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22.11.2010

Monatsbericht

Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

Konjunkturentwicklung aus finanzpolitischer Sicht

  • Der konjunkturelle Aufschwung hat sich im 3. Quartal weiter gefestigt.
  • Positive Impulse kamen sowohl von der Inlands- als auch von der Auslandsnachfrage.
  • Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt und Einkommensverbesserungen dürften zum Anstieg der Privaten Konsumausgaben beigetragen haben.
  • Das ruhige Preisklima dürfte anhalten, wenngleich der Anstieg des Verbraucherpreisindex zuletzt etwas höher ausfiel als im 1. Halbjahr 2010.

Der Konjunkturaufschwung in Deutschland hat sich in den Sommermonaten weiter gefestigt. Er hat zwar etwas an Schwung verloren, doch angesichts der außergewöhnlich hohen Wachstumsrate im 2. Quartal war eine Verringerung des Wachstumstempos allgemein erwartet worden.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 3. Quartal 2010 laut Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,7 % gegenüber dem Vorquartal angestiegen, nach einer Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Aktivität um revidiert 2,3 % im 2. Vierteljahr. Damit lag das BIP in saisonbereinigter Betrachtung nur noch knapp 2 % unter dem Höchststand vor der Krise. Auch der Vorjahresvergleich zeigt, dass sich die deutsche Wirtschaft sehr schnell von der Wirtschaftskrise erholt.

Die qualitativen Angaben des Statistischen Bundesamtes zu den Beiträgen der Nachfragekomponenten zum Wirtschaftswachstum weisen darauf hin, dass der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland im 3. Quartal weiter an Breite gewonnen hat. So kamen im Vorquartalsvergleich positive Wachstumsimpulse sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland. Dabei trugen die privaten und staatlichen Konsumausgaben, die Ausrüstungsinvestitionen sowie der Außenbeitrag gleichermaßen zum Anstieg des BIP bei. Insbesondere die positive Entwicklung bei den Ausrüstungsinvestitionen und den privaten Konsumausgaben verdeutlicht, dass sich die außenwirtschaftlichen Impulse sowie die verbesserte Arbeitsmarktsituation in eine weitere Belebung der Binnennachfrage übersetzt haben.

Die weiterhin gute Stimmung in den Unternehmen und bei den Konsumenten sowie der Aufwärtstrend der meisten „harten“ Konjunkturindikatoren signalisieren, dass sich der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland fortsetzen dürfte. Allerdings zeichnet sich ein wesentlich moderateres Wachstumstempo als im 1. Halbjahr ab. Dies dürfte insbesondere auf das Nachlassen der globalen Aktivität im Zuge des Auslaufens staatlicher Stützungsmaßnahmen zurückzuführen sein.

Die Einzelergebnisse nach Verwendungsaggregaten und Wirtschaftsbereichen für das 3. Quartal 2010 werden erst am 23. November veröffentlicht. Die monatlichen Konjunkturindikatoren lassen aber folgende Entwicklungstendenzen erkennen:

Im Zuge der sich abzeichnenden globalen konjunkturellen Verlangsamung hat sich das Expansionstempo im Außenhandel verringert. Die nominalen Warenausfuhren wurden im September nach zwei monatlichen Rückgängen in Folge wieder ausgeweitet. Der Grundtendenz nach sind die Warenexporte klar aufwärtsgerichtet. Zwar hat sich die Exportdynamik im Vergleich zum außerordentlich positiven 2. Quartal deutlich abgeschwächt. Dennoch konnte im 3. Vierteljahr gegenüber dem Vorquartal ein spürbarer Anstieg der Warenausfuhren beobachtet werden.

Für den Zeitraum von Januar bis September lag das kumulierte nominale Ausfuhrergebnis deutlich über dem entsprechenden Vorjahresniveau (Ursprungswerte: + 19,0 %). Dabei wurden die Ausfuhren in Drittländer (+ 26,4 %) besonders stark ausgeweitet. Aber auch bei den Ausfuhren in den Nicht-Euroraum der Europäischen Union (+ 16,9 %) sowie in den Euroraum (+ 13,4 %) konnte in diesem Zeitraum ein deutliches Plus verzeichnet werden.

Im Gegensatz zu der Ausweitung der Warenexporte im September nahmen die Wareneinfuhren in saisonbereinigter Betrachtung gegenüber August leicht ab. Im Vorquartalsvergleich zeigt sich jedoch eine merkliche Zunahme. Der stärkere Anstieg der Warenexporte im Vergleich zur Zunahme der Importe ist ein Indiz dafür, dass die Nettoexporte in den Sommermonaten positiv zum BIP-Anstieg beigetragen haben. Insgesamt wurde im Zeitraum von Januar bis September das Einfuhrergebnis um 19,4 % übertroffen. Mit Blick auf die Struktur der deutschen Warenimporte kam dem intra -europäischen Handel die größte Bedeutung zu. Mehr als 60 % der Einfuhren entfielen auf die EU27-Länder und hiervon wiederum rund 70 % auf den Handel innerhalb des Euroraums. Die insgesamt lebhafte Außenhandelstätigkeit spiegelt sich ebenfalls im Anstieg des Aufkommens der Einfuhrumsatzsteuer für den Zeitraum Januar bis Oktober wider (+ 22,5 % gegenüber Vorjahr).

Das aktuelle Indikatorenbild und die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen deuten weiterhin auf positive außenwirtschaftliche Wachstumsimpulse im Schlussquartal hin: So signalisieren aktuelle Stimmungsindikatoren wie die ifo-Exporterwartungen, der Einkaufsmanagerindex und der OECD Composite Leading Indicator, dass sich die Absatzchancen deutscher Unternehmen im Ausland zu Beginn des 4. Quartals wieder erhöhen könnten. Allerdings dürfte die Entwicklung der Exporttätigkeit nicht mehr so dynamisch wie im 1. Halbjahr dieses Jahres verlaufen. Eine im weiteren Verlauf moderatere Exporttätigkeit erwartet auch die Bundesregierung in ihrer Herbstprojektion, allerdings dürften die außenwirtschaftlichen Wachstumsimpulse im Jahresdurchschnitt 2010 noch erheblich sein.

Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten 

Gesamtwirtschaft / Einkommen

2009

Veränderung in % gegenüber

Mrd.
bzw. Index

ggü. Vorj.
in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

1. Q. 10 2. Q. 10 3. Q. 10 1. Q. 10 2. Q. 10 3. Q. 10
Bruttoinlandsprodukt

Vorjahrespreisbasis (verkettet)

105,2 -4,7 +0,6 +2,3 +0,7 +2,2 +4,3 +3,9

jeweilige Preise

2 397 -3,4 +0,7 +2,3 +0,7 +3,2 +5,1 +4,2
Einkommen

Volkseinkommen

1 792 -4,2 +2,2 +1,5 . +6,5 +8,3 .

Arbeitnehmerentgelte

1 226 +0,2 +1,1 +0,9 . +1,3 +2,5 .

Unternehmens- und Vermögenseinkommen

566 -12,6 +4,5 +2,6 . +17,3 +21,9 .

Verfügbare Einkommen der privaten Haushalte

1 554 -1,0 +1,0 +0,5 . +1,8 +1,5 .

Bruttolöhne u. -gehälter

992 -0,2 +0,7 +1,1 . +1,2 +2,5 .

Sparen der privaten Haushalte

177 -5,7 +7,3 -2,1 . +5,5 +4,5 .
Außenhandel / Umsätze / Produktion / Auftragseingänge

2009

Veränderung in % gegenüber

Mrd.
bzw. Index

ggü. Vorj.
 in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

 

 

Aug 10

Sep 10

Zweimonats-durchschnitt

Aug 10

Sep 10

Zweimonats-durchschnitt

in jeweiligen Preisen
Umsätze im Bauhauptgewerbe (Mrd. €) 86 +6,1 -1,9 . +2,4 +0,9 . +0,5
Außenhandel (Mrd. €)

Waren-Exporte

803 -18,4 -0,2 +3,0 +4,3 +25,0 +22,5 +21,5

Waren-Importe

665 -17,5 +0,3 -1,5 +2,6 +29,3 +18,0 +24,2
in konstanten Preisen von 2005
Produktion im Produzierenden Gewerbe (Index 2005 = 100)1 94,3 -15,5 +1,5 -0,8 +1,6 +11,0 +7,9 +10,0

Industrie2

93,7 -17,3 +1,8 -0,9 +1,8 +13,0 +8,8 +11,5

Bauhauptgewerbe  

108,2 -0,0 -0,2 +0,4 -0,1 +2,1 +4,6 +4,2
Umsätze im Produzierenden Gewerbe1

Industrie (Index 2005 = 100)2

92,8 -17,6 +2,0 -1,1 +1,1 +11,4 +7,2 +9,7

Inland 

93,1 -14,4 +0,6 -0,8 +0,6 +6,0 +4,6 +6,2

Ausland 

92,6 -21,1 +3,5 -1,6 +1,7 +17,7 +10,1 +13,8
Auftragseingang (Index 2005 = 100)1

Industrie2

87,2 -21,6 +3,5 -4,0 +1,7 +21,2 +13,9 +17,8

Inland

88,6 -18,2 -0,2 -0,6 -0,4 +11,3 +11,7 +11,0

Ausland 

86,1 -24,4 +6,6 -6,6 +3,4 +29,9 +15,8 +23,8

Bauhauptgewerbe

95,6 -7,0 -1,2 . -2,4 -1,2 . -1,1
Umsätze im Handel (Index 2005 = 100)

Einzelhandel (ohne Kfz und mit Tankstellen)

96,6 -2,5 -0,5 -1,7 +0,3 +3,0 +0,9 +2,1

Handel mit Kfz

93,6 +0,6 -0,8 +0,4 +3,0 -0,2 -1,9 -3,4
Arbeitsmarkt

2009

Veränderung in Tsd. gegenüber

Personen Mio.

ggü. Vorj.
in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

Aug 10

Sep 10

Sep 10

Aug 10

Sep 10

Okt 10

Arbeitslose (nationale Abgrenzung nach BA)  3,42 +4,8 -17 -37 -3 -283 -315 -283
Erwerbstätige, Inland 40,27 -0,0 +38 +35 . +305 +348 .
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte           27,38 -0,3 +48 . . +436 . .
Preisindizes

2009

Veränderung in % gegenüber

2005 = 100

Index

ggü. Vorj.
in %

Vorperiode

Vorjahr  

Aug 10

Sep 10

Okt 10

Aug 10

Sep 10

Okt 10

Importpreise 100,5 -8,6 +0,2 +0,3 . +8,6 +9,9 .
Erzeugerpreise gewerbl. Produkte 108,0 -4,2 +0,0 +0,3 . +3,2 +3,9 .
Verbraucherpreise  107,0 +0,4 +0,0 -0,1 +0,1 +1,0 +1,3 +1,3
ifo-Geschäftsklima
gewerbliche Wirtschaft

saisonbereinigte Salden

Mrz 10

Apr 10

Mai 10

Jun 10

Jul 10

Aug 10

Sep 10

Okt 10

Klima -4,1 +2,7 +2,5 +3,1 +11,7 +12,7 +12,8 +14,5
Geschäftslage -14,1 -4,9 -4,6 -1,2 +9,7 +12,4 +15,4 +16,1
Geschäftserwartungen +0,0 +10,6 +9,9 +7,4 +13,7 +12,9 +10,2 +12,8

BIP-Wachstum und ifo-Geschäftsklima
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Zum Ende des 3. Quartals legte auch die deutsche Industrie eine Wachstumspause ein. So war die industrielle Erzeugung im September gegenüber dem Vormonat leicht rückläufig (saisonbereinigt). Dies war vor allem auf eine deutliche Reduzierung der Produktion von Vorleistungsgütern zurückzuführen. Im Durchschnitt des 3. Quartals konnte die industrielle Produktion jedoch gegenüber dem Vorquartal ausgeweitet werden. Das Plus kam aus allen drei Gütergruppen. Die Investitionsgüterproduktion trug am stärksten zum Anstieg der industriellen Erzeugung bei (+ 2,2 % gegenüber dem Vorquartal).

Die Umsätze in der Industrie blieben im September ebenfalls hinter dem Ergebnis des Vormonats zurück (saisonbereinigt). Dabei waren sowohl die Inlands- als auch die Auslandsumsätze rückläufig. Im Vorquartalsvergleich sind die industriellen Umsätze hingegen weiter aufwärtsgerichtet.

Der Auftragseingang in der Industrie zeigte im September – nach einer kräftigen Ausweitung im Vormonat aufgrund überdurchschnittlicher Großaufträge – die erwartete Gegenbewegung. Allerdings fiel der Rückgang gegenüber August sehr kräftig aus. Neben der deutlichen Abnahme der Auslandsnachfrage nach Investitionsgütern sank vor allem auch die Auslandsnachfrage nach Vorleistungsgütern. Im Vorquartalsvergleich ist das industrielle Bestellvolumen dennoch weiterhin aufwärtsgerichtet. Dabei steht die kräftige Ausweitung der Auslandsnachfrage der leicht rückläufigen Inlandsnachfrage gegenüber. Die Abnahme der inländischen Bestellungen war vor allem auf eine verringerte Nachfrage nach Vorleistungsgütern zurückzuführen, während die Auftragseingänge für Investitions- und Konsumgüter merklich zunahmen.

Die Produktionstätigkeit im Bauhauptgewerbe konnte im September gegenüber dem Vormonat leicht ausgeweitet werden. Der Vorquartalsvergleich zeigt jedoch, dass sich die Bauproduktion wenig dynamisch entwickelt. Dies könnte bereits auf nachlassende Impulse der staatlichen Fördermaßnahmen in diesem Bereich hindeuten.

Während eine deutliche Gegenbewegung beim industriellen Bestellvolumen für September erwartet worden war, stellt der merkliche Produktionsrückgang vor dem Hintergrund einer zuvor günstigen Auftragsentwicklung eine gewisse Überraschung dar. Allerdings hatten die Umfrageergebnisse wichtiger Frühindikatoren bereits im September auf eine leichte Abschwächung der industriellen Dynamik hingedeutet. Erstmals seit März 2009 war es beim ifo-Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe zu keiner weiteren Verbesserung gekommen. Zugleich war der Einkaufsmanagerindex im September den zweiten Monat in Folge rückläufig. Damit scheinen die Stimmungsindikatoren die Schwankungen im industriellen Wachstumstempo derzeit gut nachzuzeichnen. Vor diesem Hintergrund weisen sowohl der Anstieg des ifo-Indikators sowie die Verbesserung des Einkaufsmanagerindex im Oktober auf einen günstigen Einstieg der deutschen Industrie in das Schlussquartal hin. Daher dürfte sich die in den Sommermonaten insgesamt positive Entwicklung des industriellen Auftragseingangs zum Jahresende voraussichtlich in eine wieder stärkere Produktionstätigkeit übersetzen.

Der private Konsum hat im 3. Quartal zum Wirtschaftswachstum beigetragen, wenngleich die realen Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) im 3. Vierteljahr in saisonbereinigter Betrachtung nur leicht gegenüber dem 2. Quartal anstiegen. Dagegen wurden die Umsätze im Kfz-Handel im 3. Vierteljahr spürbar ausgeweitet. Dies steht im Einklang mit dem leichten Aufwärtstrend der Neuzulassungen für private Pkw. In Anbetracht der günstigen Arbeitsmarktlage und der verbesserten Einkommenssituation der privaten Haushalte dürfte sich die Belebung des privaten Konsums fortsetzen. Dafür spricht auch die gute Stimmung der Konsumenten und der Einzelhändler. Allerdings signalisieren einzelne Teilkomponenten der entsprechenden Umfrageindikatoren, dass die Konsumtätigkeit im weiteren Verlauf etwas zurückhaltender ausfallen könnte: Anschaffungsneigung der Verbraucher (GfK-Umfrage) sowie die Geschäftserwartungen der Einzelhändler (ifo-Umfrage) waren im Oktober etwas weniger positiv als im Vormonat.

Der konjunkturelle Aufschwung spiegelt sich in einer weiteren Verbesserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt wider. So verringerte sich die Zahl registrierter Arbeitsloser (nach Ursprungszahlen) im Oktober erheblich gegenüber dem Vorjahr und lag mit 2,945 Millionen Personen erstmals seit Herbst 2008 wieder unter der Drei-Millionen-Marke. Die entsprechende Arbeitslosenquote sank im gleichen Zeitraum um 0,7 Prozentpunkte auf 7,0 %. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl ging gegenüber September nur leicht zurück. Damit hat der Abbau der Arbeitslosigkeit in der Verlaufsbetrachtung im Vergleich zu den Vormonaten etwas an Dynamik verloren.

Die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) nahm im September gegenüber dem Vormonat in etwa gleichem Maße zu wie jeweils in den vorangegangenen drei Monaten. Nach Ursprungswerten betrug die Erwerbstätigenzahl 40,902 Millionen Personen und lag damit spürbar über dem entsprechenden Vorjahresstand.

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg – laut Hochrechnung der BA – im August erneut an. In saisonbereinigter Betrachtung wurde das Vorkrisenniveau nunmehr um 230 000 Personen übertroffen. Nach Ursprungswerten gingen im August 436 000 Personen mehr einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach als vor einem Jahr (Juli: + 384 000 Personen). Hierzu trug die Ausweitung der Vollzeitbeschäftigung (+ 243 000 Personen gegenüber dem Vorjahr) deutlich stärker bei als die der Teilzeitbeschäftigung (+ 190 000 Personen). Die Betrachtung nach Branchen im Vorjahresvergleich zeigt vor allem starke Anstiege bei Arbeitnehmerüberlassungen und im Gesundheits- und Sozialwesen. Auch in der Bauwirtschaft legte die Beschäftigung zu. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es nur noch geringe Beschäftigungsverluste (-0,8 % gegenüber dem Vorjahr).

Insbesondere der deutliche Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung sowie der weitere Rückgang der konjunkturell bedingten Kurzarbeit – die im August 2010 nur noch rund ein Zehntel des Höhepunkts der Inanspruchnahme im Mai 2009 erreichte – verdeutlichen, dass die Unternehmen von einer Fortsetzung des Aufschwungs ausgehen. Dafür spricht auch, dass im Verarbeitenden Gewerbe eine große Anzahl von Unternehmen plant, Personal aufzustocken (ifo-Umfrage). Auch der Anstieg des Stellenindex BA-X signalisiert eine weitere Zunahme der Arbeitskräftenachfrage.

Der Verbraucherpreisindex (VPI) für Deutschland lag im Oktober um 1,3 % über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Der Anstieg war damit – wie bereits im September – etwas höher als im Durchschnitt des 1. Halbjahrs 2010. Insgesamt fällt der Preisanstieg im Durchschnitt der Monate Januar bis Oktober mit knapp über 1 % jedoch weiterhin sehr niedrig aus. Die jährliche Teuerungsrate wurde im Oktober erneut vor allem von Preisanstiegen bei Energieprodukten (+ 5,1 %) bestimmt. Dabei verteuerten sich Heizöl und Kraftstoffe spürbar. Auch Preise für Strom und Gas stiegen binnen Jahresfrist an. Billiger wurden dagegen Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme. Ohne Berücksichtigung der Preisentwicklung von Energiegütern liegt der VPI um 0,9 % über dem Vorjahresniveau. Neben Energie verteuerten sich auch Nahrungsmittel (+ 2,9 %). Insbesondere bei Obst und Gemüse sowie bei Speisefetten und –ölen war ein deutlicher Preisanstieg zu beobachten.

Der Preisanstieg auf den vorgelagerten Produktionsstufen hat sich angesichts der konjunkturellen Aufwärtsbewegung der Weltwirtschaft fortgesetzt. So verteuerte sich Rohöl im September im Vergleich zum Vorjahr mit einem durchschnittlichen Preis von gut 78 US-Dollar je Barrel weiterhin deutlich (+ 15,8 %). Auch die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel zeigen einen klaren Aufwärtstrend. Deren Niveau liegt nur noch rund 3 % unter dem Höchststand vom Juli 2008.

Der Aufwärtstrend der Preise auf dem Weltmarkt spiegelt sich auch in einem erneut starken Anstieg der Preise für Importe im September wider. Die Verteuerung von Importen ist vor allem auf höhere Preise für Energie, Rohstoffe und Metalle zurückzuführen. Besonders preistreibend wirkte dabei die Zunahme der Importpreise von Rohöl (+ 28,1 %), Mineralölerzeugnissen (+ 28,3 %) und Erdgas (+ 30,4 %). Ohne Berücksichtigung von Energieprodukten lagen die Einfuhrpreise um 7,1 % über ihrem Vorjahresniveau. Bei Rohstoffen verteuerte sich insbesondere Eisenerz (+ 90,1 %). Importpreise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen stiegen ebenfalls kräftig an.

Auch die Erzeugerpreise lagen im September deutlich über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Den größten Einfluss auf die Jahresteuerungsrate hatten Preiserhöhungen für Energie (+ 6,7 %). Dabei waren Mineralölerzeugnisse (+ 13,3 %) und Erdgas (+ 11,1 %) wesentlich teurer als vor einem Jahr. Ohne Berücksichtigung von Energie lagen die Erzeugerpreise um 2,8 % höher als im September 2009. Darüber hinaus konnte auch bei den Erzeugerpreisen von Vorleistungsgütern ein spürbarer Anstieg verzeichnet werden (+ 5,9 %). Hierzu trug vor allem die Verteuerung der Herstellung von Metallen bei.

Im Zuge einer Fortsetzung des konjunkturellen Aufschwungs dürften die Preiserhöhungen auf den vorgelagerten Produktionsstufen zumindest teilweise auch auf die Verbraucherstufe durchwirken. Insgesamt rechnen jedoch die Bundesregierung sowie die nationalen und internationalen Institutionen damit, dass das ruhige Preisklima auf der Verbraucherstufe anhalten dürfte.