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20.08.2010

Monatsbericht

Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

Konjunkturentwicklung aus finanzpolitischer Sicht

  • Das BIP-Wachstum in Deutschland fiel im 2. Quartal 2010 außergewöhnlich kräftig aus.
  • Die konjunkturelle Dynamik in der Industrie ist weiterhin hoch. Die Entwicklung der Auftragseingänge deutet jedoch auf zuletzt etwas schwächere Nachfrageimpulse hin.
  • Der private Konsum trug erstmals wieder zum Wirtschaftswachstum bei.
  • Der Arbeitsmarkt profitiert spürbar von der konjunkturellen Aufwärtsbewegung.

Die konjunkturelle Aufwärtsbewegung hat sich in Deutschland im Frühjahr dieses Jahres überaus dynamisch fortgesetzt. Nach Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes wurde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 2. Quartal 2010 in preis-, saison- und kalenderbereinigter Betrachtung um 2,2 % gegenüber dem Vorquartal ausgeweitet. Dies war der kräftigste vierteljährliche BIP-Anstieg seit der deutschen Einheit. Im Vorjahresvergleich wurde das gesamtwirtschaftliche Produktionsergebnis zugleich um 4,1 % gesteigert (Ursprungswerte). Zudem wurden im Rahmen einer regelmäßig durchgeführten Neuberechnung die Veränderungsraten für die beiden Vorquartale spürbar aufwärts revidiert. Mit Blick auf das Winterhalbjahr 2009/2010 zeichnen die aktuellen Wirtschaftsdaten nun ein wesentlich günstigeres Konjunkturbild als zuvor. Zugleich fiel der BIP-Rückgang im Jahr 2009 etwas weniger stark aus als bisher veröffentlicht (statt real + 4,9 % nunmehr + 4,7 %).

Zwar werden Detailergebnisse zur Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftsbereichen erst am 24. August vorgelegt. Aus der aktuellen Datenlage sowie den Angaben des Statistischen Bundesamtes lässt sich jedoch ableiten, dass das BIP-Wachstum im 2. Vierteljahr an Breite gewonnen hat. Neben positiven außenwirtschaftlichen Wachstumsimpulsen hat auch die Entwicklung der Binnennachfrage zur deutlichen Erhöhung des gesamtwirtschaftlichen Expansionstempos beigetragen. Dabei wurden sowohl die Investitionstätigkeit als auch die private Konsumnachfrage ausgeweitet.

Die monatlichen Konjunkturindikatoren signalisieren einen günstigen Einstieg der deutschen Wirtschaft in das 3. Quartal. So ist eine Vielzahl von Stimmungsindikatoren klar aufwärtsgerichtet. Zugleich wird die industrielle Produktion weiterhin von einer deutlich verbesserten Auftragslage profitieren. Darüber hinaus haben sich die Einkommensperspektiven der privaten Haushalte vor dem Hintergrund der günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt zuletzt wieder deutlich verbessert. Dies dürfte die erwartete Belebung der privaten Konsumtätigkeit begünstigen. Allerdings wird die konjunkturelle Dynamik in der 2. Jahreshälfte 2010 wahrscheinlich erheblich weniger stark ausfallen als im 1. Halbjahr.

Hinsichtlich der Wachstumserwartungen für das gesamte Jahr 2010 besteht angesichts der aktuellen Datenlage und den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen erheblicher Korrekturbedarf. Bisher war die Bundesregierung in ihrer Frühjahrsprojektion für 2010 von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von real 1,4 % ausgegangen. Die gesamtwirtschaftlichen Vorausschätzungen der Bundesregierung werden im Oktober turnusgemäß überprüft.

Der Aufschwung in Deutschland wird erneut entscheidend von der dynamischen Entwicklung des Außenhandels getragen. Hier setzte sich der Aufwärtstrend auch zum Ende des 2. Quartals fort. Nach sprunghaftem Anstieg im Vormonat fielen die monatlichen Zuwachsraten im Juni zwar wieder spürbar niedriger aus. Im Vorquartalsvergleich zeigt sich jedoch eine deutliche Steigerung des Wachstumstempos im Frühjahr dieses Jahres. So konnte bei den nominalen Warenausfuhren im 2. Quartal eine Zunahme von insgesamt knapp 9 ½ % gegenüber dem 1. Vierteljahr verzeichnet werden. Im 1. Halbjahr 2010 lag das nominale Ausfuhrergebnis (nach Ursprungswerten) damit insgesamt gut 18 % über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Dabei fiel die Ausweitung der Ausfuhren in Drittländer nach wie vor besonders kräftig aus (+ 26,2 %). Aber auch bei den Ausfuhren in den Nicht-Euroraum der EU (+ 16,8 %) sowie den Euroraum (+ 12,2 %) konnte ein deutliches Plus verbucht werden. Im Zuge dieser außenwirtschaftlichen Belebung haben die Warenausfuhren ihr (saisonbereinigtes) Vorkrisenniveau wieder erreicht, die nominalen Wareneinfuhren haben es inzwischen klar überschritten. So wurden die nominalen Warenimporte nach bereits sprunghaftem Anstieg im Vormonat im Juni nochmals spürbar ausgeweitet, womit das nominale Einfuhrergebnis des Vorquartals im 2. Vierteljahr um 10 ½ % übertroffen wurde.

Das aktuelle Indikatorenbild signalisiert insgesamt eine Fortsetzung der lebhaften Außenhandelstätigkeit. So ist die Auslandsnachfrage nach deutschen Industriegütern deutlich aufwärtsgerichtet, und die Exportperspektiven werden von den Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe laut ifo-Umfrage weiterhin sehr optimistisch beurteilt. Allerdings könnten die Nachfrageimpulse aus dem Ausland im weiteren Jahresverlauf etwas nachlassen. So signalisiert der OECD Composite Leading Indicator eine leichte Abschwächung der globalen Wachstumsdynamik. Auch die jüngste Einkaufsmanager-Umfrage deutet auf eine vermeintlich ruhigere Gangart im Exportgeschäft hin. Zudem ist zu beachten, dass der kräftige Anstieg der industriellen Auslandsnachfrage im Juni durch einen überdurchschnittlichen Umfang an Großaufträgen überzeichnet wurde und die Auslandsnachfrage nach deutschen Vorleistungsgütern den zweiten Monat in Folge rückläufig war. Dennoch dürften die deutschen Exporteure von einer fortgesetzten weltwirtschaftlichen Erholung weiterhin spürbar profitieren.

Nach deutlichem Anstieg im Mai war die Produktion im Produzierenden Gewerbe im Juni im Vormonatsvergleich leicht rückläufig. Insgesamt wurde sie im 2. Quartal aber um (saisonbereinigt) fast 5 ½ % gegenüber dem 1. Vierteljahr 2010 ausgeweitet. Hierzu trug die Industrie mit einer Produktionssteigerung von knapp 5 ¼ % gegenüber dem Vorquartal entscheidend bei. Dabei war die Zunahme der Herstellung von Investitions- und Vorleistungsgütern besonders ausgeprägt. Bei der Bauproduktion kam es im Vorquartalsvergleich zu einem Anstieg von (saisonbereinigt) rund 16 %. Damit sind sowohl Industrie- als auch Bauproduktion im Frühjahr deutlich ausgeweitet worden, sodass die industrielle Dynamik in Deutschland – trotz der leichten Abschwächung der Produktionstätigkeit zum Ende des 2. Quartals – derzeit als hoch zu beurteilen ist.

Der Produktionsrückgang zum Quartalsende spiegelt sich auch in der Entwicklung der industriellen Umsätze wider. So wurde das Umsatzergebnis des Vormonats im Juni um (saisonbereinigt) ½ % unterschritten. Hierbei standen rückläufige Auslandsumsätze einer leichten Steigerung der Inlandsumsätze gegenüber. Insgesamt konnte im 2. Quartal ein Umsatzplus von knapp 5 % gegenüber dem 1. Vierteljahr verzeichnet werden. Dabei stiegen die Auslandsumsätze in diesem Zeitraum mit (saisonbereinigt) + 6,0 % noch stärker als die Inlandsumsätze (+ 4,0 %).

Die Auftragssituation im Verarbeitenden Gewerbe hat sich im 2. Quartal spürbar verbessert. Insgesamt nahm das industrielle Bestellvolumen gegenüber dem 1. Vierteljahr um gut 7 ½ % zu. Das deutliche Auftragsplus im Juni resultierte jedoch maßgeblich aus einem überdurchschnittlichen Volumen an ausländischen Großaufträgen. Die inländische Bestelltätigkeit blieb dagegen über alle Gütergruppen hinweg verhalten. Zudem ist zu beachten, dass das Gesamtvolumen industrieller Neuaufträge bereits im Mai nahezu stagniert hatte. Somit deutet die Entwicklung des industriellen Auftragseingangs am aktuellen Rand für sich genommen auf zuletzt etwas schwächere Nachfrageimpulse für die Industrie hin. Dagegen fielen die Ergebnisse sowohl der Einkaufsmanager- als auch der ifo-Umfrage im Juli wieder überaus günstiger aus als im Vormonat, was tendenziell eine Fortsetzung der dynamischen Produktionstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe zu Beginn des 3. Quartals signalisiert.

Der private Konsum trug im 2. Quartal 2010 gemäß Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes positiv zur BIP-Entwicklung bei. Dies steht im Einklang mit der leichten Zunahme der Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) in diesem Zeitraum. Auch der Anstieg des Aufkommens der Steuern vom Umsatz im Juli 2010, das sich in erster Linie auf im Mai und Juni 2010 getätigte Umsätze bezieht, passt in das Bild (+ 1,9 %), wenngleich die Einnahmen aus der Umsatzsteuer aus kassentechnischen Gründen sanken (+ 6,9 %): Der Rückgang der Einnahmen aus der (Binnen-) Umsatzsteuer ist auf erhöhte Vorsteuerabzüge infolge eines deutlich angestiegenen Volumens der Einfuhrumsatzsteuer (+ 37,7 %) zurückzuführen.

Die Stimmungsindikatoren deuten auch zu Beginn des 2. Halbjahres auf eine weitere Belebung der privaten Konsumtätigkeit hin. So verbesserte sich im Juli das Geschäftsklima im Einzelhandel (ifo) spürbar, und auch im Rahmen der ZEW-Umfrage wurden die Ertragsperspektiven für den Bereich Konsum/Handel wieder deutlich zuversichtlicher beurteilt als noch im Juni. Zudem erwartet die GfK für August eine spürbare Aufhellung der Verbraucherstimmung. Auch von der fortgesetzten Erholung auf dem Arbeitsmarkt dürften positive Impulse auf den privaten Konsum zu erwarten sein.

Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten 
Gesamtwirtschaft/ Einkommen2009Veränderung in % gegenüber
Mrd. €
bzw. Index
ggü.  Vorj. in %Vorperiode saisonbereinigtVorjahr  
4. Q.091.Q.102.Q.104. Q.091.Q.102.Q.10
Bruttoinlandsprodukt

Vorjahrespreisbasis (verkettet)

105,2-4,7+0,3+0,5+2,2-1,3+2,1+4,1

jeweilige Preise

2 397-3,4+0,3+0,6+2,3+0,0+3,1+4,9
Einkommen

Volkseinkommen

1 807-4,2+0,7+1,3.-0,2+5,6.

Arbeitnehmerentgelte

1 223-0,1-0,1+1,2.-0,9+0,9.

Unternehmens- und Vermögenseinkommen

583-11,8+2,4+1,5.+1,5+15,2.

Verfügbare Einkommen der privaten Haushalte

1 561+0,2+0,5-0,5.+0,7+0,9.

Bruttolöhne u. -gehälter

992-0,4+0,2+0,1.-0,9+0,9.

Sparen der privaten Haushalte

180+1,0+0,8+0,6.+0,6+2,8.
Außenhandel/ Umsätze/ Produktion/ Auftragseingänge2009Veränderung in % gegenüber
Mrd. €
bzw. Index
ggü.Vorj.
 in %
Vorperiode saisonbereinigtVorjahr  

 

 

Mai 10Jun 10Dreimonats-durchschnittMai 10Jun 10Dreimonats-durchschnitt
in jeweiligen Preisen
Umsätze im Bauhauptgewerbe (Mrd.€)86+6,1+0,3.+20,6-1,0.-4,2
Außenhandel (Mrd. €)

Waren-Exporte

803-18,4+7,9+3,8+9,4+28,8+28,5+25,4

Waren-Importe

667-17,2+13,7+1,9+10,5+34,2+31,7+27,1
in konstanten Preisen von 2005
Produktion im Produzierenden Gewerbe (Index 2005 = 100)194,3-15,5+2,9-0,6+5,4+12,8+10,8+12,5

Industrie2

93,7-17,3+3,2-0,9+5,2+13,4+11,8+13,4

Bauhauptgewerbe  

108,2-0,1-1,9-0,9+16,1+4,9+3,8+4,6
Umsätze im Produzierenden Gewerbe1

Industrie (Index 2005 = 100)2

92,9-17,6+3,1-0,5+4,9+13,1+10,6+12,5

Inland 

93,1-14,4+2,2+0,8+4,0+7,3+6,6+6,9

Ausland 

92,6-21,0+4,1-1,9+6,0+20,2+15,7+19,4
Auftragseingang (Index 2005 = 100)1

Industrie2

87,2-21,6-0,1+3,2+7,6+24,9+24,5+26,5

Inland

88,6-18,2-0,5+0,3+5,9+20,4+20,2+22,1

Ausland 

86,1-24,4+0,3+5,7+9,1+28,8+28,1+30,3

Bauhauptgewerbe

95,7-6,9-3,1.+0,7-0,2.+4,6
Umsätze im Handel (Index 2005 = 100)

Einzelhandel (ohne Kfz und mit Tankstellen)

96,6-2,5+3,0-0,9+0,3-0,7+3,1-0,8

Handel mit Kfz

93,6+0,6-2,7+1,2+4,2-11,4-7,6-10,4
Arbeitsmarkt2009Veränderung in Tsd. gegenüber
Personen Mio.ggü. Vorj. in %Vorperiode saisonbereinigtVorjahr  
Mai 10Jun 10Jul 10Mai 10Jun 10Jul 10
Arbeitslose (nationale Abgrenzung nach BA) 3,42+4,8-43-20-20-217-257-271
Erwerbstätige, Inland40,27-0,0+32+25.+79+124.
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte          27,38-0,3+51..+204..
Preisindizes
2009Veränderung in % gegenüber
2005 = 100Indexggü. Vorj. in %VorperiodeVorjahr  
Mai 10Jun 10Jul 10Mai 10Jun 10Jul 10
Importpreise100,5-8,6+0,6+0,9.+8,5+9,1.
Erzeugerpreise gewerbl. Produkte108,0-4,2+0,3+0,6.+0,9+1,7.
Verbraucherpreise 107,0+0,4+0,1+0,1+0,3+1,2+0,9+1,2
ifo-Geschäftsklima
gewerbliche Wirtschaft
saisonbereinigte Salden
Dez 09Jan 10Feb 10Mrz 10Apr 10Mai 10Jun 10Jul 10
Klima-11,4-8,8-10,0-4,2+2,6+2,4+2,9+11,6
Geschäftslage-22,4-20,7-23,3-14,2-5,0-4,8-1,5+9,5
Geschäftserwartungen+0,0+3,8+4,3+6,5+10,6+9,8+7,4+13,6
1 Rechenstand Mai 2010.
2 Veränderungen gegenüber Vorjahr aus saisonbereinigten Zahlen berechnet.
3 Ohne Energie.
Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, ifo-Institut.

BIP-Wachstum und ifo-Geschäftsklima
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Der Arbeitsmarkt profitiert spürbar von der konjunkturellen Aufwärtsbewegung. So setzte sich der Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl im Juli unvermindert fort. Nach Ursprungswerten verringerte sich die Zahl registrierter Arbeitsloser auf 3,19 Mio. Personen. Damit waren im Juli 271 000 Personen weniger arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr. Die entsprechende Arbeitslosenquote sank im gleichen Zeitraum um 0,6 Prozentpunkte auf 7,6 %. Gleichzeitig nahm die Zahl der Anzeigen für konjunkturell bedingte Kurzarbeit weiter ab. Für Juli lag die Zahl der Neuanzeigen nach Schätzung der Bundesagentur für Arbeit zwischen 20 000 Personen und 30 000 Personen. Im April hatte sie noch bei 49 000 Personen gelegen.

Die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) stieg im Juni gegenüber dem Vormonat zum vierten Mal in Folge merklich an. Die Erwerbstätigenzahl (nach Ursprungswerten) lag mit 40,37 Mio. Personen deutlich über dem Vorjahresstand. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wurde auch im Mai gegenüber dem Vormonat ausgeweitet. Der Vorjahresstand wurde (nach Ursprungswerten) ebenfalls spürbar um 204 000 Personen überschritten nach einem Anstieg um 123 000 Personen im April. Die deutliche Zunahme der Teilzeitbeschäftigung (rund + 180 000 Personen gegenüber dem Vorjahr) hat diese Entwicklung begünstigt (Vollzeitstellen: rund + 20 000 Stellen gegenüber dem Vorjahr). Nach Branchen setzte sich der kräftige Beschäftigungsaufbau im Mai im Vergleich zum Vorjahr bei den Arbeitnehmerüberlassungen und in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen (Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht) fort. Auch im Bauhauptgewerbe nahm die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter weiter zu. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es weiterhin Beschäftigungsverluste, jedoch mit abnehmender Tendenz.

Die jüngste ifo-Umfrage hatte bereits signalisiert, dass vor allem im vom Konjunktureinbruch besonders betroffenen Verarbeitenden Gewerbe die Personalplanungen – im Zuge einer sich normalisierenden Kapazitätsauslastung – inzwischen tendenziell wieder auf Beschäftigungsaufbau ausgerichtet sind. Auch aus der Umfrage unter Einkaufsmanagern hatte sich zu Beginn des Monats ein ähnliches Bild ergeben. Damit dürfte sich die Beschäftigungssituation im Verarbeitenden Gewerbe im weiteren Jahresverlauf allmählich verbessern. Dennoch sind die Folgen der Wirtschaftskrise für den Arbeitsmarkt an der Entwicklung der Arbeitszeit weiterhin erkennbar. Darauf deuten sowohl die Neuanzeigen von konjunkturell bedingter Kurzarbeit sowie die deutliche Ausweitung von Teilzeitarbeit hin. Erst im Zuge eines anhaltenden konjunkturellen Aufschwungs dürfte es auch hinsichtlich der Arbeitszeit zu einer Normalisierung kommen.

Der Verbraucherpreisindex (VPI) lag im Juli um 1,2 % über dem Vorjahresniveau. Im Juni hatte die Inflationsrate noch bei 0,9 % gelegen. Die jährliche Teuerungsrate wurde vor allem durch die weiterhin aufwärtsgerichtete Preisentwicklung bei Mineralölerzeugnissen geprägt (+ 14,1 % gegenüber dem Vorjahr). Zusätzlich waren deutliche Preissteigerungen bei saisonabhängigen Nahrungsmitteln wie Obst und Gemüse zu beobachten. Dämpfend wirkten sich dagegen spürbare Preisrückgänge bei Gas (- 5,4 %) sowie den Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme (- 9,0 %) aus. Ohne Berücksichtigung von Energie und saisonabhängigen Nahrungsmitteln hätte die Inflationsrate bei 0,6 % gelegen. Insgesamt fiel damit auch zu Beginn des 3. Quartals der Preisanstieg auf der Verbraucherstufe moderat aus. Im Zeitraum Januar bis Juli 2010 lag die durchschnittliche Jahresteuerungsrate bei rund 1 %. Der Rohölpreis der Sorte Brent bewegte sich im Verlauf des Monats Juli relativ stabil um die Marke von 76 US-Dollar je Barrel. Im Vorjahresvergleich stellt dies jedoch einen Preisanstieg von durchschnittlich etwa 18 % dar. Entsprechend sind auf den vorgelagerten Stufen der Produktionskette inzwischen verstärkt Preisanstiege zu verzeichnen, die maßgeblich von der Entwicklung der Energiekomponente bestimmt sind.

So wurde bei den Importpreisen im Juni mit + 9,1 % die höchste jährliche Teuerungsrate seit November 2000 verzeichnet. Hierzu trug der Anstieg der Einfuhrpreise für Energie mit einer Rate von + 23,8 % entscheidend bei. Dabei verteuerten sich die Importe von Rohöl gegenüber dem Vorjahr um 30,6 %. Auch die Einfuhrpreise für Mineralölerzeugnisse (+ 30,1 %) und Erdgas (+ 13,5 %) stiegen kräftig an. Ohne Berücksichtigung der Preise für Rohöl und Mineralölerzeugnisse verteuerten sich die Importe noch um 6,8 % gegenüber dem Vorjahr. Die Preise für nichtenergetische Rohstoffe zogen ebenfalls kräftig an. So waren beispielsweise Nicht-Eisen-Metallerze um 41,1 % und Rohkupfer um 48,2 % teurer als vor einem Jahr. Bei Nahrungsmitteln fiel insbesondere die Preissteigerung bei Rohkaffee mit 32,8 % besonders deutlich aus.

Die Erzeugerpreise stiegen im Juni um 1,7 % gegenüber dem Vorjahr an. Der Anstieg war erneut vor allem auf die Verteuerung von Vorleistungsgütern zurückzuführen (+ 5,0 %). Die Preise für Metalle erhöhten sich um 17,2 %, und Preise für Walzstahl lagen um 22,8 % über ihrem Vorjahresniveau. Die Herstellung von Energie verteuerte sich gegenüber dem Vorjahr nur um 0,6 %, was insgesamt den Anstieg der Erzeugerpreise dämpfte. Mineralölerzeugnisse verteuerten sich allerdings um 15 %. Ohne Berücksichtigung von Energie stieg der Erzeugerpreisindex im Juni gegenüber dem Vorjahr um 2,1 % an.

Im Zuge einer Fortsetzung der konjunkturellen Aufwärtsbewegung dürfte es im weiteren Jahresverlauf in Deutschland wieder zu etwas höheren Preissteigerungsraten kommen. Allerdings ist angesichts eines sich erst allmählich erholenden Konsums vorerst nicht davon auszugehen, dass die Preissteigerungen auf der Produktionsstufe spürbar auf die Verbraucherstufe durchwirken. Qualitativ bestätigt dies auch der aktuelle Consensus Forecast für die jährliche VPI-Teuerungsrate, der für 2010 bei 1,1 % liegt.

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