Altersvorsorge

Die Altersvorsorge umfasst alle Maßnahmen, die zur finanziellen Absicherung im Alter dienen sollen. Sie soll dazu beitragen, den Lebensunterhalt nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu sichern.

Allgemeines

Gesetzliche Altersvorsorge

Die heutige gesetzliche Rentenversicherung basiert auf dem Umlageverfahren. Die eingezahlten Beiträge der jeweils aktiven Generation werden nicht angespart, sondern sofort für die laufenden Rentenzahlungen an die derzeitigen Rentner verwendet. Daher besteht auch in der Regel kein Anspruch auf Rückzahlung der individuell eingezahlten Beiträge, sondern eigentumsrechtlich geschützte Anwartschaften und Ansprüche auf Bezug einer Rente im Leistungsfall, die durch die dann im Erwerbsleben stehenden Versicherten finanziert wird.

Beamte und gleichgestellte Personengruppen (Richter und Berufssoldaten) zahlen zwar keine eigenen Beiträge ein, dafür sind die Gehälter dieses Personenkreises von Anfang an entsprechend niedriger bemessen als es für gleichwertige Tätigkeiten in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis angemessen wäre.

Die junge Generation kommt damit für die Rente der älteren Generation auf (sogenannter Generationenvertrag). Sie beruht auf dem Solidaritätsprinzip. Aufgrund der demografischen Entwicklung müssen aber zukünftig immer weniger Arbeitnehmer die Renten von immer mehr Rentnern finanzieren. Mit den Reformmaßnahmen der vergangenen Jahre konnte der aus der demographischen Entwicklung resultierende Beitragssatzanstieg jedoch auf ein vertretbares Maß begrenzt werden.

Die Regelaltersgrenze wurde und wird seit 2012 stufenweise auf das 67. Lebensjahr angehoben, sodass für alle nach 1963 Geborenen grundsätzlich die Regelaltersgrenze von 67 Jahren gilt. Für Versicherte mit mindestens 45 Pflichtbeitragsjahren aus Beschäftigung, Kindererziehung und Pflege ist mit 65 Jahren ein abschlagsfreier Altersrentenbeginn möglich. Diese Regelung kommt Versicherten mit langjähriger und lückenloser Beitragszahlung entgegen.

Betriebliche Altersversorgung

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) ergänzt die gesetzliche Altersvorsorge. Sie liegt vor, wenn ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer aus Anlass des Arbeitsverhältnisses eine Versorgungszusage erteilt. Die arbeitsrechtlichen Aspekte der betrieblichen Altersversorgung sind im Betriebsrentengesetz (BetrAVG) geregelt. Zusätzlich wird betriebliche Altersversorgung steuerlich und beitragsrechtlich flankiert, um diese Art der Altersvorsorge zu stärken. Das Betriebsrentengesetz sieht ein Recht des Arbeitnehmers auf betriebliche Altersversorgung durch Entgeltumwandlung, also Verzicht auf zukünftiges Gehalt, vor. Da diese Variante Steuer- und Beitragsvorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bringt, erfreut sie sich großer Beliebtheit. Die betriebliche Altersversorgung kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden. Das Betriebsrentengesetz bestimmt hierzu die fünf zulässigen Durchführungswege: Direktzusage, Unterstützungskasse, Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung. Auf die Wahl des Durchführungsweges hat der Arbeitnehmer in der Regel keinen Anspruch. Erfolgt die Durchführung über eine Pensionskasse, einen Pensionsfonds oder eine Direktversicherung und als Entgeltumwandlung, so hat der Arbeitnehmer bei Vorliegen weiterer Voraussetzungen die Möglichkeit einer Zulagenförderung und gegebenenfalls eine über den Zulageanspruch hinausgehende Steuerermäßigung im Rahmen eines Sonderausgabenabzuges, (s. u. „Private Altersvorsorge – Altersvorsorgebeiträge“). Beiträge, die durch eine Entgeltumwandlung in eine betriebliche Altersversorgung eingezahlt werden, sind sofort unverfallbar. Das bedeutet, sie bleiben bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Unternehmen in jedem Fall erhalten. Die vom Unternehmen finanzierten Ansprüche sind erst gesichert (gesetzlich unverfallbar), wenn Beschäftigte drei Jahre im Unternehmen verbracht haben; für ältere Beschäftigungsverhältnisse gelten Übergangsfristen.

Seit 2018 besteht die Möglichkeit, die betriebliche Altersversorgung im Rahmen eines Sozialpartnermodells durchzuführen, das von Tarifparteien gegründet und betreut wird. Dabei wird eine reine Beitragszusage vereinbart, das heißt, der Arbeitgeber garantiert seine Beitragsleistung, aber nicht die Rentenleistung. Dadurch wird eine renditestärkere Anlagestrategie ermöglicht. Die Sicherheit der Betriebsrenten kann dabei beispielsweise durch die Bildung von kollektiven Puffern gewährleistet werden. Beiträge für eine betriebliche Altersrente, die im Rahmen eines Sozialpartnermodells geleistet wurden, führen sofort zu einer unverfallbaren Anwartschaft.

Es gibt die Möglichkeit, eine betriebliche Altersversorgung nach einem Arbeitgeberwechsel beim neuen Arbeitgeber fortzusetzen. Dies kann (einvernehmlich zwischen Arbeitnehmer sowie altem und neuem Arbeitgeber) durch Übernahme der bestehenden Betriebsrentenzusage durch den neuen Arbeitgeber oder durch Übertragung des Werts der bereits erworbenen Anwartschaft auf den neuen Arbeitgeber geschehen. Bei Letzterem wird die Anwartschaft beim ehemaligen Arbeitgeber in einen bezifferbaren Betrag umgerechnet; dieser Betrag wird in das Versorgungssystem des neuen Arbeitgebers eingestellt. Bei Betriebsrenten, die ab dem Jahr 2005 zugesagt wurden, hat der Arbeitnehmer ein gesetzlich verankertes Recht auf die Übertragung des angesparten Kapitals. Dieses Recht gilt bis zu einem Jahr nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen. Voraussetzung ist, dass die betriebliche Altersversorgung über einen Pensionsfonds, eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung durchgeführt worden ist und das gebildete Kapital die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht übersteigt.

Für den Fall einer Insolvenz des Arbeitgebers wird die Leistung durch den Pensionssicherungsverein (PSVaG) garantiert.

Private Altersvorsorge

Die private Altersvorsorge basiert der Grundidee nach auf dem Kapitaldeckungsverfahren. Sie ist freiwillig. Die Eigenbeiträge sowie die erwirtschafteten Erträge stehen daher im Prinzip ausschließlich dem Altersvorsorgenden zu. Dieser entscheidet letztlich über die Verwendung des angesparten Kapitals.

Steuerlich geförderte Altersvorsorge

Da die gesetzliche Rentenversicherung in Zukunft allein nicht mehr den Lebensstandard sichern kann, hat der Gesetzgeber mit der steuerlichen Förderung der kapitalgedeckten zusätzlichen Altersvorsorge die Alterssicherung in Deutschland gestärkt. Private steuerlich geförderte Altersvorsorgeprodukte gibt es in Form von Altersvorsorgeverträgen und von Basisrentenverträgen (sogenannte Rürup-Rente). Die Verträge müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Werden die Kriterien erfüllt, dann wird der Vertrag vom Bundeszentralamt für Steuern zertifiziert.

Bei beiden Formen dürfen die Verträge grundsätzlich nicht beliehen werden. Sie können in der Ansparphase aber auch nicht gepfändet werden. Dies gilt für den Altersvorsorgevertrag im Hinblick auf das geförderte Altersvorsorgevermögen. Beim Basisrentenvertrag ist der Pfändungsschutz bereits produktimmanent enthalten, da die insoweit aufgebauten Anwartschaften nicht kapitalisiert werden können. Das Sozialamt oder die Agentur für Arbeit greift auf die Anwartschaften beziehungsweise das geförderte Altersvorsorgevermögen auch dann nicht zu, wenn der Anleger im Laufe seines Lebens bedürftig werden sollte.

Staatlich nicht geförderte Altersvorsorge

Diese unterliegt nicht den Bedingungen für eine steuerliche Förderung. Das angesparte Vermögen kann uneingeschränkt vererbt werden. Es besteht auch die Möglichkeit, dass das Kapital für andere Zwecke als für die Altersvorsorge verwendet wird.

Geschichtliche Entwicklung

Altersvorsorge war traditionell eine Aufgabe, die über Jahrhunderte dem Familienverband oblag (in der Praxis wurde diese Aufgabe im Allgemeinen durch Sachleistungen in Form von Versorgung erfüllt.) Die jeweils aktive und leistungsfähige Generation hatte sowohl die nachwachsende als auch die alternde Generation im Verbund einer Großfamilie zu versorgen. In einer derartigen gesellschaftlichen Situation war eine ausreichende eigene Kinderzahl (oder für eine kleine Minderheit der Bevölkerung ein ausreichendes eigenes Vermögen) die Voraussetzung für eine Versorgung im Alter. Mit der aufkommenden Industrialisierung und der damit zunehmenden Mobilität einerseits und gleichzeitiger Verarmung weiter Bevölkerungsschichten andererseits konnte diese Aufgabe innerhalb der Familien immer häufiger nicht mehr in akzeptabler Weise gelöst werden. Als Reaktion darauf wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert im Rahmen der Bismarck'schen Sozialgesetzgebung eine gesetzliche Rentenversicherung eingeführt. Die gesetzliche Rente war dabei zunächst als kapitalgedeckte Rente angelegt. Ein vollständiger Aufbau des Kapitalstocks gelang jedoch nie, denn im 20. Jahrhundert ging das jeweils angesammelte Kapital durch zwei Weltkriege, Inflation und Wirtschaftskrise verloren. Mitte der 1950er Jahre wurde die Rentenversicherung in der Bundesrepublik grundlegend reformiert und auf das Umlageverfahren umgestellt. In der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone hingegen wurden alle Zweige der Sozialversicherung zu einer Einheitsversicherung zusammengefasst. Im Ergebnis hat die Entwicklung der letzten 150 Jahre dazu geführt, dass sich die Verantwortung für die Altersvorsorge vom Familienverband und dem Individuum zu größeren Gruppen (Staat, Kollektiv der Versichertengemeinschaft) verlagert hat. Die Veränderungen im Altersaufbau der Gesellschaft und andere Einflussfaktoren führen dazu, dass der individuellen Verantwortlichkeit für die eigene Altersvorsorge wieder stärker Ausdruck verliehen wird.