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21.11.2011

Monatsbericht

Kon­junk­tur­ent­wick­lung aus fi­nanz­po­li­ti­scher Sicht

  • Die deutsche Wirtschaft ist in den Sommermonaten dieses Jahres spürbar gewachsen.
  • Das aktuelle Indikatorenbild deutet allerdings auf eine merklich ruhigere konjunkturelle Gangart zum Jahresende hin.
  • Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat sich insgesamt auch im Herbst fortgesetzt.
  • Der Anstieg des Verbraucherpreisniveaus fiel im Oktober wieder etwas niedriger aus als noch im Vormonat.

Die deutsche Wirtschaft ist in den Sommermonaten dieses Jahres spürbar gewachsen. Laut Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in preis-, saison- und kalenderbereinigter Betrachtung im 3. Quartal um 0,5 % gegenüber dem Vorquartal an. Die Wachstumsbeschleunigung wurde nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wohl ausschließlich von der Binnennachfrage getragen. So dürfte der private Konsum voraussichtlich deutlich zum BIP-Anstieg beigetragen haben, nachdem er im 2. Vierteljahr eher zur Schwäche neigte. Auch die Ausrüstungsinvestitionen expandierten deutlich. Dagegen nahmen die Bauinvestitionen leicht ab; dies ist jedoch auch teilweise wohl als Gegenreaktion auf die sehr starke Aktivität im 1. Quartal zu bewerten. Nach Einschätzungen des Statistischen Bundesamtes war der Außenhandel weiterhin expansiv: Da die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen aber in etwa gleich stark anstiegen, trugen die Nettoexporte (preis, saison- und kalenderbereinigt) rein rechnerisch kaum zum Wirtschaftswachstum im 3. Quartal 2011 bei. Das Statistische Bundesamt hat zugleich seine vorläufigen Ergebnisse für die vorangegangenen Quartale überprüft. Die Neuberechnung ergibt, dass der kalender-, saison- und preisbereinigte BIP-Anstieg im 2. Vierteljahr mit 0,3 % nun etwas höher liegt, als er noch im September veröffentlicht wurde (+ 0,1 %). Die Detailergebnisse zur Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftsbereichen werden am 24. November 2011 veröffentlicht.

Das aktuelle Indikatorenbild deutet darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft zum Jahresende wahrscheinlich eine merklich ruhigere Gangart einlegen wird. So ist die Mehrzahl der Stimmungsindikatoren seit einigen Monaten deutlich abwärtsgerichtet. Zwar erweist sich das Verbrauchervertrauen vor dem Hintergrund einer weiterhin günstigen Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt als erfreulich robust. Dagegen beurteilen die Unternehmen angesichts einer nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik sowie der anhaltenden Wachstumsschwäche im Euroraum inzwischen vor allem die Perspektiven für ihr Exportgeschäft deutlich weniger optimistisch als noch zur Jahresmitte. Vor dem Hintergrund einer Eintrübung des Indikatorenbildes geht die Bundesregierung in ihrer Herbstprojektion nur von einer moderaten gesamtwirtschaftlichen Aktivität im bevorstehenden Winterhalbjahr aus. Die deutsche Wirtschaft dürfte im Verlauf des kommenden Jahres jedoch wieder an Schwung gewinnen. Diese Einschätzung wird auch von den Wirtschaftsforschungsinstituten in ihrer jüngsten Gemeinschaftsdiagnose sowie auch vom Sachverständigenrat vertreten. Aufgrund des verhaltenen Einstiegs der deutschen Wirtschaft in das Jahr 2012 wird der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in jahresdurchschnittlicher Betrachtung mit real 1,0 % jedoch spürbar niedriger ausfallen als noch in diesem Jahr (+ 2,9 %).

Nach dem bereits kräftigen Anstieg im August haben die Warenausfuhren zum Ende des 3. Quartals ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. So stiegen die nominalen Warenexporte im September gegenüber dem Vormonat leicht an. Damit war im 3. Quartal insgesamt ein deutlicher Exportanstieg zu verzeichnen. Kumuliert über den Zeitraum Januar bis September 2011 lag das nominale Ausfuhrergebnis deutlich über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Dabei war der Anstieg der Warenexporte in den Nicht-Euroraum der Europäischen Union (+ 15,4 %) leicht höher als jener der Ausfuhren in Drittländer (+ 14,8 %) und in den Euroraum (+ 11,4 %).

Nachdem in den Sommermonaten somit noch spürbar positive Impulse von der Exporttätigkeit ausgegangen sind, hat sich das Exportgeschäft im weiteren Jahresverlauf bisher eher moderat entwickelt. Zwar hat sich der Welthandelsindikator des niederländischen Centraal Planbureau (CPB-Institut) am aktuellen Rand leicht verbessert. Und auch die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe waren mit Blick auf ihre Exportgeschäfte laut der jüngsten ifo-Umfrage zuletzt wieder etwas optimistischer, jedoch deutlich weniger zuversichtlich als noch zur Jahresmitte. Zudem hat das weltwirtschaftliche Expansionstempo im Vergleich zu Jahresbeginn spürbar nachgelassen. Auch die zuletzt wieder schwächere Auslandsnachfrage nach deutschen Industrieprodukten, die allerdings sehr volatil ist und durch starke Schwankungen bei Großaufträgen geprägt ist, dürfte sich im weiteren Verlauf in den Außenhandelszahlen niederschlagen.

Die nominalen Warenimporte waren im September zwar leicht rückläufig. Insgesamt wurden die nominalen Wareneinfuhren im 3. Quartal jedoch gegenüber dem Vorquartal deutlich ausgeweitet. Auch im Vorjahresvergleich überschritten die Einfuhren in den Monaten Januar bis September des Jahres 2011 das entsprechende Vorjahresniveau. Dabei fiel die Steigerung der Importe aus dem Nicht-Euroraum der Europäischen Union (+ 17,9 %) etwas höher aus als jene der Einfuhren aus den anderen Regionen (Euroraum: + 15,2 %, Drittländer: + 14,2 %). Die gestiegene Nachfrage nach Importgütern aus Drittländern zeigt sich auch in dem deutlich gestiegenen Aufkommen der Einfuhrumsatzsteuer. So stiegen die Einnahmen der Einfuhrumsatzsteuer von Januar bis Oktober dieses Jahres um 19,7 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum an.

Nach dem kräftigen Produktionsanstieg zum Beginn des 3. Quartals hat sich die industrielle Aktivität am aktuellen Rand nun spürbar abgeschwächt. So sank die Industrieproduktion im September gegenüber dem Vormonat mit einem Rückgang um (saisonbereinigt) 3 % sehr deutlich. Dabei wurde sowohl die Produktion im Investitionsgüter- als auch im Vorleistungsgüterbereich gegenüber August spürbar eingeschränkt. Insgesamt konnte die Industrieproduktion im Vorquartalsvergleich jedoch noch spürbar gesteigert werden. Somit dürfte die gesamtwirtschaftliche Aktivität im Sommer dieses Jahres noch maßgeblich von der industriellen Erzeugung getragen worden sein.

Finanzpolitisch wichtige Wirtschaftsdaten
Gesamtwirtschaft / Einkommen2010Veränderung in % gegenüber
Mrd. €
bzw. Index
ggü.  Vorj. in %Vorperiode saisonbereinigtVorjahr  
1.Q.112.Q.113.Q.111.Q.112.Q.113.Q.11
Bruttoinlandsprodukt        

Vorjahrespreisbasis (verkettet)

 

106,5

+3,7+1,3+0,3+0,5+5,0+3,0+2,5

jeweilige Preise

2 477+4,3+1,4+0,7+0,8+5,3+3,9+3,5
Einkommen1

Volkseinkommen

1 898+5,1+1,5-0,4.+4,8+3,4.

Arbeitnehmerentgelte

1 263+2,5+1,7+1,5.+4,3+5,1.

Unternehmens- und Vermögenseinkommen

635+10,5+1,2-4,3.+5,6-0,3.

Verfügbare Einkommen der privaten Haushalte

1 576+2,9+0,7+0,6.+3,4+3,4.

Bruttolöhne u. -gehälter

1.027+2,7+1,9+1,7.+4,7+5,5.

Sparen der privaten Haushalte

181+4,5+0,5+0,6.-0,4+0,9.

Außenhandel / Umsätze / Produktion / Auftragseingänge

2010Veränderung in % gegenüber
Mrd. €
bzw. Index
ggü.Vorj.
 in %
Vorperiode saisonbereinigtVorjahr2
Aug 11Sep 11Zweimonats-durchschnittAug 11Sep 11Zweimonats-durchschnitt
in jeweiligen Preisen        
Umsätze im Bauhauptgewerbe (Mrd. €) 82-4,0-0,5.-5,7+8,2.+2,4
Außenhandel (Mrd. €)

Waren-Exporte

952+18,5+3,2+0,9+2,2+14,6+10,5+10,1

Waren-Importe

797+19,9-0,1-0,8+1,1+13,2+11,6+11,6
in konstanten Preisen von 2005
Produktion im Produzierenden Gewerbe (Index 2005 = 100)103,9+10,2-0,4-2,7+1,7+8,4+5,4+8,0

Industrie 3

104,6+11,6-0,4-3,0+2,0+9,8+6,4+9,4

Bauhauptgewerbe  

108,4+0,2-1,7-0,8-0,1+4,8+4,0+4,9
Umsätze im Produzierenden Gewerbe

Industrie (Index 2005 = 100) 3

102,7+10,6-0,4-2,5+2,4+8,8+6,9+8,8

Inland 

99,0+6,3-1,8-1,6+2,0+8,5+7,4+8,9

Ausland 

107,2+15,7+1,4-3,7+2,9+9,1+6,2+8,7
Auftragseingang
(Index 2005 = 100)

Industrie 3

105,8+21,2-1,4-4,3-3,6+4,0+2,4+5,1

Inland

102,7+16,0-3,2-3,0-3,3+6,5+3,5+6,5

Ausland 

108,4+25,9+0,3-5,4-3,8+2,0+1,4+3,9

Bauhauptgewerbe

95,6-6,9-6,8.-3,2+2,1.+4,6
Umsätze im Handel
(Index  2005=100)

Einzelhandel
(ohne Kfz und mit Tankstellen)

97,3+1,4-0,7+0,3+0,9+3,3+0,6+0,6

Handel mit Kfz

89,0-4,8-0,1-0,9+0,8+6,2+1,3+2,7
Arbeitsmarkt2010Veränderung in Tsd. gegenüber
Personen Mio.ggü. Vorj. in %Vorperiode saisonbereinigtVorjahr  
Aug 11Sep 11Okt 11Aug 11Sep 11Okt 11
Arbeitslose (nationale Abgrenzung nach BA)3,24-5,2-7-22+10-238-231-204
Erwerbstätige, Inland40,55+0,5+21+18.+489+485.
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte          27,71+1,2+50..+671..
Preisindizes
2005 = 100
2010Veränderung in % gegenüber
ggü. Vorj. in %VorperiodeVorjahr  
IndexAug 11Sep 11'Okt 11Aug 11Sep 11Okt 11
Importpreise108,3+7,8-0,7+0,6.+6,6+6,9.
Erzeugerpreise gewerbl. Produkte109,7+1,6-0,3+0,3.+5,5+5,5.
Verbraucherpreise 108,2+1,1+0,0+0,1+0,0+2,4+2,6+2,5
ifo-Geschäftsklima gewerbliche Wirtschaftsaisonbereinigte Salden
Mrz 11Apr11Mai 11Jun 11Jul 11Aug 11Sep 11Okt 11
Klima+21,9+20,3+20,3+20,8+17,8+9,8+7,4+5,4
Geschäftslage+29,6+29,5+30,3+33,8+30,2+24,0+23,7+21,4
Geschäftserwartungen+14,4+11,4+10,7+8,5+6,0-3,6-7,6-9,4
1 Rechenstand August 2011.
2 Produktion arbeitstäglich, Umsatz, Auftragseingang Industrie kalenderbereinigt, Auftragseingang Bau saisonbereingt.
3 Ohne Energie.
Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, ifo-Institut.

BIP-Wachstum und ifo-Geschäftsklima
Quelle:  Bundesministerium der Finanzen

Auch der Umsatz in der Industrie ging im September deutlich zurück. Dabei fiel das Minus der Auslandsumsätze etwas stärker aus als das der Inlandsumsätze. Im Vergleich zum Vorquartal konnte der industrielle Umsatz dennoch spürbar ausgeweitet werden.

Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe war im September gegenüber dem Vormonat nunmehr den dritten Monat in Folge rückläufig. Dies war sowohl auf einen Rückgang des inländischen als auch des ausländischen Bestellvolumens zurückzuführen. Insbesondere das Auftragsminus aus dem Euroraum war im September wesentlich stärker als aus dem Nicht-Euroraum. Zudem fiel das Gesamtvolumen an Großaufträgen im September unterdurchschnittlich aus. Im Vorquartalsvergleich ergibt sich für den industriellen Auftragseingang inzwischen ein deutliches Minus.

Der Rückgang der industriellen Fertigung steht qualitativ im Einklang mit dem Abwärtstrend der Stimmungsindikatoren. So lag der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe zuletzt das erste Mal seit zwei Jahren wieder unterhalb der Expansionsschwelle und deutet somit am aktuellen Rand auf einen leichten Produktionsrückgang hin. Auch der achte Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe signalisiert eine Abschwächung der industriellen Dynamik im Schlussquartal. Der laut ifo-, Markit- und DIHK-Umfrage geplante Personalaufbau in der Industrie zeigt jedoch, dass die Unternehmen nur mit einer vorübergehenden Nachfrageschwäche zu rechnen scheinen.

Auch die Produktion im Bauhauptgewerbe hat sich im September gegenüber dem Vormonat abgeschwächt. Im Vorquartalsvergleich ist die Bauproduktion nahezu seitwärtsgerichtet. Der Abwärtstrend des ifo-Geschäftsklimaindex für das Bauhauptgewerbe sowie der jüngste Rückgang der Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe deuten darauf hin, dass von der Bauwirtschaft vorerst keine spürbaren Wachstumsimpulse zu erwarten sein dürften.

Der Anstieg der Privaten Konsumausgaben im 3. Quartal zeigt, dass sich die Konsumkonjunktur in Deutschland wieder gefestigt hat. Darauf deuten auch das im Vorquartalsvergleich zu verzeichnende Umsatzplus im Einzelhandel (mit und ohne Kfz) sowie die am aktuellen Rand sich aufhellende Verbraucherstimmung hin. Zwar war die Geschäftslage im Einzelhandel im Oktober laut ifo-Umfrage etwas weniger positiv als noch im September. Die Einzelhändler beurteilten ihre Geschäftserwartungen zuletzt jedoch etwas weniger pessimistisch als noch in den vergangenen zwei Monaten. Zudem weist der prognostizierte Anstieg des GfK-Konsumklimas für November darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der privaten Haushalte zum Jahresende wieder steigen dürfte. Dieses spiegelt sich vor allem in dem jüngsten Anstieg der Einkommenserwartungen und der Anschaffungsneigung wider, der auch auf die weiterhin günstige Lage auf dem Arbeitsmarkt zurückzuführen sein dürfte.

So betrug die Zahl der registrierten Arbeitslosen nach Ursprungszahlen im Oktober 2,74 Millionen Personen und unterschritt den Vorjahresstand um 204 000 Personen. Die entsprechende Arbeitslosenquote verringerte sich somit um 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und lag bei 6,5 %. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl stieg zwar am aktuellen Rand erstmals seit Februar 2010 leicht an. Dies dürfte laut Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) jedoch auch teilweise darauf zurückzuführen sein, dass sich die saisonale Herbstbelebung in diesem Jahr vor allem auf den September konzentriert hat.

Die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen nach dem Inlandskonzept stieg im September um 18 000 Personen gegenüber dem Vormonat an (August: + 21 000 Personen). Die Erwerbstätigenzahl nach Ursprungswerten erreichte ein Niveau von 41,4 Millionen Personen und überschritt den Vorjahresstand somit um 485 000 Personen. Der Beschäftigungsaufbau spiegelt sich auch in einem spürbaren Anstieg der Einnahmen aus der Lohnsteuer wider. So erhöhten sich im Oktober die Einnahmen aus der Lohnsteuer vor Abzug des aus dem Lohnsteueraufkommen zu leistenden Kindergeldes um 7,0 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Nach Hochrechnung der BA stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im August in saisonbereinigter Betrachtung gegenüber dem Vormonat weiter spürbar an (+ 50 000 Personen). Im Vorjahresvergleich (nach Ursprungswerten) gab es einen Zuwachs von 671 000 Personen. Nach Wirtschaftszweigen betrachtet, verzeichnete das Verarbeitende Gewerbe den größten Zuwachs an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr. Einen Beschäftigungsrückgang gab es dagegen insbesondere bei sonstigen Dienstleistungen sowie im Bereich Erziehung und Unterricht. Im August 2011 wurde insgesamt an 56 000 Personen konjunkturell bedingtes Kurzarbeitergeld gezahlt. Dies waren 15 000 Personen weniger als noch im Juli und 163 000 Personen weniger als im Vorjahr.

Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hat sich somit im 3. Quartal fortgesetzt. Allerdings hat sich die Dynamik am aktuellen Rand etwas abgeschwächt. Das hohe Niveau des Indikators für die Arbeitskräftenachfrage (BA-X) sowie die jüngsten Umfragedaten (ifo-, DIHK-, Markit-Umfrage) deuten zwar weiterhin auf eine anhaltende Beschäftigungsexpansion in mehreren Wirtschaftsbereichen hin; das Tempo dürfte sich jedoch merklich verringern. Damit dürfte vor dem Hintergrund einer nachlassenden konjunkturellen Dynamik zum Jahresende mit abnehmenden Impulsen für den Arbeitsmarkt zu rechnen sein.

Insgesamt ist der Aufschwung viel beschäftigungsintensiver als in früheren Phasen einer gesamtwirtschaftlichen Expansion. Dazu hat vor allem die größere Arbeitsmarktflexibilität beigetragen.

Die jährliche Teuerungsrate auf der Verbraucherstufe fiel im Oktober mit + 2,5 % wieder etwas niedriger aus als noch im Vormonat. Dennoch liegt sie bereits seit Februar dieses Jahres oberhalb der Zweiprozentmarke. Der Preisniveauanstieg gegenüber dem Vorjahr war im Oktober hauptsächlich auf deutliche Preiserhöhungen bei Haushaltsenergie (Heizöl, Gas) und Kraftstoffen zurückzuführen. Ohne die Berücksichtigung der Preisniveauentwicklung von Energieprodukten hätte die Inflationsrate im Oktober bei nur 1,4 % gelegen. Dies macht deutlich, dass die durch binnenwirtschaftliche Einflussfaktoren determinierte Preisniveauentwicklung in ruhigen Bahnen verläuft.

Auch auf den vorgelagerten Produktionsstufen ist der Preisauftrieb im Vorjahresvergleich weiterhin ausgeprägt. So lag der Index der Erzeugerpreise im September 2011 um 5,5 % über dem Vorjahresniveau. Dabei waren die Preise für Energie um 11,1 % höher als vor einem Jahr. Auch die Preise für Mineralölerzeugnisse (+ 18,3 %), Erdgas (+ 15,1 %) sowie leichtes Heizöl (+ 24,8 %) stiegen binnen Jahresfrist deutlich an. Die Erzeugerpreise für Strom lagen ebenfalls spürbar über dem Vorjahresniveau. Ohne die Berücksichtigung von Energie erhöhte sich das Erzeugerpreisniveau um 3,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Zugleich stieg der Index der Einfuhrpreise gegenüber September 2010 um 6,9 % an. Das Vormonatsniveau wurde somit um 0,6 % überschritten. Dabei war importierte Energie wesentlich teurer als vor einem Jahr (z. B. Rohöl: + 35,1 %). Im Zuge einer Abschwächung des weltwirtschaftlichen Expansionstempos dürfte der Preisdruck entlang der Produktionskette im weiteren Verlauf jedoch nachlassen. Darauf deutet auch die Umfrage unter Einkaufsmanagern im Verarbeitenden Gewerbe hin, die zuletzt bereits einen abnehmenden Kostendruck in den Unternehmen signalisierte.

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