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20.07.2009

Monatsbericht

Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

  • Aktuelles Indikatorenbild stärkt Erwartung einer konjunkturellen Bodenbildung.
  • Aufwärtsgerichtete Grundtendenz der Auftragseingänge in der Industrie signalisiert günstigere Entwicklung der industriellen Erzeugung.
  • Verschlechterung der Situation auf dem Arbeitsmarkt wird durch Kurzarbeit gemildert.
  • Das ruhige Preisklima begünstigt die Kaufkraft der privaten Haushalte.

Die gesamtwirtschaftliche Abwärtsdynamik in Deutschland hat zuletzt deutlich an Tempo verloren. Eine Reihe von Indikatoren deutet sogar darauf hin, dass die konjunkturelle Talfahrt in einigen Wirtschaftsbereichen bereits zum Stillstand gekommen sein könnte. Damit scheint die realwirtschaftliche Entwicklung die beobachtete Verbesserung der Stimmungsindikatoren allmählich nachzuvollziehen.

Trotz der jüngsten Stabilisierungstendenz, die vor allem im Produzierenden Gewerbe zu verzeichnen ist, befinden sich viele Indikatoren nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau. Die Entwicklung der vorliegenden Wirtschaftsdaten stützt die Einschätzung, dass die Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2009 günstiger ausgefallen sein könnte als bisher geschätzt.

Auch wenn sich der Beschäftigungsabbau zuletzt fortgesetzt hat, zeigt sich der Arbeitsmarkt weiterhin bemerkenswert robust gegenüber der Schärfe des konjunkturellen Einbruchs. Dabei hat die starke Ausweitung der Kurzarbeit die Auswirkungen der wirtschaftlichen Schwäche bisher abgemildert. Angesichts einer gewissen konjunkturellen Stabilisierungstendenz könnte die Kurzarbeit die beabsichtigte Brückenfunktion in einigen Wirtschaftsbereichen erfolgreich ausüben. Im Fall einer zögerlichen Erholung der Gesamtwirtschaft ist dennoch im weiteren Jahresverlauf mit einer Zunahme der Ungleichgewichte am Arbeitsmarkt zu rechnen.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit und die erhebliche Ausweitung der Kurzarbeit gegenüber dem Vorjahr schlagen sich – zusammen mit der Erhöhung des Kindergeldes zu Jahresbeginn – in einem deutlichen Rückgang der Einnahmen aus der Lohnsteuer nieder (Juni: - 5,2 %; Januar bis Juni: - 4,5 % jeweils im Vergleich zum Vorjahr). Die Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt geht mit einer gedämpften Entwicklung der Einkommen einher. Dennoch deutet die Zunahme der Einnahmen aus den Steuern vom Umsatz am aktuellen Rand und im 1. Halbjahr auf eine günstige Entwicklung des privaten Konsums in diesem Zeitraum hin (Juni: + 1,6 %; Januar bis Juni: + 0,4 % gegenüber dem Vorjahr).

Die nominalen Warenexporte sind im Mai (saisonbereinigt) wieder leicht angestiegen. Im Vormonat war allerdings ein kräftiger Rückgang zu verzeichnen, womit die nominalen Warenausfuhren im April/Mai in saisonbereinigter Betrachtung insgesamt 4,7 % hinter dem durchschnittlichen Ergebnis von Februar/März zurückblieben. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Warenausfuhren im Mai (nach Ursprungswerten) um 24,5 %. Im Zeitraum Januar bis Mai 2009 gingen die Exporte in den Nicht-Euroraum der Europäischen Union gegenüber dem Vorjahr besonders deutlich zurück (- 27,9 %). Aber auch die Exporte in den Euroraum (22,5 %) und in Drittländer (- 21,7 %) fielen erheblich niedriger aus als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Die nominalen Warenimporte blieben im Mai in saisonbereinigter Betrachtung hinter dem Einfuhrergebnis des Vormonats zurück. Im April war der Rückgang jedoch noch deutlich ausgeprägter ausgefallen. Im April/Mai lagen die Wareneinfuhren damit (saisonbereinigt) um 6,8 % unter dem Niveau des entsprechenden Vorzeitraums. Das Vorjahresergebnis (April/Mai 2008) wurde um 22,8 % unterschritten.

Die zuletzt sehr günstige Entwicklung der Auslandsbestellungen – die sich bisher noch nicht in einer spürbaren Ausweitung der Handelsaktivität niedergeschlagen hat – spricht dafür, dass sich die Ausfuhrtätigkeit in den nächsten Monaten stabilisieren könnte. Darauf deuten auch die jüngsten industriellen Konjunkturdaten – insbesondere der dreimalige Anstieg der ifo-Exporterwartungen in Folge – hin.

Nach einer spürbaren Verschlechterung im Vormonat überraschten die Industrieindikatoren im Mai mit einem deutlichen Plus. Sowohl die Industrieproduktion als auch die industriellen Umsätze machten den Rückgang des Vormonats mehr als wett. Insgesamt nahm die industrielle Erzeugung gegenüber dem Vormonat um saisonbereinigt 5,1 % zu. Nach Güterarten betrachtet wurde vor allem die Produktion von Investitionsgütern ausgeweitet. Aber auch die Erzeugung von Vorleistungsgütern stieg im Mai deutlich an, während im Konsumgüterbereich nur ein leichtes Plus verzeichnet werden konnte. Damit sind die Neuaufträge der vergangenen zwei Monate nun offenbar produktionswirksam geworden. Dies deutet zugleich darauf hin, dass der Lagerabbau in der Industrie inzwischen weitgehend abgeschlossen sein dürfte. Das Produktionsergebnis in der Industrie profitierte im April/Mai erneut von der Ausweitung der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen (saisonbereinigt + 9,8 % gegenüber Februar/März). Diese Entwicklung dürfte mit der anhaltenden Kfz-Nachfrage im Zusammenhang mit der Umweltprämie begründet sein. Die Industrieproduktion lag im Zweimonatsdurchschnitt April/Mai in saisonbereinigter Betrachtung noch leicht unter dem durchschnittlichen Niveau von Februar/März.

Die industriellen Umsätze stiegen im Mai (saisonbereinigt) um 4,5 % gegenüber dem Vormonat an und entwickelten sich damit in etwa entsprechend der Produktionsausweitung. Dabei fiel die Entwicklung der Auslandsumsätze noch etwas günstiger aus als die Umsatzentwicklung im Inland. Ein besonders gutes Umsatzergebnis wurde im Bereich der Investitionsgüter erzielt, wobei die (saisonbereinigte) Vormonatsrate bei den Auslandsumsätzen mit + 12,8 % sogar zweistellig ausfiel. Im Zweimonatsvergleich konnte ebenfalls ein industrielles Umsatzplus verzeichnet werden, wozu in diesem Zeitraum vor allem das Ergebnis im Konsumgüterbereich beitrug.

Die Auftragseingänge sind mit dem jüngsten Anstieg um saisonbereinigt 4,4 % gegenüber April nun auch in der Grundtendenz aufwärtsgerichtet. Die Ausweitung der Neuaufträge ist dabei breit über alle Gütergruppen verteilt. Sowohl im Zweimonats- als auch im Dreimonatsvergleich weist das Bestellvolumen einen Zuwachs gegenüber dem entsprechenden Vorzeitraum auf, wobei die Vorleistungsgüternachfrage hier besonders kräftig ausfiel. Die Nachfrage kam dabei sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Insgesamt lag das Auftragsvolumen im April/Mai jedoch erneut spürbar unter dem entsprechenden Vorjahresniveau. Im Kfz-Bereich fiel das Volumen der Neuaufträge im April/Mai deutlich höher aus als in der entsprechenden Vorperiode (saisonbereinigt + 7,6 %), was auf einen kräftigen Anstieg des Bestellvolumens aus dem Ausland (+ 15,2 %) zurückzuführen war.

Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten
Gesamtwirtschaft/ Einkommen

2008

Veränderung in % gegenüber

in Mrd. €

bzw. Index

ggü. Vorj.

in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

3. Q.08

4.Q.08

1.Q.09

3. Q.08

4.Q.08

1.Q.09

Bruttoinlandsprodukt
Vorjahrespreisbasis (verkettet)

110,1

+1,3

-0,5

-2,2

-3,8

+1,4

-1,7

-6,7

jeweilige Preise

2 491

+2,8

-0,3

-1,3

-3,8

+2,8

+0,5

-5,1

Einkommen
Volkseinkommen

1 885

+3,1

-0,0

-2,2

-5,5

+2,9

+0,1

-7,4

Arbeitnehmerentgelte

1 225

+3,5

+0,8

+0,3

-1,1

+3,9

+3,2

+0,9

Unternehmens- und

Vermögenseinkommen

660

+2,6

-1,4

-6,7

-14,4

+1,4

-6,4

-20,9

Verfügbare Einkommen
der privaten Haushalte

1 554

+2,6

+0,6

-0,5

-0,9

+3,2

+1,2

+0,0

Bruttolöhne und -gehälter

994

+3,8

+0,6

+0,2

-1,4

+4,3

+3,2

+0,4

Sparen der privaten Haushalte

181

+8,2

+2,0

+3,4

-1,5

+9,6

+8,3

+2,7

Außenhandel/ Umsätze/ Produktion/ Auftragseingänge

2008

Veränderung in % gegenüber

in Mrd. €
bzw. Index

ggü.Vorj. in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

Apr 09

Mai 09

Zweimonats-durchschnitt

Apr 09

Mai 09

Zweimonats-durchschnitt

in jeweiligen Preisen
Umsätze im Bauhauptgewerbe (Mrd.€)

86

+6,1

+3,5

.

+6,7

-6,4

.

-4,0

Außenhandel (Mrd. €)
Waren-Exporte

993

+2,8

-5,0

+0,3

-4,7

-28,8

-24,5

-26,8

Waren-Importe

814

+5,7

-6,0

-2,1

-6,8

-23,0

-22,6

-22,8

in konstanten Preisen von 2005
Produktion im Produzierenden Gewerbe(Index 2005 = 100)1

111,5

-0,0

-2,6

+3,7

-0,7

-22,2

-18,1

-20,1

Industrie2

113,4

+0,3

-3,1

+5,1

-0,3

-24,3

-19,2

-21,8

Bauhauptgewerbe  

108,2

-0,6

+0,0

-3,2

+1,3

+6,0

+1,3

+3,7

Umsätze im Produzierenden Gewerbe1

Industrie

(Index 2005 = 100)2

112,7

-0,3

-2,0

+4,5

+1,1

-23,6

-19,4

-21,5

Inland 

108,8

+0,1

-0,1

+2,5

+2,2

-17,6

-15,6

-16,6

Ausland 

117,3

-0,7

-4,4

+7,1

-0,3

-30,1

-23,8

-26,9

Auftragseingang

(Index 2005 = 100)1

Industrie2

111,3

-7,0

+0,1

+4,4

+4,2

-33,1

-28,8

-30,9

Inland

108,3

-5,7

+1,1

+3,9

+4,0

-28,9

-24,3

-26,6

Ausland 

113,9

-8,2

-0,9

+5,2

+4,4

-36,6

-32,3

-34,5

Bauhauptgewerbe

102,7

-4,3

+6,3

.

+2,7

-9,1

.

-11,8

Umsätze im Handel (Index  2005=100)

Einzelhandel

(ohne Kfz und mit Tankstellen)

96,6 -0,6 +1,4 -1,3 +0,8 +0,7 -3,7 -1,5
Handel mit Kfz 91,1 -5,1 -4,6 -2,4 -5,3 -2,7 +1,6 -0,7
Arbeitsmarkt

2008

Veränderung in Tsd. gegenüber

Personen in Mio.

ggü. Vorj. in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

Apr 09

Mai 09

Jun 09

Apr 09

Mai 09

Jun 09

Arbeitslose (nationale
Abgrenzung nach BA) 

3,27

-13,5

+60

+7

+31

+171

+175

+250

Erwerbstätige, Inland

40,35

+1,5

-61

-12

.

-150

-163

.

sozialversicherungspflichtig Beschäftigte          

27,46

+2,2

-38

.

.

+70

.

.

Preisindizes
2005 = 100

2008

Veränderung in % gegenüber

Index

ggü. Vorj. in %

Vorperiode

Vorjahr  

Apr 09

Mai 09

Jun 09

Apr 09

Mai 09

Jun 09

Importpreise

109,9

+4,5

-0,8

+0,0

.

-8,6

-10,4

.

Erzeugerpreise gewerbl. Produkte

112,7

+5,5

-1,4

+0,0

.

-2,7

-3,6

.

Verbraucherpreise 

106,6

+2,6

+0,0

-0,1

+0,4

+0,7

+0,0

+0,1

ifo-Geschäftsklima

gewerbliche Wirtschaft

saisonbereinigte Salden

Nov 08

Dez 08

Jan 09

Feb 09

Mrz 09

Apr 09

Mai 09

Jun 09

Klima

-28,9

-35,2

-34,4

-35,4

-36,2

-33,1

-32,1

-28,9

Geschäftslage

-14,2

-25,8

-29,8

-34,7

-37,8

-36,1

-38,0

-38,3

Geschäftserwartungen

-42,4

-44,2

-38,9

-36,1

-34,7

-30,1

-25,9

-18,8

Die positive Entwicklung der Industrieindikatoren im Mai steht im Einklang mit dem Ergebnis der jüngsten ifo-Umfrage: Erstmalig wies die Beurteilung der aktuellen Lage im Verarbeitenden Gewerbe zuletzt wieder eine leichte Verbesserung auf. Die Ausweitung des Bestellvolumens deutet zugleich darauf hin, dass die Auftragsentwicklung im Verarbeitenden Gewerbe die Industrieproduktion im Jahresverlauf weiter begünstigen dürfte. Damit ist ein Ende der industriellen Talfahrt wahrscheinlicher geworden. Die Erwartung einer konjunkturellen Bodenbildung wird vor allem durch die nun positive Grundtendenz des industriellen Auftragsvolumens gestärkt. Allerdings befinden sich die Industrieindikatoren noch auf einem sehr niedrigen Niveau.

Der kräftige Anstieg der Erzeugung im Produzierenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat (saisonbereinigt) war im Mai ausschließlich auf die Industrieproduktion zurückzuführen, während das Produktionsergebnis im Bauhauptgewerbe deutlich hinter dem des Vormonats zurückblieb. Dennoch ist die Bauproduktion aufgrund der günstigen Entwicklung im März und April tendenziell weiter aufwärtsgerichtet.

Die privaten Haushalte profitieren vom im Vergleich zum Vorjahr viel niedrigeren Preisniveau für Energiegüter. Die Indikatoren signalisieren, dass der private Konsum auch im 2. Quartal eine stützende Rolle gespielt haben dürfte. So zeichnet sich bei den Einzelhandelsumsätzen (ohne Kfz) – trotz des zuletzt beobachteten Rückgangs – ein Ende des Abwärtstrends ab. Damit deutet sich eine Stabilisierung der Umsatzzahlen auf niedrigem Niveau an. Der Zweimonatsvergleich stützt die Vermutung einer möglichen Verschiebung der privaten Konsumnachfrage vom Kfz-Bereich zum Nicht-Kfz-Bereich: Während die Umsätze im Kfz-Handel im April/Mai gegenüber dem Vorzeitraum deutlich sanken, wies der Einzelhandel (ohne Kfz) im Vormonatsvergleich ein leichtes Umsatzplus auf. Die erwartete Verbesserung des GfK-Konsumklimas für Juli sowie der zweimalige Anstieg der ifo-Geschäftserwartungen für den Einzelhandel deuten darauf hin, dass sich der private Konsum auch im weiteren Jahresverlauf günstig entwickeln könnte. Angesichts einer steigenden Arbeitslosenzahl bleibt jedoch abzuwarten, wie robust sich die Stabilisierungstendenz der Einzelhandelsumsätze gegenüber einer zu erwartenden Verschlechterung der Einkommensperspektiven privater Haushalte erweisen wird.

Auf dem Arbeitsmarkt sind die Folgen der Rezession zwar deutlich erkennbar. Angesichts der Schärfe des konjunkturellen Einbruchs sind der Beschäftigungsrückgang sowie die Zunahme der Arbeitslosigkeit jedoch insgesamt noch als moderat zu beurteilen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl ist im Juni um 31 000 Personen angestiegen. Dabei haben auch Sondereffekte infolge der Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente eine Rolle gespielt. Ohne diese Effekte hätte die Arbeitslosigkeit im Juni um schätzungsweise 50 000 Personen zugenommen. Nach Ursprungszahlen stieg die registrierte Arbeitslosigkeit im Juni um 250 000 Personen (gegenüber dem Vorjahr) auf 3,41 Mio. Personen an. Die entsprechende Arbeitslosenquote belief sich auf 8,1 % und war damit um 0,6 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr (West: 6,9 %, Ost: 12,9 %).

Die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) ist im Mai gegenüber dem Vormonat leicht gesunken (- 12 000 Personen). Im Vorjahresvergleich (Ursprungswerte) setzte sich der Beschäftigungsabbau ebenfalls fort. Die Zahl der Erwerbstätigen verringerte sich im Mai um 163 000 Personen auf 40,10 Mio. Personen. Für sozialversicherungspflichtige Beschäftigte liegen erst Daten bis April vor. Danach entfiel mehr als die Hälfte des gesamten Beschäftigungsabbaus im April gegenüber März auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse lag im April immer noch über dem Vorjahresergebnis, aber der Vorjahresabstand ist deutlich kleiner geworden. In den konsumorientierten Dienstleistungsbereichen wie beispielsweise Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Gastgewerbe setzte sich der Beschäftigungsaufbau fort. Einen spürbaren Abbau von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gab es dagegen bei den wirtschaftlichen Dienstleistungen, vor allem bei den Arbeitnehmerüberlassungen.

Auf dem Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen des drastischen Rückgangs der gesamtwirtschaftlichen Aktivität auf die Beschäftigung derzeit aufgrund einiger entlastender Effekte nicht in vollem Umfang erkennbar: Die starke Ausweitung der Kurzarbeit hat die Auswirkungen der wirtschaftlichen Schwäche bisher gemildert. So war die Zahl der Kurzarbeiter im 1. Quartal sprunghaft angestiegen. Allerdings hat sich im Mai und Juni der Zugang an neu angezeigter Kurzarbeit gegenüber den Vormonaten abgeschwächt. Darüber hinaus reagiert der Arbeitsmarkt typischerweise immer mit einer gewissen Verzögerung auf konjunkturelle Entwicklungen. Auch der Rückgang des Arbeitskräfteangebots 2009, der vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auf jahresdurchschnittlich 151 000 Personen geschätzt wird, dürfte entlastend auf die Entwicklung des Arbeitsmarkts wirken. Trotz der Stabilisierung einiger Konjunkturindikatoren am aktuellen Rand ist im weiteren Verlauf dieses Jahres nach wie vor mit einer Verschlechterung der Situation am Arbeitsmarkt zu rechnen. Darauf deuten der Stellenindex der BA sowie Unternehmensbefragungen hin (ifo-Umfrage, DIHK-Frühsommerumfrage).

Die Preisentwicklung verläuft derzeit in ruhigen Bahnen. So lag der Verbraucherpreisindex (VPI) im Juni nur geringfügig über seinem Vorjahresniveau (+ 0,1 %). Gegenüber dem Vormonat war ein Anstieg um 0,4 % zu verzeichnen. Im Vorjahresvergleich war die rückläufige Entwicklung bei Mineralölprodukten (- 21,7 %) maßgeblich für die niedrige Inflationsrate. Dagegen war Strom um 6,9 % teurer als vor einem Jahr. Nahrungsmittel lagen um 0,9 % unter ihrem Vorjahresniveau. Spürbare Preisrückgänge gab es bei Milchprodukten sowie Speisefetten und –ölen. Die niedrige Jahresteuerungsrate war auch im Juni 2009 vor allem auf einen Basiseffekt zurückzuführen, der sich aus dem kräftigen Anstieg des Preisniveaus in der ersten Jahreshälfte 2008 ergibt. Eine deflationäre Tendenz ist hieraus nicht abzuleiten, denn der Preisrückgang beschränkt sich auf einige Teilkomponenten. Dagegen sind beispielsweise die Preise für Dienstleistungen und Gebrauchsgüter mittlerer Lebensdauer im Juni weiter angestiegen. Auch die Kerninflation (VPI ohne Berücksichtigung von Energie, Nahrungsmitteln und nichtalkoholischen Getränken) lag mit 1,4 % deutlich über dem Vorjahresniveau. Angesichts der Schwäche der Weltwirtschaft und den damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf die Binnenkonjunktur dürfte die Entwicklung der Verbraucherpreise auch nach dem Auslaufen des Basiseffekts moderat bleiben.

Darauf deutet auch die erneut drastische Verbilligung importierter Güter im Mai hin (- 10,4 % gegenüber dem Vorjahr). Der Preisrückgang gegenüber dem Vorjahr ist insbesondere auf deutlich rückläufige Importpreise für Rohöl (- 45,1 %) und Mineralölerzeugnisse (- 47,9 %) zurückzuführen. Ohne Einrechnung von Erdöl und Mineralölerzeugnissen lagen die Importpreise 4,7 % unter dem Vorjahresniveau. Auch Importpreise für Erdgas sanken erneut (- 21,8 %). Importe von Rohstoffen wie Steinkohle (+ 30,1 %) und Eisenerze (+ 12,8 %) verteuerten sich dagegen spürbar. Im Nahrungsmittelsektor fielen die Preise gegenüber dem Vorjahr insbesondere für Getreide (- 27,5 %) sowie Milch und Milcherzeugnisse (- 12,6 %).

Der Erzeugerpreisindex lag im Mai um 3,6 % unter dem Niveau des Vorjahres. Ausschlaggebend hierfür war vor allem die Entwicklung der Preise für Vorleistungsgüter. So gab es hohe Preisrückgänge bei Metallen (Betonstahl: - 52,7 %) und einigen Nichteisenmetallen (Kupfer: - 31,6 %). Energieprodukte verbilligten sich um 5,8 %. Ohne Berücksichtigung von Energie sanken die Erzeugerpreise um 2,5 %. Auch Erzeugerpreise für Nahrungsmittel lagen deutlich unter ihrem Vorjahresniveau (- 3,4 %).

BIP-Wachstum und ifo-Geschäftsklima
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen