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Neue Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen

Der kleine Familienbetrieb von Schreinermeister Jochen M. läuft gut. Der Meister, sein Geselle und der Azubi haben alle Hände voll zu tun. Ob das auch im nächsten Jahr so bleibt? Jochen M. fürchtet, dass die lahmende Konjunktur [Glossar] auch ihn treffen wird. Dabei braucht er dringend neue Maschinen und Werkzeuge. Die Ausstattung der Schreinerwerkstatt hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Kann er sich die neue Hobelmaschine, eine modernere Furnierpresse und die dringend benötigte Holzbandsäge jetzt überhaupt leisten?
Die Bundesregierung will Anreize schaffen, dass Unternehmen weiter in ihren Betrieb investieren. Denn wer neue Computer, Maschinen oder Gabelstapler kauft, stärkt nicht nur sein Unternehmen, sondern verschafft auch den Herstellern dieser so genannten beweglichen Wirtschaftsgüter Aufträge. Über das Instrument der degressiven Abschreibung und über die Möglichkeit zu Sonderabschreibungen „belohnt“ die Bundesregierung solche Investitionen [Glossar] ganz gezielt.
Das Wirtschaftswachstum [Glossar] soll so insgesamt stabilisiert werden. Vor allem der Maschinenbau, eine wichtige Säule der deutschen Wirtschaft, aber auch andere kleine und mittelständische Unternehmen können von den Maßnahmen profitieren und Arbeitsplätze erhalten.
Jede Maschine, jedes Auto, jeder Computer verliert im Laufe der Zeit an Wert. Mit der Abschreibung werden diesem jährlichen Wertverlust rechnerisch und nach zuvor festgelegten Sätzen Kosten zugeordnet. Der Abschreibungszeitraum bemisst sich nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer des jeweiligen Wirtschaftsguts.
Bei der linearen Abschreibung ist der Betrag jedes Jahr identisch, bei der degressiven Abschreibung – welche die Bundesregierung mit dem Schutzschirm für Arbeitsplätze eingeführt hat – sind die Beträge im ersten Jahr am höchsten und verringern sich schrittweise mit jedem Folgejahr des Abschreibungszeitraumes.
Der Nutzen für das Unternehmen: Die jährlichen Abschreibungsbeträge verringern das Betriebsergebnis, auf das man Steuern zahlen muss. Investitionen lohnen sich also ab 1.1.2009 besonders, weil vor allem im ersten Jahr der Anschaffung das Betriebsergebnis mit deutlich weniger Steuern belastet wird. In Zeiten der Finanzkrise ist die Bedeutung der degressiven Abschreibung sogar gewachsen, weil andere Quellen zur Finanzierung schwieriger zu erschließen sind.
Die Möglichkeit, die degressive Abschreibung zu nutzen, gilt für alle in den Jahren 2009 und 2010 angeschafften oder hergestellten beweglichen Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Die maximale Höhe beträgt 25 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten und darf das Zweieinhalbfache des linearen Satzes nicht überschreiten.
Kleine und mittlere Unternehmen, für die Investitionen schwieriger zu schultern sind, profitieren von einer zusätzlichen Möglichkeit: Sie können neben der degressiven Abschreibung auch Sonderabschreibungen nutzen. Die Betriebsvermögens- und Gewinngrenzen, die dafür relevant sind, werden bei Bilanzierenden auf 335.000 Euro bzw. 175.000 Euro [Glossar] bei Betrieben der Land und Forstwirtschaft und 200.000 Euro bei Einnahme- Überschussrechnern erhöht. So wird die Investitionstätigkeit zusätzlich belebt.
Quintessenz:
Wer bewegliche Wirtschaftsgüter wie zum Beispiel Maschinen anschafft, kann diese in den ersten Jahren mit höheren Werten von der Steuer [Glossar] absetzen: Insgesamt können neben der degressiven Abschreibung in Höhe von bis zu 25 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten im Jahr der Anschaffung oder Herstellung sowie in den folgenden vier Wirtschaftsjahren Sonderabschreibungen in Höhe von insgesamt bis zu 20 Prozent in Anspruch genommen werden.
Ein Unternehmer kann also im ersten Jahr der Anschaffung bis zu 45 Prozent als Betriebsausgabe Gewinn mindernd geltend machen. Über die Restnutzungsdauer werden die verbleibenden 55 Prozent abgeschrieben. Der Unternehmer kann entscheiden, in welchem Jahr er wie viel Prozent der Sonderabschreibung beanspruchen wird. Dadurch kann er die Höhe seines Unternehmensgewinns selbst steuern.
Schreinermeister Jochen M. kann also die dringend benötigten Investitionen in seinen kleinen Familienbetrieb ohne Befürchtungen tätigen. Denn im ersten Jahr der Anschaffung seiner Maschinen und Werkzeuge für die Schreinerei kann Jochen M. 45 Prozent der Ausgaben als Betriebsausgaben geltend machen, wodurch sich sein Gewinn mindert und die Steuerlast sinkt.
Außerdem kurbeln die erweiterten Möglichkeiten zu Sonderabschreibungen sowie die degressive Abschreibung die gesamte deutsche Wirtschaft an: Wenn kleine und mittlere Unternehmen vermehrt Anschaffungen tätigen, erhöht sich nicht nur der Absatz, sondern gleichzeitig werden zahlreiche Arbeitsplätze gesichert.