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21.06.2010

Monatsbericht

Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

Konjunkturentwicklung aus finanzpolitischer Sicht

  • Die aktuellen Wirtschaftsdaten deuten auf eine allmähliche Festigung der konjunkturellen Erholung in Deutschland hin.
  • Die Aufwärtsbewegung in der Industrie hat sich zu Beginn des 2. Quartals fortgesetzt.
  • Eine Belebung des privaten Konsums ist bisher ausgeblieben.
  • Die Situation auf dem Arbeitsmarkt verbesserte sich, unterstützt von einer spürbaren Frühjahrsbelebung, deutlich.

Nach bereits kräftiger Belebung der wirtschaftlichen Aktivität zum Ende des 1. Quartals hat sich die konjunkturelle Erholung in Deutschland im Frühjahr fortgesetzt. Vor allem im Produzierenden Gewerbe konnte ein günstiger Einstieg in das 2. Quartal verzeichnet werden. Im 1. Quartal 2010 hatte das Bruttoinlandsprodukt in preis-, kalender- und saisonbereinigter Betrachtung um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal zugenommen. Mit der Bestätigung der Schnellmeldung veröffentlichte das Statistische Bundesamt zugleich Detailergebnisse zur Entwicklung der Verwendungsaggregate. Positive Impulse kamen im 1. Vierteljahr von den Ausrüstungsinvestitionen, die in kalender-, saison- und preisbereinigter Rechnung um 1,6 % gegenüber dem Vorquartal ausgeweitet wurden, wie auch von den staatlichen Konsumausgaben (real + 1,1 %). Auch ein kräftiger gesamtwirtschaftlicher Vorratsaufbau trug positiv zur BIP-Entwicklung bei (Wachstumsbeitrag: + 1,9 Prozentpunkte). Dagegen waren die Bauinvestitionen im Vorquartalsvergleich – vor dem Hintergrund eines kalten und schneereichen Winters – klar rückläufig (real - 3,8 %). Auch die ungünstige Entwicklung der privaten Konsumausgaben (- 0,8 %) dämpfte das BIP-Wachstum. Zudem gab es Belastungen von der außenwirtschaftlichen Seite. Dies wird am negativen Wachstumsbeitrag der Nettoexporte deutlich (- 1,1 Prozentpunkte). Ursache hierfür war ein kräftiger Anstieg der Importe (+ 6,1 %), der deutlich über die Zunahme der Exporte (+ 2,6 %) hinausging.

Das aktuelle Indikatorenbild deutet darauf hin, dass sich die konjunkturelle Erholung in Deutschland allmählich festigt. Damit dürfte das BIP-Wachstum im 2. Vierteljahr 2010 deutlich höher ausfallen als noch im 1. Quartal. Hierzu dürften nicht nur Nachholeffekte im Zusammenhang mit dem zu Jahresbeginn witterungsbedingten Produktionsrückgang im Baubereich beitragen. Vielmehr hat sich die Dynamik im industriellen Bereich inzwischen merklich erhöht. Mit wieder zunehmender Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe dürfte das Risiko einer abrupten Beschäftigungsreaktion inzwischen weiter abgenommen haben. Diese Einschätzung wird auch durch den erneuten Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl im Mai gestützt.

Die konjunkturelle Erholung wird weiterhin maßgeblich von der außenwirtschaftlichen Entwicklung getragen. Zwar nahmen die nominalen Warenexporte im April gegenüber dem Vormonat deutlich ab. Im Zweimonatsvergleich (März/April gegenüber Januar/Februar) zeigt sich jedoch weiterhin ein kräftiger Anstieg. Kumuliert für den Zeitraum Januar bis April lag das nominale Ausfuhrergebnis spürbar über dem entsprechenden Vorjahresniveau (Ursprungswerte + 13,2 %). Dabei wurden die Ausfuhren in Drittländer (+ 20,3 %) besonders stark ausgeweitet. Aber auch bei den Ausfuhren in den Nicht-Euroraum der Europäischen Union (+ 12,1 %) wie in den Euroraum (+ 7,9 %) konnte ein deutliches Plus verzeichnet werden.

Die nominalen Warenimporte gingen im April im Vergleich zum Vormonat noch stärker zurück als die Ausfuhren, wobei jedoch auch die Einfuhren im Zweimonatsvergleich weiterhin deutlich aufwärtsgerichtet sind.

Insgesamt sollte die Abnahme der Außenhandelstätigkeit im April nach der außerordentlich kräftigen Ausweitung im Vormonat nicht überbewertet werden. Vielmehr signalisieren sowohl das aktuelle Indikatorenbild als auch die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Fortsetzung der dynamischen Aufwärtsentwicklung der Warenexporte: So nahm die Auslandsnachfrage nach deutschen Industrieprodukten, insbesondere Investitionsgütern, im April im Vormonatsvergleich erneut deutlich zu, und auch die Exporterwartungen der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe verbesserten sich laut ifo-Umfrage im Mai, wobei dieser Indikator nun den höchsten Wert seit der deutschen Einheit erreichte. Die guten Exportaussichten basieren auf den Anzeichen einer weiteren Belebung der Weltwirtschaft, die sich auch in der jüngsten OECD-Prognose widerspiegeln. So erhöhte die OECD ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum der OECD-Länder auf 2,7 % (Herbst 2009: + 1,9 %) und für den Welthandel auf 10,6 % (Herbst 2009: + 6,0 %). Die Importtätigkeit dürfte angesichts der verbesserten Exportperspektiven – aufgrund des hohen Importgehalts der Exporte – sowie im Zuge einer allmählichen Belebung der Binnennachfrage ebenfalls aufwärtsgerichtet bleiben.

Die dynamische Aufwärtsentwicklung der Warenimporte drückt sich auch in der Entwicklung der Steuern vom Umsatz aus. Im Mai wurde das Ergebnis des Vorjahresmonats um 6,5 % übertroffen, was maßgeblich auf die Zunahme der Einfuhrumsatzsteuer – die auf Importe aus den Nicht-EU-Staaten erhoben wird – um 23,5 % zurückzuführen war. Aber auch bei den Einnahmen aus der inländischen Umsatzsteuer konnte trotz höherer Vorsteuerabzüge im Vorjahresvergleich ein Plus von 2,7 % verbucht werden.

Die konjunkturelle Aufwärtsbewegung in der Industrie hat sich zu Beginn des 2. Quartals fortgesetzt. Das Produktionsniveau konnte nach dem sprunghaften Anstieg im März zu Beginn des 2. Quartals noch weiter erhöht werden. Der Zuwachs fiel im April allerdings mit saisonbereinigt ½ % deutlich geringer aus als noch im Vormonat. Dies war auf einen Rückgang der Produktion von Investitions- und Konsumgütern zurückzuführen, während die Erzeugung von Vorleistungsgütern erneut kräftig ausgeweitet wurde. Im Zweimonatsvergleich (März/April gegenüber Januar/Februar) ist das Plus bei der Industrieproduktion mit mehr als 4 % jedoch immer noch sehr hoch.

Die Umsätze in der Industrie konnten im April gegenüber dem Vormonat spürbar gesteigert werden. Das Umsatzplus fiel mit (saisonbereinigt) gut 1 ¼ % jedoch geringer aus als noch im März. Die Industrieunternehmen profitierten im April von einer günstigen Entwicklung der Auslandsumsätze, insbesondere im Investitionsgüterbereich. Bei den Inlandsumsätzen überwogen Umsatzrückgänge bei Investitions- und Konsumgütern gegenüber einem deutlichen Umsatzplus im Bereich der Vorleistungsgüter.

Das industrielle Bestellvolumen nahm im April gegenüber dem Vormonat nochmals deutlich zu. Im Zweimonatsvergleich zeigt sich in der Verlaufsbetrachtung ein ausgeprägter Aufwärtstrend. Nachfrageimpulse kommen dabei sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Im Inland wurde vor allem die Nachfrage nach Vorleistungsgütern ausgeweitet. Dagegen entwickelt sich die inländische Nachfrage nach Konsumgütern weiterhin schwach. Insgesamt hat das Volumen an Neuaufträgen in der Industrie gegenüber dem Vorjahr um fast 30 % zugenommen, wobei jedoch das Vorkrisenniveau nach wie vor deutlich unterschritten wird.

Das erneut deutliche Plus beim industriellen Auftragseingang im April signalisiert, dass sich die industrielle Aktivität auch im weiteren Jahresverlauf günstig entwickeln dürfte. Dabei deutet vor allem die Ausweitung der Aufträge im Vorleistungsgüterbereich auf eine weiterhin kräftige Produktionstätigkeit hin. Dafür spricht auch die leichte Verbesserung der ifo-Geschäftserwartungen für das Verarbeitende Gewerbe. Vor diesem Hintergrund ist der jüngste Rückgang des Einkaufsmanagerindex lediglich als gewisse Korrektur zuvor überaus optimistischer Einschätzungen zu interpretieren.

Die Bauproduktion wurde im April gegenüber dem Vormonat nochmals gesteigert, nachdem bereits im März eine kräftige Gegenbewegung zum witterungsbedingten Produktionseinbruch zu Jahresbeginn beobachtet worden war. Die Entwicklung der Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe signalisiert, dass sich die Erholung hier weiter fortsetzen dürfte. Im 1. Quartal 2010 betrug das Plus im saisonbereinigten Vorquartalsvergleich gut 4 %.

Auch zu Beginn des 2. Quartals ist wohl eine spürbare Belebung des privaten Konsums ausgeblieben. So sind die realen Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) im April erneut leicht zurückgegangen. Der Grundtendenz nach stagnieren die Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) nahezu. Die im April/Mai rückläufige Entwicklung der Neuzulassungen privater Pkw deutet darauf hin, dass auch aus dem Kfz-Bereich keine gravierenden Impulse für den privaten Konsum im 2. Quartal zu erwarten sind. Dies bestätigt auch die laut GfK-Umfrage rückläufige Anschaffungsneigung privater Haushalte. Der private Konsum dürfte sich damit weiterhin wenig dynamisch entwickeln. Allerdings signalisieren die zum dritten Mal in Folge günstigere Beurteilung der Geschäftsaussichten der Einzelhändler (ifo) eine gewisse Stabilisierungstendenz dieses Aggregats. Eine gute Basis dafür sind der Anstieg der nominalen Nettolöhne und -gehälter im 1. Quartal 2010 (je Arbeitnehmer: saisonbereinigt + 1,5 % gegenüber dem Vorquartal) sowie die weiterhin unerwartet günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten 
Gesamtwirtschaft/ Einkommen2009Veränderung in % gegenüber
Mrd. €
bzw. Index
ggü.  Vorj. in %Vorperiode saisonbereinigtVorjahr  
3. Q.094.Q.091.Q.103. Q.094.Q.091.Q.10
Bruttoinlandsprodukt

Vorjahrespreisbasis (verkettet)

104,8-4,9+0,7+0,2+0,2-4,7-1,5+1,7

jeweilige Preise

2 409-3,5+1,5+0,1+0,6-2,9-0,3+3,2
Einkommen1

Volkseinkommen

1 807-4,2+3,9+0,7+1,3-3,1-0,2+5,6

Arbeitnehmerentgelte

1 223-0,1-0,1-0,1+1,2-0,6-0,9+0,9

Unternehmens- und

Vermögenseinkommen

583-11,8+13,1+2,4+1,5-7,5+1,5+15,2

Verfügbare Einkommen

der privaten Haushalte

1 561+0,2-0,5+0,5-0,5-0,4+0,7+0,9

Bruttolöhne u. -gehälter

992-0,4+0,3+0,2+0,1-0,8-0,9+0,9

Sparen der privaten Haushalte

180+1,0+1,7+0,8+0,6+2,2+0,6+2,8
Außenhandel/ Umsätze/ Produktion/ Auftragseingänge2009Veränderung in % gegenüber
Mrd. €
bzw. Index
ggü.Vorj.
 in %
Vorperiode saisonbereinigtVorjahr  

 

 

Mrz 10Apr 10

Zweimonats-

durchschnitt

Mrz 10Apr 10

Zweimonats-

durchschnitt

in jeweiligen Preisen
Umsätze im Bauhauptgewerbe (Mrd.€)82-4,0+21,1.-2,5-9,4.-16,1
Außenhandel (Mrd. €)

Waren-Exporte

803-18,4+10,8-5,9+10,2+23,3+19,2+21,4

Waren-Importe

667-17,2+11,4-7,3+7,5+18,7+15,7+17,3
in konstanten Preisen von 2005
Produktion im Produzierenden Gewerbe (Index 2005 = 100)293,8-15,9+4,3+0,9+4,6+9,0+13,2+11,0

Industrie3

93,2-17,8+4,0+0,5+4,2+9,8+14,0+11,9

Bauhauptgewerbe  

108,2-0,1+24,4+2,6+26,1-0,3+5,1+2,4
Umsätze im Produzierenden Gewerbe2

Industrie (Index 2005 = 100)3

92,9-17,6+3,0+1,3+3,6+9,0+13,7+11,3

Inland 

93,1-14,4+4,8-0,7+4,1+6,3+6,5+6,4

Ausland 

92,6-21,0+1,2+3,5+3,0+12,4+22,9+17,5
Auftragseingang (Index 2005 = 100)2

Industrie3

87,3-21,5+5,1+2,8+6,6+26,2+29,8+28,0

Inland

88,6-18,1+5,6+2,9+6,2+23,0+26,1+24,6

Ausland 

86,1-24,3+4,7+2,8+7,0+29,0+33,1+31,0

Bauhauptgewerbe

95,7-6,9-2,3.+10,7+12,6.+15,5
Umsätze im Handel (Index 2005 = 100)

Einzelhandel (ohne Kfz und mit Tankstellen)

96,8-2,3-0,4-0,5+0,2+4,8-3,6+0,5

Handel mit Kfz

93,4+0,4+8,2+0,0+8,2-12,6-11,8-12,2
Arbeitsmarkt2009Veränderung in Tsd. gegenüber
Personen Mio.ggü. Vorj. in %Vorperiode saisonbereinigtVorjahr  
Mrz 10Apr 10Mai 10Mrz 10Apr 10Mai 10
Arbeitslose (nationale Abgrenzung nach BA) 3,42+4,8-40-67-45-18-178-217
Erwerbstätige, Inland40,27-0,0+14+38.-86-14.
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte          27,38-0,3+82..+47..
Preisindizes
2009Veränderung in % gegenüber
2005 = 100Indexggü. Vorj. in %VorperiodeVorjahr  
Mrz 10Apr 10Mai 10Mrz 10Apr 10Mai 10
Importpreise100,5-8,6+1,7+2,0.+5,0+7,9.
Erzeugerpreise gewerbl. Produkte108,0-4,2+0,7+0,8.-1,5+0,6.
Verbraucherpreise 107,0+0,4+0,5-0,1+0,1+1,1+1,0+1,2
ifo-Geschäftsklima
gewerbliche Wirtschaft
saisonbereinigte Salden
Okt 09Nov 09Dez 09Jan 10Feb 10Mrz 10Apr 10Mai 10
Klima-16,5-12,8-11,4-8,8-10,1-4,2+2,6+2,3
Geschäftslage-28,3-24,8-22,4-20,8-23,5-14,4-5,2-4,9
Geschäftserwartungen-3,9+0,0+0,3+3,9+4,4+6,5+10,6+9,9
1 Veränderungen gegenüber Vorjahr aus saisonbereinigten Zahlen berechnet.
2 Ohne Energie.
Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, ifo-Institut.

BIP-Wachstum und ifo-Geschäftsklima
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Auf dem Arbeitsmarkt setzte sich im Mai mit einem Rückgang der Zahl der arbeitslosen Personen die Frühjahrsbelebung kräftig fort. Die Verbesserung der Arbeitsmarktlage ging deutlich über das saisonübliche Maß hinaus. So verringerte sich in saisonbereinigter Betrachtung die Arbeitslosenzahl im Mai gegenüber dem Vormonat deutlich um 45 000 Personen. Auch die Zahl registrierter Arbeitsloser (nach Ursprungszahlen) im Vergleich zum Vorjahr ist spürbar um 217 000 Personen auf 3,24 Mio. Personen gesunken. Die Arbeitslosenquote reduzierte sich im gleichen Zeitraum um 0,5 Prozentpunkte auf 7,7 %.

Die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) erhöhte sich im April gegenüber dem Vormonat um 38 000 Personen. Nach Ursprungswerten lag die Erwerbstätigenzahl mit 40,12 Mio. Personen nur geringfügig unter dem Vorjahresstand (- 14 000 Personen). Im März 2010 hatte sich noch ein deutlich größerer Vorjahresabstand ergeben. Die Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse nahm im März in saisonbereinigter Betrachtung spürbar zu. Auch der Vorjahresstand wurde merklich überschritten. Damit konnte im Vorjahresvergleich erstmals seit April vergangenen Jahres hier wieder ein Beschäftigungsaufbau verzeichnet werden. Die günstige Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ist vor allem auf eine Zunahme der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen. Ohne die stützende Entwicklung bei der Teilzeitbeschäftigung wäre nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hinsichtlich der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse ein Stellenabbau im Vorjahresvergleich zu verzeichnen gewesen.

Vor dem Hintergrund einer zuletzt wieder höheren Kapazitätsauslastung hat die Notwendigkeit eines Beschäftigungsabbaus im am stärksten von der Krise betroffenen Verarbeitenden Gewerbe nach Angaben der Unternehmen inzwischen weiter abgenommen. Dies spiegelt sich auch in einer spürbaren Abnahme der Inanspruchnahme und der Anzeigen von Kurzarbeit aus wirtschaftlichen Gründen wider: Während die entsprechende Inanspruchnahme der Kurzarbeit drastisch von 1,52 Mio. im Mai 2009 auf 693 000 Kurzarbeiter im März 2010 zurückgegangen ist, sind auch die Anzeigen von Kurzarbeit von 57 000 im März 2010 auf voraussichtlich 40 000 im Mai dieses Jahres gesunken.

Die Preisentwicklung auf der Verbraucherstufe erweist sich weiterhin als sehr ruhig. Der Verbraucherpreisindex (VPI) lag im Mai 1,2 % über seinem entsprechenden Vorjahresniveau. Damit war die jährliche Inflationsrate geringfügig höher als im März und April. Der Anstieg des VPI ist vor allem auf steigende Energiepreise zurückzuführen. So konnten die spürbare Verteuerung der Mineralölprodukte (+ 17,9 %) sowie von Strom (+ 2,9 %) gegenüber dem Vorjahr nicht durch rückläufige Preise für Gas (- 9,3 %) und Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme (- 12,0 %) ausgeglichen werden. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte der Preisanstieg auf der Verbraucherstufe 0,8 % betragen. Die Kerninflation (Inflationsrate ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) lag im Mai mit 0,7 % weiterhin unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre.

Auf der Erzeugerpreisstufe überstieg der entsprechende Preisindex im April erstmals seit Februar 2009 wieder das Vorjahresniveau (+ 0,6 %). Ursache hierfür war vor allem eine spürbare Verteuerung von Vorleistungsgütern. Die Entwicklung der Erzeugerpreise für Energie wirkte insgesamt preisdämpfend. Ohne Berücksichtigung von Energie lagen die Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahr um 1,0 % höher. Auch Verbrauchsgüter, insbesondere Nahrungsmittel, waren billiger als vor einem Jahr.

Der Importpreisindex überschritt im April das Vorjahresniveau erheblich (+ 7,9 %). Der Preisanstieg ist erneut vor allem mit der Entwicklung der Energiepreise begründet. Im Vorjahresvergleich stiegen sie um 33,3 % an (Rohöl: + 65,4 %, Mineralölerzeugnisse: + 56,1 %). Erdgas verbilligte sich um 8 %, womit sich der Vorjahresabstand jedoch spürbar verringerte. Ohne Rohöl und Mineralölerzeugnisse gerechnet stiegen die Importpreise im April um 3,3 % gegenüber dem Vorjahr an. Bei anderen Rohstoffen wie Nickel, Rohkupfer beziehungsweise Nicht-Eisen Metallerzen waren die Preissteigerungen ebenfalls besonders ausgeprägt.

Der Anstieg der Preise für Energie und andere Rohstoffe spiegelt in erster Linie eine gewisse Belebung der Weltwirtschaft wider. Deutlich erhöhte Rohölpreise, wie sie im Sommer 2008 im Zuge einer überaus dynamischen Weltkonjunktur erreicht wurden, sind jedoch angesichts einer sehr allmählichen globalen Erholung auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Da sich auch die Binnennachfrage nur allmählich erholt, dürften die anziehenden Erzeuger- und Importpreise vorerst kaum auf die Verbraucherstufe durchwirken. Auch der zuletzt wieder rückläufige Ölpreis trägt am aktuellen Rand zu einem entspannten Preisklima bei.

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