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06.03.2019

Internationales/Finanzmarkt

Fra­gen und Ant­wor­ten zur Re­gu­lie­rung von Bo­ni­fi­ka­tio­nen und Ma­na­ger­ge­häl­tern

Hier erhalten Sie Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zur Regulierung von Bonifikationen und Managergehältern.

Würfel mit den Buchstaben F, A und Q formen die Abkürzung "FAQ" (Frequently Asked Questions, Englisch für häufig gestellte Fragen)
Quelle:  iStockphoto.com/porcorex

Was ist ein Bonus/sind Bonifikationen?

Das Festgehalt, das jeden Monat ausgezahlt wird, macht bei vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Banken nur einen Teil der Vergütung aus. Der andere Teil ist nicht von vornherein festgelegt, sondern wird in der Regel einmal jährlich auf der Grundlage von erfolgsbezogenen Daten berechnet. Hat die Bank und die Einheit, bei welcher der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin beschäftigt ist, im abgelaufenen Jahr besonders erfolgreich gewirtschaftet, bekommt er oder sie abhängig von dem individuellen Erfolgsbeitrag mehr Gehalt. Bei manchen Beschäftigten macht dieser variable Bestandteil einen erheblichen Teil des Gesamtgehalts aus.

Worauf zielt die Regulierung von Boni?

Um das Eingehen übermäßiger Risiken zu verhindern, ist gesetzlich vorgeschrieben, dass variable Vergütungen der Höhe nach angemessen und an der nachhaltigen Geschäftsentwicklung der Bank orientiert sein müssen. Die wesentlichen Regelungen hierfür wurden bereits 2010 geschaffen. Durch die zeitverzögerte Auszahlung der Boni an Mitarbeiter (mit Abschmelzungs- und ggf. sogar Rückforderungsmöglichkeit) soll zudem der Mitarbeiter am langfristigen Ergebnis seiner Entscheidungen gemessen werden, was risikodämpfend wirken soll.

Wer bekommt einen Bonus?

Variable Vergütungen werden herkömmlich bei Beschäftigten mit Geschäftsführungsaufgaben, zum Beispiel den Vorständen von Aktiengesellschaften oder im Vertrieb bezahlt. Sie werden vor allem dann vereinbart, wenn der Erfolg des Unternehmens stark von dem persönlichen Einsatz der jeweiligen Beschäftigten abhängt, zum Beispiel wenn diese selbständig Entscheidungen mit finanziellen Auswirkungen treffen können oder besonders viel Zeit für ihre Tätigkeit verwenden sollen. In Banken, zum Beispiel im Investmentbanking-Geschäft, gibt es zahlreiche solcher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die Bank Geschäfte einwerben und abschließen.

Wozu dienen Boni?

Die Bonifikationen sollen einen Anreiz für den Beschäftigten setzen, besonders viel Einsatz zu zeigen, um den finanziellen Erfolg des Unternehmens nachhaltig zu fördern, was letztendlich dem Unternehmen und seinen Eigentümern, also bei Aktiengesellschaften den Aktionären, zugutekommen soll.

Wer bestimmt über die Höhe der Vergütungen?

Die Höhe der Vergütung für die Beschäftigten bestimmt sich zunächst nach dem Arbeitsvertrag, den die Bank mit der oder dem Beschäftigten geschlossen hat. Für die meisten Beschäftigten werden die Vergütungssysteme von der Geschäftsführung der Bank, in Aktiengesellschaften durch den Vorstand, bestimmt. Über die Vergütung des Vorstandes entscheidet z.B. in Aktiengesellschaften der Aufsichtsrat.

Bestimmt die Hauptversammlung über die Vergütung?

In Banken, die als Aktiengesellschaften organisiert sind, kann die Hauptversammlung ein nicht verbindliches Votum zum System der Vergütung für die Vorstandsmitglieder abgeben. Soll bei einem oder mehreren Beschäftigten der variable Gehaltsbestandteil das Festgehalt übersteigen können, bedarf es hierfür eines Beschlusses der Hauptversammlung, mit dem die Obergrenze auf bis zum Doppelten des Festgehalts erhöht werden kann.

Sind Boni etwas Schlechtes?

Gegen variable Vergütungen bestehen keine Bedenken, solange sie den Regulierungsanforderungen genügen. Das Ziel, Beschäftigte durch finanzielle Anreize zu besonderem Einsatz zu motivieren und an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens teilhaben zu lassen, ist legitim. Variable Vergütungen sind aber dann gefährlich, wenn sie Beschäftigte dazu veranlassen, übermäßige Risiken einzugehen und kurzfristige Erfolge statt einer nachhaltigen Strategie zu verfolgen.

Warum muss der Staat Boni regulieren?

Wenn die variablen Vergütungssysteme falsch ausgestaltet sind und Beschäftigte dazu veranlassen, übermäßige Risiken einzugehen, trifft das zunächst unmittelbar nur die Bank. Weil Banken aber für die Kreditversorgung der Wirtschaft essentiell wichtig sind und das Finanzsystem stark vernetzt ist, können Risiken sich in einer großen oder in mehreren Banken auf das gesamte Finanzsystem und die gesamte Wirtschaft negativ auswirken. Hier sind Gesetze sinnvoll, die finanziellen Anreizen zur Eingehung übermäßiger Risiken entgegenwirken.

Wie stellt die Regulierung sicher, dass keine Anreize zur Eingehung kurzfristiger Risiken gesetzt werden, und Vergütungen sich am langfristigen Geschäftserfolg orientieren?

Zum einen wurden diese Anforderungen ausdrücklich in den Gesetzestext aufgenommen. Zum anderen wird mit einer Vielzahl konkreter Regelungen sichergestellt, dass Vergütungen sich am langfristigen Geschäftserfolg orientieren. Die Einhaltung der Vorgaben wird überprüft, unternehmensintern durch die Verwaltungs- oder Aufsichtsorgane, im Zuge der Abschlussprüfungen durch vereidigte unabhängige Wirtschaftsprüfer und laufend durch die Bankenaufsicht.

Welche konkreten Anforderungen werden an variable Vergütungen gestellt?

Für variable Vergütungen besteht eine Vielzahl konkreter Vorgaben. Unter anderem darf keine signifikante Abhängigkeit von der variablen Vergütung entstehen, d.h. die Festvergütung muss grundsätzlich ausreichend hoch bemessen sein, um davon die laufenden Lebenshaltungskosten bestreiten zu können. Die Festlegung der dann tatsächlich verdienten variablen Vergütung hat vom Grad der Erreichung vorher festgelegter Ziele abzuhängen, die gleichzeitig einen Betrag zum Unternehmenserfolg darstellen müssen.

Bei denjenigen Beschäftigten, deren berufliche Tätigkeit sich wesentlich auf das Risikoprofil einer Bank auswirkt, dürfen nur 40 bis 60 Prozent der verdienten variablen Vergütung sofort und unmittelbar ausgezahlt werden. Der Rest ist mindestens 3 Jahre zurückzubehalten und darf danach auch nur in einer Höhe ausgezahlt werden, die aufgrund der zwischenzeitlichen Ergebnisse der Bank, der Organisationseinheit und des Mitarbeiters selbst gerechtfertigt ist. Mindestens 50 Prozent einer jeden Auszahlung von variabler Vergütung darf zudem nicht in bar geschehen, sondern muss in mit einer mindestens einjährigen Verfügungssperre versehenen Finanzinstrumenten erfolgen, die die nachhaltige Wertentwicklung der Bank nachvollziehen (z.B. in Aktien).

Ist die Höhe der Vergütungen geheim?

Die Banken sind gesetzlich verpflichtet, Informationen zu den Vergütungssystemen offenzulegen, mindestens zur Ausgestaltung der Vergütungssysteme (maßgebliche Vergütungsparameter, Zusammensetzung) und zum Gesamtbetrag unterteilt in fixe und variable Vergütung sowie die Anzahl der Empfänger der variablen Vergütung.

Reichen die bestehenden Regelungen zur Vergütung aus?

Die wesentlichen Aspekte werden von den bestehenden Regelungen abgedeckt. Auf internationaler und europäischer Ebene werden die Anforderungen laufend fortentwickelt und überprüft, was auch in der deutschen Regulierung Änderungen geführt hat und zu weiteren Anpassungen führen wird.