Kalte Progression

Die Einkommensteuerzahlung ist an der Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen ausgerichtet. Durch eine progressive Ausgestaltung des Einkommensteuertarifs wird erreicht, dass die durchschnittliche Steuerbelastung mit der Höhe des Einkommens ansteigt. Die Steuerprogression wird auch für den Teil einer Bruttolohnerhöhung wirksam, der lediglich für einen Inflationsausgleich sorgt. Diesen Effekt nennt man „kalte“ Progression.

Was bedeutet „progressiver Einkommensteuertarif“?

Die Einkommensteuerzahlung ist an der Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen ausgerichtet. Durch eine progressive Ausgestaltung des Einkommensteuertarifs wird erreicht, dass die durchschnittliche Steuerbelastung mit der Höhe des Einkommens ansteigt.

Für die auf eine Lohnerhöhung entfallende Steuerbelastung ist der so genannte Grenzsteuersatz von großer Bedeutung. Der Grenzsteuersatz gibt an, wie stark der jeweils nächste verdiente Euro besteuert wird. Die Grenzsteuersätze steigen mit der Höhe des zu versteuernden Einkommens an. Sie liegen zwischen 14 Prozent (Eingangssteuersatz) und 45 Prozent (Höchststeuersatz).

Was ist die „kalte“ Progression? Steigen bei Lohnerhöhungen die Steuern heimlich mit?

Die Steuerprogression wird auch für den Teil einer Bruttolohnerhöhung wirksam, der lediglich für einen Inflationsausgleich sorgt. Diesen Effekt nennt man „kalte“ Progression. Solche versteckten Steuererhöhungen sind vom Gesetzgeber letztlich nicht gewollt. Sie zu vermeiden erfordert eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Tarife.

Deshalb werden zum Ausgleich der kalten Progression der Jahre 2014 und 2015 die Eckwerte des Einkommensteuertarifs 2016 – außer der bereits nach den Vorgaben des Existenzminimumberichts der Bundesregierung angehobene Grundfreibetrag - um die kumulierte Inflationsrate der Jahre der beiden Vorjahre verschoben. Diese Tarifverschiebung ist Bestandteil des Gesetzes zur Anhebung des Grundfreibetrags, des Kinderfreibetrags, des Kindergeldes und des Kinderzuschlags, das der Deutsche Bundestag am 18. Juni 2015 beschlossen hat. Der Bundesrat hat am 10. Juli 2015 zugestimmt.

Eine wichtige Rolle spielt auch der Grundfreibetrag: Er steht für das steuerfrei zu belassende Existenzminimum eines Erwachsenen und ist in die Tarifformel „eingebaut“. Der Grundfreibetrag wird regelmäßig dahingehend überprüft, ob er den am Sozialrecht orientierten Mindestbedarf abdeckt. Falls etwa die Preisentwicklung zu einem Anstieg der Kosten für den sozialrechtlichen Lebensunterhalts und somit zur einer Anpassung des Regelsatzes führt, muss der Gesetzgeber auch den steuerlichen Grundfreibetrag anheben, um zu vermeiden, dass die Bürger Steuern auf ein Einkommen zahlen, das nur der Sicherung des Existenzminimums dient. 

Entwicklung des Grundfreibetrags in den Jahren 2000 bis 2016

Jahr

Grundfreibetrag (Ledige)

2000

6.902 €

2001

7.206 €

2002

7.235 €

2004

7.664 €

2009

7.834 €

2010

8.004 €

2013 8.130 €
2014 8.354 €
2015 8.472 €
2016 8.652 €