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20.05.2009

Monatsbericht

Wirt­schafts- und Fi­nanz­la­ge in aus­ge­wähl­ten Schwel­len­län­dern

 

  • Die Finanzkrise hat massive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern.
  • China erzielte 2008 das schwächste Wirtschaftswachstum seit sieben Jahren.
  • Russland und die Ukraine befinden sich in der Rezession.
  • Die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit der lateinamerikanischen Region hat sich im Vergleich zu früheren Krisen deutlich erhöht, auch wenn der IWF für dieses Jahr einen erheblichen Wachstumseinbruch prognostiziert.

Einleitung

1 Überblick

Im Jahr 2008 konnten die Schwellen- und Entwicklungsländer mit einem realen Wirtschaftswachstum von 6,1 % (laut dem Internationalen Währungsfonds - IWF) insgesamt noch eine stabile wirtschaftliche Entwicklung aufweisen, auch wenn im 4. Quartal ein deutlicher Wachstumseinbruch erfolgte. Auch der Bankensektor war in diesen Ländern insgesamt im vergangenen Jahr noch relativ solide, wobei jedoch in Osteuropa zunehmend Probleme im Bankensektor zutage treten. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Schwellenländer im Jahr 2009 deutlich stärker von dem durch die Finanzkrise verursachten globalen Wachstumseinbruch in Mitleidenschaft gezogen werden.

Der IWF geht davon aus, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg schrumpfen und erst im 1. Halbjahr 2010 ein Aufschwung eintreten wird. Die aktuelle Krise treffe inzwischen gerade auch die Schwellenländer immer stärker. Dies sei einerseits durch den Rückgang des Welthandels bedingt, andererseits dadurch, dass die westlichen Banken ihr Kapital aus den Schwellenländern abzögen. Der IWF geht im jüngsten World Economic Outlook 1 davon aus, dass die aktuelle Krise zu einem lange dauernden Rückgang des Kapitalflusses in Schwellenländer führen werde.

Für Asien sind die Auswirkungen der globalen Krise nach Auffassung des IWF wegen des Einbruchs der Exportnachfrage überraschend stark ausgefallen. Die Region müsse daher versuchen, die Exportabhängigkeit zu verringern und den privaten Konsum als Wachstumsmotor anzukurbeln. Dennoch dürften die asiatischen Schwellenländer, in erster Linie China und Indien, weiterhin relativ hohe Wachstumsraten verzeichnen können.

Auch andere internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank oder die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) haben ebenso wie der IWF ihre Wachstumsprognosen weiter zurückgeführt. So erwartet beispielsweise die ADB 2009 einen Rückgang des Wirtschaftswachstums in den Entwicklungs- und Schwellenländern Asiens auf das niedrigste Niveau seit der Asienkrise (1997/98). In ihrer jüngsten Prognose geht sie davon aus, dass die entsprechenden Länder 2009 nur noch um 3,4 % wachsen werden. Für 2010 rechnet sie mit einer Beschleunigung des Wachstums auf 6,0 %.

Nach den größtenteils herben Verlusten an den lateinamerikanischen Aktienmärkten zum Ende des vergangenen und zu Beginn dieses Jahres gab es im März und April inzwischen wieder deutliche Anzeichen einer Stabilisierung der lateinamerikanischen Finanzmärkte: Zuletzt konnten die meisten Währungen in der Region ebenso wie die Börsenindizes zum Teil kräftige Gewinne verbuchen. Auch die Risikoaufschläge für lateinamerikanische Anleihen haben sich seit Jahresbeginn im Durchschnitt stark verringert. Ungeachtet der im Vergleich zu früheren Krisensituationen verbesserten wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit der meisten lateinamerikanischen Länder geht der IWF für 2009 von einem negativen realen Wirtschaftswachstum der Region von 1,5 % aus. Erst im Jahr 2010 dürfte das reale Wachstum mit + 1,6 % wieder in den positiven Bereich wechseln.

Eine Neuausrichtung der staatlichen Gegenmaßnahmen in der Wirtschafts- und Finanzkrise und die leichte Festigung des Ölpreises haben seit Ende Januar 2009 zu einer Stabilisierung der russischen Finanzlage beigetragen. Die Kapitalflucht hat deutlich nachgelassen, die Zinsen an den Geldmärkten sind gesunken, und die Aktienmärkte haben sich ebenso wie der Rubel spürbar erholt. Die größte Sorge in Russland gilt heute der Krise des Realsektors und in diesem Zusammenhang auch dem erwarteten Anstieg der Kreditausfallraten bei den russischen Banken.

Die Ukraine befindet sich seit Herbst 2008 in einer dreifachen Krise: politisch, wirtschaftlich und finanziell. In einer politisch seit langem instabilen Lage, die wichtige Reformen erschwert, bringt die Finanzkrise insbesondere den ukrainischen Privatsektor in Bedrängnis. Das noch vor kurzem fast zweistellige Wirtschaftswachstum verkehrt sich in eine Rezession. Die staatliche Haushaltslage verschlechtert sich zusehends, und ein verbreitetes Bankensterben muss befürchtet werden.

Überblick

2 China

Das reale Wirtschaftswachstum in China lag nach offiziellen Angaben 2008 bei 9 % – die niedrigste Rate seit sieben Jahren (8,3 % im Jahr 2001). Erreichten die Wachstumsraten in den ersten beiden Quartalen des vergangenen Jahres über 10 %, war bereits im 3. Quartal ein deutlicher Rückgang (9 %) festzustellen, der sich im 4. Quartal fortsetzte (6,8 %). Das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2008 rund 4 421 Mrd. US‑Dollar. Die chinesische Regierung geht für 2009 von einem Wirtschaftswachstum von 8 % aus. Der IWF erwartet ein Wachstum des realen BIP von 6,5 % und für 2010 einen leichten Anstieg auf 7,5 %. Im 1. Quartal 2009 ist die chinesische Wirtschaft um 6,1 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen – das ist die niedrigste Quartalswachstumsrate seit fast zehn Jahren. Sie lag um 4,5 Prozentpunkte unter der des ersten Quartals 2008.

Zur Ankurbelung der Konjunktur hat die Regierung umfangreiche Maßnahmen ergriffen. Ein rund 586 Mrd. US-Dollar umfassendes Konjunkturpaket, das u. a. Ausgabenerhöhungen für Infrastruktur, Gesundheitswesen und Bildung sowie Steuersenkungen in ausgewählten Bereichen vorsieht, wurde im November verabschiedet und soll bis 2010 umgesetzt werden.

Zur Unterstützung dieser Maßnahmen hat die chinesische Zentralbank (People’s Bank of China – PBoC) seit September 2008 die Leitzinsen in fünf Schritten auf aktuell 5,31 % bei einjährigen Krediten beziehungsweise 2,25 % bei einjährigen Einlagen gesenkt. Außerdem wurden die Mindestreservesätze für Geschäftsbanken in vier Schritten auf 13,5 % für kleine Geschäftsbanken und auf 15,5 % für die großen Staatsbanken zurückgenommen sowie die Kreditquoten für Banken ausgesetzt.

Die Inflationsrate lag 2008 im Jahresdurchschnitt bei 5,9 % (Vorjahr: 4,8 %). Ursache hierfür war insbesondere die hohe Preissteigerung im 1. Halbjahr. Sinkende Preise für Rohstoffe sorgten ab Mitte des Jahres für ein Abflauen der Inflation. Im Dezember stiegen die Verbraucherpreise nur noch mit einer Jahresrate von 1,2 %. Die Tendenz des abnehmenden Preisauftriebs setzte sich 2009 fort, und im Februar sank die Inflationsrate zum ersten Mal in sechs Jahren um 1,6 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im 1. Quartal ist die Inflationsrate damit insgesamt um 0,6 % zurückgegangen. Das Inflationsziel der Regierung liegt bei jahresdurchschnittlich 4 %.

Die chinesischen Finanzmärkte verzeichneten 2008 starke Einbrüche. So verlor der chinesische Aktienmarkt bis Ende 2008 rund 65 % gegenüber dem Jahresbeginn. Seit Anfang 2009 konnte er allerdings wieder rund 35 % an Wert zulegen. Die Risikoaufschläge für chinesische Staatsanleihen haben sich bis Ende 2008 zwar verdoppelt, wiesen aber mit 228 Basispunkten das geringste Niveau der Schwellenländer auf. Bis Ende April wurde eine Senkung auf 141 Basispunkte erreicht.

Die von der PBoC gesteuerte Aufwertung der Landeswährung Yuan kam fast zum Stillstand. Der Wertzuwachs des Yuan gegenüber dem US-Dollar im Jahr 2008 betrug insgesamt 6,6 %, gegenüber dem Euro knapp 11,4 %. Seit Anfang 2009 ist die Entwicklung gegenüber dem US-Dollar relativ stabil. Die chinesischen Währungsreserven stiegen 2008 um knapp 418 Mrd. US-Dollar auf 1 946 Mrd. US-Dollar Ende Dezember (+ 27,3 % im Jahresvergleich), wovon China gut ein Drittel in US-Bundesanleihen hält. Im 1. Quartal 2009 stiegen die Währungsreserven weiter um 16 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 1 954 Mrd. US-Dollar.

Im Jahr 2008 konnte bei einem Außenhandelsvolumen von rund 2 558 Mrd. US-Dollar (Exporten von rund 1 429 Mrd. US-Dollar standen Importe von gut 1 133 Mrd. US-Dollar gegenüber) ein Handelsüberschuss von rund 295 Mrd. US-Dollar (+ 17,8 % gegenüber dem Vorjahr) erzielt werden. Allerdings kam es im November erstmals seit mehr als sieben Jahren zu einem Exportrückgang um 2,2 % im Jahresvergleich, die Importe fielen jedoch noch stärker. Diese Tendenz setzte sich auch 2009 fort. Vor allem die Nachfrageschwäche in den USA und die sinkende Nachfrage aus den Industrieländern insgesamt machten sich bemerkbar. Die erhoffte Kompensation durch den innerasiatischen Handel blieb zudem aus. Wichtigster Handelspartner war die EU, gefolgt von den USA und Japan. Nach offiziellen Angaben fielen Exporte und Importe 2009 bisher jeweils mit zweistelligen Raten. Im 1. Quartal 2009 konnte bei Exporten von 246 Mrd. US-Dollar (‑ 20 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum) und Importen von 183 Mrd. US-Dollar (‑ 31 %) ein Handelsüberschuss von rund 63 Mrd. US-Dollar erzielt werden.

Auch 2008 war ein Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in China auf rund 94 Mrd. US-Dollar (ohne Finanzinvestitionen) zu verzeichnen – eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um knapp 24 %. Allerdings waren die Steigerungsraten seit Oktober rückläufig. Bis einschließlich März 2009 war zwar weiterhin ein relativ hoher Zufluss an FDI (insgesamt 21,8 Mrd. US-Dollar) zu verzeichnen; der Wert sank aber um 20,8 % gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahreszeitraums. 2008 sind nach offiziellen Angaben auch erhebliche chinesische Investitionen ins Ausland geflossen, nämlich knapp 41 Mrd. US-Dollar (ohne Finanzsektor), das bedeutet einen Anstieg um 63,5 % gegenüber dem Vorjahr.

Abbildung 1: Wachstum des realen BIP in China seit 1993
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

3

3 Indien

Auch die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens bekommt die Auswirkungen der internationalen Krise mehr und mehr zu spüren. Im 3. Quartal (Oktober bis Dezember) des Fiskaljahres wuchs das BIP um 5,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Damit wurde das schwächste Wachstum seit nahezu sechs Jahren registriert. Nachdem die indische Wirtschaft in den vergangenen drei Jahren um durchschnittlich 9 % gewachsen ist, erwartet die indische Zentralbank (Reserve Bank of India – RBI) für das im März abgelaufene Fiskaljahr 2008/2009 nur noch ein Wirtschaftswachstum von 6,5 % bis 6,7 %. Der Kapitalzufluss aus dem Ausland, der in den vergangenen Jahren die inländische Nachfrage angetrieben hat, ist aufgrund der globalen Finanzkrise fast zum Stillstand gekommen. Nach Einschätzung des IWF dürfte sich das indische Wirtschaftswachstum weiter abschwächen. Indien sei aber aufgrund der bislang hohen Wachstumsraten gut aufgestellt, um den Auswirkungen der Finanzkrise auf die inländische Wirtschaft zu widerstehen. Für 2009 rechnet der IWF mit einer Wachstumsrate des BIP von 4,5 %, für 2010 mit 5,6 %. Allerdings solle sich die indische Regierung nach Auffassung des IWF auf kurzfristige Maßnahmen zur Belebung der Kreditströme und den Erhalt der Liquidität konzentrieren. Eine Erhöhung der Staatsausgaben sei aufgrund der bereits hohen Staatsschuld (rund 80 % des BIP) kritisch zu sehen.

Um den Folgen des weltweiten Abschwungs zu begegnen, hat die indische Regierung bereits im Dezember ein Maßnahmenpaket eingeführt, das u. a. zusätzliche Ausgaben und partielle Steuersenkungen im Umfang von rund 10 Mrd. US-Dollar umfasste. Anfang Januar folgte ein zweites Konjunkturprogramm mit Ausgaben für die Rekapitalisierung von Staatsbanken und Steuererleichterungen für Exportunternehmen. Im Mittelpunkt des im April verkündeten dritten Konjunkturpakets steht die Senkung der indirekten Steuern.

Am 16. April hat in Indien die Parlamentswahl begonnen. Bis zum 13. Mai sind aus organisatorischen und Sicherheitsgründen an insgesamt fünf Wahltagen mehr als 700 Millionen Menschen zur Stimmabgabe aufgerufen. Das Ergebnis der Wahl soll am 16. Mai verkündet werden. Die von Sonia Gandhis Kongress-Partei geführte Regierungskoalition wird von der National-Demokratischen Allianz, an deren Spitze die hindu-nationalistische Bharatiya Janata Party (BJP) steht, herausgefordert.

Der indische Aktienmarkt verzeichnete im Jahr 2008 einen Kursrückgang von rund 52 %. Bis Februar setzte der Aktienmarkt seine Talfahrt fort, konnte aber seit Anfang März einen rasanten Anstieg verzeichnen und befand sich Ende April 2009 etwa auf dem Niveau von Mitte Oktober 2008.

Die indische Währung (Rupie), die teilweise konvertibel ist, wertete 2008 gegenüber dem US-Dollar um knapp 19 % und gegenüber dem Euro um 15 % ab. Von Anfang 2009 bis Ende April betrug der Wertverlust der Rupie knapp 3 % gegenüber dem US-Dollar, gegenüber dem Euro verzeichnete die Rupie einen Wertzuwachs von etwa 2,5 %. Auch aufgrund der Stützungskäufe der RBI kam es zu einem starken Rückgang der Währungsreserven – nach einem Höchststand von rund 315 Mrd. US-Dollar im Mai 2008 betrugen diese Ende Dezember rund 254 Mrd. US-Dollar. Bis Mitte April war ein weiterer Rückgang auf 252 Mrd. US-Dollar zu verzeichnen.

Die Inflationsrate war in den vergangenen Monaten deutlich rückläufig. Der Großhandelspreisindex, der noch im August einen Anstieg auf den Höchstwert von 12,9 % im Vergleich zum Vorjahr auswies, stieg Ende Dezember im Vorjahresvergleich um knapp 6,4 %. Auch 2009 ist die Inflationsrate weiter rückläufig.

Im April hat die RBI erneut die Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt; die Rate, zu der die RBI Geld an Geschäftsbanken verleiht, wurde auf 4,75 % und der Einlagensatz auf 3,25 % reduziert. Mit dieser Maßnahme sollen die Banken zu einer verstärkten Kreditvergabe für produktive Zwecke ermutigt werden. Weitere Zinssenkungen dürften in den nächsten Monaten folgen. Seit Oktober hat die RBI damit den Ausleihzinssatz in sechs Schritten um insgesamt 425 Basispunkte und den Einlagensatz seit Dezember in vier Schritten um 175 Basispunkte gesenkt. Auch die Mindestreserveverpflichtung für die Geschäftsbanken wurde seit Oktober in vier Schritten auf 5 % zurückgeführt.

Es wird erwartet, dass die FDI im Fiskaljahr 2008/2009 das erste Mal seit fünf Jahren zurückgegangen sind. Die Nettozuflüsse dürften nach Regierungsprognosen auf rund 30 Mrd. US-Dollar sinken, nach 34,4 Mrd. US-Dollar im Vorjahr. Während in der ersten Hälfte des Fiskaljahres 2008/09 noch hohe FDI zuflossen, kam in der zweiten Jahreshälfte die Wende. Im Zeitraum von April 2008 bis Januar 2009 konnte Indien insgesamt FDI in Höhe von 27,4 Mrd. US-Dollar attrahieren.

Das Handelsdefizit ist im Haushaltsjahr 2008/2009 weiter gestiegen. Im Zeitraum von April bis Januar wuchs es auf 98,5 Mrd. US-Dollar. Dabei beliefen sich die Exporte auf 143 Mrd. US-Dollar (+ 12,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum), während sich die Importe noch stärker auf 241,5 Mrd. US-Dollar (+ 24,4 %) erhöhten.

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4 Südkorea

Die wirtschaftliche Dynamik der stark exportorientierten Volkswirtschaft hat sich angesichts des eingetrübten internationalen Umfelds weiter abgeschwächt. Die Wachstumsrate des realen BIP lag 2008 nur noch bei 2,5 %. Das BIP war im 4. Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahr um real 3,4 % gesunken – der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Die starken weltweiten Wachstumseinbrüche haben die Wirtschaft des Landes hart getroffen. Insbesondere die kapitalschwachen klein- und mittelständischen Unternehmen verkraften die Krise wesentlich schlechter als die auf den Weltmärkten gut aufgestellten Großunternehmen. Der IWF prognostiziert für die koreanische Wirtschaft, dass das Land in diesem Jahr erstmals seit mehr als zehn Jahren in eine Rezession rutschen wird – während der Asienkrise 1998 war die Wirtschaftsleistung des Landes um 6,9 % gefallen. Die Wirtschaftsleistung wird dem IWF zufolge um 4 % schrumpfen. Für 2010 erwartet der IWF aber, dass Südkorea im Zuge einer Erholung der Weltwirtschaft wieder ein Wachstum von 1,5 % erreichen wird.

Zur Stützung der Wirtschaft hat die Regierung verschiedene Maßnahmen ergriffen. Im November wurde ein Konjunkturprogramm in Höhe von 14 Bio. Won (rund 11 Mrd. US-Dollar) aufgelegt, davon für Steuersenkungen 3 Bio. Won und für zusätzliche Staatsausgaben 11 Bio. Won. Die Finanzierung erfolgt überwiegend über Staatsanleihen. Außerdem sollen Regierung und Zentralbank zusätzlich 16 Mrd. US-Dollar für Exporteure zur Verfügung stellen, damit diese ihre Finanzierungsprobleme überwinden können. Im Dezember hat die Regierung weitere Steuervergünstigungen und Subventionen zur Förderung der regionalen Entwicklung und Ausgaben für Infrastrukturprojekte angekündigt. Diese Maßnahmen können weitere Kosten von bis zu 41 Mrd. US-Dollar verursachen.

Ungeachtet der Finanzkrise und des allgemein ungünstigen Investitionsklimas stiegen die FDI 2008 auf 11,7 Mrd. US-Dollar an (+ 11,3 % gegenüber dem Vorjahr) – der erste Anstieg seit 2004. Dazu dürfte eine investitionsfreundliche Politik der Regierung beigetragen haben. Steigende Investitionen aus Japan und der EU konnten den Investitionsrückgang aus den USA überdecken. Bedingt durch die weltweite negative wirtschaftliche Entwicklung sind die FDI im 1. Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jedoch um 38 % auf 1,7 Mrd. US‑Dollar zurückgegangen. Die koreanischen Auslandsinvestitionen erhöhten sich 2008 um gut 18 % gegenüber dem Vorjahr auf rund 33 Mrd. US-Dollar, wofür insbesondere die großen Konglomerate verantwortlich zeichneten. Im Vordergrund standen vor allem Investitionen im Bergbau- und im verarbeitenden Sektor. Die meisten Investitionen flossen in den Irak und nach Australien, während Investitionen in China und Vietnam zurückgingen.

Für das Gesamtjahr 2008 verzeichnete Korea ein Handelsdefizit von rund 13 Mrd. US-Dollar. Die Exporte beliefen sich 2008 auf 422 Mrd. US-Dollar (+ 13,6 % gegenüber Vorjahr). Größter Abnehmer koreanischer Waren war China, gefolgt von den USA und Japan. Die Importe betrugen 2008 rund 435 Mrd. US-Dollar (+ 22 %). Größte Lieferantenländer waren China, Japan und die USA. Im 1. Quartal 2009 gingen die Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 24,5 % zurück und erreichten 75 Mrd. US-Dollar. Da die Importe um 32,9 % auf gut 71 Mrd. US-Dollar zurückgingen, konnte Korea einen Überschuss in der Handelsbilanz von knapp 4 Mrd. US-Dollar erreichen. Für 2009 erwartet die koreanische Regierung einen Gesamtüberschuss von 17 Mrd. bis 18 Mrd. US-Dollar.

Auch die koreanischen Finanzmärkte bekamen die internationale Finanzkrise heftig zu spüren und mussten 2008 erhebliche Einbußen hinnehmen. So war am Aktienmarkt ein Kursrückgang um gut 40 % gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Der koreanische Aktienmarkt hat aber seit Anfang März deutliche Gewinne erzielen können und erreichte bis Ende April ein Plus von fast 22 % gegenüber dem Jahresanfang 2009.

Im Jahr 2008 geriet die koreanische Währung unter starken Abwertungsdruck. Gegenüber dem US-Dollar hat der Won 2008 insgesamt um fast 26 % abgewertet, gegenüber dem Euro um gut 22 %. Von Jahresbeginn 2009 bis Ende April betrug die Abwertung des Won gegenüber dem US-Dollar gut 2 %, gegenüber dem Euro hat der Won einen Wertzuwachs von gut 3 % erzielt. Auch aufgrund der massiven Interventionen der Bank of Korea (BoK) sanken die Währungsreserven von zwischenzeitlich rund 264 Mrd. US-Dollar (im März 2008) auf rund 201 Mrd. US-Dollar Ende Dezember und stiegen bis Ende März 2009 wieder um knapp 5 Mrd. US-Dollar auf 206 Mrd. US-Dollar an. Sie sind weiterhin die sechsthöchsten der Welt.

Angesichts der Krise hat die koreanische Zentralbank seit Oktober eine Lockerung der Geldpolitik vorgenommen. Der Leitzins wurde seitdem in sechs Schritten um 325 Basispunkte auf 2 % – ein historischer Tiefstand – gesenkt, zuletzt Mitte Februar um 50 Basispunkte. Positiv kann der nachlassende Preisdruck gesehen werden. Die Inflationsrate sank von 5,9 % im Juli 2008 auf 3,9 % im März 2009. Dadurch war die BoK in der Lage, ungeachtet des schwachen Won Zinssenkungen vorzunehmen, ohne kurzfristig zunehmende Inflation befürchten zu müssen.

5

5 Indonesien

Aus den Parlamentswahlen im April ist die Demokratische Partei (PD) von Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono als Gewinnerin hervorgegangen. Nach Hochrechnungen erhielt die PD 20,4 % der Stimmen und konnte ihren Stimmenanteil gegenüber 2004 fast verdreifachen. Zweitstärkste Kraft wurde die von der früheren Präsidentin Megawati Sukarnoputri geführte Partei des Demokratischen Kampfes mit 15 %. Das offizielle Ergebnis der dritten Wahl seit dem Sturz der autoritären Suharto-Regierung 1998 wird erst in einigen Wochen feststehen. Bei der am 8. Juli stattfindenden Präsidentenwahl hat der 59-jährige Ex-General Yudhoyono gute Aussichten für eine Wiederwahl.

Die indonesische Wirtschaft gerät im Rahmen der globalen Finanzkrise zunehmend unter Druck. Für 2008 weist Indonesien ein Wirtschaftswachstum von 6,1 % aus (Vorjahr: + 6,3 %). Nach Einschätzung der Regierung dürfte das Wachstum des realen BIP im 1. Quartal 2009 mit etwa 4,6 % die ursprünglichen Prognosen von internationalen Finanzinstitutionen deutlich übertreffen, die für 2009 ein Wachstum zwischen 3 % und 4 % vorausgesagt hatten. Ausschlaggebend für die günstigere Entwicklung sei die stärkere Zunahme des privaten Verbrauchs, der etwa 70 % des BIP ausmache. Für das Gesamtjahr hält die Regierung ein Wirtschaftswachstum von 4,5 % für möglich. Der IWF erwartet 2,5 % für 2009 und 3,5 % für 2010.

Ende Februar 2009 hat das indonesische Parlament das Konjunkturprogramm der Regierung mit einem Gesamtvolumen von 73,3 Bio. Rupiah (etwa 6,5 Mrd. US-Dollar) gebilligt, das Steuererleichterungen und Subventionen für Unternehmen sowie Verbraucher von 56,3 Bio. Rupiah beinhaltet. Die weiteren Ausgaben sind im Wesentlichen für Infrastrukturvorhaben vorgesehen.

Aufgrund höher als geplant ausgefallener Einnahmen und geringerer Ausgaben konnte 2008 der Staatshaushalt deutlich verbessert werden. Der Anteil des Haushaltsdefizits am BIP sank auf 0,1 % und lag weit unter den zum Jahresbeginn geplanten 2,1 %. Nach offiziellen Angaben beträgt der Fehlbetrag im Staatshaushalt 2008 etwa 4,2 Bio. Rupiah. Für das Wahljahr 2009 erwartet die indonesische Regierung ein Defizit von 2,5 %.

Um die Auswirkungen der weltweiten Wachstumsschwäche auf die indonesische Wirtschaft zu begrenzen, hat die indonesische Notenbank (Bank Indonesia) seit Dezember den Leitzins in fünf Schritten um 200 Basispunkte verringert, zuletzt wurde der Schlüsselzinssatz im März um 50 Basispunkte und Anfang April um weitere 25 Basispunkte auf 7,5 % reduziert. Aufgrund des nachlassenden Inflationsdruck seien die Zinssenkungen möglich gewesen. Die durchschnittliche Inflationsrate lag 2008 bei circa 10 % – bei einem Inflationsziel von 5 %. Nach Einschätzung der Bank Indonesia dürfte die Inflationsrate 2009 auf Werte zwischen 5 % und 7 % zurückgehen; das Inflationsziel für 2009 liegt bei 4,5 % (mit Korridor von +/‑  1 %). Im Februar hatte sich die Inflationsrate auf 8,6 % abgeschwächt. Auch im März stieg der Verbraucherpreisindex im Vergleich zum Vorjahr langsamer an (7,9 %).

Angesichts der insbesondere von Oktober bis Ende November letzten Jahres vorherrschenden extremen Risikoaversion internationaler Anleger fiel der indonesische Aktienindex im genannten Zeitraum auf ein 10-jähriges Tief (im November circa 60 % unter dem Stand von Anfang 2008). Seit Dezember setzte eine leichte Kurserholung ein, seit Jahresbeginn 2009 konnte ein Plus von mehr als 20 % erreicht werden.

Von Anfang September bis Anfang Dezember stand die indonesische Währung unter starkem Abwertungsdruck – die Abwertung im genannten Zeitraum betrug knapp 40 % gegenüber dem US-Dollar – und erreichte einen historischen Tiefstand. Maßnahmen der Bank Indonesia zur Verminderung von Kapitalflucht und somit weiterem Abwertungsdruck Mitte November zeigten Wirkung, sodass der Druck auf den Wechselkurs etwas nachließ und zu einer gewissen Erholung - allerdings nur bis Anfang Januar - führte. Die Währungsreserven betrugen Ende März 54,8 Mrd. US-Dollar.

Der indonesische Außenhandel konnte 2008 ungeachtet der im letzten Quartal deutlich verschlechterten Bedingungen eine Expansion verzeichnen. 2008 stiegen die Exporte des Landes um fast 20 % gegenüber dem Vorjahr auf rund 137 Mrd. US-Dollar, während die Importe um fast 73 % auf rund 129 Mrd. US-Dollar hochschnellten. Für 2009 erwartet die indonesische Regierung einen deutlichen Rückgang der Im- und Exporte um 15 % bis 30 %. Allerdings spielen die Exporte für Indonesien im Gegensatz zu den stärker exportabhängigen Ländern in der Region, wie Malaysia oder Singapur, eine nicht so bedeutende Rolle. Die Exporte machen rund ein Drittel des BIP aus.

Im Jahr 2008 betrugen die realisierten FDI in Indonesien nach offiziellen Angaben insgesamt knapp 15 Mrd. US-Dollar – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um fast 44 %. Das Ziel der Regierung für 2008 von 5,4 Mrd. US-Dollar wurde deutlich überschritten. Die FDI kamen aus Mauritius, gefolgt von Singapur, Japan, Großbritannien und Malaysia.

6 Russland

Die Reaktionen der russischen Regierung und Zentralbank auf die Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich im Verlauf des vergangenen Jahres deutlich geändert. Bis in den Sommer 2008 prägten starke Fundamentaldaten bei hohen Rohstoffpreisen, hohen Aktienkursen und einem starken Rubel das Selbstverständnis als „Insel der Stabilität“ in der heraufziehenden Finanzkrise; die Gefahren schienen eher von einer Überhitzung z.B. des Immobiliensektors und zweistelligen Inflationsraten auszugehen.

Nach jahrelang starkem Wachstum trafen im August/September 2008 in kurzer Folge sinkende Rohstoff-, insbesondere Ölpreise, die Vorgänge um erneute staatliche Einflussnahme im Fall Metschel und die Georgienkrise die russischen Finanzmärkte, bevor mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers eine krisenhafte Zuspitzung eintrat. Der russische Aktienindex RTS fiel innerhalb weniger Wochen auf nur noch rund 30 % seines Höchststandes vom 19. Mai 2008. Kapital wurde wieder aus Russland abgezogen; im 4. Quartal 2008 wurde ein Nettokapitalabfluss von 130 Mrd. US-Dollar berichtet.

Die erste Phase des russischen Krisenmanagements war daher von dem Bemühen geprägt, die Liquidität im Finanzsektor zu stützen und den raschen Zusammenbruch einer Vielzahl von Banken zu verhindern. Dies ist in einer raschen Abfolge von koordinierten Notmaßnahmen der Regierung (neue Kreditlinien) und der Zentralbank (u.a. Senkung der Zinssätze) mit einem geschätzten Gesamtvolumen von 200 Mrd. US-Dollar gelungen. Ein Ansturm auf die Banken blieb aus, und das System insbesondere der großen Banken blieb funktionsfähig. Nicht verhindert werden konnte allerdings eine spürbare Verknappung des Kreditangebots für Unternehmen mit entsprechenden Folgen für die Realwirtschaft. Kleine und mittlere Unternehmen tun sich sehr schwer, neue Kredite zu erhalten. Von knapp 1 200 Banken befanden sich Mitte März 15 in der Restrukturierung und mehr als 70 in Liquidation.

Im weiteren Verlauf der Krise wurde klar, dass zwar eine akute Katastrophe (Funktionsuntüchtigkeit des Finanzsystems, endemische Bankeninsolvenzen) einstweilen vermieden werden konnte, dass aber die Krise nicht von kurzer Dauer sein und daher auch dem Realsektor große Probleme bereiten würde. Angesichts der zunächst noch entspannten Haushaltslage reagierte die Regierung darauf mit breitgefächerten Maßnahmen zur Förderung und Entlastung der Wirtschaft.

Der Rubel geriet durch Kapitalabflüsse und sinkende Rohstoffpreise unter starken Druck. Die erste Reaktion der Zentralbank waren Stützungskäufe aus den umfangreichen Währungsreserven. Als sich im Spätherbst erwies, dass insbesondere der niedrigere Ölpreis so bald nicht wieder das frühere Niveau erreichen würde, wurde bis in den Januar eine Linie verfolgt, die anhaltende Stützungskäufe mit einer Vielzahl von Abwertungsschritten um jeweils 1 % kombinierte. Die Währungsreserven sanken dabei von rund 600 Mrd. US-Dollar auf knapp 400 Mrd. US-Dollar, und die Spekulation gegen den mittlerweile um 20 % abgewerteten Rubel nahm zu. Deswegen zog die Notenbank am 22. Januar 2009 die Bremse und verteidigte eine neue, niedrigere Interventionsgrenze des Rubels im Verhältnis zu US-Dollar und Euro u. a. mit höheren Referenzzinssätzen. Auch der Ölpreis stabilisierte sich. Der zeitweise um 40 % gefallene Rubel/US-Dollar-Kurs fing sich und stieg seitdem um etwa 10 % an.

Die russische Regierung stellt sich inzwischen auf eine länger, d.h. mindestens über das Jahr 2009 hinaus anhaltende Krise und einen für längere Zeit niedrigeren Ölpreis ein. Dies äußert sich in einer Beendigung des massiven Einsatzes von Haushalts- und Reservemitteln zur Erhöhung der Liquidität; der Akzeptanz eines dauerhaft niedrigeren Rubelkurses; der Vorlage eines auf der Grundlage eines Ölpreises von 41 US-Dollar je Barrel überarbeiteten Haushalts 2009 und der Zurückweisung von Forderungen, die Unternehmen mit Staatshilfen über die Krise zu retten. Stattdessen weisen Regierungsvertreter auf Modernisierungserfordernisse, die Selektionsfunktion des Wettbewerbs und Konsolidierungszwänge im Bankensektor hin.

Seit Februar 2009 hat sich die Finanzlage, wiederum parallel zur Ölpreisentwicklung, auf niedrigem Niveau stabilisiert. Dies gilt für den Kurs des Rubel wie für die Aktienkurse, die Zinsaufschläge auf Regierungsanleihen und die Höhe der Währungsreserven; allerdings hält die Kapitalflucht an: 39 Mrd. US-Dollar im 1. Quartal 2009. Die wirtschaftlichen Krisenfolgen, nämlich Produktionseinbrüche, steigende Arbeitslosigkeit und drohende soziale Probleme, treten in den Vordergrund. Der überarbeitete Haushalt 2009 verschiebt die Prioritäten: keine Hilfen auf breiter Front, aber 20 Mrd. US-Dollar Hilfen nur für ausgewählte „strategische“ Unternehmen und Sektoren (Liste von 295 „systemrelevanten“ Firmen), 13 Mrd. US-Dollar für Arbeitslosengeld und andere Sozialleistungen, 8 Mrd. US-Dollar für besonders getroffene Regionen. Das Haushaltsdefizit von 7,4 % des BIP soll aus dem Reservefonds finanziert werden.

Das Wachstum des realen BIP lag 2008 in Russland bei 5,6 %. Für 2009 prognostiziert der IWF ein negatives Wirtschaftswachstum von 6,0 %, die russische Regierung geht von ‑3,5 % aus. Eine „zweite Welle“ der Finanzkrise könnte bei unveränderten Parametern im Herbst anstehen, wenn zahlreiche in Fremdwährungen aufgenommene Unternehmenskredite fällig werden.

7 Ukraine

Die politische Lage ist nach wie vor geprägt von heftigen Auseinandersetzungen zwischen den drei großen Lagern: Staatspräsident Wiktor Juschtschenko, Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und die oppositionelle Partei der Regionen. Die Partei Juschtschenkos hatte im September 2008 die Ende 2007 gebildete Koalition mit der Timoschenko-Partei aufgekündigt. Eine im Dezember 2008 neu gebildete Koalition genießt insbesondere bei der Partei Juschtschenkos nur wenig Akzeptanz. Mehrmals, zuletzt im Februar 2009, scheiterte ein parlamentarisches Misstrauensvotum gegen Timoschenko. Der Dauerwahl- und ‑machtkampf sowie die unklare Abgrenzung der Kompetenzen zwischen Präsident, Regierung und Parlament behindern ein effektives Krisenmanagement der Regierung.

Drei Jahre des Booms 2005 bis 2008 beruhten auf hohen Preisen der Exportgüter und hohen Kapitalzuflüssen, oft in Form kurzfristiger Kredite. Die Zusatzeinnahmen wurden zu einem großen Teil für konsumtive Ausgaben wie Lohnerhöhungen genutzt. Im letzten Jahr haben sich die wichtigsten terms of trade verschlechtert: Preise und Absatzmengen wichtiger Exportgüter, allen voran Stahl (75 %) und Metallprodukte, aber auch Chemieerzeugnisse, sind stark gefallen. Demgegenüber musste die Ukraine mit Russland eine weitere deutliche Erhöhung der Gaspreise vereinbaren, eine besondere Belastung für die ukrainische Wirtschaft mit ihrer energieintensiven Industriestruktur. Die Industrieproduktion schrumpfte im 1. Quartal 2009 um 32 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wuchs allerdings im März 2009 bereits wieder um 8 % gegenüber Februar. Der IWF erwartet für 2009 ein negatives Wirtschaftswachstum von 8 %, für 2010 ein positives Wachstum von 1,0 %.

Der im November 2008 vereinbarte Stand-by-Kredit des IWF (SBA) über 16,4 Mrd. US-Dollar geriet schon in der ersten Überprüfung in Schwierigkeiten; die zweite Auszahlungsrate von 1,9 Mrd. US-Dollar wurde ausgesetzt, nachdem ein in der Rezession unrealistisch gewordenes Budget zur Verfehlung der IWF-Auflagen zu führen drohte. Schritt für Schritt haben Regierung und Parlament der Ukraine einzelne Sparmaßnahmen ergriffen und die Unabhängigkeit der Zentralbank bestätigt. Es wurde Einvernehmen über den Rekapitalisierungsbedarf der ukrainischen Banken erzielt. Letzte Voraussetzungen für den positiven Abschluss der Überprüfung, wie Eindämmung der Defizite des staatlichen Öl- und Gasversorgers Naftogaz, Rentenkürzungen sowie Steuer- und Versorgungstariferhöhungen, hat die Regierung wegen fehlender Mitarbeit des Parlaments im Verordnungswege beschlossen. Die zurückgekehrte IWF-Mission erzielte auf dieser Basis am 17. April 2009 eine Einigung mit der Regierung und empfiehlt dem Board für seine Sitzung im Mai 2009 die Wiederaufnahme der Auszahlungen (unter Einbindung der dritten Auszahlungsrate 2,8 Mrd. US-Dollar sofort und weitere 2,8 Mrd. US-Dollar nach der zweiten Überprüfung im Juni).

Seit September 2008 bis Ende April hat die nationale Währung Hriwna 35 % gegenüber dem Euro und 40 % gegenüber dem US-Dollar verloren. Die Zinsen im Interbankenhandel stiegen dabei auf bis zu 80 %. Ein groß aufgelegtes Anti-Krisen-Maßnahmenpaket nach russischem Muster zeichnet sich in der Ukraine nicht ab, u. a., da die Möglichkeiten der Haushaltsfinanzierung begrenzt sind.

Einige private Geschäftsbanken leiden bereits stark unter den eingeschränkten Refinanzierungsmöglichkeiten bei gleichzeitig vermehrt ausfallgefährdetem Kreditbestand. Bereits im Oktober 2008 wurde die Prominvestbank zahlungsunfähig und später von der staatlich-russischen Entwicklungsbank VEB übernommen. Aufgrund des von IWF und Zentralbank ermittelten Rekapitalisierungsbedarfs erhöhten 19 (meist im Auslandsbesitz befindliche) Banken selbständig ihr Eigenkapital, sieben weitere werden hierfür Staatsgelder in Gesamthöhe von 2,5 Mrd. US-Dollar in Anspruch nehmen und dafür 75 % ihrer Aktien übergeben. Im Staatshaushalt sind 5,5 Mrd. US-Dollar für Bankenrekapitalisierungen veranschlagt. Die Auslandsschulden der Banken und Unternehmen beliefen sich Ende 2008 auf 80 Mrd. US-Dollar, wovon 22 Mrd. US-Dollar im Jahr 2009 fällig werden. Die staatliche Auslandsverschuldung betrug 14 Mrd. US-Dollar.

Die Spreads ukrainischer Staatsanleihen im Verhältnis zu US-Treasury Bonds sind seit Sommer 2008 von etwa 500 Basispunkten auf bis zu 3 700 Basispunkte (1 732 Punkte Ende April) gestiegen, die Refinanzierungsmöglichkeiten an den Märkten sind damit de facto ausgefallen. Die Frage ist, wie lange die Währungsreserven (Mitte April 2009 noch 25,4 Mrd. US-Dollar nach 31,4 Mrd. US-Dollar zu Jahresbeginn) einer anhaltenden Wirtschaftskrise standhalten werden.

Seit dem Tiefpunkt Ende Februar/Anfang März 2009 hat in der Entwicklung der ukrainischen Marktdaten eine leichte Erholung und anschließende Seitwärtsbewegung eingesetzt. Mit Rücksicht auf praktisch illiquide Kapitalmärkte und niedrige Transaktionsvolumina ist die durch diese Zahlen suggerierte Stabilisierung allerdings vorsichtig zu bewerten. Sinkende Spreads in den letzten Wochen spiegeln die Erwartungen des Marktes wider, dass die IWF-Zahlungen aus dem SBA wieder aufgenommen werden.

8 Argentinien

Der IWF geht für 2009 von einer Kontraktion der argentinischen Wirtschaft um 1,5 % aus. Erst im Jahr 2010 erwartet er wieder eine leichte Zunahme des realen Wachstums auf 0,7 %. Die realen Wachstumsraten in den vergangenen sechs Jahren lagen zum Vergleich bei 7 % bis 8 % (siehe auch Abbildung). Zu dem Konjunktureinbruch hat der starke Rückgang der Agrarpreise in Verbindung mit der Dürrekatastrophe in der Landwirtschaft im vergangenen Jahr beigetragen. Hinzu kommen die Verringerung der Exporte von Industriegütern sowie die hohe Kapitalflucht, die sich nach Schätzungen auf über 20 Mrd. US-Dollar im Jahr 2008 beläuft.

Die rückläufigen Einnahmen aufgrund der Abschwächung der Konjunktur und der nachgebenden Nahrungsmittelpreise erschweren die Finanzierung des Staatshaushalts, zumal die Staatsausgaben schneller als die Steuereinnahmen steigen. Diese Entwicklung dürfte es für die Regierung schwieriger werden lassen, ihr Ziel eines Primärüberschusses (Budgetsaldo ohne Zinszahlungen) von 3,3 % des BIP in diesem Jahr zu erreichen. Im Jahr 2008 lag der Primärüberschuss noch bei rund 9 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 3,2 % des BIP. Das sind rund 25 % mehr als 2007. Die Staatsausgaben betrugen im vergangenen Jahr rund 50 Mrd. US-Dollar (+ 35 % gegenüber 2007) und die Staatseinnahmen rund 59 Mrd. US-Dollar (+ 33 %).

Nach offiziellen Angaben sind die Verbraucherpreise im März auf Jahresbasis um 6,3 % gestiegen. Die Prognose des IWF für die Inflationsrate im Jahr 2009 beläuft sich auf 6,7 % nach 8,6 % im vergangenen Jahr. In der Verlangsamung der Inflation kommt die Abschwächung der Konjunktur zum Ausdruck. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die tatsächliche Inflation nach nicht-amtlichen Schätzungen deutlich über den offiziellen Angaben liegt. Danach bewegt sich die tatsächliche Preissteigerungsrate derzeit bei rund 15 % bis 20 % mit abnehmender Tendenz.

Auch die argentinischen Aktienbörsen konnten sich der weltweiten Finanzkrise nicht entziehen. Im letzten Jahr verbuchte der MERVAL-Aktienindex einen Verlust von fast 50 %. In den ersten Monaten dieses Jahres weist der Index mit + 18 % wieder eine positivere Entwicklung auf (Ende April 2009). Mit 1 769 Basispunkten zahlt Argentinien derzeit von allen Schwellenländern den höchsten Risikoaufschlag auf seine Staatsanleihen. Darin kommt auch zum Ausdruck, dass das Land weiterhin weitgehend vom internationalen Finanzsystem – unter anderem aufgrund der bislang ungelösten Problematik im Zusammenhang mit Inhabern argentinischer Altanleihen (Holdouts) – abgeschnitten ist.

Der Chef der argentinischen Zentralbank und der Präsident der chinesischen Zentralbank unterzeichneten am 30. März 2009 ein Währungsabkommen. Dabei handelt es sich um ein Rahmenabkommen über einen sogenannten „Currency Swap“, in dem sich die beiden Länder gegenseitige Kreditlinien in der jeweiligen Landeswährung einräumen. Die Kreditlinien beinhalten einen maximalen Kreditrahmen von 70 Mrd. Yuan (10,2 Mrd. US-Dollar, circa 37 Mrd. ARS) und eine Laufzeit von drei Jahren. Durch dieses Abkommen kann Argentinien eine Schwächung seiner Währungsreserven von derzeit rund 46 Mrd. US-Dollar und eine stärkere Abwertung des Peso vermeiden.

Der argentinische Senat hat am 26. März 2009 auf Antrag von Staatspräsidentin Cristina Kirchner beschlossen, die ursprünglich für den 25. Oktober geplanten Teilwahlen, bei denen die Hälfte des Parlaments und ein Drittel der Mitglieder des Senats neu bestimmt werden, auf den 28. Juni dieses Jahres vorzuziehen. Der Antrag wurde mit dem Erhalt der politischen Handlungsfähigkeit in Krisenzeiten begründet.

Abbildung 2: Wachstum des realen BIP in Argentinien seit 2001
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

9 Brasilien

Nachdem Brasilien 2008 mit einer realen Wachstumsrate von 5,1 % ungeachtet der Finanzkrise noch über eine relativ stabile wirtschaftliche Entwicklung verfügte, wird das Land wie die lateinamerikanische Region insgesamt im Jahr 2009 deutlich stärker unter dem globalen Wachstumseinbruch leiden. Die Erwartungen des IWF für das reale BIP-Wachstum Brasiliens belaufen sich für 2009 auf ‑ 1,3 % und für 2010 auf 2,2 %.

Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass Brasilien im Unterschied zu früheren Krisen und zu vielen anderen Schwellenländern mittlerweile über eine deutlich höhere Widerstandskraft gegen externe Schocks verfügt. So halten sich zwar auch die Banken - wie in den Industriestaaten - mit der Vergabe neuer Kredite stärker zurück, der Bankensektor ist aber grundsätzlich in stabiler Verfassung. Hinzu kommen die umfangreichen Währungsreserven in Höhe von derzeit rund 200 Mrd. US-Dollar, die relativ niedrige Fremdwährungsverschuldung, die im Vergleich zu anderen Schwellenländern geringere außenwirtschaftliche Abhängigkeit sowie sich in der Tendenz verringernde Teuerungsraten und Inflationserwartungen. Auf Jahresbasis ging die Inflationsrate von 5,9 % im Februar auf 5,6 % im März dieses Jahres zurück. Im Jahresdurchschnitt 2008 lag sie bei 5,7 %. Wegen der schwächeren Nachfrage erwartet der IWF in diesem Jahr einen weiteren Rückgang der Teuerungsrate auf durchschnittlich 4,8 %.

Die sinkenden Preissteigerungsraten erhöhen den Spielraum der brasilianischen Notenbank für weitere Leitzinssenkungen. Am 28. April dieses Jahres lag der Leitzins Selic bei 11,25 %. Prognosen gehen für Ende 2009 von einer weiteren Verringerung des Leitzinssatzes der brasilianischen Notenbank aus. Als eine der wenigen Zentralbanken kann die Banco Central do Brasil damit zur Belebung der Konjunktur noch in nennenswertem Umfang auf weitere Leitzinssenkungen zurückgreifen und einen zusätzlichen Beitrag zur Überwindung der gegenwärtigen Schwächephase leisten.

Brasilien bekommt die Auswirkungen der Krise auch über die außenwirtschaftlichen Verflechtungen mit den wichtigsten Handelspartnern zu spüren. Im Jahr 2008 beläuft sich der Fehlbetrag in der Leistungsbilanz auf 28,3 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 1,8 % des BIP. Im Vorjahr hatte Brasilien noch einen leichten Leistungsbilanzüberschuss von 1,6 Mrd. US-Dollar ausgewiesen. Dabei ist der Handelsbilanzüberschuss im Gesamtjahr 2008 auf 24,7 Mrd. US-Dollar nach 40 Mrd. US-Dollar im Jahr 2007 gesunken. Für die Jahre 2009 und 2010 erwartet der IWF ein Leistungsbilanzdefizit in Höhe von jeweils 1,8 % des BIP.

Wie andere Staaten versucht auch die brasilianische Regierung, im Rahmen von Konjunkturprogrammen die Binnennachfrage zu stimulieren. Unter anderem hat sie angekündigt, ab 2009 rund 15 Mrd. US-Dollar für ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm zur Verfügung zu stellen, in dessen Rahmen eine Million neuer Wohnungen für gering verdienende Arbeitnehmer entstehen sollen. Hinzu kommen u. a. Steuererleichterungen z. B. im Rahmen einer Einkommensteuerreform und im Kfz-Sektor sowie andere Maßnahmen, wie etwa die Anhebung der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld und des gesetzlichen Mindestlohns.

Der krisenhaften Zuspitzung auf den internationalen Finanzmärkten konnte sich auch Brasilien nicht entziehen. Der brasilianische Aktienmarkt hatte 2008 einen Kursrückgang von rund 40 % zu verzeichnen. Die Landeswährung Real hat gegenüber dem US-Dollar im Jahr 2008 rund 26 % an Wert verloren. Seit Beginn dieses Jahres zeigt sich jedoch die relative Stärke des brasilianischen Kapitalmarktes deutlicher: Der Bovespa-Index ist bis Ende April bei zwischenzeitlich hoher Volatilität um 27 % gestiegen, der Real hat seit Jahresanfang gegenüber dem US-Dollar um rund 9 % aufgewertet. In dieser positiven Entwicklung spiegelt sich die Einschätzung vieler Finanzmarktteilnehmer wider, dass die brasilianische Wirtschaft besser durch die weltweite Rezession kommt als andere Schwellenländer.

10 Mexiko

Mexiko ist von den realwirtschaftlichen Folgen der Finanzmarktkrise stark betroffen. Zu den wesentlichen Ursachen zählen der starke Rückgang der Ölnachfrage und des Ölpreises infolge des globalen Konjunkturabschwungs. Rund 40 % der mexikanischen Staatseinnahmen stammen aus dem Ölexport. Hinzu kommt die starke Abhängigkeit von der Wirtschaftsentwicklung in den USA, da mehr als 75 % der mexikanischen Exporte ins Nachbarland gehen und die Geldüberweisungen mexikanischer Beschäftigter aus den USA in die Heimat (Remittances) einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in Mexiko darstellen. Der IWF erwartet vor diesem Hintergrund für das gesamte Jahr 2009 einen Rückgang des realen Wirtschaftswachstums um 3,7 % (2010: + 1,0 %). Im vergangenen Jahr hat das BIP real noch um 1,3 % zugenommen, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass die Wirtschaft bereits im 4. Quartal 2008 um 1,7 % geschrumpft ist.

Nachdem im Dezember 2008 die Jahresrate der Inflation in Mexiko mit 6,5 % auf den höchsten Stand seit sieben Jahren gestiegen ist, beruhigt sich die Preisentwicklung vor dem Hintergrund des starken Rückgangs der Nachfrage in den USA und der daraus resultierenden negative Effekte auf die mexikanische Konjunktur seit Anfang dieses Jahres wieder. Im März 2009 ist die auf das Jahr bezogene Inflationsrate auf 6,0 % nach 6,2 % im Februar zurückgegangen. Für das laufende Jahr rechnet der IWF mit einer durchschnittlichen Preissteigerungsrate von 4,8 % nach 5,1 % im Vorjahr. Wegen des nachlassenden Inflationsdrucks und der sich verschlechternden Konjunkturperspektiven lockert die Banco de México zunehmend ihre Geldpolitik. Sie hat den Leitzins von 8,25 % im Sommer 2008 auf 6,0 % bis April dieses Jahres gesenkt.

Die Rezession in den USA führt zu einer zunehmenden Verschlechterung der mexikanischen Außenhandelsbilanz. Nachdem im gesamten 4. Quartal des vergangenen Jahres die Exporte gegenüber dem Vorjahresquartal bereits um rund 14 % (Importe: ‑ 6 %) zurückgegangen waren, wird für dieses Jahr eine weitere Verschlechterung erwartet (1. Quartal 2009: ‑ 15 %; 2. Quartal:  26 %; 2009 insgesamt: ‑ 14 %). Im Jahr 2008 ist demzufolge das Handelsbilanzdefizit auf 16,8 Mrd. US-Dollar gestiegen (2007: 10,1 Mrd. US-Dollar). Prognosen von Bankanalysten gehen davon aus, dass das Handelsbilanzdefizit 2009 weiter auf 22 Mrd. US-Dollar zunehmen könnte.

Das Exekutivdirektorium des IWF genehmigte am 17. April 2009 eine Flexible Credit Line (FCL) für Mexiko. Die Kreditlinie läuft über ein Jahr und erlaubt Mexiko Zugang zu IWF-Ressourcen in Höhe von 47 Mrd. US-Dollar. Dies ist das erste Mal, dass die neu geschaffene FCL in Anspruch genommen wird. Dabei handelt es sich um den größten jemals vom IWF gewährten Kredit an ein einzelnes Land. Außerdem hat die amerikanische Notenbank FED der mexikanischen Zentralbank eingeräumt, eine Fazilität der FED über 30 Mrd. US-Dollar in Anspruch zu nehmen.

Diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass die Abwertung der mexikanischen Währung gestoppt werden konnte. Seit Anfang März dieses Jahres ist der Wert des mexikanischen Peso um rund 14 % gegenüber dem US-Dollar gestiegen (Stand 23. April 2009), nachdem er in den ersten beiden Monaten dieses Jahres noch um rund 9 % gegenüber dem Jahresbeginn abgewertet hatte. Seit Jahresanfang hat die mexikanische Zentralbank rund 7 Mrd. US-Dollar der Währungsreserven zur Stützung des Peso aufgewendet. Sie haben sich damit von 85 Mrd. US-Dollar zum Jahresende 2008 auf derzeit 78 Mrd. US-Dollar verringert.

Mexiko zählt zu denjenigen Schwellenländern, deren Aktienmärkte sich seit Jahresbeginn nur verhalten entwickelten: Mit einem Wertverlust von gut 1 % seit Jahresbeginn stagniert der mexikanische IPC praktisch (EM-Index: + 16 %; Ende April 2009), wobei zu berücksichtigen ist, dass der IPC zwischenzeitlich bis zu 25 % verloren hatte. Der Risikoaufschlag mexikanischer Staatsanleihen ging seit Anfang 2009 um rund 80 Basispunkte auf rund 350 Basispunkte zurück.

Mit verschiedenen Konjunkturstützungsmaßnahmen versucht auch die mexikanische Regierung, die negativen realwirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzkrise einzudämmen. So hat sie u. a. zu Jahresbeginn ein Konjunkturpaket im Umfang von rund 120 Mrd. Pesos (circa 9 Mrd. US-Dollar; circa 1 % des BIP) angekündigt. Es beinhaltet Maßnahmen zur Stärkung der Kaufkraft Geringverdienender, Arbeitsmarktprogramme, Finanz- und Kredithilfen für kleine und mittlere Unternehmen sowie die Förderung öffentlicher Investitionen.

11 Südafrika

Am 22. April 2009 fanden in Südafrika die Parlamentswahlen statt; die vierten demokratischen Wahlen nach dem Ende der Apartheid in der größten Volkswirtschaft des Kontinents. Der regierende African National Congress (ANC) hat dabei erwartungsgemäß mit 65,9 % der Stimmen einen deutlichen Sieg errungen, die absolute Mehrheit jedoch knapp verfehlt. ANC-Chef Jacob Zuma ist Anfang Mai vom Parlament zum Staatspräsidenten gewählt worden. Er übernimmt das Amt von Kgalema Motlanthe, der seit September 2008 als Übergangspräsident nach dem Rücktritt von Thabo Mbeki fungierte.

Allen Wahlkampfversprechen zum Trotz dürfte wenig Spielraum für einen Kurswechsel der neuen Regierung bestehen. Die weltweite Finanzkrise zeigt deutliche Auswirkungen. Zwar sind südafrikanische Banken aufgrund der restriktiven Regulierungsvorschriften bislang weitgehend verschont geblieben, und bisher hat keine Geschäftsbank bei der Zentralbank um Hilfe ersucht. Die Rezession in den Industriestaaten wirkt sich jedoch auf die südafrikanische Realwirtschaft aus. Am stärksten hat die Krise die Automobilindustrie getroffen. Die Nachfrage ist im vergangenen Jahr um 35 % gesunken. Viele Niederlassungen ausländischer Unternehmen mussten Arbeitern kündigen oder gänzlich schließen. Dies wird die Arbeitslosigkeit, die seit Jahren über 20 % liegt, weiter verschärfen. Auch die Goldproduktion ging 2008 spürbar zurück (‑ 16 %).

Die Finanzmärkte zeigten sich sowohl vor als auch nach der Wahl uneinheitlich: Nach einem deutlichen Anstieg zu Beginn der Finanzkrise Ende September 2008 normalisierten sich die Aufschläge südafrikanischer Staatsanleihen gegenüber US-Treasuries und lagen zuletzt bei rund 360 Basispunkten – ein deutlich höheres Niveau als zu Beginn der weltweiten Krise, aber doch weit entfernt von den Höchstständen im Oktober/November 2008. Auch der Wertverfall des Rand hat sich seit Jahresbeginn verlangsamt. Mit knapp 9 Rand muss für den US-Dollar aber immer noch gut ein Drittel mehr an heimischer Währung bezahlt werden als im Sommer letzten Jahres. Die Talfahrt am Aktienmarkt konnte dagegen bislang nicht gebremst werden, der Johannesburg All Share verlor seit vergangenem September rund 30 %.

Für das Wirtschaftswachstum erwartet die Regierung ungeachtet dieser Entwicklungen eine Rate von 1,2 % für das laufende Jahr nach 3,1 % im Jahr 2008. Für 2010 – dem Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika – wird von einem Wachstum des BIP von 3 % ausgegangen. Für das laufende Jahr rechnet zumindest der IWF mit einem leichten Rückgang des BIP (‑ 0,3 %). Im nächsten Jahr soll die Wirtschaftsleistung dann aber wieder auf 1,9 % anziehen.

Für das Haushaltsjahr 2009/2010 (1. April 2009 bis 31. März 2010) erwartet die Regierung ein Haushaltsdefizit von 3,8 % des BIP nach 1 % im abgelaufenen Haushaltsjahr. Das Einnahmenziel des aktuellen Haushalts beläuft sich auf rund 740 Mrd. Rand (29,9 % des BIP), ein leichter Rückgang aufgrund geringerer Steuereinnahmen. Die Ausgaben werden gleichwohl deutlich ansteigen auf rund 834 Mrd. Rand (33,7 % des BIP gegenüber 31,3 % des BIP im vergangenen Haushaltsjahr). Einen großen Anteil an der Ausgabensteigerung haben die Maßnahmen der Armutsbekämpfung; allein 25 Mrd. Rand sind für Gesundheit und Bildung reserviert. Die öffentlichen Ausgaben für Infrastruktur belaufen sich auf 9,6 % des BIP; ebenfalls ein deutlicher Anstieg nach 8,3 % und 5,1 % in den vergangenen beiden Haushaltsjahren. Die Regierung verspricht sich hiervon auch eine Abfederung des erwarteten Konjunktureinbruchs infolge der weltweiten Rezession.

Es ist von einem weiterhin hohen Leistungsbilanzdefizit auszugehen, das für das laufende Jahr mit 6,8 % des BIP prognostiziert wird, was in erster Linie dem Einbruch der Exporte um knapp 13 % gegenüber dem Vorjahr geschuldet ist. Auch die Direktinvestitionen in Südafrika werden voraussichtlich zurückgehen; nach 7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2008 werden für das laufende Jahr lediglich 2,4 Mrd. US-Dollar erwartet.

Die südafrikanische Zentralbank hat angesichts eines verbesserten Inflationsausblicks zuletzt Anfang Mai ihre Geldpolitik gelockert. Der Leitzins wurde um 100 Basispunkte auf 8,5 % zurückgeführt. Ende März ging die Inflationsrate weiter auf 8,5 % zurück. Im vergangenen Jahr hatte die Rate noch bei 11,5 % gelegen. Für das Gesamtjahr 2009 wird vom IWF eine Inflationsrate von 6,1 % prognostiziert, für 2010 geht er von 5,6 % aus. Weitere Zinssenkungen dürften daher möglich sein.

F1e

Fußnoten

1 Alle Angaben zu IWF-Prognosen beruhen auf dem World Economic Outlook, April 2009.