Die In­fo­gra­fik stellt die Ent­wick­lung des Fi­nan­zie­rungs­sal­dos von 1991 bis 2020 dar. Die ers­te Hälf­te der neun­zi­ger Jah­re war durch ho­he ge­samt­staat­li­che De­fi­zi­te (Maas­tricht-Ab­gren­zung) in ei­ner Grö­ßen­ord­nung von rund 3 Pro­zent des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) ge­kenn­zeich­net. Da­bei wa­ren die struk­tu­rel­len De­fi­zi­te – ins­be­son­de­re durch die Fol­gen der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung – noch deut­lich hö­her als die no­mi­na­len. Die kon­junk­tu­rell gu­te La­ge ver­deck­te al­so ei­nen Teil der struk­tu­rel­len De­fi­zi­te (Ab­stand zwi­schen no­mi­na­lem und struk­tu­rel­lem Fi­nan­zie­rungs­sal­do). In der sich an­schlie­ßen­den Pha­se der Kon­so­li­die­rung ver­schlech­ter­te sich bis Mit­te der neun­zi­ger Jah­re gleich­zei­tig die kon­junk­tu­rel­le Si­tua­ti­on, so dass zwar das struk­tu­rel­le, je­doch nicht das no­mi­na­le De­fi­zit zu­rück­ging. Erst in der zwei­ten Hälf­te der neun­zi­ger Jah­re kam es zu ei­nem Rück­gang so­wohl des no­mi­na­len als auch des struk­tu­rel­len De­fi­zits.

Das Jahr 2000 mar­kier­te ei­ne Trend­wen­de: Trotz ei­nes deut­lich über Po­ten­zi­al­wachs­tum lie­gen­den BIP-Zu­wach­ses konn­te das no­mi­na­le De­fi­zit – be­rei­nigt um die Uni­ver­sal Mo­bi­le Te­le­com­mu­ni­ca­ti­ons Sys­tem-Er­lö­se – nur ge­ring­fü­gig ver­min­dert wer­den, das struk­tu­rel­le De­fi­zit stieg so­gar wie­der an. Die fol­gen­den Jah­re wa­ren durch ei­ne zum Teil sehr schwa­che kon­junk­tu­rel­le Ent­wick­lung ge­kenn­zeich­net, die zu ei­nem An­stieg der no­mi­na­len und struk­tu­rel­len De­fi­zi­te führ­te. In den Jah­ren 2001 bis 2005 lag das struk­tu­rel­le De­fi­zit ober­halb des Maas­tricht-Re­fe­renz­werts von 3 Pro­zent des BIP. In­fol­ge­des­sen wur­de ge­gen Deutsch­land erst­mals ein De­fi­zit­ver­fah­ren im Rah­men des Sta­bi­li­täts- und Wachs­tums­pakts er­öff­net.

Mit der ers­ten Re­form des Sta­bi­li­täts- und Wachs­tums­pakts im Jahr 2005 wur­de ne­ben dem Maas­tricht-De­fi­zit das mit­tel­fris­ti­ge Haus­halts­ziel (MTO) als struk­tu­rel­le Kenn­grö­ße, die auch die zu­künf­ti­gen Be­las­tun­gen des de­mo­gra­phi­schen Wan­dels be­rück­sich­tigt, ein­ge­führt. Deutsch­land hat sein MTO seit­dem auf 0,5 Pro­zent des BIP fest­ge­legt. Zwar konn­te Deutsch­land sein Maas­tricht-De­fi­zit ab dem Jahr 2006 wie­der un­ter den Re­fe­renz­wert von 3 Pro­zent des BIP zu­rück­füh­ren, das struk­tu­rel­le De­fi­zit konn­te je­doch nur lang­sam ver­rin­gert wer­den und kam erst­mals 2009 in die Nä­he des MTO. Der na­he­zu aus­ge­gli­che­ne tat­säch­li­che ge­samt­staat­li­che Fi­nan­zie­rungs­sal­do in den Jah­ren 2007 und 2008 ging al­so we­sent­lich auf die da­mals gu­te kon­junk­tu­rel­le Si­tua­ti­on zu­rück. 

Im Jahr 2009 hat die Fi­nanz- und Wirt­schafts­kri­se zu ei­nem dras­ti­schen Wie­der­an­stieg des Maas­tricht-De­fi­zits ge­führt. Die­ser war maß­geb­lich durch den kon­junk­tu­rel­len Ein­bruch und das Wir­ken der au­to­ma­ti­schen Sta­bi­li­sa­to­ren be­dingt, so dass das struk­tu­rel­le De­fi­zit zu­nächst un­ver­än­dert blieb. Im Jahr 2010 wirk­ten sich dann auch die Kon­junk­tur­pro­gram­me auf das struk­tu­rel­le De­fi­zit aus. Der wei­te­re An­stieg des no­mi­na­len De­fi­zits war im We­sent­li­chen durch die Er­rich­tung der Ab­wick­lungs­an­stal­ten be­dingt. Deutsch­land be­fand sich da­her in den Jah­ren 2009 und 2010 er­neut im De­fi­zit­ver­fah­ren.

Mit dem Jahr 2011, un­ter­stützt von der deut­li­chen kon­junk­tu­rel­len Er­ho­lung, mach­te sich die Kon­so­li­die­rung der öf­fent­li­chen Haus­hal­te po­si­tiv in ei­ner spür­ba­ren Ver­rin­ge­rung so­wohl des no­mi­na­len als auch des struk­tu­rel­len De­fi­zits be­merk­bar. Deutsch­land wur­de da­her be­reits 2012 aus dem De­fi­zit­ver­fah­ren ent­las­sen. Im Jahr 2012 wies der deut­sche Staat nicht nur ei­nen no­mi­na­len, son­dern auch ei­nen struk­tu­rel­len Über­schuss auf. 2013 war der ge­samt­staat­li­che Fi­nan­zie­rungs­sal­do aus­ge­gli­chen.

2014 er­ziel­te Deutsch­land ei­nen struk­tu­rel­len Über­schuss von rund 0,8 Pro­zent des Brut­to­in­land­s­pro­dukts.

Da­ten­stand: Ja­nu­ar 2018. Stand der Pro­jek­ti­on (ab 2018): De­zem­ber 2017

Quel­le: Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Fi­nan­zen

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