Navigation und Service

20.11.2009

Monatsbericht

Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

  • Beschleunigter BIP-Anstieg im 3. Quartal bekräftigt konjunkturelle Erholungstendenz.
  • Aktuelles Indikatorenbild deutet auf Fortsetzung des Aufwärtstrends in der Industrie hin.
  • Arbeitsmarkt überraschte im Oktober mit unerwartet günstigen Daten.
  • Einzelhandelsumsätze und Stimmungsindikatoren signalisieren Abschwächung der privaten Konsumtätigkeit.
  • Günstiges Preisklima hielt im Oktober an. Verbraucherpreisindex blieb auf Vorjahresniveau.

Die wirtschaftliche Erholung hat sich in Deutschland im 3. Quartal erwartungsgemäß beschleunigt fortgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist laut Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,7 % gegenüber dem Vorquartal angewachsen. Zugleich wurde das Ergebnis für das 2. Quartal geringfügig aufwärts revidiert. Einzelergebnisse nach Wirtschaftsbereichen und Verwendungsaggregaten für das 3. Quartal werden zwar erst am 24. November 2009 veröffentlicht. Die monatlichen Konjunkturindikatoren lassen aber bereits folgende Entwicklungstendenzen erkennen: Entstehungsseitig dürfte vor allem der Aufwärtstrend im Verarbeitenden Gewerbe das Wachstum getragen haben. Verwendungsseitig steht eine deutliche Ausweitung der Exporte einem kräftigen Anstieg der Importe gegenüber. Die Zunahme der Importe weist dabei auf einen Wachstumsimpuls durch die Vorratsinvestitionen hin. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren die privaten Konsumausgaben im 3. Quartal rückläufig und wirkten somit dämpfend auf die BIP-Entwicklung.

Die vorlaufenden Konjunkturindikatoren deuten zwar für sich genommen auf eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung hin. Insbesondere vor dem Hintergrund einer nachlassenden privaten Konsumtätigkeit ist jedoch im Schlussquartal dieses Jahres mit einer verminderten Wachstumsdynamik zu rechnen. Dabei dürfte eine zunehmende Konsumzurückhaltung auch Ausdruck einer anhaltenden Unsicherheit über die weiteren Arbeitsplatz- und Einkommensperspektiven der privaten Haushalte sein. Denn vor dem Hintergrund der erheblichen Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten ist weiterhin mit einem spürbaren Beschäftigungsabbau zu rechnen. Diese Einschätzung wird auch im aktuellen Jahresgutachten des Sachverständigenrates vertreten.

Bisher fiel die Reaktion des Arbeitsmarktes auf den Einbruch des gesamtwirtschaftlichen Produktionsniveaus jedoch noch moderat aus. Dies trug zu einer im Vorjahresvergleich relativ robusten Entwicklung der Lohnsteuer bei, das Bruttoaufkommen (vor Abzug von Kindergeld und Altersvorsorgezulage) ging nur leicht zurück (Januar bis Oktober - 0,9 %).

Der private Konsum, der im 1. Halbjahr noch deutlich konjunkturstabilisierend gewirkt hat, entwickelte sich zuletzt wahrscheinlich rückläufig. Im Jahresdurchschnitt dürften die Konsumausgaben der privaten Haushalte noch zunehmen. Die Entwicklung des Aufkommens der Steuern vom Umsatz, das bisher kumuliert von Januar bis Oktober 2009 geringfügig (+ 0,5 %) angestiegen ist, scheint diese Annahme zu bestätigen.

Die sich abzeichnende allmähliche weltwirtschaftliche Erholung und die Stabilisierung der Situation an den Finanzmärkten haben zu einer deutlichen Verbesserung der außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Deutschland geführt. Dies spiegelt sich auch in einem spürbaren Anstieg der nominalen Warenexporte im 3. Quartal wider (saisonbereinigt, gegenüber dem Vorquartal). Der Absturz der Exporte vom 4. Quartal des vergangenen Jahres bis zum 2. Vierteljahr 2009 konnte jedoch bei Weitem nicht wieder ausgeglichen werden. Das Vorjahresniveau der Warenexporte wurde im 3. Quartal (nach Ursprungswerten) weiterhin erheblich unterschritten. Im Zeitraum Januar bis September 2009 lag das Exportergebnis deutlich unter dem entsprechenden Vorjahresniveau (- 22 %). Dabei war vor allem die Ausfuhrtätigkeit in den Nicht-Euroraum der Europäischen Union stark rückläufig (- 25,9 %). Die Abnahme der Exporte in den Euroraum (- 20,9 %) und in Drittländer (- 21,1 %) war jedoch ebenfalls sehr ausgeprägt.

Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten 
Gesamtwirtschaft/ Einkommen2008Veränderung in % gegenüber
Mrd. €
bzw. Index
ggü.  Vorj. in %Vorperiode saisonbereinigtVorjahr  
1.Q.092.Q.093.Q.091.Q.092.Q.093.Q.09
Bruttoinlandsprodukt

Vorjahrespreisbasis (verkettet)

110,3+1,3-3,5+0,4+0,7-6,4-7,0-4,7

jeweilige Preise

2 496+2,8-3,4+0,8+1,5-5,0-5,8-2,9
Einkommen1

Volkseinkommen

1 886+2,5-4,0-1,0.-6,5-7,4.

Arbeitnehmerentgelte

1 225+3,7-0,6-0,2.+1,0-0,1.

Unternehmens- und

Vermögenseinkommen

661+0,2-10,7-2,9.-18,6-20,7.

Verfügbare Einkommen

der privaten Haushalte

1 558+2,7-0,4+0,6.+0,1-0,1.

Bruttolöhne u. -gehälter

996+4,0-1,6+0,1.+0,6-0,7.

Sparen der privaten Haushalte

179+7,7-0,4-3,0.+2,4-1,7.
Außenhandel/ Umsätze/ Produktion/ Auftragseingänge2008Veränderung in % gegenüber

 

 

Mrd. €
bzw. Index
ggü.Vorj.
 in %
Vorperiode saisonbereinigtVorjahr  
Aug 09Sep 09Dreimonats-durchschnittAug 09Sep 09Dreimonats-durchschnitt
in jeweiligen Preisen
Umsätze im Bauhauptgewerbe (Mrd.€)86+6,1+0,4.-2,8-5,0.-4,8
Außenhandel (Mrd. €)

Waren-Exporte

984+2,0-2,8+3,8+5,4-20,9-18,8-19,4

Waren-Importe

806+4,7+0,5+5,8+5,4-20,1-16,3-19,7
in konstanten Preisen von 2005
Produktion im Produzierenden Gewerbe (Index 2005 = 100)2111,5-0,0+1,8+2,7+3,5-17,1-12,8-15,6

Industrie 3

113,4+0,2+2,1+3,2+3,5-19,3-14,5-17,6

Bauhauptgewerbe  

108,3-0,6+4,8-1,8+0,3+2,6+3,3+2,9
Umsätze im Produzierenden Gewerbe2

Industrie (Index 2005 = 100) 3

112,6-0,3+1,9+1,9+3,3-18,0-13,6-16,2

Inland 

108,8+0,1+3,0-0,4+1,0-15,3-12,0-14,0

Ausland 

117,2-0,8+0,8+4,5+6,2-20,9-15,6-18,7
Auftragseingang (Index 2005 = 100) 2

Industrie 3

111,3-7,1+2,1+0,9+8,9-20,6-13,0-18,1

Inland

108,3-5,7-0,8-2,3+9,8-16,7-14,0-14,9

Ausland 

113,8-8,2+5,0+3,7+8,1-23,7-12,1-20,7

Bauhauptgewerbe

102,7-4,3-0,5.+3,0+2,0.-4,2
Umsätze im Handel (Index  2005=100)

Einzelhandel

(ohne Kfz und mit Tankstellen)

96,7-0,5-1,5-0,2-0,7-2,9-3,9-2,3

Handel mit Kfz

91,1-5,1-0,5-1,4-4,1+3,0+1,1+2,1
Arbeitsmarkt2008Veränderung in Tsd. gegenüber
Personen Mio.ggü. Vorj. in %Vorperiode (saisonber.)Vorjahr  
Aug 09Sep 09Okt 09Aug 09Sep 09Okt 09
Arbeitslose (nationale
Abgrenzung nach BA) 3,27-13,5-7-15-26+276+266+232
Erwerbstätige, Inland40,28+1,4-3+5.-81-104.
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte          27,46+2,2+8..-139..
Preisindizes
2008Veränderung in % gegenüber
2005 = 100ggü. Vorj. in %VorperiodeVorjahr  
IndexAug 09Sep 09Okt 09Aug 09Sep 09Okt 09
Importpreise109,9+4,5+1,3-0,9.-10,9-11,0.
Erzeugerpreise gewerbl. Produkte112,7+5,5+0,5-0,5.-6,9-7,6.
Verbraucherpreise 106,6+2,6+0,2-0,4+0,1+0,0-0,3+0,0
ifo-Geschäftsklima
gewerbliche Wirtschaft
saisonbereinigte Salden
Mrz 09Apr 09Mai 09Jun 09Jul 09Aug 09Sep 09Okt 09
Klima-36,1-32,9-31,9-28,6-25,8-19,6-18,0-16,7
Geschäftslage-37,7-36,0-37,9-38,2-34,4-30,9-29,1-28,6
Geschäftserwartungen-34,4-29,8-25,6-18,4-16,7-7,6-6,1-4,0
1 Rechenstand August 2009.
2 Veränderungen gegenüber Vorjahr aus saisonbereinigten Zahlen berechnet.
3 Ohne Energie.
Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, ifo-Institut.

Im Zuge der erkennbaren konjunkturellen Erholung der Weltwirtschaft wurde die Nachfrage nach deutschen Exportgütern im 2. und 3. Quartal spürbar ausgeweitet. Die Zunahme der Auslandsnachfrage dürfte die Exporttätigkeit auch in den nächsten Monaten begünstigen. Entsprechend bewerten die Unternehmen die Exportperspektiven für die nächsten drei Monate laut ifo-Geschäftsumfrage inzwischen deutlich günstiger als noch im ersten Vierteljahr. Nach sieben Anstiegen in Folge überwiegt nun bereits seit zwei Monaten die Zahl der Unternehmen, die ihre Exportperspektiven optimistisch beurteilen (+ 6,1 Saldenpunkte). Sowohl der IWF als auch die EU-Kommission erwarten im Rahmen ihrer aktuellen Prognosen für das kommende Jahr eine spürbare Ausweitung der weltwirtschaftlichen Aktivität (IWF, EU-Kommission: + 3,1 %). Damit dürfte 2010 auch das Welthandelsvolumen zunehmen. Neben den positiven Aussichten für die Erholung der Exportwirtschaft in Deutschland gibt es aber auch Risiken. So bestehen immer noch weltweite Überkapazitäten, die einer schnellen und nachhaltigen Belebung der Investitionsgüternachfrage entgegenstehen. Auch eine weitere Verschärfung der Kreditbedingungen könnte die Nachfrage nach Investitionen dämpfen. Darüber hinaus belastet die aktuelle Wechselkursentwicklung des Euro gegenüber dem Dollar (Durchschnitt Oktober: 1,48 US-Dollar/€) tendenziell auch die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.

Die nominalen Warenimporte überstiegen im 3. Quartal das Ergebnis des Vorquartals (saisonbereinigt) in etwa gleicher Höhe wie die Ausfuhren. Dies deutet darauf hin, dass die Nettoexporte rein rechnerisch kaum zum Wirtschaftswachstum beigetragen haben dürften. Die kräftige Zunahme der Importtätigkeit dürfte aufgrund des hohen Importanteils deutscher Exporte auch die dynamische Entwicklung der Ausfuhrtätigkeit widerspiegeln. Dafür spricht unter anderem, dass die inländische Nachfrage nach Vorleistungsgütern im 3. Quartal besonders kräftig ausgeweitet wurde. Zudem dürfte es in der Industrie zu einem Aufbau der Lagerbestände gekommen sein, da die Umsatzentwicklung im 3. Quartal hier etwas weniger dynamisch ausfiel als die Ausweitung der Produktion.

Die sehr günstige Entwicklung der Industrieindikatoren in saisonbereinigter Rechnung deutete bereits auf einen weiteren Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im 3. Quartal hin. So zeigte die Industrieproduktion im dritten Vierteljahr einen deutlichen Aufwärtstrend, nachdem sie in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres rückläufig gewesen war (saisonbereinigt, jeweils gegenüber dem Vorquartal). Das industrielle Produktionsniveau liegt jedoch immer noch unter dem Stand von Ende 2003. Im 3. Vierteljahr 2009 wurde vor allem die Herstellung von Vorleistungsgütern erheblich ausgeweitet. Auch die Investitionsgüterproduktion nahm deutlich zu. Hierzu trug der Anstieg der Erzeugung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen maßgeblich bei (saisonbereinigt gut + 10 % gegenüber dem Vorquartal).

Auch der Aufwärtstrend der industriellen Bestelltätigkeit hat sich im 3. Quartal spürbar verstärkt (saisonbereinigt gegenüber Vorquartal). Diese Entwicklung war auf zunehmende Nachfrageimpulse sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland zurückzuführen. Besonders kräftig nahm dabei das Auftragsvolumen bei Vorleistungsgütern auf beiden Märkten zu. Auch die Investitionsgüternachfrage zog spürbar an. Allerdings haben sich die inländischen Nachfrageimpulse im Bereich der Kraftfahrzeuge und Kraftwagenteile nach dem Auslaufen der Pkw-Umweltprämie deutlich zurückgebildet (3. Quartal: saisonbereinigt + 1,5 % nach + 3,4 % im 2. Quartal, jeweils gegenüber dem Vorquartal). Damit wurde der Anstieg der Inlandsorder von Investitionsgütern im Verlauf gedämpft.

Die positive Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe dürfte sich in den nächsten Monaten fortsetzen. Dafür sprechen die nochmals verbesserten industriellen Auftragseingänge sowie die spürbare Ausweitung der Vorleistungsgüterproduktion, die jeweils als vorlaufende Indikatoren für die zukünftige Produktion herangezogen werden können. Darüber hinaus ist im Verarbeitenden Gewerbe eine fortgesetzte Stimmungsverbesserung zu verzeichnen. Insbesondere bei den ifo-Geschäftserwartungen überwog im Oktober bereits zum dritten Mal in Folge die Zahl der Unternehmen, die eine Zunahme der Geschäftstätigkeit erwarten.

Während die Entwicklung in der Verlaufsbetrachtung auf eine fortgesetzte Erholung im Verarbeitenden Gewerbe hindeutet, verdeutlicht der Vorjahresvergleich weiterhin die Schärfe des konjunkturellen Einbruchs zu Jahresbeginn. So lagen die Industrieindikatoren im 3. Quartal immer noch erheblich unter dem entsprechenden Niveau des Vorjahres. Die damit verbundene Unterauslastung der industriellen Produktionskapazitäten stellt ein erhebliches Risiko für die weitere Beschäftigungsentwicklung und damit für eine nachhaltige konjunkturelle Wende dar.

Die Bauproduktion wurde im 3. Quartal nur geringfügig ausgeweitet. Im weiteren Verlauf dürfte sie jedoch zunehmend von den in den Konjunkturpaketen I und II beschlossenen Fördermaßnahmen profitieren. Hierauf deuten die verbesserte Auftragsentwicklung und der Anstieg von Baugenehmigungen im Bauhauptgewerbe hin. So sind die Baugenehmigungen für Nichtwohngebäude öffentlicher Bauherren im Juli/August saisonbereinigt um 4,8 % gegenüber Mai/Juni angestiegen.

BIP-Wachstum und ifo-Geschäftsklima
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Die Indikatoren zur Entwicklung des privaten Konsums deuten insgesamt auf eine spürbare Abschwächung der privaten Konsumtätigkeit hin. Im September sind die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) gegenüber dem Vormonat in preis- und saisonbereinigter Betrachtung erneut gesunken. Die Verkaufserlöse fielen damit im 3. Quartal real um (saisonbereinigt) 0,7 % unter das Niveau des Vorquartals. Im September waren zudem die Umsätze im Bereich des Kfz-Handels gegenüber dem Vormonat rückläufig. Dazu dürfte unter anderem das Auslaufen der Umweltprämie beigetragen haben. Insgesamt blieben die Umsätze im Kfz-Bereich im 3. Quartal (saisonbereinigt) deutlich hinter dem Umsatzergebnis des Vorquartals zurück. Im Vergleich zum Vorjahr war im gleichen Zeitraum allerdings ein Anstieg um real 2,1 % zu verzeichnen (Ursprungswerte). Die Stimmungsindikatoren signalisieren eine abnehmende Konsumbereitschaft der privaten Haushalte. So verschlechterte sich im Oktober laut ifo-Umfrage die Lagebeurteilung im Einzelhandel. Zudem sehen die Einzelhändler die Entwicklung der nächsten sechs Monate pessimistischer als noch im Vormonat. Auch die Anschaffungsneigung der privaten Haushalte deutet laut GfK auf eine Abschwächung der privaten Konsumtätigkeit hin.

Die zunehmende Unsicherheit über die persönlichen Arbeitsplatz- und Einkommensperspektiven dürfte zu dem zurückhaltenden Ausgabenverhalten der privaten Haushalte beigetragen haben, wenngleich sich am Arbeitsmarkt auch im Oktober eine vergleichsweise günstige Entwicklung zeigte. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl verringerte sich um 26 000 Personen. Ohne Berücksichtigung des Sondereffekts im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente wäre die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl laut Bundesagentur für Arbeit (BA) in ähnlicher Größenordnung gesunken. Die registrierte Arbeitslosigkeit (nach Ursprungszahlen) ist gegenüber dem Oktober 2008 um 232 000 auf 3,23 Mio. Arbeitslose angestiegen. Während im Juli und August die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) noch gesunken war, stieg diese im September um 5 000 Personen auf 40,55 Mio. Erwerbstätige wieder leicht an. Im Vorjahresvergleich ergab sich jedoch im September (nach Ursprungswerten) ein Rückgang um 104 000 Personen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist – nach vorläufigen Hochrechnungen der BA – im August im Vergleich zum Juli saisonbereinigt um 8 000 angestiegen. Gegenüber dem Vorjahr war allerdings (nach Ursprungswerten) ein Rückgang um 139 000 Personen zu verzeichnen. Der vergleichsweise geringe Beschäftigungsabbau ist zum Teil dadurch zu erklären, dass dem Rückgang der Zahl der Vollzeitbeschäftigten (- 350 000) eine Zunahme der Teilzeitbeschäftigung um rund 210 000 Beschäftigungsverhältnisse gegenüberstand.

Die Reaktion des Arbeitsmarktes auf den scharfen Konjunktureinbruch zu Jahresbeginn ist zwar weiterhin als moderat zu beurteilen. Der deutliche Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden zeigt aber gleichwohl ein hohes Maß an Unterbeschäftigung in den Unternehmen an. Dies könnte anzeigen, dass stärkere Arbeitsmarktreaktionen bevorstehen. Ein wesentlicher Grund für das bisherige Ausbleiben ausgeprägter Beschäftigungseffekte ist die nach wie vor hohe Inanspruchnahme der Kurzarbeit. Dennoch besteht weiterhin das Risiko, dass es – bei weiterer Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten und bei zögerlicher wirtschaftlicher Erholung – zu stärkeren Anpassungsreaktionen kommt und die Ungleichgewichte auf den Arbeitsmarkt zunehmen. So deuten Umfrageergebnisse des ifo-Instituts sowie die aktuelle Befragung der Einkaufsmanager tendenziell auf einen deutlichen Beschäftigungsabbau in den Unternehmen hin.

Das günstige Preisklima hielt auch im Oktober an. Der Verbraucherpreisindex (VPI) blieb im Vergleich zum Vorjahr unverändert und stieg gegenüber dem Vormonat nur geringfügig an (+ 0,1 %). Die Vorjahresveränderung des VPI wurde erneut maßgeblich von einem Rückgang der Nahrungsmittelpreise (- 3,4 %) sowie der Preise für Heizöl (- 25,1 %) und Kraftstoffe (- 6,1 %) bestimmt. Diese Entwicklung ist weiterhin durch einen statistischen Effekt (Basiseffekt) gekennzeichnet. Nach kräftigem Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise im Vorjahr befinden sich diese inzwischen auf deutlich niedrigerem Niveau. Die Basiseffekte dürften mit Blick auf die spürbare Rückbildung des Rohölpreises in der zweiten Hälfte des Vorjahres allmählich auslaufen. Zudem stieg der Rohölpreis (Sorte Brent) seit dem Tiefstand vom Dezember 2008 inzwischen um über 80 % (in US-Dollar) an. Positive Jahresveränderungsraten beim VPI dürften damit zukünftig wieder die Regel werden.

Insgesamt dürfte jedoch die Preisentwicklung weiterhin in ruhigen Bahnen verlaufen. Darauf deuten auch rückläufige Preise auf den vorgelagerten Handelsstufen hin (Import- und Erzeugerpreise), die als Frühindikatoren für die zukünftige Preisentwicklung auf der Verbraucherebene dienen.

Der Importpreisindex fiel im September um 11,0 % unter das Niveau des Vorjahresmonats. Hier schlugen vor allem rückläufige Preise für importierte Energieträger zu Buche (Rohöl: - 35,3 %, Mineralölerzeugnisse: - 35,7 %). Ohne Berücksichtigung von Rohöl- und Mineralölerzeugnissen unterschritten die Importpreise das Vorjahresniveau noch um 7,4 %. Erdgas wurde im Vergleich zum Vorjahr erheblich billiger importiert (- 44,1 %), und auch Importe von Eisenerzen und Nicht-Eisenerzimporten kosteten wesentlich weniger als vor einem Jahr. Im Nahrungsmittelsektor fielen gegenüber dem Vorjahr vor allem die Preise für Getreide (- 27,3 %) sowie Milch und Milcherzeugnisse (- 11,8 %).

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte sanken im September gegenüber dem Vorjahr um 7,6 %. Zwei Drittel des jährlichen Preisrückgangs sind dabei auf rückläufige Energiepreise zurückzuführen
(- 16,4 % gegenüber dem Vorjahr). Ohne Berücksichtigung von Energie sanken die Erzeugerpreise im September um 3,3 % unter ihr entsprechendes Vorjahresniveau. Die Herstellungspreise für Vorleistungsgüter unterschritten das Vorjahresniveau um 7,0 % (Metalle: - 20,0 %). Auch die Erzeugerpreise für Nahrungsmittel sanken deutlich (- 5,5 % gegenüber dem Vorjahr).

Seite teilen und drucken