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Sonderpostwertzeichen
„Deutschland – Litauen:
Künstlerkolonie Nidden“
Die Künstlerkolonie Nidden ist die älteste Künstlerkolonie der Ostseeküste. Ende des 19. Jahrhunderts begannen Professoren und Studenten der Königsberger Kunstakademie, dort die Sommerwochen zu verbringen. Um 1888 besuchte der Absolvent der Königsberger Kunstakademie Ernst Bischoff-Culm (1870-1917) den Ort. Er beeinflusste die Bildung der Künstlerkolonie am stärksten. Das 1885 von Hermann Blode (1962-1934) eröffnete Gasthaus entwickelte sich zum Zentrum der Kolonie.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Nidden zum beliebten Ferien- und Schaffensort für deutsche Intellektuelle: Maler, Fotografen, Schriftsteller, Schauspieler und Komponisten fanden auf der Kurischen Nehrung eine Insel der Ruhe und eine Quelle der Inspiration. Auf der „Künstlerveranda“ des Gasthauses Blode wurden bis in die Nacht aktuelle Kunstprobleme diskutiert, Musik und Dichtung gehört. Der Künstlerkolonie Nidden gehörten Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Stilrichtungen an – von Impressionisten über Realisten und Symbolisten bis zu Naturalisten.
Die Aufenthalte der Expressionisten Max Pechstein (1881-1955) und Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976, besuchte Nidden 1913) sorgten in der Kolonie für Aufregung und ließen Diskussionen zwischen den Impressionisten und Expressionisten folgen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die expressionistische Tendenz bestimmend.
Nachdem 1923 das Memelgebiet an Litauen angeschlossen worden war, suchten neben den deutschen auch die litauischen Künstlerinnen und Künstler nach Inspiration auf der Kurischen Nehrung. Thomas Mann ließ sich 1929-1930 in Nidden ein Sommerhaus bauen. Der Geist der „Freien Kunst“ war dort lebendig, im Gegensatz zu Deutschland, wo sich ab 1933 eine Kampagne der Nationalsozialisten gegen die moderne Kunst richtete, die sie als „entartete Kunst“ bezeichneten.
Mit dem Zweiten Weltkrieg brach die Geschichte der Niddener Künstlerkolonie ab. Die eindrucksvolle Gemäldesammlung des Hauses Blode wurde Anfang 1945 vernichtet. Die Sehnsucht nach der Natur der Kurischen Nehrung und Nidden, nun unerreichbar geworden für die ehemaligen Künstlerinnen und Künstler der Kolonie, drückten sie später in so genannten Erinnerungsbildern aus.
Gestaltung des Postwertzeichens und der Ersttagsstempel:
Stefan Klein und Olaf Neumann, Iserlohn
Gemälde: Karl Schmidt-Rottluff, Dünental mit totem Baum, 1937 (Ausschnitt),
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Foto: © akg-images
Text: Goethe-Institut Litauen nach Kristina Jokubavičienė