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20.05.2011

Monatsbericht

Vor­ha­ben KON­SENS

KONSENS = Koordinierte neue Software-Entwicklung der Steuerverwaltung

KONSENS ist ein auf Dauer angelegtes Vorhaben, mit dem die IT der Steuerverwaltung in Deutschland vereinheitlicht und modernisiert, gepflegt und anforderungsgetrieben weiterentwickelt wird. Dabei werden Effizienzgewinne erzielt und der Service für Bürger und Unternehmer verbessert.

1 Was ist KONSENS?

1.1 Grundlagen

Die Finanzminister aller Länder haben in der Finanzministerkonferenz (FMK) am 9. Juli 2004 einstimmig bekräftigt, in einem abgestimmten neuen Verfahren einheitliche Software für das Besteuerungsverfahren gemeinsam entwickeln, beschaffen und einsetzen zu wollen. Gleichzeitig haben sie angekündigt, die organisatorischen Voraussetzungen für den Einsatz dieser Software zu schaffen. Das entspricht einer mehrfach geäußerten Forderung des Bundesrechnungshofs nach der Vereinheitlichung der Geschäftsprozesse in der Steuerverwaltung der Länder, die vor Einführung einer einheitlichen Software erforderlich ist.

Im Juni 2005 haben die Finanzminister der Länder im Einvernehmen mit dem Bundesminister der Finanzen einstimmig die Grundlagen für das weitere Vorgehen zur Entwicklung einheitlicher Software für das Besteuerungsverfahren in dem Vorhaben KONSENS (die Koordinierte neue Software-Entwicklung der Steuerverwaltung) festgelegt.

Die Grundlage für die Zusammenarbeit aller 16 Länder und des Bundes bildet das zum 1. Januar 2007 in Kraft getretene Verwaltungsabkommen KONSENS.

1.2 Ziele

Das mit dem Vorhaben KONSENS verfolgte Ziel besteht nach dem Verwaltungsabkommen KONSENS in der Beschaffung, arbeitsteiligen Entwicklung und Pflege sowie dem Einsatz einheitlicher Software für das Besteuerungsverfahren sowie für das Steuerstraf- und Bußgeldverfahren. Die Software wird grundsätzlich unter der Federführung eines Lands entwickelt und anschließend in allen 16 Ländern eingesetzt („Einer für Alle“). Neue Aufgaben müssen somit nur noch einmal realisiert werden. Besonderheiten einzelner Länder werden bei der Softwareentwicklung nur noch berücksichtigt, wenn diese - etwa aufgrund zwingender landesrechtlicher Regelungen - unabweisbar sind. Kosten für die bisher mehrfach parallele Entwicklung und Pflege von Software für das Besteuerungsverfahren werden somit künftig vermieden.

Allerdings reicht es nicht aus, die bestehenden Verfahren nur zu vereinheitlichen. Es soll auch eine grundlegende Modernisierung des IT-Einsatzes in der Steuerverwaltung erreicht werden; das gilt auch für die Pflege und Wartung der eingesetzten Software. Letztlich dient KONSENS dem Ziel, die Qualität des Steuervollzugs insgesamt zu verbessern und die Erledigung der steuerlichen Pflichten für alle am Besteuerungsverfahren Beteiligten zu erleichtern. Papierbasierte Verfahrensabläufe sollen schrittweise abgelöst und stattdessen möglichst für alle Phasen des Besteuerungsprozesses elektronische Verfahren entwickelt und angeboten werden. Damit werden Bürokratiekosten für Bürger, Unternehmen, Beraterschaft und Verwaltung reduziert. Im Ergebnis leistet KONSENS damit einen wirkungsvollen Beitrag zur Steuervereinfachung.

1.3 Organisation von KONSENS

Das Vorhaben KONSENS setzt auf dem sogenannten Auftraggeber-/Auftragnehmermodell auf.

Auftraggeber im Vorhaben KONSENS sind alle Länder und der Bund, vertreten durch das Gremium der für die Automation in der Steuerverwaltung zuständigen Referatsleiter der obersten Finanzbehörden des Bundes und aller Länder: die Referatsleiter Automation (Steuer). Sie genehmigen gemeinsam mit den Referatsleitern Organisation (Steuerverwaltung) insbesondere den jährlich fortzuschreibenden Plan der zu entwickelnden Verfahren (Vorhabensplan) und das Budget, vorbehaltlich der Zustimmung der Finanzminister des Bundes und der Länder.

Auftragnehmer im Vorhaben KONSENS sind die Referatsleiter Automation (Steuer) des Bundes und der fünf Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen: Sie bilden zusammen die Steuerungsgruppe IT.

Alle Entscheidungen müssen von der Steuerungsgruppe IT einstimmig getroffen werden und wirken für und gegen alle 16 Länder sowie den Bund.

Die Entwicklung der Software im Vorhaben KONSENS ist in einzelne Projekte gegliedert. Die Softwareentwicklungsaufgaben werden ausschließlich von den fünf in der Steuerungsgruppe IT vertretenen Ländern übernommen. Die einzelnen Projekte (wie z. B. die Software für die neue Steuererhebung oder die Vereinheitlichung der Steuerfestsetzungsprogramme) sind von der Steuerungsgruppe IT jeweils einem auftragnehmenden Land zugewiesen worden. Das auftragnehmende Land entwickelt sodann – gegebenenfalls mit Unterstützung durch ein oder mehrere Länder – eigenverantwortlich die jeweilige Software.

Darüber hinaus wurde die Steuerungsgruppe Organisation zu dem Zweck gegründet, die organisatorischen Voraussetzungen in den Finanzämtern für den Einsatz einheitlicher Software zu schaffen und dazu organisatorische Grundsatzfragen der Aufbau- und Ablauforganisation zu klären. Sie ist besetzt durch die Referatsleiter Organisation (Steuerverwaltung) des Bundes und der sechs Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Steuerungsgruppe Organisation entscheidet einstimmig unter Beteiligung des Bundes. Ihre Entscheidungen werden für alle Länder verbindlich, wenn ihnen nicht innerhalb einer Einlassungsfrist von zwei Wochen von einem nicht in der Steuerungsgruppe vertretenen Land widersprochen wird. Ihre Entscheidungen sind auch für die Verfahrensentwicklung in KONSENS bindend.

Die Entscheidungen der Steuerungsgruppen werden von verschiedenen von ihnen eingesetzten Gremien vorbereitet. Die Durchführungen von Sitzungen der KONSENS Gremien obliegt der beim Bundesministerium der Finanzen angesiedelten Geschäftsstelle IT.

Die nicht in der Steuerungsgruppe IT oder Steuerungsgruppe Organisation vertretenen Länder werden - sofern erforderlich - durch Arbeitsgruppen in die Prozesse einbezogen.

1.4 Vorhabensplan

Die Steuerungsgruppe IT stellt nach dem Verwaltungsabkommen KONSENS bis zum 31. Oktober eines jeden Jahres einen Vorhabensplan (jährlich fortzuschreibender Plan der neu zu entwickelnden Software) für das nächste und die folgenden vier Jahre sowie eine Budgetplanung und eine verbindliche Einsatzplanung für das Folgejahr auf.

Die Erstellung des Vorhabensplans für das Folgejahr erfolgt nach den Regeln eines Portfoliomanagements. Für jede im Rahmen von KONSENS neu zu entwickelnde Software muss zunächst eine KONSENS-Aufgabenanmeldung erstellt werden. Aus dieser werden von dem zuständigen KONSENS-Verfahren sogenannte Portfolioprodukte gebildet, die im Rahmen des Portfoliomanagements einen mehrstufigen Planungsprozess durchlaufen. Die zu realisierenden Portfolioprodukte werden nach objektiven Kriterien bewertet und priorisiert. Das Ergebnis ist eine Liste von Portfolioprodukten, die bis zur Höhe des zur Verfügung stehenden KONSENS-Budgets von der Steuerungsgruppe IT in Auftrag gegeben werden. Der Vorhabensplan einschließlich Budgetplanung wird abschließend jährlich von den Finanzministern des Bundes und der Länder genehmigt.

1.5 Controlling

Das Vorhaben KONSENS mit einem Jahresbudget von rund 75 Mio.  und einem Einsatz von über 500 Mitarbeitern (Stand: 2011) benötigt zur Planung, Steuerung und Kontrolle ein differenziertes Regelwerk, das auch in der Praxis gelebt wird. In den Ländern Bayern und Nordrhein-Westfalen sind Controllinginstanzen eingerichtet worden, die den Steuerungsgremien regelmäßig über den Stand des Vorhabens KONSENS berichten. Die im Rahmen des regelmäßigen Berichtswesens aufgedeckten Abweichungen beim Personeinsatz, bei einzuhaltenden Terminen oder dem beauftragten Funktionsumfang werden anhand des Regelwerks den entsprechenden Steuerungsgremien zur Entscheidung vorgelegt.

1.6 Finanzierung/Beteiligung des Bundes

Die Finanzierung wird von allen Ländern und dem Bund gemeinsam getragen.

Rechtsgrundlage für das Engagement des Bundes bei der Entwicklung einer einheitlichen steuerlichen Software im Vorhaben KONSENS bildet Artikel 108 Absatz 4 Grundgesetz in Verbindung mit § 20 Absatz 1 Finanzverwaltungsgesetz. Der Bund beteiligt sich an diesem Vorhaben insbesondere mit dem Ziel, den bundesweiten Einsatz der zu erstellenden einheitlichen Software sowie das E-Governmentverfahren ELSTER (Elektronische Steuererklärung) voranzutreiben. Er beteiligt sich finanziell in folgendem Umfang am Vorhaben KONSENS:

  • je 20 v. H. der ELSTER-Entwicklungs- und Pflegekosten,
  • je 20 v. H. der Kosten der Geschäftsstelle IT und der Betriebskosten des Kommunikationstechnischen Zentrums (KTZ1) beim Bund,
  • je 10 v. H. der ELSTER-Produktionskosten.

Die Aufteilung der restlichen Kosten auf die einzelnen Länder erfolgt nach dem „Königsteiner Schlüssel“, der auf dem Steueraufkommen und der Einwohnerzahl basiert.

Darüber hinaus gewährt der Bund zum Entwicklungsaufwand für das Vorhaben KONSENS innerhalb des Budgets jährlich einen Zuschuss in Höhe von 3 Mio. €. Der Zuschuss ist jedoch an den Fortschritt des produktiven Einsatzes einheitlicher Software (FMK-Kriterium) geknüpft. Dieses FMK-Kriterium ist nach dem Verwaltungsabkommen KONSENS einvernehmlich von den Mitgliedern der Steuerungsgruppe IT festzulegen und den Finanzministern von Bund und Ländern mitzuteilen.

Die Einführung eines FMK-Kriteriums hat sich nach den bisher gemachten Erfahrungen bewährt. Seit dem Kalenderjahr 2007 konnten insbesondere durch die erfolgreiche und fristgerechte Umsetzung der in den FMK-Kriterien vereinbarten IT-Leistungen deutliche Fortschritte beim Einsatz vereinheitlichter und modernisierter Software in den Ländern erzielt werden.

1.7 Einsatz der KONSENS-Software

Alle Länder haben sich verpflichtet, die einheitliche KONSENS-Software einzusetzen. Der beabsichtigte Einsatz wird im Rahmen der Verbindlichen Einsatzplanung dokumentiert. Mit den einheitlichen IT-Verfahren wird auch die Ablauforganisation in der Steuerverwaltung der Länder stärker standardisiert.

Die Darstellung des aktuellen Stands des Einsatzes im Vorhaben KONSENS bereitgestellter einheitlicher Software durch die Länder erfolgt durch die im Land Baden-Württemberg angesiedelte Organisationseinheit der Verbindlichen Einsatzplanung.

2 Was ist in KONSENS bisher erreicht worden?

Um in den Finanzämtern Steuern erheben zu können, werden Festsetzungs- und Erhebungsprogramme sowie die Grundinformationsdaten der Steuerpflichtigen benötigt.

Entsprechend gibt es im Vorhaben KONSENS drei Kernverfahren:

GINSTER2- Grundinformationsdienst Steuer,

ELFE - Einheitliches länderübergreifendes Festsetzungsverfahren und

BIENE - Bundeseinheitliches integriertes evolutionär neu entwickeltes Erhebungsverfahren.

Für jedes dieser Verfahren werden unterschiedliche Software-Komponenten für die Speicherung und Bearbeitung der Daten sowie Benutzeroberflächen (Präsentationsschichten) für die Mitarbeiter in den Länderfinanzverwaltungen benötigt. Das reibungslose Zusammenwirken dieser Komponenten muss nicht nur innerhalb jedes einzelnen Verfahrens, sondern auch zwischen den einzelnen Verfahren und in allen Ländern sichergestellt sein. Darüber hinaus dürfen diese komplexen ineinander verzahnten Verfahren im laufenden Betrieb der Finanzämter weder unterbrochen noch gestört werden. Deshalb erfolgt eine schrittweise, evolutionäre Vereinheitlichung und Modernisierung der Verfahren. So ist z. B. bundesweit die Anwendung „Länderumfassende Namensabfrage“ (LUNA) zur Unterstützung der Umsatzsteuerbetrugsbekämpfung im Einsatz. Grundlage dafür ist eine neue, seit 2008 eingesetzte bundeseinheitliche Datenhaltung der Grundinformationsdaten.

Neu und bundesweit im Einsatz ist auch die Datenhaltung im Bereich der Steuerfestsetzung (ELFE). Sukzessive werden bereits die Daten aus den bestehenden Systemen in die neuen Datenhaltungssysteme überführt. Gleichzeitig werden die Module zur Festsetzung der Steuern vereinheitlicht.

Eine große Herausforderung stellt die Neuentwicklung eines modernen Erhebungsverfahrens (BIENE) dar, denn die bisher im Einsatz befindlichen Programme entsprechen weder modernen Maßstäben noch sind sie dokumentiert worden. Nach einer längeren Vorbereitungsphase soll im Sommer 2011 im Bereich der Steuererhebung eine neue Datenhaltung pilotiert werden, an die sukzessive modernisierte Programme angebunden werden.

Die Vereinheitlichung und Modernisierung im Bereich der Kernverfahren (Grundinformationsdienst, Festsetzung und Erhebung) wird schließlich auch ergänzt durch die Entwicklung und den Einsatz moderner Risikomanagementsysteme (RMS3) und Programme zur Unterstützung der Prüfungsdienste. Vor allem im Bereich der Umsatzsteuer und Einkommensteuer kommen mittlerweile bundesweit neue Risikomanagementsysteme zum Einsatz. Für die Betriebsprüfer wird im Außendienst in allen Ländern seit 2010 ein bundeseinheitliches Programm (BpA-Euro4) eingesetzt.

Die Arbeit in den Finanzämtern wird seit 2009 in den meisten Ländern mit einer einheitlichen Benutzeroberfläche (Präsentationsschicht) unterstützt. Die Umsetzung erfolgte durch das Verfahren KDialog5.

Für die Zuordnung von Steuererklärungen, Kontrollmitteilungen und sonstigen steuerlich relevanten Informationen, die bei der Steuerveranlagung zu berücksichtigen sind, wurde eine Rahmenanwendung zum Einsatz gebracht, die es ermöglicht, diese elektronisch entgegenzunehmen und mithilfe der eindeutigen Zuordnung zum Steuerfall anhand der steuerlichen Identifikationsnummer auf die zuständigen Finanzämter zu verteilen und den Sachbearbeitern anzuzeigen. Als eine der ersten Mitteilungsarten wurden Daten der Banken zu Freistellungsaufträgen übermittelt. Die Auswertung dieser Mitteilungen im Rahmen der Veranlagung wird den Bearbeitern in den Finanzämtern damit erleichtert.

Ein großer Anteil an den Entwicklungen im Vorhaben KONSENS entfällt auf das bereits seit mehreren Jahren im Einsatz befindliche E-Governmentverfahren ELSTER für die elektronische Übermittlung von Steuererklärungen und -Anmeldungen. Es ermöglicht eine effiziente und sichere elektronische Übertragung jeglicher Steuerdaten zwischen Bürgern, Steuerberatern, Arbeitgebern, Kommunen, Verbänden und Finanzbehörden. Bei den Steuererklärungen ist die papierlose Kommunikation weit vorangeschritten: Bereits seit 2006 können Steuererklärungen mittels eines elektronischen Zertifikats authentifiziert und vollständig papierlos an die Finanzbehörde übermittelt werden. Nahezu alle Umsatzsteuer-Voranmeldungen sowie Lohnsteuer-Anmeldungen, Kapitalertragsteuer-Anmeldungen und Anmeldungen über den Steuerabzug bei Vergütungen an beschränkt Steuerpflichtige nach § 50a EStG werden inzwischen über ELSTER abgewickelt. Hinzu kommen jährlich 48 Mio. Lohnsteuerbescheinigungen.

Parallel zu dieser Entwicklung im Vorhaben KONSENS haben sich in den vergangenen Jahren die Länder Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und zuletzt Rheinland-Pfalz dem vom Bayern geführten Programmierverbund EOSS (Evolutionär orientierte Steuersoftware) angeschlossen und so einen Beitrag zur Vereinheitlichung der bestehenden Verfahren geleistet. Die maßgeblich von Bayern entwickelten Programme kommen daneben auch in den Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie im Saarland zum Einsatz. In einem weiteren Schritt zur Vereinheitlichung der Software hat das Land Baden-Württemberg im April dieses Jahres die funktional erweiterten Programme des EOSS-Verbundes übernommen. Dieser Schritt wird als KONSENS Stufe 1 (KONSENS I) bezeichnet.

3 Was bringt die Zukunft?

3.1 Nächste Schritte

In den nächsten Monaten werden die Länder Hessen und Niedersachsen ebenfalls die funktional erweiterten Programme des EOSS-Verbundes (KONSENS I) übernehmen. Ab dem Kalenderjahr 2012 werden dann die von den Ländern verwalteten Steuern in Deutschland erstmalig mit einer weitestgehend einheitlichen Software festgesetzt. Im Bereich der Steuererhebung wird allerdings eine Vereinheitlichung erst mit Fertigstellung des unter der Federführung von Bayern entwickelten neuen Erhebungsverfahrens (BIENE) realisierbar sein. Bis dahin gilt es, den Prozess der Modernisierung auf der Basis weitgehend vereinheitlichter Programme voranzutreiben. So soll z. B. beginnend im Jahr 2012 das Verfahren GINSTER nach und nach in allen Ländern die Funktionen der bestehenden Grundinformationsdienste ablösen und darüber hinaus zusätzliche Funktionalitäten bieten. Ausgebaut wird auch die Möglichkeit zur elektronischen Kommunikation des Steuerpflichtigen mit der Finanzverwaltung. Die mit dem Steuerbürokratieabbaugesetz in § 5b Einkommensteuergesetz (EStG) eingeführte Pflicht zur elektronischen Übermittlung des Inhalts der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz hat zur Einrichtung des Projekts E-Bilanz (elektronische Bilanz) im Vorhaben KONSENS geführt. Geplant ist, dass ab dem 1. Januar 2012 die Unternehmen ihre steuerlichen Pflichten nach § 5b EStG elektronisch und damit schnell, kostensparend und medienbruchfrei erfüllen können.

Viele Änderungen, mit denen die Voraussetzungen für eine medienbruchfreie Bearbeitung von Vorgängen durch die Steuerverwaltungen geschaffen werden, erfolgen im Vorhaben KONSENS unsichtbar für die Bearbeiter in den Finanzämtern und für die Steuerpflichtigen. Dies gilt für den Bereich der sogenannten Kernverfahren (GINSTER, ELFE, BIENE), die bis 2015 entwicklungstechnisch fertiggestellt sein sollen. Der dann folgende Einsatz in den Finanzämtern richtet sich nach der Verbindlichen Einsatzplanung der jeweiligen Länder. Diese Maßnahmen sind eine wichtige Voraussetzung auch für die Schaffung der Möglichkeit einer elektronischen Abgabe und Übernahme von Steuerfällen über Ländergrenzen hinweg.

Andere Projekte haben dagegen nach ihrer Umsetzung sichtbare Auswirkungen für den einzelnen Steuerbürger. Dies gilt für die Abschaffung der papierenen Lohnsteuerkarte, die bereits 2009 für das Jahr 2010 (mit Wirkung für das Jahr 2011) letztmalig verteilt wurde. Ab dem Kalenderjahr 2012 erhalten die Arbeitgeber die für den Lohnsteuerabzug ihrer Arbeitnehmer notwendigen Merkmale elektronisch unmittelbar von der Finanzverwaltung (Projekt ElsterLohn II).

Ziel der Politik im Rahmen der Modernisierung der Steuerverwaltung der Länder ist es auch, dem Bürger eine elektronisch vorausgefüllte Steuererklärung anzubieten. Dazu sollen die der Steuerverwaltung bereits vorliegenden Daten den Steuerpflichtigen elektronisch zur Verfügung gestellt werden, was zu einer wesentlichen Erleichterung beim „Ausfüllen“ der Steuererklärung führen wird. Derzeit werden im Vorhaben KONSENS die fachlichen und technischen Grundlagen für das Entgegennehmen und Weiterverarbeiten elektronischer Belege entwickelt. Die Steuerverwaltung wird hiermit ihr umfangreiches elektronisches Serviceangebot erweitern.

3.2 Fazit

KONSENS ist ein auf Dauer angelegtes Vorhaben, mit dem die IT der Steuerverwaltung der Länder vereinheitlicht und zukunftsträchtig modernisiert, gepflegt und anforderungsgetrieben weiterentwickelt wird. KONSENS hat als Daueraufgabe keinen festen Endtermin. So werden bereits jetzt neue gesetzliche Aufgaben mit hoher Komplexität und engen Zeitvorgaben (z. B. Steuerbürokratieabbaugesetz, Alterseinkünftegesetz, Abgeltungsteuer, Bürgerentlastungsgesetz) in KONSENS umgesetzt.

Ausgelöst durch die Bereitschaft einzelner Länder, ihre bis dahin eigenständigen Verfahren zugunsten der Übernahme der bestehenden Verfahren eines anderen Lands aufzugeben, konnten in den vergangenen fünf Jahren parallel zur Entwicklung im Vorhaben KONSENS deutliche Fortschritte bei der Vereinheitlichung der IT zur Unterstützung des Steuervollzugs in der Finanzverwaltung erreicht werden. Beispielsweise war es bis zum Jahr 2006 noch erforderlich, die Software zur Umsetzung von neuem oder geändertem Steuerrecht fünfmal für die verschiedenen IT-Verfahren der Länder zur Steuerfestsetzung zu entwickeln, Änderungen im Erhebungsverfahren oder im Bereich des Grundinformationsdienstes mussten dreimal programmiert werden. Ab 2012 werden bundesweit weitgehend einheitliche Festsetzungsverfahren im Einsatz sein. Für die weniger änderungsintensiven Steuererhebungsverfahren sowie für den Grundinformationsdienst werden jeweils zwei Verfahren betrieben.

Diese in den vergangenen Jahren erreichten Ergebnisse sind - auch im Vergleich mit vorausgegangenen Projekten - beachtlich. Die bisherigen Erfahrungen und Fortschritte im Vorhaben KONSENS zeigen, dass sich alle Beteiligten auf dem richtigen Weg befinden. Mit dem Prinzip „Einer für Alle“ hat man sich auf eine bundesweit einheitliche Vorgehensweise verständigt und arbeitet trotz föderaler Strukturen eng zusammen.

Fußnoten

1 Das Kommunikationstechnische Zentrum dient der übergreifenden Kommunikation innerhalb und außerhalb des Vorhabens KONSENS und wird im Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik (ZIVIT) vom Bund betrieben.

2 Das Verfahren GINSTER (Grundinformationsdienst Steuer) verwaltet die Stammdaten für alle Steuerpflichtigen für die Nutzung in anderen Verfahren und stellt dazu Dienste mit funktionalen Schnittstellen für die anderen Verfahren sowie Funktionalitäten zur Bearbeitung von Grundinformationsdaten (geben aktuelle Auskünfte über Art, Beschaffenheit und Identität von Steuersubjekten und deren Verfahrensbeteiligten, z. B. Name, Anschrift usw.) bereit.

3 Risikomanagementsysteme sind Verfahren zur planvollen Erkennung, Überwachung oder Bewältigung eines Kontrollbedürfnisses. Im Rahmen von KONSENS werden entsprechende automatisierte Risikomanagementsysteme entwickelt und bundesweit eingesetzt. Dabei werden auf Basis verfügbarer Daten die Steuerfälle einer eingehenden automatisierten Risikoprüfung unterzogen. Besteht ein Steuerfall diese Prüfung, werden Steuerbescheide etc. vollautomatisch, d. h. ohne weitere personelle Prüfungen, erstellt und versendet. Ziel dieser Systeme ist es, trotz eines komplexen Steuersystems und begrenzter personeller Ressourcen die Steuern nach Maßgabe der Gesetze gleichmäßig und wirtschaftlich festzusetzen und zu erheben.

4 Betriebsprüfung-Außendienst EURO unterstützt die Betriebs-/Amtsbetriebsprüfung im Außendienst hinsichtlich der Erstellung von Prüferbilanzen und G+V-Rechnungen, Kapitalentwicklungen und Mehr- u. Weniger-Rechnungen.

5 KDialog strebt eine Vereinheitlichung aller Benutzeroberflächen der KONSENS-Softwareprodukte an.

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