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29.01.2010

Monatsbericht

Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

  • Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im Jahresdurchschnitt 2009 real um 5,0 % gegenüber dem Vorjahr. Die Exporte und Investitionen brachen ein. Der private Konsum wirkte stützend.
  • Die Bundesregierung erwartet in ihrer Jahresprojektion für 2010 im Zuge einer Fortsetzung der konjunkturellen Erholung einen BIP-Anstieg um 1,4 %.
  • Die Arbeitsmarktreaktion auf den Konjunktureinbruch fiel 2009 moderater aus als erwartet.
  • Der Anstieg des Verbraucherpreisindex war 2009 äußerst gering.

Die deutsche Wirtschaft verzeichnete im Jahresdurchschnitt des vergangenen Jahres als Folge der weltweiten Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise den schärfsten gesamtwirtschaftlichen Produktionseinbruch seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland. Nach ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ging das Bruttoinlandsprodukt im Jahresdurchschnitt 2009 um preisbereinigt 5,0 % gegenüber dem Vorjahr zurück. Dies war vor allem auf einen drastischen Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen (real: - 20,0 %) und der Exporte (- 14,7 %) zurückzuführen. Dem deutlichen Rückgang der deutschen Exporte stand eine geringere Abnahme der Importe gegenüber (- 8,9 %). Rechnerisch ergab sich damit ein erheblicher negativer Impuls des Außenbeitrages (- 3,4 Prozentpunkte). Investitionen in Bauten lagen in realer Rechnung nur geringfügig unter ihrem Vorjahresniveau (- 0,7 %). Sie wurden durch einen deutlichen Anstieg der öffentlichen Bauinvestitionen (+ 5,4 %) gestützt. Der gesamtwirtschaftliche Lagerabbau dämpfte die BIP-Entwicklung ebenfalls (- 0,8 Prozentpunkte). Positive Impulse kamen 2009 lediglich von den Konsumausgaben. Der Staatskonsum stieg mit real + 2,7 % deutlich an und lieferte mit einem Wachstumsbeitrag von + 0,5 Prozentpunkten den rechnerisch größten positiven Impuls für die BIP-Entwicklung 2009. Die Privaten Konsumausgaben wurden – gestützt durch die konjunkturpolitischen Maßnahmen – real um 0,4 % gegenüber dem Vorjahr ausgeweitet. Auch die insgesamt moderate Reaktion des Arbeitsmarktes auf den Konjunktureinbruch und das ruhige Preisklima dürften die private Konsumtätigkeit zusätzlich begünstigt haben.

Der vergleichsweise geringe Beschäftigungsabbau spiegelte sich 2009 auch in einem jahresdurchschnittlichen Anstieg der abgeführten Sozialbeiträge (+ 3,4 %) und einem im Vorjahresvergleich nur geringfügigen Rückgang (- 2,4 %) der abgeführten Lohnsteuer wider (Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung – VGR – nach dem Inländerkonzept).

Die drastische Abnahme der Wirtschaftsleistung im Jahr 2009 ist maßgeblich auf den plötzlichen Konjunktureinbruch im Winterhalbjahr 2008/2009 zurückzuführen, der die exportorientierte deutsche Industrie besonders stark traf. Im 2. Quartal 2009 setzte eine konjunkturelle Erholung ein, die sich im 3. Vierteljahr noch beschleunigte. Ausgangspunkt für die wirtschaftliche Belebung in Deutschland war das allmähliche Anziehen der Weltkonjunktur. Eine kräftige Zunahme der Auslandsnachfrage nach deutschen Industrieerzeugnissen führte zu einer in der Tendenz deutlich aufwärtsgerichteten Entwicklung der Exporttätigkeit. Auch auf binnenwirtschaftlicher Seite waren bei den Investitionen in Bauten und Ausrüstungen Besserungstendenzen erkennbar. Allerdings waren die Privaten Konsumausgaben, die in der Phase des Konjunktureinbruchs stabilisierend gewirkt hatten, zu Beginn der 2. Jahreshälfte rückläufig.

Die aktuellen Wirtschaftsdaten und die in die Zukunft weisenden Konjunkturindikatoren deuten insgesamt darauf hin, dass sich die konjunkturelle Erholung in Deutschland tendenziell fortsetzen dürfte. Das Tempo der wirtschaftlichen Belebung dürfte sich im Vergleich zum Sommerhalbjahr 2009 jedoch vermindern. Dafür spricht u. a. die nachlassende Dynamik der industriellen Auftragseingänge zu Beginn des Schlussquartals 2009, auch wenn es im November aufgrund einer Belebung der Auslandsnachfrage wieder zu einer deutlichen Gegenbewegung kam. Dennoch sind die Auftragseingänge in der Industrie im Zweimonatsvergleich nun seitwärtsgerichtet. Von März bis September 2009 war die überraschend günstige Entwicklung des industriellen Bestellvolumens vermutlich auch von Nachholeffekten geprägt, die aus der Nachfragezurückhaltung im Gefolge des Konjunktureinbruchs resultierten. Ingesamt dürfte die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im 4. Quartal 2009 damit deutlich an Dynamik eingebüßt haben.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Datenlage und unter Berücksichtigung der im Rahmen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes beschlossenen Maßnahmen hat die Bundesregierung ihre Wachstumserwartung für 2010 auf + 1,4 % angehoben (Herbstprojektion: + 1,2 %). Wachstumsimpulse sind sowohl von der außenwirtschaftlichen als auch von der binnenwirtschaftlichen Seite zu erwarten. Die anziehende weltwirtschaftliche Nachfrage wird zu einer deutlichen Expansion deutscher Exporte führen. Dabei dürften die deutschen Exporteure neben ihrer weiterhin vergleichsweise hohen preislichen Wettbewerbsfähigkeit auch von ihrem auf hochwertige Investitionsgüter ausgerichteten Gütersortiment profitieren. Zum Anstieg der Inlandsnachfrage dürfte die Ausweitung der Investitionstätigkeit beitragen. Dabei schlagen der konjunkturelle Aufholprozess und die zum Jahresende 2010 auslaufenden günstigeren Abschreibungsbedingungen bei den Ausrüstungsinvestitionen besonders zu Buche (Vorzieheffekte). Dagegen dürfte der private Konsum die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2010 insgesamt nicht begünstigen. Vor allem der Einmaleffekt der Umweltprämie, deren Fördervolumen im 2. Halbjahr 2009 ausgeschöpft war, und die Verschlechterung der Situation auf dem Arbeitsmarkt dürften den privaten Konsum belasten. Allerdings werden die dämpfenden Effekte weiterhin durch die Maßnahmen der Konjunkturpakete sowie durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz gemildert.

Trotz der erwarteten Fortsetzung der konjunkturellen Erholung bleiben die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten auch 2010 in erheblichem Maße unterausgelastet. Beispielsweise liegt die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe derzeit noch etwa zehn Prozentpunkte unterhalb ihres langjährigen Mittelwerts. Eine Vielzahl weiterer Indikatoren befindet sich nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau. Damit bleibt unsicher, ob sich bereits eine grundlegende und nachhaltige Wende zum Besseren abzeichnet.

Der Außenhandel war im Schlussquartal 2009 weiterhin durch eine lebhafte Ausfuhrtätigkeit geprägt. Darin schlug sich die dynamische Entwicklung der Auslandsnachfrage nach deutschen Industriegütern im Quartal zuvor nieder. So wurden die nominalen Warenexporte im Zweimonatsdurchschnitt in saisonbereinigter Rechnung (Oktober/November gegenüber August/September 2009) spürbar ausgeweitet. Zugleich blieben die nominalen Ausfuhren noch in zweistelliger Größenordnung hinter ihrem entsprechenden Vorjahresergebnis zurück (Ursprungswerte). Der Vorjahresabstand fiel aber wesentlich geringer aus als in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres. Kumuliert für den Zeitraum Januar bis November 2009 unterschritten die nominalen Warenausfuhren das Vorjahresniveau um 20,0 %. Die Abnahme der Exporttätigkeit in den Nicht-Euroraum der Europäischen Union war dabei weiterhin besonders ausgeprägt. Der Rückgang der Ausfuhren in den Euroraum und in Drittländer lag dagegen unter dem Durchschnitt.

Die nominalen Warenimporte sanken im November 2009 im Vergleich zum Vormonat saisonbereinigt zum zweiten Mal in Folge. Sie sind damit seit Beginn des Schlussquartals 2009 klar rückläufig. Das Vorjahresergebnis (nach Ursprungswerten) wurde im Oktober/November weiterhin spürbar unterschritten. Der deutliche Rückgang der Warenimporte spiegelt vermutlich die spürbare Abschwächung der industriellen Dynamik zu Beginn des 4. Quartals 2009 wider. Zudem dürften Vorratsdispositionen – nach der deutlichen Korrektur bei den Lagerinvestitionen im Vorquartal – die Importtätigkeit derzeit nicht zusätzlich stützen.

Zusammengenommen deuten die aktuellen Außenhandelszahlen auf einen spürbar positiven Impuls der Nettoexporte im Schlussquartal 2009 hin. Angesichts der im Vergleich zum Sommerhalbjahr zuletzt weniger dynamischen Entwicklung der industriellen Auslandsbestellungen könnte sich die Exportdynamik jedoch zu Beginn des Jahres 2010 abgeschwächt haben. Darüber hinaus deutet auch der OECD Composite Leading Indicator darauf hin, dass sich die globale wirtschaftliche Erholung zwar fortsetzt, aber – angesichts des allmählichen Auslaufens der weltweiten Konjunktur stützenden Maßnahmen – an Schwung verlieren könnte.

Die Industrieindikatoren zeigten im November im Vergleich zum Vormonat zwar eine leichte Verbesserung. In der Grundtendenz sind sie – nach spürbarer Expansion im Sommerhalbjahr 2009 – nun jedoch seitwärtsgerichtet. Die Industrieproduktion lag im Zweimonatsdurchschnitt (saisonbereinigt) nur knapp ½ % über dem Ergebnis der entsprechenden Vorperiode. Im 3. Quartal hatte der Anstieg noch 3 ½ % betragen. Dämpfend wirkte vor allem ein Rückgang der Produktion von Investitionsgütern (Oktober/November - 1,0 %), was auf ein deutliches Schrumpfen im Maschinenbau und eine Abschwächung des Produktionsanstiegs bei Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen zurückzuführen sein dürfte. Bei der Erzeugung von Vorleistungsgütern hielt der bisher beobachtete Aufwärtstrend dagegen an.

Auch das Umsatzwachstum in der Industrie hat sich in der Verlaufsbetrachtung im Oktober/November 2009 deutlich abgeflacht. Während die Auslandsumsätze noch merklich anstiegen, stagnierten die Inlandsumsätze nahezu.

Die vergleichsweise geringe Ausweitung der Industrieproduktion ist u. a. auf eine geringere Dynamik der industriellen Auftragseingänge zurückzuführen. Zwar belebte sich die Bestelltätigkeit im November. Hierzu trugen vor allem positive Impulse der Nachfrage nach Investitionsgütern (Inland: + 3,0 %, Ausland: + 5,9 %) bei. Im Zweimonatsdurchschnitt war aber sowohl die Inlands- als auch die Auslandsnachfrage der Grundtendenz nach seitwärtsgerichtet.

Die Entwicklung der Industrieindikatoren in den ersten beiden Monaten des Schlussquartals 2009 deutet damit darauf hin, dass das industrielle Expansionstempo der Sommermonate zum Jahresende nicht gehalten werden konnte. Angesichts der Rückgänge im Investitionsgüterbereich dürfte die Abschwächung in der Industrie insbesondere auf das Auslaufen der Umweltprämie im vergangenen Jahr zurückzuführen sein. Eine Abschwächung der Dynamik im Verarbeitenden Gewerbe signalisierte zuletzt ebenfalls der Rückgang einiger Teilkomponenten des Einkaufsmanagerindex.

Die Lage im Bauhauptgewerbe wird immer noch durch die vor allem im Verarbeitenden Gewerbe bestehenden Überkapazitäten belastet, durch die das Erweiterungsmotiv deutlich in den Hintergrund getreten sein dürfte. Begünstigt durch die Investitionsförderungen der Konjunkturpakete könnte sich jedoch die sich im November abzeichnende leichte Erholung der Bauproduktion in den nächsten Monaten fortsetzen. Darauf deutet zumindest ein Anstieg der Baugenehmigungen im Hochbau, insbesondere für öffentliche Bauherren im Oktober/November (saisonbereinigt + 16,5 % gegenüber der Vorperiode) hin. Zudem war im Januar eine deutliche Verbesserung der ifo-Geschäftserwartungen für das Bauhauptgewerbe zu verzeichnen.

Die Anzeichen für eine nachlassende private Konsumtätigkeit im Schlussquartal 2009 haben sich mit Blick auf die Umsatzentwicklung im Einzelhandel verdichtet. Die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) waren im November gegenüber dem Vormonat in realer Rechnung klar rückläufig (saisonbereinigt - 1,7 %) und sind im Mehrmonatsvergleich in der Grundtendenz nun seitwärtsgerichtet. Nach Ursprungswerten blieben die Verkaufserlöse im Oktober/November 2009 preisbereinigt um
1,6 % hinter dem Ergebnis des entsprechenden Vorjahreszeitraums zurück. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes betrug der Rückgang der Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) im Gesamtjahr 2009 gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich real 2 % (Ursprungswerte).

Im Kfz-Einzelhandel (inklusive Instandhaltung und Reparatur) kam es im November zu einem kräftigen Umsatzrückgang um (saison- und preisbereinigt) fast 6 %. Damit setzte sich der Abwärtstrend in diesem Bereich des Einzelhandels fort. Im Oktober/November blieben die Verkaufserlöse um 5,3 % hinter dem Ergebnis des vorangegangenen Zweimonatsabschnitts zurück. Im selben Zeitraum ergab sich im Vorjahresvergleich jedoch noch ein leichtes Umsatzplus von real 0,3 % (Ursprungswerte). In der Umsatzentwicklung im Kfz-Einzelhandel spiegelt sich zugleich eine deutliche Abnahme der monatlichen Neuzulassungen privater Pkw seit Herbst 2009 wider. Mit Auslaufen der Umweltprämie hat die private Pkw-Nachfrage damit offenbar merklich nachgelassen.

Auch die Entwicklung der Stimmungsindikatoren deutet nun tendenziell auf eine Abschwächung der privaten Konsumtätigkeit hin. Zwar stieg der ifo-Geschäftsklimaindex für den Einzelhandel im Dezember gegenüber dem Vormonat leicht an. Allerdings war die Verbesserung alleine auf eine deutlich günstigere Beurteilung der Geschäftserwartungen zurückzuführen. Die aktuelle Stimmungslage trübte sich im Dezember dagegen – nach vorübergehender Aufhellung im November – wieder deutlich ein. Zugleich kühlte sich das Konsumklima laut GfK-Umfrage zum Jahresende 2009 etwas ab. Hierzu hat insbesondere ein spürbarer Anstieg der Sparneigung beigetragen. Im Januar wurde bereits der dritte Rückgang des GfK-Indikators in Folge verzeichnet und auch das ifo-Geschäftsklima im Einzelhandel verschlechterte sich leicht. Dies deutet auf einen weiterhin schwachen privaten Konsum zu Beginn dieses Jahres hin.

Die gestiegene Sparneigung und die damit verbundene Konsumzurückhaltung dürften ihre Ursache insbesondere in einer weiterhin bestehenden Unsicherheit hinsichtlich der persönlichen Arbeitsplatzperspektiven haben, wenngleich auch zum Jahresende 2009 eine ausgeprägte Reaktion am Arbeitsmarkt auf die bestehende Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten ausblieb. Vielmehr sank die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im Dezember gegenüber dem Vormonat um 3 000 Personen. Im Vorjahresvergleich wurde ein Anstieg der registrierten Arbeitslosigkeit (nach Ursprungszahlen) um 173 000 Menschen auf 3,28 Millionen Personen verzeichnet, womit die entsprechende Arbeitslosenquote im gleichen Zeitraum um 0,4 Prozentpunkte auf 7,8 % zunahm.

Im Jahresdurchschnitt 2009 waren 3,42 Millionen Personen arbeitslos gemeldet, was einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 155 000 Personen entspricht. Nach ersten Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit gab es 2009 im Jahresdurchschnitt 1,06 Millionen konjunkturell bedingte Kurzarbeiter, was einem Beschäftigungsäquivalent von etwa 330 000 Arbeitskräften entspricht.

Die Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) verringerte sich im November gegenüber dem Vormonat um (saisonbereinigt) 18 000 Personen. Nach Ursprungswerten lag die Erwerbstätigenzahl bei 40,58 Millionen Personen und damit um 218 000 Personen niedriger als im November 2008. Die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse nahmen im Oktober 2009 sowohl gegenüber dem Vormonat (saisonbereinigt - 7 000 Personen) als auch gegenüber dem Vorjahr (- 213 000 Personen nach Ursprungswerten) ab. Im Jahresdurchschnitt 2009 sank die Zahl der Erwerbstätigen nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes leicht um 37 000 Personen auf 40,24 Millionen Personen.

Damit zeigten sich im Jahresdurchschnitt 2009 auf dem Arbeitsmarkt zwar durchaus negative Auswirkungen des drastischen Rückgangs der gesamtwirtschaftlichen Aktivität. Das Ausmaß des Beschäftigungsabbaus wie auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist jedoch angesichts der Schärfe des gesamtwirtschaftlichen Produktionseinbruchs als vergleichsweise moderat zu beurteilen. Entlastend wirkte dabei insbesondere eine flexible Anpassung der zu leistenden Wochenarbeitszeit, die starke Inanspruchnahme der staatlich geförderten Kurzarbeiterregelung sowie der Abbau von Überstunden und Arbeitszeitkonten. Mithilfe dieser Maßnahmen konnten die Unternehmen bisher verhindern, dass sich der rezessionsbedingte, starke Rückgang des Arbeitsvolumens in einen entsprechend ausgeprägten Beschäftigungsabbau übersetzt. Eine zusätzliche Entlastung für den Arbeitsmarkt ergab sich – nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung – im vergangenen Jahr aus einem Rückgang des Arbeitskräfteangebots um jahresdurchschnittlich 135 000 Personen. Die Beschäftigungsentwicklung war außerdem durch einen entlastenden Struktureffekt geprägt: Während sich die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung, die am meisten vom vorangegangenen wirtschaftlichen Aufschwung profitiert hatte, in der Rezession deutlich verringerte, nahm die Teilzeitbeschäftigung spürbar zu und dämpfte damit den Beschäftigungsrückgang.

Der Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivität des vergangenen Jahres dürfte trotz der seit Sommer 2009 beobachteten konjunkturellen Erholung in diesem Jahr am Arbeitsmarkt deutlicher sichtbar werden. Dafür spricht die weiterhin bestehende erhebliche Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten. Die Beschäftigungspläne der Unternehmen bleiben vor diesem Hintergrund und mit Blick auf aktuelle Umfrageergebnisse (Einkaufsmanagerindex) wohl weiter auf Personalreduzierung ausgerichtet.

Die Preisentwicklung in Deutschland trug im vergangenen Jahr zu einer Entlastung der privaten Haushaltseinkommen bei. Auch zum Jahresende hielt das günstige Preisklima auf der Verbraucherstufe an. Der Verbraucherpreisindex (VPI) für Deutschland erhöhte sich im Dezember um 0,9 % gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zum Vormonat ergab sich ein Anstieg in etwa gleicher Größenordung (+ 0,8 %).

Im Jahresdurchschnitt 2009 stieg der VPI gegenüber dem Vorjahr um 0,4 %. Eine ähnlich niedrige jahresdurchschnittliche Teuerungsrate hatte es zuletzt im Jahr 1999 gegeben (+ 0,6 %). Die Jahresveränderungsrate wurde 2009 wesentlich durch Preisrückgänge bei Mineralölprodukten (- 15,8 %) und bei Nahrungsmitteln (- 1,3 %) bestimmt. Zugleich waren jedoch Preisanstiege bei Nettokaltmieten (+ 1,1 %), Strom (+ 6,2 %) sowie Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen (+ 2,3 %) zu beobachten.

Auf den vorgelagerten Stufen der Produktionskette waren zum Jahresende 2009 im Vorjahresvergleich erneut Preisrückgänge zu verzeichnen. Der Importpreisindex blieb im Dezember 1,0 % unterhalb des Vorjahresniveaus. Gegenüber dem Vormonat stieg der er um 0,5 % an. Damit hat sich der Vorjahresabstand im Vergleich zum November um vier Prozentpunkte verringert. Im Jahresdurchschnitt 2009 ging der Index der Einfuhrpreise um 8,6 % gegenüber 2008 zurück. Dies war vor allem auf eine Verbilligung von Energieträgern um insgesamt 29,6 % gegenüber dem Vorjahr zurückzuführen. Im Jahresverlauf zeigten die Importe einzelner Energieträger jedoch eine unterschiedliche Preisentwicklung. So verteuerten sich beispielsweise die Preise für Rohöl- und Mineralölprodukte im November und Dezember spürbar, nachdem deren Preisentwicklung in den Monaten zuvor deutlich rückläufig gewesen war.

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte sanken im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 5,2 %. Damit hat sich der Preisrückgang im Schlussquartal 2009 deutlich abgeschwächt. Im Jahresdurchschnitt 2009 lag der Erzeugerpreisindex 4,2 % unterhalb des durchschnittlichen Vorjahresniveaus, womit zugleich im Jahresdurchschnitt der stärkste Rückgang seit Beginn der Preiserhebung im Jahr 1949 verzeichnet wurde. Fast zwei Drittel des Preisrückgangs wurden durch niedrigere Energiepreise (- 8,3 %) bestimmt. Ohne Berücksichtigung von Energie sanken die Erzeugerpreise im Jahresdurchschnitt 2009 um 2,2 % gegenüber dem Vorjahr.

Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten 
Gesamtwirtschaft/ Einkommen

2009

Veränderung in % gegenüber

Mrd. €
bzw. Index

ggü. Vorj. in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

1. Q.09 2. Q.09 3.Q.09 1. Q.09 2. Q.09 3. Q.09
Bruttoinlandsprodukt

Vorjahrespreisbasis (verkettet)

104,8 -5,0 -3,5 +0,4 +0,7 -6,4 -7,0 -4,7

jeweilige Preise

2 404 -3,7 -3,4 +0,8 +1,5 -5,0 -5,8 -2,9
Einkommen

Volkseinkommen

1 811 -4,0 -4,0 -0,3 +3,6 -6,5 -6,7 -3,0

Arbeitnehmerentgelte

1 223 -0,2 -0,5 -0,2 +0,1 +1,1 -0,1 -0,6

Unternehmens- und

Vermögenseinkommen

588 -11,0 -10,8 -0,4 +11,3 -18,7 -18,7 -7,1

Verfügbare Einkommen

der privaten Haushalte

1 564 +0,4 -0,1 +1,1 -0,1 +0,4 +0,6 +0,2

Bruttolöhne u. -gehälter

991 -0,5 -1,5 +0,1 +0,4 +0,7 -0,5 -0,8

Sparen der privaten Haushalte

178 -0,2 -0,8 -0,9 +1,6 +2,3 -0,0 +2,2
Außenhandel/ Umsätze/ Produktion/ Auftragseingänge

2008

Veränderung in % gegenüber

 

 

Mrd. €
bzw. Index

ggü.Vorj.
 in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

Okt 09 Nov 09 Zweimonats-durchschnitt Okt 09 Nov 09 Zweimonats-durchschnitt
in jeweiligen Preisen
Umsätze im Bauhauptgewerbe (Mrd.€) 86 +6,1 -0,1 -2,0 -1,3 -1,7 . -1,9
Außenhandel (Mrd. €)

Waren-Exporte

984 +2,0 +1,9 +1,1 +4,2 -16,4 -3,6 -10,5

Waren-Importe

806 +4,7 -2,9 -6,2 -3,3 -15,8 -15,1 -15,4
in konstanten Preisen von 2005
Produktion im Produzierenden Gewerbe (Index 2005 = 100)1 111,5 -0,0 -1,7 +0,7 +0,1 -12,4 -8,0 -10,3

Industrie 2

113,4 +0,2 -1,8 +0,9 +0,4 -14,0 -9,2 -11,6

Bauhauptgewerbe  

108,3 -0,6 -1,2 +0,7 -1,9 +2,9 +4,2 +3,5
Umsätze im Produzierenden Gewerbe1

Industrie (Index 2005 = 100)2

112,6 -0,3 -0,4 +0,3 +0,7 -13,7 -9,2 -11,5

Inland 

108,8 +0,1 +0,5 -0,3 +0,1 -11,2 -7,8 -9,5

Ausland 

117,2 -0,8 -1,5 +1,0 +1,2 -16,5 -10,8 -13,7
Auftragseingang (Index 2005 = 100)1

Industrie 2

111,3 -7,1 -1,9 +2,8 +0,1 -8,3 +1,3 -3,7

Inland

108,3 -5,7 +0,1 +1,9 -0,2 -7,7 +2,7 -2,7

Ausland 

113,8 -8,2 -3,5 +3,6 +0,4 -8,8 +0,1 -4,5

Bauhauptgewerbe

102,8 -4,3 +3,6 . -4,4 +0,3 . -3,0
Umsätze im Handel (Index 2005=100)

Einzelhandel

(ohne Kfz und mit Tankstellen)

99,0 -0,0 +0,9 -1,7 +0,3 -0,8 -2,5 -1,6

Handel mit Kfz

93,2 -4,5 -1,3 -5,9 -5,3 +0,1 +0,6 +0,3
Arbeitsmarkt

2009

Veränderung in Tsd. gegenüber

Personen Mio.

ggü. Vorj. in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

Okt 09 Nov 09 Dez 09 Okt 09 Nov 09 Dez 09
Arbeitslose (nationale
Abgrenzung nach BA)  3,42 +4,8 -26 -1 -3 +232 +227 +173
Erwerbstätige, Inland 40,24 -0,1 -13 -18 . -200 -218 .
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte           27,38 -0,3 -7 . . -213 . .
Preisindizes

2009

Veränderung in % gegenüber

2005 = 100

ggü. Vorj. in %

Vorperiode

Vorjahr  

Index

Okt 09 Nov 09 Dez 09 Okt 09 Nov 09 Dez 09
Importpreise 109,9 +4,5 +0,5 +0,4 +0,5 -8,1 -5,0 -1,0
Erzeugerpreise gewerbl. Produkte 108,0 -4,2 +0,0 +0,1 -0,1 -7,6 -5,9 -5,2
Verbraucherpreise  107,0 +0,4 +0,1 -0,1 +0,8 +0,0 +0,4 +0,9
ifo-Geschäftsklima
gewerbliche Wirtschaft

saisonbereinigte Salden

Jun 09 Jul 09 Aug 09 Sep 09 Okt 09 Nov 09 Dez 09 Jan 10
Klima -28,4 -25,4 -19,2 -17,8 -16,5 -12,9 -11,5 -9,0
Geschäftslage -38,1 -34,1 -30,6 -29,0 -28,4 -24,9 -22,6 -21,0
Geschäftserwartungen -18,1 -16,1 -7,0 -5,9 -3,9 +0,0 +0,2 +3,7

BIP-Wachstum und ifo-Geschäftsklima
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen