das Ziel ist dabei letztlich ein gesteigerter Unternehmenswert - an dem die KBG partizipiert, wenn sie sich von ihrer Beteiligung trennt.

Sicherheiten, wie Kreditinstitute sie verlangen, spielen bei der Vergabe von PE-Kapital keine Rolle. Die Beteiligungsgesellschaft wird Partner und Mitgesellschafter mit allen Rechten und Pflichten und hat als solcher auch Mitsprache- und Mitwirkungsrechte. In der Regel greift sie jedoch nicht in die Tagesgeschäfte des Unternehmers ein. In der angestrebten Partnerschaft stellt sie aber über ihre Mitwirkung zum Beispiel im Beirat Erfahrung, Know-how und ihre Netzwerke zur Verfügung.

Doch KBGs sind in den meisten Fällen Mitgesellschafter auf Zeit, denn bereits bei Beteiligungsbeginn steht fest, dass die übernommenen Unternehmensanteile zu einem späteren Zeitpunkt, meist nach ein paar Jahren, wieder veräußert werden. Aus dem Verkauf der - so die Hoffnung: im Wert gestiegenen - Anteile erzielt die KBG eine dem Eigenkapitalcharakter des Investments entsprechende Rendite.

Das Geschäftsmodell von KBGs ist in aller Regel auf die Nachhaltigkeit der Investments ausgerichtet - und unterscheidet sich darin von anderen Investorengruppen, wie Raidern oder Hedge-Fonds. Raider sind sehr kurzfristig orientierte Unternehmensaufkäufer, die unterbewertete Unternehmen erwerben, zerlegen oder rigoros umbauen, um dann die Einzelteile zu verkaufen. Hedge-Fonds verfolgen ebenfalls eher kurzfristige Investitionsstrategien, bei denen sie sich vornehmlich an Public Equity bedienen. Dabei nutzen sie aktuelle Börsenentwicklungen oder außergewöhnliche Unternehmenssituationen aus, um ihre Kursgewinne zu maximieren.

Beteiligungskapital ist eine attraktive Alternative zu traditionellen Finanzierungsformen. Auf Grund seiner flexiblen Ausgestaltungsmöglichkeiten ist es ein in vielen Unternehmensphasen einsetzbares Finanzierungsinstrument. In einzelnen Definitionen werden auch so genannte Mezzanine-Mittel, wie stille Beteiligungen oder Genussscheine, als Beteiligungskapital bezeichnet.

Aufgrund ihrer großen Flexibilität können spezialisierte KBGs über den gesamten Lebenszyklus eines Unternehmens Kapital zur Verfügung stellen. Von Seed- und Startup-Investitionen bei jungen, meist technologieorientierten Unternehmen über Wachstumsfinanzierungen und andere Sonderfinanzierungen (zum Beispiel die Begleitung von Turn-arounds) bei etablierten Unternehmen bis hin zu Nachfolgelösungen bei Mittelständlern. Auch die Ausgliederung von Unternehmensteilen von Großkonzernen (so genannte Buy-outs oder Spin-offs) sind Teil des Geschäftsmodells von KBGs.

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