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21.06.2012

Edi­to­ri­al

Porträtfoto von Staatssekretär Dr. Thomas Steffen
Quelle:  BMF

Liebe Leserinnen und Leser,

die Bewältigung der europäischen Schuldenkrise beherrscht seit Monaten die Schlagzeilen. Im Fokus der Öffentlichkeit stehen dabei zumeist die akuten Problemlagen in den betroffenen Schuldenländern und weniger die Frage danach, wie mittel- und langfristig mehr Stabilität in der Wirtschafts- und Währungsunion zu erreichen ist.

Wer sich aber mit diesem Thema beschäftigt, kommt an einer Herausforderung nicht vorbei: dem demografischen Wandel. Eine in der Tendenz älter und zahlenmäßig kleiner werdende Bevölkerung wird die Wachstumsmöglichkeiten in der Europäischen Union in Zukunft stark beeinflussen. Dies wirkt sich auch auf die öffentlichen Finanzen aus. Das ist keine neue, aber eine wichtige Erkenntnis, die bei allen Richtungsentscheidungen sowohl auf europäischer Ebene als auch in den einzelnen Mitgliedstaaten bedacht werden muss. In der Entwicklung des Fiskalvertrags und der Europa-2020-Strategie ist dies bereits geschehen. Um die Öffentlichkeit verstärkt auf die Herausforderungen des demografischen Wandels aufmerksam zu machen, hat die Europäische Kommission das Jahr 2012 zum „Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“ ausgerufen.

Die Bundesregierung widmet den demografischen Veränderungen in unserem Land besondere Aufmerksamkeit. Im Oktober vergangenen Jahres hat sie einen ausführlichen Demografiebericht vorgelegt, der die Lage in Deutschland beschreibt. Darauf aufbauend wurde ressortübergreifend eine Demografiestrategie entwickelt, die vor kurzem vorgestellt wurde. Unter dem Titel „Jedes Alter zählt“ zeigt die Bundesregierung wesentliche Handlungsfelder auf, die sie angesichts des demografischen Wandels für besonders bedeutsam hält. Ein zentrales Thema ist dabei die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen als Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit des Staates. Ohne solide Finanzen ist kein Staat zu machen – das ist eine der Botschaften der Demografiestrategie. Eine weitere, ebenso wichtige Botschaft lautet: Der demografische Wandel ist kein Schreckensszenario. Er ist gestaltbar, wenn sich alle staatlichen Ebenen ebenso wie die Wirtschaft, die Zivilgesellschaft und jeder Einzelne rechtzeitig und aktiv auf notwendige Veränderungen einstellen. Dann wird der demografische Wandel zur Chance und kann auch wünschenswerte Veränderungsprozesse in unserer Gesellschaft verstärken.

Unterschrift von Dr. Thomas Steffen

Dr. Thomas Steffen
Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen

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