Navigation und Service

21.09.2009

Monatsbericht

Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

  • Wirtschaftliche Erholung dürfte sich im 3. Quartal fortgesetzt haben.
  • Warenexporte sind deutlich aufwärtsgerichtet.
  • Industrieindikatoren zeigen einen guten Einstieg ins 3. Quartal.
  • Der private Konsum dürfte weiter von der robusten Lage auf dem Arbeitsmarkt und der moderaten Preisentwicklung profitieren.

Die konjunkturelle Talfahrt ist im 2. Quartal zum Stillstand gekommen. Die Gesamtheit der aktuellen Wirtschaftsdaten deutet darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Erholung im 3. Quartal wahrscheinlich fortgesetzt hat.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im 2. Quartal 2009 erstmals nach vier Rückgängen in Folge wieder leicht an (preis-, kalender- und saisonbereinigt + 0,3 %, nach - 3,5 % im 1. Quartal 2009). Der private und der staatliche Konsum haben die Entwicklung des BIP begünstigt. Die Entlastungen bei der Einkommensteuer und Abgabensenkungen sowie die Stützung des Arbeitsmarkts durch die Ausweitung der Kurzarbeit dürften wesentlich zum Anstieg des privaten Konsums beigetragen haben. Positive Impulse kamen zudem von den Bauinvestitionen. Die reale Zunahme der Bauinvestitionen im 2. Quartal dieses Jahres kam allein aus den Nichtwohnbauten sowohl öffentlicher als auch privater Investoren. Die staatlichen Bauinvestitionen wirkten insgesamt stützend. Die Ausrüstungsinvestitionen verzeichneten nur noch einen leichten Rückgang, nachdem sie im 1. Quartal drastisch eingebrochen waren. Aus einem stärkeren Rückgang des Importvolumens gegenüber den Exporten resultierte rein rechnerisch ein merklicher Wachstumsbeitrag von den Nettoexporten (+ 1,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal). Ein erheblicher Lagerabbau (- 1,9 Prozentpunkte) bremste dagegen die gesamtwirtschaftliche Entwicklung.

Derzeit ist es noch unsicher, ob die positiven Konjunktursignale bereits eine grundlegende und nachhaltige Wende zum Besseren anzeigen. Die meisten Industrieindikatoren befinden sich weiterhin auf einem niedrigen Niveau, sodass die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten wohl auf absehbare Zeit deutlich unterausgelastet bleiben dürften. Dies dürfte die Bauwirtschaft und die Ausrüstungsinvestitionen belasten, da bei unterausgelasteten Kapazitäten das Erweiterungsmotiv für Investitionen in den Hintergrund tritt. Darüber hinaus stellt die Unterauslastung ein wesentliches Risiko für die Arbeitsmarktentwicklung im weiteren Jahresverlauf bis in das nächste Jahr hinein dar und damit auch für die Entwicklung des privaten Konsums.

Der Arbeitsmarkt zeigte sich bisher angesichts des drastischen Konjunktureinbruchs noch sehr robust. Dies spiegelt sich auch in den Einnahmen aus der Lohnsteuer im August wider, wenn man Sondereffekte unberücksichtigt lässt. Zwar verringerte sich das Lohnsteueraufkommen im Vergleich zum Vorjahr erheblich (- 9,0 %). Dies hängt allerdings ursächlich mit dem Anstieg der Abzugsbeträge zusammen (Anstieg der Kindergeldzahlungen und der Zulagen für die Altersvorsorge). Die Einnahmen aus den Steuern vom Umsatz blieben im Zeitraum Januar bis August nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Dies dürfte u. a. mit der günstigen Entwicklung der Einzelhandelsumsätze im 1. Halbjahr zusammenhängen. Betrachtet man isoliert das Teilaufkommen Einfuhrumsatzsteuer, so spiegelt sich in den starken Einbußen (Januar bis August - 23,6 % gegenüber dem Vorjahr) der erhebliche Rückgang der Importe aus Drittländern wider.

Am aktuellen Rand zeigt sich jedoch in der Verlaufsbetrachtung eine Verbesserung des Außenhandelsgeschäftes. Dies ist auf eine leichte weltwirtschaftliche Erholung zurückzuführen. Die nominalen Warenimporte stagnierten im Juli (saisonbereinigt, gegenüber dem Vormonat), nachdem sie im Juni angestiegen waren. Im Zweimonatsvergleich (Juni/Juli gegenüber April/Mai) wurden die Einfuhren deutlich ausgeweitet. Dabei profitierten die Importeure von der Erholung der Ausfuhren, da Exporte einen hohen Anteil an importierten Vorleistungen enthalten. Eine stärkere Nachfrage nach Vorleistungsgütern durch inländische Unternehmen war bereits an den industriellen Auftragseingängen abzulesen. Darüber hinaus könnte die verstärkte Einfuhrtätigkeit eine Korrektur des vorangegangenen Lagerabbaus in der Industrie widerspiegeln.

Die nominalen Warenexporte haben sich im Juli zum dritten Mal in Folge erhöht (saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat). Im Zweimonatsvergleich kam es zu einem spürbaren Anstieg. Damit haben sich die Warenausfuhren weiter erholt und zeigen nun eine deutlich aufwärtsgerichtete Entwicklungstendenz. Die Zunahme der Auslandsbestellungen in den vergangenen Monaten hatte dies bereits signalisiert. Im Vergleich zum Vorjahr war die Verringerung der Warenexporte allerdings noch sehr stark ausgeprägt (Ursprungswerte). Kumuliert für den Zeitraum Januar bis Juli 2009 lagen die nominalen Warenausfuhren deutlich unter dem entsprechendem Vorjahresniveau (- 22,6 %). Besonders kräftig sanken dabei die Exporte in den Nicht-Euroraum (- 26,9 %) der Europäischen Union. Auch Exporte in den Euroraum (-21,9 %) und in Drittländer (- 21,0 %) waren klar rückläufig. Die vorlaufenden Indikatoren signalisieren gute Aussichten für eine Erholung der Weltwirtschaft. So ist die industrielle Auslandsnachfrage nach Investitions- und Vorleistungsgütern im Mehrmonatsvergleich im Verlauf spürbar angestiegen. Die ifo-Exporterwartungen waren zum fünften Mal in Folge weniger pessimistisch und liegen nun leicht über dem Wert von September 2008. Auch der ifo World Economic Survey ist im 3. Quartal zum zweiten Mal in Folge angestiegen. Dabei verbesserten sich erstmals seit dem 3. Quartal 2007 auch die Einschätzungen zur aktuellen Lage. Impulse aus den wirtschaftlich wieder erstarkenden Schwellenländern, insbesondere China, dürften ebenfalls die Ausfuhrtätigkeit begünstigen. Zusammengenommen spricht dies für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends der Exporte. Allerdings bewegen sie sich noch auf niedrigem Niveau.

Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten
Gesamtwirtschaft/ Einkommen

2008

Veränderung in % gegenüber

Mrd. €
bzw. Index

ggü.  Vorj. in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

4.Q.08

1.Q.09

2.Q.09

4.Q.08

1.Q.09

2.Q.09

Bruttoinlandsprodukt

Vorjahrespreisbasis (verkettet)

100,3

+1,3

-2,4

-3,5

+0,3

-1,7

-6,4

-7,1

jeweilige Preise

2 496

+2,8

-1,9

-3,4

+0,6

+0,2

-5,0

-5,9

Einkommen

Volkseinkommen

1 886

+2,5

-2,3

-4,0

-1,0

-0,9

-6,5

-7,4

Arbeitnehmerentgelte

1 225

+3,7

-0,0

-0,6

-0,2

+3,5

+1,0

-0,1

Unternehmens- und

Vermögenseinkommen

661

+0,2

-6,4

-10,7

-2,9

-9,8

-18,6

-20,7

Verfügbare Einkommen

der privaten Haushalte

1 558

+2,7

-0,7

-0,4

+0,6

+1,0

+0,1

-0,1

Bruttolöhne u. -gehälter

996

+4,0

+0,3

-1,6

+0,1

+3,5

+0,6

-0,7

Sparen der privaten Haushalte

179

+7,7

+2,5

-0,4

-3,0

+6,9

+2,4

-1,7

Außenhandel/ Umsätze/ Produktion/ Auftragseingänge

2008

Veränderung in % gegenüber

Mrd. €
bzw. Index

ggü.Vorj. in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

Jun 09

Jul 09

Dreimonats-

durchschnitt

Jun 09

Jul 09

Dreimonats-

durchschnitt

in jeweiligen Preisen
Umsätze im Bauhauptgewerbe (Mrd.€)

86

+6,1

-2,2

.

-1,5

-5,0

.

-4,6

Außenhandel (Mrd. €)

Waren-Exporte

993

+2,8

+6,1

-2,3

+7,4

-22,9

-18,7

-20,8

Waren-Importe

814

+5,7

+5,9

+0,0

+4,8

-17,9

-22,3

-20,2

in konstanten Preisen von 2005
Produktion im Produzierenden Gewerbe (Index 2005 = 100)1

111,5

-0,0

+0,8

-0,9

+2,5

-17,5

-16,9

-17,2

Industrie 2

113,4

+0,3

+0,0

-0,5

+2,3

-19,9

-19,1

-19,5

Bauhauptgewerbe  

108,2

-0,6

-0,9

-2,3

-3,3

+2,1

+2,4

+2,2

Umsätze im

Produzierenden Gewerbe1

Industrie (Index 2005 = 100)2

112,6

-0,3

+1,1

-0,7

+2,8

-18,2

-16,9

-17,6

Inland 

108,8

+0,1

+1,1

-2,7

+0,8

-14,4

-14,8

-14,6

Ausland 

117,2

-0,8

+1,2

+1,6

+5,4

-22,3

-19,1

-20,7

Auftragseingang

(Index 2005 = 100) 1

Industrie 2

111,3

-7,1

+3,8

+3,5

+7,8

-23,8

-19,9

-21,9

Inland

108,3

-5,7

+0,5

+10,3

+7,8

-23,0

-13,3

-18,2

Ausland 

113,8

-8,2

+6,9

-2,3

+7,8

-24,3

-25,4

-24,9

Bauhauptgewerbe

102,7

-4,3

-2,1

.

+1,8

-6,0

.

-5,2

Umsätze im Handel

(Index  2005=100)

Einzelhandel

(ohne Kfz. und mit Tankstellen)

96,7

-0,5

-0,9

+0,7

-1,1

-1,6

-0,8

-1,2

Handel mit Kfz

91,1

-5,1

+1,0

-3,4

-2,3

+1,8

+1,8

+1,8

Arbeitsmarkt

2008

Veränderung in Tsd. gegenüber

Personen Mio.

ggü. Vorj. in %

Vorperiode (saisonber.)

Vorjahr  

Jun 09

Jul 09

Aug 09

Jun 09

Jul 09

Aug 09

Arbeitslose (nationale

Abgrenzung nach BA) 

3,27

-13,5

+27

-5

-1

+250

+252

+276

Erwerbstätige, Inland

40,28

+1,4

-37

-15

.

-92

-144

.

sozialversicherungspflichtig Beschäftigte          

27,46

+2,2

-5

.

.

-36

.

.

Preisindizes
2005 = 100

2008

Veränderung in % gegenüber

Index

ggü. Vorj. in %

Vorperiode

Vorjahr  

Jun 09

Jul 09

Aug 09

Jun 09

Jul 09

Aug 09

Importpreise

109,9

+4,5

+0,4

-0,9

.

-11,3

-12,6

.

Erzeugerpreise gewerbl. Produkte

112,7

+5,5

-0,1

-1,5

.

-4,6

-7,8

.

Verbraucherpreise 

106,6

+2,6

+0,4

+0,0

+0,2

+0,1

-0,5

+0,0

ifo-Geschäftsklima

gewerbliche Wirtschaft

saisonbereinigte Salden

Jan 09

Feb 09

Mrz 09

Apr 09

Mai 09

Jun 09

Jul 09

Aug 09

Klima

-34,4

-35,3

-36,2

-33,0

-32,0

-28,7

-25,9

-19,7

Geschäftslage

-29,8

-34,7

-37,7

-36,1

-38,0

-38,3

-34,5

-31,0

Geschäftserwartungen

-38,8

-36,0

-34,5

-29,9

-25,7

-18,6

-16,9

-7,7

Die Industrieindikatoren passen insgesamt in das positive Bild. Produktion und Umsatz in der Industrie sind zwar am aktuellen Rand (Juli) zurückgegangen, bleiben aber in der Grundtendenz aufwärtsgerichtet.

Die Industrieproduktion wurde im Juli gegenüber dem Vormonat leicht zurückgefahren, nach Stagnation im Juni (saisonbereinigt). Der Index liegt dennoch deutlich über dem Niveau vom Tiefstand Februar. Im Zweimonatsvergleich gab es einen spürbaren Anstieg. Dieser kam vor allem aus der Ausweitung der Herstellung von Vorleistungsgütern, insbesondere aus der Chemischen Industrie. Aber auch die Investitionsgütererzeugung stieg an, wozu die Ausweitung der Produktion von Kraftwagen und Kraftwagenteilen beigetragen hat. Gedämpft wurde die Entwicklung der Industrieproduktion durch einen weiterhin rückläufigen Maschinenbau.

Die Umsätze in der Industrie verringerten sich im Juli leicht, nach zwei Anstiegen in Folge. Im Zweimonatsvergleich zeigten die Umsätze einen deutlichen Aufwärtstrend, wobei die Auslandsumsätze stärker zunahmen als die Inlandsumsätze. Der Anstieg der Umsätze aus dem Ausland ist ein weiteres Indiz für die allmähliche konjunkturelle Erholung der Weltwirtschaft.

Das Auftragsvolumen in der Industrie ist im Juli gegenüber dem Vormonat deutlich angestiegen (saisonbereinigt). Dieser Anstieg wurde durch einen staatlichen Großauftrag im Investitionsgüterbereich geprägt. Die Auslandsorder nahmen dagegen ab, lagen aber deutlich über dem Tiefstand vom Februar dieses Jahres. Im Mehrmonatsvergleich setzte sich der Aufwärtstrend sowohl bei den inländischen als auch bei den ausländischen Bestellungen fort, insbesondere bei Vorleistungs- und Investitionsgütern. Im Kfz-Bereich gingen die Bestellungen im Juli zurück. Im Zweimonatsvergleich zeigte sich jedoch noch ein deutlicher Anstieg, der ausschließlich auf Auslandsbestellungen zurückzuführen war.

Die positive Entwicklung der Auftragseingänge dürfte die Industrieproduktion in den nächsten Monaten begünstigen. Ein Anstieg der industriellen Erzeugung im 3. Quartal ist damit wahrscheinlich. Auch in der verbesserten Auslandsnachfrage spiegelt sich die leichte Erholung der Weltwirtschaft wider. Zu der positiven Nachfrageentwicklung dürften die in vielen Ländern aufgelegten Konjunkturprogramme beigetragen haben. Neben den „harten“ Industrieindikatoren spricht auch der ifo-Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe für eine Fortsetzung der Erholung in diesem Bereich. Erstmals seit März vergangenen Jahres überwiegt für die Einschätzung der nächsten sechs Monate die Zahl der Unternehmen, die eine Zunahme der Geschäftstätigkeit erwarten.

Die Produktion im Bauhauptgewerbe wurde zum dritten Mal in Folge zurückgefahren und ist damit im Zweimonatsvergleich deutlich rückläufig. Im weiteren Jahresverlauf dürften jedoch die Konjunkturpakete die Bautätigkeit begünstigen. Dafür spricht ein spürbarer Anstieg des Auftragsvolumens für Tiefbaumaßnahmen und für den Hochbau im Wohnungsbau.

Der private Konsum dürfte sich im 3. Quartal weiter erholt und zum Wirtschaftswachstum beigetragen haben. Darauf deuten sowohl die Einzelhandelsumsätze am aktuellen Rand als auch die Stimmungsindikatoren hin. So sind die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) im Juli in der Verlaufsbetrachtung nach zwei Rückgängen in Folge wieder leicht angestiegen. Im Zweimonatsvergleich ergibt sich allerdings noch ein merklicher Rückgang. Der Kfz-Einzelhandel (inklusive Instandhaltung und Reparatur) verzeichnete im Juli ein deutliches Umsatzminus. Nach dem sehr starken Umsatzanstieg im Februar (saisonbereinigt + 18,5 % gegenüber dem Vormonat) hat sich das Niveau allmählich wieder zurückgebildet. Die Neuzulassungen der Pkw von privaten Haltern waren nach dem sprunghaften Zuwachs im Februar noch angestiegen. Am aktuellen Rand sind sie allerdings bereits wieder unter die Anzahl von Neuzulassungen zurückgefallen, die monatsdurchschnittlich von Februar bis Juni zu verzeichnen war.

Der Anstieg des Stimmungsindikators GfK-Konsumklima signalisiert eine Fortsetzung der günstigen Entwicklung der privaten Konsumausgaben. Unterstützt wird dies durch die Maßnahmen der Konjunkturpakete (Verringerung des Krankenkassenbeitrags, Entlastungen bei der Einkommensteuer). Diese Maßnahmen haben im 2. Quartal zu einem Anstieg der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte (saisonbereinigt + 0,6 % gegenüber dem Vorquartal) beigetragen. In Verbindung mit dem sehr günstigen Preisklima sowie den kurzfristigen Kaufanreizen im Zusammenhang mit der Umweltprämie dürften die höheren verfügbaren Einkommen den privaten Konsum auch im 3. Quartal begünstigen. Abzuwarten bleiben jedoch neben den Rückpralleffekten durch das Auslaufen der Umweltprämie die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt.

Die Reaktionen auf dem Arbeitsmarkt erwiesen sich auch im August als moderat. So hat sich die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl kaum verändert (- 1 000 Personen gegenüber dem Vormonat). Entlastend wirkten dabei die Maßnahmen zur Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente (beispielsweise gelten Personen, die an Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen durch „Dritte“ teilnehmen, aus Sicht der Statistik nicht mehr als arbeitslos). Ohne diesen Sondereffekt wäre die Arbeitslosenzahl um schätzungsweise 25 000 Personen angestiegen. Die registrierte Arbeitslosigkeit (nach Ursprungszahlen) nahm im Vergleich zum Vorjahr um 276 000 auf 3,47 Mio. Personen zu. Die Arbeitslosenquote belief sich auf 8,3 % und war damit um 0,7 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr.

Auch der Rückgang der Erwerbstätigkeit war im Juli vergleichsweise gering: So ist die Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) im Juli gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 15 000  Personen gesunken. Der Vorjahresstand wurde mit 40,15 Mio. Erwerbstätigen um 144 000 Personen unterschritten.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse verringerte sich im Juni saisonbereinigt um 5 000 gegenüber dem Vormonat. Auch im Vergleich zum Vorjahr wurde die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung leicht abgebaut (- 36 000 Personen). Der geringe Rückgang im Vorjahresvergleich lässt sich hauptsächlich durch den anhaltenden Zuwachs bei der Teilzeitbeschäftigung erklären (rund + 210 000 Personen), während die Vollzeitbeschäftigung um rund 250 000 Personen abgenommen hat.

Die Reaktion des Arbeitsmarktes auf den konjunkturellen Einbruch ist – auch ohne Berücksichtigung der Sondereffekte durch die Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik – immer noch ungewöhnlich moderat. Insbesondere die Inanspruchnahme der Kurzarbeit dürfte zu dieser günstigen Entwicklung beigetragen haben. Es besteht allerdings das Risiko, dass – angesichts des niedrigen Produktionsniveaus und der damit verbundenen Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten – stärkere Anpassungsreaktionen auf dem Arbeitsmarkt noch bevorstehen.

Darauf deuten auch die Beschäftigungsplanungen der Unternehmen hin, die auf Personalreduzierung ausgerichtet sind (Umfragen des ifo-Instituts, Beschäftigungsindex aus Befragung der Einkaufsmanager). Das Auslaufen der stützenden Wirkung der Kurzarbeit könnte diesen Prozess beschleunigen.

Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Das Verbraucherpreisniveau hat sich im August gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Im Vergleich zum Vormonat wurde das Niveau um 0,2 % leicht überschritten. Die Entwicklung des Verbraucherpreisindex (VPI) ist wesentlich durch die Preise für Mineralölprodukte geprägt, die zwar im Vorjahresvergleich erheblich zurückgegangen sind (- 16,1 %), im Vormonatsvergleich aber wieder deutlich anstiegen. Die Entwicklung des VPI gegenüber dem Vorjahr wird seit Anfang des Jahres vor allem durch einen statistischen Effekt bestimmt (Basiseffekt). Nach einem kräftigen Anstieg der Preise für Heizöl und Kraftstoffe bis Mitte des vergangenen Jahres kam es seitdem zu einer deutlichen Verbilligung dieser Güter. Die Basiseffekte dürften nun allmählich auslaufen. Eine weitere Ursache für die niedrige Teuerungsrate ist ein erneuter Preisniveaurückgang von Nahrungsmitteln sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch gegenüber dem Vormonat.

Eine deflationäre Tendenz – verstanden als breitangelegter gesamtwirtschaftlicher Preisrückgang – ist aus der derzeitigen Entwicklung des VPI nicht abzuleiten. Die Kerninflationsrate (berechnet auf Grundlage des VPI ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln und nichtalkoholischen Getränken) bewegt sich weiterhin, wie bereits seit einem längeren Zeitraum, um 1 ½ % (August: + 1,4 %).

Der Importpreisindex lag im Juli um 12,6 % unter seinem Vorjahresniveau. Dies war der höchste Rückgang seit Februar 1987. Die Preisniveauentwicklung ist insbesondere auf deutlich rückläufige Importpreise für Rohöl und Mineralölerzeugnisse zurückzuführen (jeweils - 45,9 %). Ohne Einrechnung von Erdöl und Mineralölerzeugnissen lagen die Importpreise um 6,8 % unter dem Vorjahresniveau. Importe von Eisen, Stahl und Ferrolegierungen (- 34,3 %) und Nicht-Eisen-Metallerzen (- 26,5 %) verbilligten sich ebenfalls spürbar. Auch im Nahrungsmittelsektor fiel das Preisniveau gegenüber dem Vorjahr, insbesondere für Getreide (- 29,0 %) und Milch und Milcherzeugnisse (- 14,2 %).

Der Erzeugerpreisindex sank im Juli um 7,8 % gegenüber dem Vorjahr und damit so stark wie noch nie seit Beginn der statistischen Erfassung (1949). Zwei Drittel des Preisniveaurückgangs sind auf rückläufige Energiepreise zurückzuführen (- 16,5 %). Ohne Berücksichtigung von Energie lagen die Erzeugerpreise um 3,6 % unter ihrem Vorjahresniveau. Darüber hinaus gab es auch Preisniveaurückgänge für Vorleistungsgüter (- 7,9 %) und Nahrungsmittel (- 4,8 %).