Navigation und Service

29.10.2018

Chan­cen schaf­fen, wo die Hei­mat ist

Im Vorfeld der „Compact with Africa“-Konferenz in Berlin am 30. Oktober 2018 unterstreicht Bundesfinanzminister Olaf Scholz in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau, weshalb die Übereinkunft mit Afrika so wichtig ist für eine neue Qualität der partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Deutschland werde sich weiter dafür einsetzen, dass Afrika und der Compact weit oben auf der Agenda der G20 bleiben. Der Artikel ist in der Ausgabe vom 29. Oktober 2018 erschienen.

Olaf Scholz am Mikrofon
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen/Florian Gaertner

Das 21. Jahrhundert werde das Jahrhundert des afrikanischen Kontinents sein: Mit dieser Aussage hatte Nelson Mandela einst an die Welt appelliert: Afrika verdient mehr Beachtung. Zu Recht. Auf dem riesigen Kontinent gibt es mehr als 50 Staaten, über eine Milliarde Bewohnerinnen und Bewohner, zahlreiche Mega-Städte, großartige Kulturen und eine Jugend, die voller Elan und Tatkraft ist. Das ist ein enormes Potenzial. Ein wirtschaftlich erfolgreicher afrikanischer Kontinent, der gute Lebensperspektiven bietet, ist im eigenen Interesse aller Europäerinnen und Europäer und auch ein Gebot der Humanität.

Mit dem "Compact with Africa", der "Übereinkunft mit Afrika", gehen wir einen neuen Weg, um die wirtschaftliche Dynamik in Afrika nachhaltig zu befördern. Denn die Entwicklungshilfe im klassischen Sinn hat zwar wichtige Erfolge bei der Gesundheitsversorgung, bei der Bildung und Ernährungssicherheit erzielt, von einer sich selbsttragenden Wirtschaftsentwicklung sind viele afrikanischen Volkswirtschaften dennoch weit entfernt. Für ein nachhaltiges Wachstum mit einem hohen Lebensstandard braucht es einen privaten Sektor, der investiert und ausreichend neue Arbeitsplätze gerade auch für junge Menschen schafft.

Das Umfeld für lokale Unternehmensgründungen und private Investitionen in den afrikanischen Partnerländern zu verbessern, das ist Ziel des mit der deutschen G20-Präsidentschaft 2017 etablierten "Compact with Africa". Der Compact steht dabei für eine neue Qualität der partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Denn hier sind es die afrikanischen Partnerstaaten, die vor Ort entscheiden, mit welchen Reformen sie das makroökonomische Umfeld oder die unternehmerischen Rahmenbedingungen in ihrem Land verbessern. Zum Beispiel beim Aufbau einer funktionierenden Steuerverwaltung, dem Management öffentlicher Schulden oder im Kampf gegen Korruption. Die G20- Staaten und die internationalen Organisationen bieten dann konkrete Unterstützung bei der Umsetzung an.

Der "Compact with Africa" kehrt damit von dem bisher noch zu oft vorherrschenden Ansatz ab, bei dem öffentliche Hilfsprojekte hauptsächlich von den Geberländern bestimmt werden. Er setzt Anreize für eigenes Engagement vor Ort: Die an den Partnerschaften beteiligten Länder haben es in der Hand, mit verlässlicher Politik das Vertrauen in den eigenen Wirtschaftsstandort zu festigen und dessen Attraktivität für Investoren zu erhöhen. Zu Recht bezeichnete Akinwumi Adesina, der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank, den Compact als wünschenswerten "Wind der Veränderung".

Funktionierende Wirtschaftskreisläufe und Wertschöpfungsketten bedeuten Arbeitsplätze. Deshalb stärkt der "Compact with Africa" gezielt auch den afrikanischen Mittelstand. Damit daraus dann auch Zuversicht erwächst, müssen wir darauf achten, dass die Investitionen mit fairen Arbeitsbedingungen und echten Zukunftsperspektiven einhergehen. Deutschland hat sich deshalb mit Erfolg dafür eingesetzt, dass die Initiative der G20-Staaten von einem Ausbildungsprogramm für Jugendliche im ländlichen Raum begleitet wird. Zudem werden bessere Bildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten für Mädchen und jungen Frauen unterstützt.

Der "Compact with Africa" steht für eine echte Partnerschaft und macht aus Entwicklungszusammenarbeit eine gemeinsame wirtschaftliche Entwicklung. Ägypten, Äthiopien, Benin, Elfenbeinküste, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien sind schon dabei. Mit Burkina Faso ist gerade das zwölfte Land beigetreten.Deutschland flankiert den Compact und die Reformpartnerschaften mit erheblichen Ressourcen. Wir fördern Unternehmensgründungen, sichern Handelsgeschäfte ab und helfen beim Aufbau von Institutionen. Die Bundesregierung wird in dieser Legislaturperiode zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen, um Investitionen und Unternehmen in den deutschen Partnerländern des "Compact with Africa" zu unterstützen.

Die Finanzminister der G20-Staaten koordinieren die Initiative des "Compact with Africa" - unter Beteiligung von Afrikanischer Entwicklungsbank, Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Beim Treffen der G20- Finanzminister vor drei Wochen habe ich erlebt, dass das Zusammenwirken von Partnerländern und internationalen Institutionen ein wichtiges Signal der Verlässlichkeit ist.

Deutschland wird sich weiter dafür einsetzen, dass Afrika und der Compact weit oben auf der Agenda der G20 bleiben. Chancen zu schaffen, wo die Heimat ist - das ist die Kernidee des "Compact with Africa".

Seite teilen und drucken