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Sonderpostwertzeichen
„Neue Deutsche Welle“
Völlig losgelöst – Die Neue Deutsche Welle
Das Ende der 1970er-Jahre war geprägt von politischer Ernüchterung, einer gesellschaftlichen Neuorientierung und einem wachsenden Individualismus – der perfekte Nährboden für kulturelle Bewegungen. In Clubs suchten Musikerinnen und Musiker nach neuen Ausdrucksformen, jenseits angloamerikanischer Popstandards. Aus Punk, Post-Punk und New Wave entstand ein roher, minimalistischer und unangepasster Sound mit deutschsprachigen Texten: die Neue Deutsche Welle (NDW).
Zunächst in der Independent- und Punk-Szene verwurzelt, prägten Bands wie D.A.F., The Wirtschaftswunder oder Abwärts den Stil mit elektronischen Klängen, reduzierter Instrumentierung und ironisch-kritischen Texten.
Zunächst von der Musikindustrie unterschätzt, wurde die NDW Anfang der 1980er-Jahre zum Mainstream. Nena, Markus oder Trio wurden zu Stars, und ihre Hits „99 Luftballons“, „Ich will Spaß“ oder „Da da da“ zu Chartstürmern. Die Musik reichte nun von experimenteller Klangkunst bis zu tanzbarem Synthiepop.
Auch visuell setzte die NDW Maßstäbe: Klare Formen, geometrische Strenge und Bezüge zu Bauhaus, Neuer Sachlichkeit und Pop-Art prägten Cover, Mode und Videos.
Der Hype um die NDW wurde von der Plattenindustrie gepusht und ausgeschlachtet. Die Kommerzialisierung führte zu einer inflationären Veröffentlichungspolitik, und die massive Medienpräsenz übersättigte die Hörerschaft. Die Folge waren ein schwindendes Interesse, sinkende Verkaufszahlen und ein Bandsterben. Zwischen 1983 und 1984 vollzog sich der Niedergang der NDW.
Auch wenn die NDW die deutsche Musikwelt nur verhältnismäßig kurz bestimmte, wirkt sie bis heute nach. Hits dieser Zeit sind Evergreens und werden im kollektiven Freudentaumel laut mitgesungen.
Gestaltung des Postwertzeichens und der Ersttagsstempel:
Lynn Lehmann und Dennis Gärtner, ZEBU Berlin
Text: Dr. Jan Christoph Greim, Abteilungsleiter Handelskunde, Übersee-Museum Bremen