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22.08.2011

Monatsbericht

Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

  • Die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung in Deutschland setzte sich zu Beginn der 2. Jahreshälfte fort.

  • Die Industrie ist zwar schwungvoll in das 3. Quartal gestartet. Die Stimmungsindikatoren deuten jedoch auf eine bevorstehende Abschwächung der industriellen Dynamik hin.

  • Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich zuletzt weiter verbessert.

  • Der Verbraucherpreisindex ist im August erneut um 2,4 % angestiegen.

Nachdem die deutsche Wirtschaft im 2. Quartal 2011 nahezu eine Wachstumspause einlegte, deutet das aktuelle Indikatorenbild darauf hin, dass sich die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung in Deutschland zu Beginn der 2. Jahreshälfte fortgesetzt hat. Insbesondere das Expansionstempo in der Industrie hat sich – nach deutlicher Abschwächung zum Ende des 2. Quartals – wieder erhöht. Jedoch ist mit Blick auf die vorlaufenden Konjunkturindikatoren im weiteren Jahresverlauf für die Gesamtwirtschaft mit einem eher moderaten Wachstumstempo zu rechnen. So sind die ifo-Geschäftserwartungen der gewerblichen Wirtschaft seit März dieses Jahres rückläufig und haben sich im August über alle Wirtschaftsbereiche hinweg spürbar eingetrübt.

Im 2. Quartal 2011 fiel die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit 0,1 % in preis-, saison- und kalenderbereinigter Betrachtung gegenüber dem Vorquartal für viele Beobachter unerwartet schwach aus. Allerdings war mit einer gewissen technischen Reaktion zu rechnen gewesen, nachdem die gesamtwirtschaftliche Aktivität zum Jahresbeginn kräftig gestiegen war (+ 1,3 %). Sowohl das 1. Quartal als auch das 2. Quartal waren durch Sondereffekte beeinflusst. Die Halbjahresbetrachtung zeigt, dass sich das gesamtwirtschaftliche Expansionstempo bereits in der 1. Jahreshälfte 2011 etwas verringert hat. So fiel der BIP-Anstieg mit + 1,6 % gegenüber der Vorperiode etwas geringer aus als noch im 2. Halbjahr 2010 (+ 2,0 %).

Die ausführlichen Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2011 zeigen, dass die Inlandsnachfrage im Frühsommer nur leicht zunahm. Insgesamt lieferte die inländische Verwendung in der Vorquartalsbetrachtung einen Wachstumsbeitrag von 0,3 Prozentpunkten. Stützend wirkten dabei ein spürbarer Lageraufbau und ein Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen (+ 1,7 %). Dagegen waren der private Konsum (- 0,7 %) und die Bauinvestitionen (- 0,9 %) rückläufig. Bei den Bauinvestitionen war ein Rückpralleffekt auf den überaus starken Anstieg im 1. Vierteljahr zu erwarten gewesen. Im 1. Halbjahr 2011 fiel die Zunahme der Bauinvestitionen im Vergleich zum 2. Halbjahr 2010 jedoch sehr hoch aus (+ 5,1 %). Die Nettoexporte wirkten im 2. Quartal rein rechnerisch dämpfend auf die Wirtschaftsentwicklung (- 0,3 Prozentpunkte). Zwar hat die Exportdynamik im 2. Vierteljahr leicht zugenommen, aber der Anstieg der Importe fiel wesentlich kräftiger aus als der der Exporte.

Zu Beginn des 3. Quartals hat die Exportentwicklung an Dynamik verloren. So gingen die nominalen Warenexporte im Juli in saisonbereinigter Betrachtung gegenüber dem Vormonat zum zweiten Mal in Folge zurück. Im Zweimonatsvergleich (Juni/Juli gegenüber April/Mai) zeigt sich nunmehr eine Seitwärtsbewegung. Nach Ursprungswerten lag das nominale Ausfuhrergebnis im Zeitraum Januar bis Juli 2011 deutlich über dem entsprechenden Vorjahresniveau (+ 14,0 %). Dabei war die Zunahme der Exporte in den Nicht-Euroraum der EU (+ 16,5 %) deutlich höher als in Drittländer (+ 14,8 %) und in den Euroraum (+ 12,0 %).

Im Verlauf des 2. Halbjahres 2011 ist insgesamt mit einer eher moderaten Exportdynamik zu rechnen. So dürften die außenwirtschaftlichen Impulse infolge einer Verlangsamung des Expansionstempos der Weltwirtschaft weiter abnehmen. Dafür sprechen die nicht so günstigen Wirtschaftsdaten aus den USA sowie die eher schwache Entwicklung im Euroraum. Auch bei den Schwellenländern zeichnet sich eine Verlangsamung des Wachstumstempos ab. Die insgesamt erwartete schwächere weltwirtschaftliche Dynamik spiegelt sich auch in einigen vorlaufenden Indikatoren wider. So trübte sich das ifo-Weltwirtschaftsklima im 3. Quartal ein. Dabei ist der Klimaindikator für Westeuropa erstmals seit Anfang 2009 gesunken. Die Exporterwartungen der deutschen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes haben sich laut ifo-Umfrage bereits seit Februar dieses Jahres verschlechtert. Zwar ist die Auslandslandsnachfrage im Zweimonatsvergleich noch deutlich aufwärtsgerichtet. Im Dreimonatsvergleich zeigt sich jedoch eine deutliche Abflachung der Aufwärtstendenz der Auftragseingänge aus dem Ausland.

Die nominalen Warenimporte nahmen im Juli gegenüber dem Vormonat nur geringfügig ab. Im Zweimonatsdurchschnitt setzt sich damit der Aufwärtstrend fort. Jedoch zeigt sich auch hier eine leichte Abschwächung des Wachstumstempos. Die aufwärtsgerichteten nominalen Warenimporte spiegeln zum einen den Anstieg der Importpreise – insbesondere für Energieträger – wider. Zum anderen sind sie auch ein Indiz für eine insgesamt günstige Entwicklung der binnenwirtschaftlichen Nachfrage. Ein weiteres Zeichen hierfür ist der Anstieg der Einnahmen aus den Steuern vom Umsatz. Sie erhöhten sich im Zeitraum Januar bis August 2011 um 6,5 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahresniveau.

Die Industrieindikatoren für den Monat Juli deuten darauf hin, dass das Verarbeitende Gewerbe schwungvoll in das 3. Quartal gestartet ist. So wurde die Industrieproduktion gegenüber Juni kräftig gesteigert, wozu insbesondere eine dynamische Produktionstätigkeit im Kfz-Bereich beitrug. Im Zweimonatsdurchschnitt ist die industrielle Erzeugung deutlich aufwärtsgerichtet. Zwar dürfte der industrielle Aufwärtstrend aufgrund eines Ferientageeffekts im Juli etwas überzeichnet sein. Dennoch zeigt die Produktionsausweitung über alle Gütergruppen hinweg, dass sich die Aufwärtsbewegung in der Industrie zur Jahresmitte auf breiter Basis fortgesetzt hat.

Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten
Gesamtwirtschaft / Einkommen

2010

Veränderung in % gegenüber

Mrd.
bzw. Index

ggü.  Vorj. in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

4.Q.10

1.Q.11

2.Q.11

4.Q.10

1.Q.11

2.Q.11

Bruttoinlandsprodukt

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorjahrespreisbasis (verkettet)

106

+3,7

+0,5

+1,3

+0,1

+3,8

+5,0

+2,8

jeweilige Preise

2 477

+4,3

+0,6

+1,4

+0,6

+4,1

+5,3

+3,7

Einkommen

 

 

 

 

 

 

 

 

Volkseinkommen

1 898

+5,1

+1,4

+1,5

-0,4

+4,2

+4,8

+3,4

Arbeitnehmerentgelte

1 263

+2,5

+1,0

+1,7

+1,5

+3,3

+4,3

+5,1

Unternehmens- und Vermögenseinkommen

635

+10,5

+2,1

+1,2

-4,3

+6,3

+5,6

-0,3

Verfügbare Einkommen der privaten Haushalte

1 576

+2,9

+1,0

+0,7

+0,6

+3,9

+3,4

+3,4

Bruttolöhne u. -gehälter

1.027

+2,7

+0,9

+1,9

+1,7

+3,2

+4,7

+5,5

Sparen der privaten Haushalte

181

+4,5

+0,4

+0,5

+0,6

+4,3

-0,4

+0,9

Außenhandel / Umsätze / Produktion / Auftragseingänge

2010

Veränderung in % gegenüber

Mrd.
bzw. Index

ggü.Vorj.
 in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

Jun 11 Jul 11 Zweimonats-durchschnitt Jun 11 Jul 11 Zweimonats-durchschnitt
in jeweiligen Preisen

 

 

 

 

 

 

 

 

Umsätze im Bauhauptgewerbe (Mrd. €)  82 -0,3 -8,0 . -2,0 -2,7 . +7,4
Außenhandel (Mrd. €)

Waren-Exporte

952 +18,5 -1,2 -1,8 -0,0 +3,1 +4,4 +3,7

Waren-Importe

797 +20,0 +0,3 -0,3 +2,0 +6,0 +9,9 +7,9
in konstanten Preisen von 2005
Produktion im Produzierenden Gewerbe (Index 2005 = 100)1 103,9 +10,2 -1,0 +4,0 +1,5 +6,6 +10,1 +8,3

Industrie 2

104,6 +11,6 -1,1 +4,5 +1,8 +7,8 +12,0 +9,9

Bauhauptgewerbe  

108,4 +0,2 -3,7 +3,2 -2,2 +3,4 +5,4 +4,4
Umsätze im Produzierenden Gewerbe1

Industrie (Index 2005 = 100) 2

102,7 +10,6 +0,2 +4,0 +1,6 +6,5 +11,1 +8,8

Inland 

99,0 +6,3 +0,4 +3,9 +2,0 +6,3 +11,0 +8,6

Ausland 

107,2 +15,7 -0,2 +4,0 +1,2 +6,6 +11,3 +8,9
Auftragseingang
(Index 2005 = 100)

Industrie 1 2

105,7 +21,3 +1,8 -2,8 +1,1 +9,4 +8,7 +9,1

Inland

102,7 +16,0 -10,1 +3,6 -3,9 +5,5 +9,3 +7,4

Ausland 

108,4 +25,9 +13,1 -7,4 +5,5 +12,6 +8,3 +10,5

Bauhauptgewerbe ³

96,7 +1,1 -6,4 . -3,7 +3,6 . +5,6
Umsätze im Handel
(Index  2005=100)

Einzelhandel
(ohne Kfz und mit Tankstellen)

97,2 +1,3 +4,0 +0,3 +3,2 -2,3 -1,8 -2,1

Handel mit Kfz

88,9 -4,9 -2,1 +3,3 -0,9 -5,6 +0,9 -2,5
Arbeitsmarkt

2010

Veränderung in Tsd. gegenüber

Personen Mio.

ggü. Vorj. in %

Vorperiode saisonbereinigt

Vorjahr  

Jun 11 Jul 11 Aug 11 Jun 11 Jul 11 Aug 11
Arbeitslose
(nationale Abgrenzung nach BA)
3,24 -5,2 -7 -10 -8 -255 -247 -238
Erwerbstätige, Inland 40,55 +0,5 +46 +19 . +544 +527 .
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte           27,71 +1,2 +49 . . +684 . .
Preisindizes
2005 = 100

2010

Veränderung in % gegenüber

ggü. Vorj. in %

Vorperiode

Vorjahr  

Index

Jun 11 Jul 11 Aug 11 Jun 11 Jul 11 Aug 11
Importpreise 108,3 +7,8 -0,6 +0,8 . +6,5 +7,5 .
Erzeugerpreise gewerbl. Produkte 109,7 +1,6 +0,1 +0,7 . +5,6 +5,8 .
Verbraucherpreise  108,2 +1,1 +0,1 +0,4 +0,0 +2,3 +2,4 +2,4
ifo-Geschäftsklima gewerbliche Wirtschaft

saisonbereinigte Salden

Jan 11 Feb 11 Mrz 11 Apr 11 Mai 11 Jun 11 Jul 11 Aug 11
Klima +20,0 +22,8 +21,9 +20,4 +20,4 +20,9 +17,9 +10,0
Geschäftslage +22,8 +28,1 +29,7 +29,6 +30,4 +34,0 +30,3 +24,2
Geschäftserwartungen +17,2 +17,5 +14,4 +11,5 +10,9 +8,6 +6,2 -3,4

BIP-Wachstum und ifo-Geschäftsklima
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Auch der Umsatz in der Industrie konnte im Juli gegenüber dem Vormonat gesteigert werden. Im Zweimonatsvergleich zeigt sich, dass die industrielle Umsatzentwicklung klar aufwärtsgerichtet ist. Dahinter steht sowohl eine Zunahme der Inlands- als auch der Auslandsumsätze. Insbesondere eine positive Entwicklung im Investitionsgüterbereich trug zu dem deutlichen Umsatzplus bei.

Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe war im Juli – nach drei monatlichen Anstiegen in Folge – erstmals wieder rückläufig. Dies war alleine auf ein verringertes ausländisches Bestellvolumen im Investitionsgüterbereich zurückzuführen. Da das Auftragsplus im Vormonat aufgrund eines überdurchschnittlichen Volumens an Großaufträgen hier besonders hoch ausgefallen war, dürfte der aktuelle Rückgang hauptsächlich als Gegeneffekt zu interpretieren sein. Dagegen nahmen die Auftragseingänge aus dem Inland im Juli deutlich zu. Der Dreimonatsvergleich zeigt über alle drei Gütergruppen hinweg einen deutlichen Aufwärtstrend des industriellen Bestellvolumens.

Mit Blick auf die Stimmungsindikatoren erweist sich der überaus günstige Einstieg der Industrie in das 3. Quartal in gewisser Weise als überraschend. So war die Beurteilung der Geschäftslage im Verarbeitenden Gewerbe laut ifo-Umfrage im Juli spürbar zurückhaltender ausgefallen als noch im Juni, und auch der Einkaufsmanagerindex hatte für den Quartalsauftakt auf ein ungünstigeres Produktionsergebnis hingedeutet. Im Rahmen dieser Umfrage wurde insbesondere auf ein spürbares Nachlassen der Auslandsnachfrage nach deutschen Industriegütern verwiesen. Auch vor dem Hintergrund der seit März 2011 anhaltenden Eintrübung der ifo-Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe erscheint eine Abschwächung der industriellen Dynamik für den weiteren Jahresverlauf damit weiterhin als wahrscheinlich. Angesichts der Aufwärtstendenz des industriellen Auftragseingangs insgesamt dürften vom Verarbeitenden Gewerbe in den Sommermonaten jedoch positive Wachstumsimpulse für die deutsche Wirtschaft ausgehen.

Die Bauproduktion wurde im Juli deutlich gesteigert, womit der Produktionsrückgang im Juni jedoch nicht vollständig kompensiert werden konnte. Damit zeigt die Bauproduktion im Zweimonatsvergleich weiterhin einen Abwärtstrend. Die vorlaufenden Indikatoren deuten für den weiteren Jahresverlauf auf eine verhaltene Entwicklung im Baubereich hin. So erwartet die Mehrzahl der vom ifo-Institut befragten Unternehmen eine ungünstigere Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten. Darauf deutet auch der leichte Rückgang der Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im 2. Quartal hin. Im Hochbau gingen im gleichen Zeitraum nur wenig mehr Baugenehmigungen ein als im 1. Vierteljahr. Stützend wirkte hierbei die Zunahme der Baugenehmigungen für nichtöffentliche Bauherren, während Baugenehmigungen für öffentliche Bauherren einen deutlichen Rückgang verzeichneten und jene für den Wohnungsbau nahezu stagnierten.

Der private Konsum dürfte sich – nach Rückgang im 2. Quartal – wieder etwas erholen. Dafür spricht eine Reihe von Indizien. So stabilisierten sich die saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz-Handel) zu Beginn des 3. Quartals. Zusammen mit dem Umsatzanstieg im Juni zeigt sich im Zweimonatsdurchschnitt ein Aufwärtstrend. Auch die Umsätze im Kfz-Handel stiegen im Juli gegenüber dem Vormonat spürbar an, nachdem diese im 2. Quartal die Umsatzentwicklung im Einzelhandel insgesamt deutlich gebremst hatten. Die Stimmungsindikatoren zeigen ein eher gemischtes Bild. So verbuchte der GfK-Indikator Konsumklima im August nur einen leichten Rückgang und befindet sich weiterhin auf einem erhöhten Niveau. Hierzu dürften auch Einkommensverbesserungen beigetragen haben, die sich sowohl aus dem anhaltenden Beschäftigungsaufbau als auch aus einem Anstieg der nominalen Nettolöhne und -gehälter im 1. Halbjahr von rund 2 % (kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem 2. Halbjahr 2010) ergaben. Die erneute Zunahme der Anschaffungsneigung im August sowie die Abnahme der Sparneigung deuten aktuell auf eine rege Kaufbereitschaft der privaten Haushalte hin. Dies bestätigen auch die von Markit befragten 400 Einzelhandelsunternehmen, die für August deutlich bessere Geschäftsumsätze als im Vormonat erwarten. Dagegen hat sich die Stimmung der Einzelhändler laut Umfrage des ifo-Instituts im August spürbar verschlechtert. Die Einschätzungen zur Lage fielen den dritten Monat in Folge zurückhaltender aus als noch im Vormonat. Die Aussichten für die nächsten sechs Monate wurden von der Mehrzahl der befragten Einzelhändler schlechter beurteilt als noch im Juli.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich zuletzt weiter verbessert. So ist die Zahl registrierter Arbeitsloser im August 2011 im Vergleich zum Vorjahr erneut gesunken. Mit 2,94 Millionen registrierten Personen ohne Arbeit wurde das Vorjahresniveau um 238 000 Personen unterschritten. Die entsprechende Arbeitslosenquote lag bei 7,0 % und ging damit um 0,6 Prozentpunkte gegenüber August 2010 zurück. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl verringerte sich im August leicht gegenüber dem Vormonat (- 8 000 Personen). Der Rückgang fiel damit – wie bereits in den drei Monaten zuvor –wesentlich geringer aus als zu Beginn dieses Jahres.

Die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) stieg im Juli um 19 000 Personen gegenüber dem Vormonat an. Im 1. Halbjahr war noch ein monatsdurchschnittlicher Anstieg um 52 000 Personen zu verzeichnen gewesen. Die Erwerbstätigenzahl nach Ursprungswerten lag im Juli bei 41,1 Millionen Personen und überschritt damit den Vorjahresstand um rund eine halbe Millionen Personen. Die Zunahme der Erwerbstätigkeit und die damit einhergehenden Einkommensverbesserungen schlagen sich zugleich in einem höheren Lohnsteueraufkommen nieder. So sind die Einnahmen aus der Lohnsteuer brutto, d. h. vor Abzug des aus dem Lohnsteueraufkommen zu leistenden Kindergelds und der Riester-Zulagen, im August um 6,2 % gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Im Zeitraum Januar bis August belief sich das Plus gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum auf 7,1 %.

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahm im Juni 2011 gegenüber dem Vormonat – nach Hochrechnung der Bundesagentur für Arbeit (BA) – saisonbereinigt um 49 000 Personen zu. Nach Ursprungswerten waren 684 000 Personen mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt als vor einem Jahr. Mehr als die Hälfte davon sind Vollzeitbeschäftigte. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete mit einer Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse um 140 000 das größte Plus gegenüber dem Vorjahr. Aber auch im Bereich der Arbeitnehmerüberlassungen waren deutlich mehr Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt als im Juni 2010 (+ 116 000 Personen). Beschäftigungsverluste gab es hingegen insbesondere bei sonstigen Dienstleistungen und in der öffentlichen Verwaltung.

Die Arbeitskräftenachfrage ist weiterhin sehr hoch. Dies zeigt der umfassende Stellenindex BA-X, der im August ein neues Allzeithoch erreichte, nachdem er im Vormonat leicht zurückgegangen war. Auch die Einkaufsmanager und die vom ifo-Institut befragten Unternehmen gaben an, weiterhin ihr Personal aufstocken zu wollen, jedoch nicht mehr so umfangreich wie bisher.

Der Verbraucherpreisindex für Deutschland lag im August 2,4 % über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Damit war die Jahresteuerungsrate genauso hoch wie im Juli. Der Preisniveauanstieg war wie zuvor auch maßgeblich auf die Verteuerung von Energieprodukten zurückzuführen (+ 9,9 % gegenüber dem Vorjahr). Neben Mineralölerzeugnissen war auch Haushaltsenergie deutlich teuerer als vor einem Jahr. Ohne Berücksichtigung von Energie betrug die Inflationsrate im August nur 1,4 %. Hierin enthalten ist eine Erhöhung des Preisniveaus von Nahrungsmitteln um 2,5 % gegenüber dem Vorjahr. Preise für Waren mit mittlerer Lebensdauer überschritten das Vorjahresniveau um 1,4 %, während die Preisentwicklung für langlebige Gebrauchsgüter stabil blieb.

Die derzeitige Verringerung des weltwirtschaftlichen Expansionstempos lässt eine leichte Abschwächung des Preisdrucks bei den Energie- und Rohölpreisen erwarten. Damit könnte im weiteren Jahresverlauf mit einer allmählichen Entspannung des Preisklimas zu rechnen sein. So geht auch die Europäische Zentralbank in ihrem jüngsten wirtschaftlichen Ausblick von einem nachlassenden Preisdruck im Euroraum aus. Auf nationaler Ebene zeigt die aktuelle GfK-Umfrage, dass die privaten Haushalte in Deutschland von einer Verringerung des Preisanstiegs auf der Verbraucherstufe ausgehen. So waren die Preiserwartungen im August den dritten Monat in Folge rückläufig.

Allerdings ist der Preisniveauanstieg auf den vorgelagerten Produktionsstufen weiterhin sehr ausgeprägt. So überschritten die Importpreise im Juli das Vorjahresniveau um 7,5 %. Dabei war importierte Energie 28,2 % teurer als vor einem Jahr. Insbesondere die Importpreise für Rohöl und Erdgas überschritten das Vorjahresniveau spürbar. Ohne Energie gerechnet, lag der Preisanstieg bei 3,3 %. Der Import von Nicht-Eisen-Metallerzen verteuerte sich binnen Jahresfrist um 19,9 %. Bei chemischen Erzeugnissen stiegen vor allem die Preise für Düngemittel spürbar an (+ 37,4 %). Im Nahrungsmittelsektor lagen insbesondere die Importpreise für Getreide und Rohkaffee spürbar über ihrem entsprechenden Vorjahresniveau.

Der Index der Erzeugerpreise erhöhte sich im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 %. Dabei wurde die Jahresteuerungsrate wiederum gut zur Hälfte von Preisniveausteigerungen für Energieprodukte bestimmt (+ 10,6 %). Ohne die Berücksichtigung von Energie erhöhte sich das Erzeugerpreisniveau im Vorjahresvergleich um 3,8 %. Darüber hinaus stiegen Erzeugerpreise für Vorleistungsgüter – insbesondere für Metalle – deutlich an. Auch Verbrauchsgüter wie Nahrungsmittel (+ 6,4 %) waren teurer als vor einem Jahr.