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21.06.2012

Steuern

Die wich­tigs­ten Steu­ern im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich

Kurzfassung der Broschüre "Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich 2011"

  • Die deutsche Abgabenquote - d. h. die Belastung durch Steuern und Beiträgen zur Sozialversicherung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt - ist im Jahr 2010 auf 36,3 % leicht gesunken. Im internationalen Vergleich befindet sie sich damit im Mittelfeld.

  • Durch die Absenkung des deutschen Körperschaftsteuersatzes im Rahmen der Unternehmensteuerreform 2008 ist Deutschland international deutlich wettbewerbsfähiger.

1 Einleitung

Der folgende Beitrag stellt einige Vergleiche zur internationalen Besteuerung an. Diese erstrecken sich grundsätzlich auf alle EU-Staaten und einige andere ausgewählte Industriestaaten (die USA, Kanada, Japan, die Schweiz und Norwegen). Sie beschreiben den Rechtsstand zum Ende des Jahres 2011 und enthalten dem Stichtagsprinzip folgend keine Maßnahmen, die bisher lediglich angekündigt oder beschlossen wurden, sich jedoch erst ab 2012 auswirken werden.

2 Gesamtwirtschaftliche Kennzahlen

Um die nationale Belastung durch (in einer Volkswirtschaft gezahlte) Steuern festzustellen, werden sogenannte Steuerquoten ermittelt. Die Aussagekraft dieser Steuerquoten ist aber begrenzt, weil die in den Vergleich einbezogenen Staaten ihre staatlichen Sozialversicherungssysteme in unterschiedlichem Ausmaß über eigenständige Beiträge (die nicht in der Steuerquote enthalten sind) oder aus allgemeinen Haushaltsmitteln – und damit über entsprechend hohe Steuern – finanzieren. Erst die Abgabenquote, die die Belastung durch Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung in Relation zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt darstellt, macht die Belastung mit Steuern und Abgaben international vergleichbar.

Abbildung 1 zeigt, dass insbesondere in den skandinavischen Staaten, aber auch in Belgien, Frankreich, Italien und Österreich die Abgabenquote vergleichsweise hoch ist (> 40 %), während die USA, Irland, die Slowakei und die Schweiz relativ niedrige Abgabenquoten aufweisen (< 30 %). Die deutsche Abgabenquote ist im Vergleich zum Vorjahr (37,0 %) leicht auf 36,3 % gesunken. Die niedrigste Abgabenquote haben wie bereits im vergangenen Jahr mit 24,8 % die USA, die höchste Abgabenquote findet sich ebenfalls unverändert zum Vorjahr mit 48,2 % in Dänemark. Die deutsche Steuerquote ist im Vergleich zum Vorjahr leicht von 22,6 % auf 22,1 % gesunken. Auch hier rahmen die USA im unteren und Dänemark am oberen Rand das Feld der Vergleichsstaaten ein. Es sei darauf hingewiesen, dass hohe Abgabenquoten meist gut ausgebaute Sozial- und Altersversicherungssysteme finanzieren.

Abbildung 1: Steuer- und Abgabenquoten 2010 in Prozent

3 Steuerliche Belastung des Gewinns von Kapitalgesellschaften

Die nominale Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften lässt sich leicht anhand der Steuergesetze feststellen. Ihr kann eine bedeutende Signalfunktion bei der internationalen Verteilung von Buchgewinnen und Verlusten zugesprochen werden. Die tatsächliche oder auch effektive Steuerbelastung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Steuerbemessungsgrundlage und Steuersatz. Im Folgenden werden die Steuersätze und Eckpunkte der Bemessungsgrundlagen verglichen.

3.1 Körperschaftsteuertarife

Um Doppelbelastungen ausgeschütteter Gesellschaftsgewinne durch die Körperschaftsteuer der Gesellschaft und die Einkommensteuer des Anteilseigners zu verhindern oder zumindest abzumildern, haben inzwischen fast alle Staaten Systeme zur Entlastung der Dividenden beim Anteilseigner eingeführt. Von den europäischen Staaten sehen Irland und die Schweiz keine Entlastung ausgeschütteter Gewinne auf der Ebene des Anteilseigners vor (klassische Systeme ohne Tarifermäßigung). Diese Staaten haben aber als Ausgleich nach wie vor vergleichsweise niedrige allgemeine Körperschaftsteuertarife. Drei Staaten besteuern die Gewinne nur bei der Gesellschaft, sodass Dividenden beim Anteilseigner steuerfrei bleiben (Estland, die Slowakei und Zypern). Zum gleichen wirtschaftlichen Ergebnis kommt auch Malta, indem die Körperschaftsteuer auf ausgeschüttete Gewinne dem Einkommensteuersatz auf Dividenden entspricht und voll auf die Einkommensteuer angerechnet wird (sogenanntes Vollanrechnungsverfahren).

Im Vergleich zum Vorjahr blieben die (nominalen) Körperschaftsteuersätze weitgehend unverändert. Abbildung 2 zeigt die geltenden Körperschaftsteuersätze (ohne Steuern nachgeordneter Gebietskörperschaften). Seit der Absenkung des deutschen Körperschaftsteuersatzes im Rahmen der Unternehmensteuerreform 2008 auf 15 % ist die Stellung Deutschlands im internationalen Vergleich deutlich wettbewerbsfähiger.

Abbildung 2: Körperschaftsteuersätze 2011 - Standardsätze in Prozent

Über die Körperschaftsteuer hinaus erheben in mehreren Staaten die Unterverbände (Einzelstaaten, Provinzen, Regionen, Gemeinden usw.) eigene Körperschaftsteuern oder ihnen ähnliche Steuern, wie in Deutschland und Luxemburg die Gewerbesteuer. Hinzu kommen vielfach Zuschläge und Ähnliches des Zentralstaats und/oder der Gebietskörperschaften. Die Höhe all dieser die Kapitalgesellschaften belastenden Unternehmensteuern, die vom Gewinn als Bemessungsgrundlage ausgehen, sind in Abbildung 3 dargestellt. Zu beachten ist, dass die von lokalen Gebietskörperschaften erhobenen Steuern von der Steuerbemessungsgrundlage der übergeordneten Gebietskörperschaften in manchen Staaten abzugsfähig sind (z. B. in der Schweiz und den USA). Die Gesamtsteuerbelastung auf Unternehmensebene ergibt sich dann nicht als einfache Addition der nominalen Steuersätze der einzelnen Steuern. Bis 2008 minderte die Gewerbesteuer auch in Deutschland als Betriebsausgabe die Bemessungsgrundlage. Um die Transparenz der Besteuerung zu erhöhen (additive Steuerbelastungsermittlung) und die Finanzströme der unterschiedlichen öffentlichen Gebietskörperschaftsebenen zu entflechten, ist die Gewerbesteuer nicht mehr als Betriebsausgabe abziehbar. Die steuertarifliche Gesamtbelastung von Kapitalgesellschaften reicht von 10 % in Bulgarien und Zypern bis fast 40 % in den USA. Deutschland bleibt knapp unter der im internationalen Vergleich wichtigen Marke von 30 %.

Abbildung 3: Unternehmensbesteuerung 2011 im internationalen Vergleich

3.2 Periodenübergreifende Verlustberücksichtigung bei der Körperschaftsteuer

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die tatsächliche steuerliche Belastung von Unternehmen hat auch die in Tabelle 1 dargestellte periodenübergreifende Verlustberücksichtigung bei der Körperschaftsteuer in Form des Verlustrück- beziehungsweise Verlustvortrags. Hierbei weisen die einzelnen Staaten sehr unterschiedliche Regelungen auf. So sind die überperiodischen Verlustausgleichsregeln in den meisten Staaten, verglichen mit Deutschland, als restriktiver zu bezeichnen. Dies zeigt sich vor allem daran, dass viele Staaten keinen Verlustrücktrag kennen. In Deutschland, aber auch in Frankreich, Irland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Japan, Kanada und den USA führt die Möglichkeit, Verluste rückzutragen, zu einer Liquiditätszufuhr in wirtschaftlich weniger ertragsreichen Zeiten. Der Verlustvortrag ist in den meisten Staaten auf fünf bis sieben Jahre befristet. In einigen Staaten ist es deutlich länger möglich, Verluste vorzutragen. Zum Teil ist der Verlustvortrag sogar zeitlich unbegrenzt gestattet. Eine zeitliche Begrenzung des Verlustvortrags hat zur Folge, dass die Verlustvorträge in außergewöhnlich langen rezessiven Phasen für die steuerliche Berücksichtigung verloren gehen können. Deutschland, Österreich und Polen beschränken die Verrechnung von Verlusten der Höhe nach (Mindestbesteuerung).

Tabelle 1: Periodenübergreifende Verlustberücksichtigung bei der Körperschaftsteuer 2011

Staaten

Verlustrücktrag

Verlustvortrag

EU-Staaten  

Belgien

-Unbegrenzt

Bulgarien

-5 Jahre

Dänemark

-Unbegrenzt

Deutschland

1 Jahr (begrenzt auf 511 500 €)Unbegrenzt (bis zu 1 Mio. € pro Jahr voll abzugsfähig, darüber hinaus Verrechnung nur bis zu 60 % der 1 Mio. € übersteigenden Einkünfte)

Estland

Keine Regelung erforderlichKeine Regelung erforderlich

Finnland

-10 Jahre

Frankreich1

1 Jahr  (begrenzt auf 1 Mio. €,  Verlustrücktrag führt zu Steuergutschrift, die in den darauf folgenden 5 Jahren mit künftigen Steuerschulden verrechnet wird und deren Restbetrag im 6. Jahr erstattet wird)Unbegrenzt (bis zu 1 Mio. € pro Jahr voll abzugsfähig, darüber hinaus Verrechnung nur bis zu 60 % der 1 Mio. € übersteigenden Einkünfte)

Griechenland

-5 Jahre

Irland

1 Jahr (bei Betriebsaufgabe 3 Jahre)Unbegrenzt (für Verluste aus der gleichen Quelle)

Italien

-Unbegrenzt (Verrechnung von Verlustvorträgen nur bis zu 80 % der jährlichen Einkünfte; Rest wird weiter vorgetragen)

Lettland

-8 Jahre

Litauen

-Unbegrenzt

Luxemburg

-Unbegrenzt

Malta

-Unbegrenzt

Niederlande

1 Jahr (für Verluste aus dem Steuerjahr 2011 über 3 Jahre möglich, jedoch im 2. und 3. Jahr auf maximal  jeweils 10 Mio. €  begrenzt)9 Jahre (Begrenzung auf 6 Jahre bei Inanspruchnahme der Option für den Verlustrücktrag über 3 Jahre)

Österreich

-Unbegrenzt (Verrechnung von Verlustvorträgen nur bis zu 75 % der jährlichen Einkünfte; Rest wird weiter vorgetragen)

Polen

-5 Jahre (Beschränkung des Vortrags auf maximal 50 % des entstandenen Verlusts pro Berücksichtigungsjahr)

Portugal

-4 Jahre (7 Jahre in bestimmten strukturschwachen Gebieten)

Rumänien

-7 Jahre

Schweden

-
(Indirekter Verlustrücktrag jedoch möglich durch Auflösung sogenannter "Periodisierungsrücklagen" aus den Vorjahren)
Unbegrenzt

Slowakei

-7 Jahre

Slowenien

-Unbegrenzt

Spanien

-18 Jahre (in den Jahren 2011 bis 2013 bei Unternehmen, deren Umsatz bestimmte Beträge überschreitet, Beschränkung des Vortrags auf maximal 75 % bzw.  50 % der jährlichen Einkünfte

Tschechien

-5 Jahre

Ungarn

-Unbegrenzt

Vereinigtes Königreich

1 Jahr (bei Betriebsaufgabe 3 Jahre)Unbegrenzt

 Zypern

-Unbegrenzt
Andere Staaten  

Japan

1 Jahr (wird für Steuerjahre, die zwischen dem 1. April 1992 und 31. März 2012 enden, nicht gewährt, ausgenommen für bestimmte kleine und mittlere Unternehmen und bei Liquidation) 9 Jahre

Kanada

3 Jahre20 Jahre

Norwegen

-
(ein Rücktrag auf die vorangegangenen 2 Jahre ist bei Liquidation zulässig)
Unbegrenzt

Schweiz

-7 Jahre

USA

2 Jahre20 Jahre

Die Übersicht stellt Regelungen für Verluste dar, die ab dem 1. Januar 2011 anfallen. Beschränkungen durch Gesellschafterwechsel sowie Verluste aus der Veräußerung betrieblichen Anlagevermögens (capital losses), die in verschiedenen Staaten Sonderregeln unterliegen, wurden nicht betrachtet.

1 Gilt für Verluste aus Wirtschaftsjahren, die am oder nach dem 21.9.2011 enden.

Quelle: BMF, Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich 2011, Berlin 2012.

3.3 Abschreibungsmöglichkeiten

Neben der Berücksichtigung von Verlusten wirken sich ebenfalls die Abschreibungsmöglichkeiten des Anlagevermögens auf die steuerliche Belastung der Unternehmen aus. Als Abschreibungsmethoden kommen die lineare und die degressive Abschreibung in Betracht. Je schneller Wirtschaftsgüter abgeschrieben werden können, desto niedriger ist die steuerliche Bemessungsgrundlage und somit die steuerliche Belastung der Unternehmen. Bisher bestand in Deutschland, wie auch in vielen anderen Staaten (siehe Tabelle 2), eine Wahlmöglichkeit zwischen linearer und degressiver Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter. Diese Wahlmöglichkeit ist in Deutschland für ab dem Jahr 2011 angeschaffte oder hergestellte bewegliche Wirtschaftsgüter weggefallen. Somit können diese Wirtschaftsgüter nur noch linear abgeschrieben werden.

Tabelle 2: Abschreibungen für bewegliches Anlagevermögen 2011

Staaten

Einzelnes Wirtschaftsgut

Pool- / Sammel-abschreibung

Bemerkungen

Lineare

Abschreibung

Degressive

Abschreibung

EU-Staaten    

Belgien

XX Übergang von der degressiven zur linearen Abschreibung zulässig

Bulgarien

X  Prozentuale Höchstgrenzen, bis zu denen die Abschreibungssätze jährlich geändert werden können

Dänemark

  XDegressive Abschreibung mit prozentualer Höchstgrenze, bis zu der der Abschreibungssatz jährlich geändert werden kann

Deutschland

X XBei Sammelposten (einheitliches Wahlrecht bei Wirtschaftsgütern mit AK/HK von 150 € bis 1.000 €) lineare Abschreibung

Estland

   Keine Regelungen erforderlich (Gewinnausschüttungsteuer)

Finnland

  XDegressive Abschreibung mit prozentualer Höchstgrenze, bis zu der der Abschreibungssatz jährlich geändert werden kann

Frankreich

XX Jährliche Begrenzung der degressiven Abschreibung auf den Betrag der linearen Abschreibung zulässig

Griechenland

XX  

Irland

X   

Italien

X   

Lettland

  XDegressive Abschreibung

Litauen

XX  

Luxemburg

XX Übergang von der degressiven zur linearen Abschreibung zulässig

Malta

X   

Niederlande

XX  

Österreich

X   

Polen

XX  

Portugal 

XX  

Rumänien

XX  

Schweden

XX Jährliches Wahlrecht einheitlich für das bewegliche Anlagevermögen

Slowakei

XX  

Slowenien

X   

Spanien

XX Weitere Methoden möglich

Tschechien

XX  

Ungarn

X   

Vereinigtes Königreich

  XDegressive Abschreibung 

Zypern

X   
Andere Staaten    

Japan

XX Wechsel zwischen den Methoden möglich

Kanada

  XDegressive Abschreibung mit prozentualen Höchstgrenzen, bis zu denen der Abschreibungssatz jährlich geändert werden kann

Norwegen

  XDegressive Abschreibung 

Schweiz

XX  

USA

XX Übergang von der degressiven Abschreibung zur höheren linearen Abschreibung 

Dargestellt wird der Grundfall. Die meisten Staaten haben Sonderregelungen, die tabellarisch nicht umfassend darstellbar sind. Auf wichtige Besonderheiten wird in den Bemerkungen hingewiesen.

Quelle: BMF, Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich 2011, Berlin 2012.

4 Nominale Ertragsteuerbelastung natürlicher Personen

Nur einige Staaten, die einen Grundfreibetrag beziehungsweise eine Nullzone im Tarif haben, hoben diesen im Vergleich zum Vorjahr an. Bei den meisten Staaten blieb er unverändert. Beachtlich sind die Senkungen des Grundfreibetrags beziehungsweise der Nullzone in Griechenland und Irland. In Griechenland wurde der Grundfreibetrag um mehr als die Hälfte gekürzt, in Irland sogar um fast drei Viertel. Beachtet werden muss bei der Interpretation dieser Daten, dass in mehreren Staaten mit vergleichsweise hohen Tarifeingangssätzen die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung abgedeckt werden, so z. B. in den nordischen Staaten und den Niederlanden. Dies erschwert die Vergleichbarkeit. Auch die Ehegattenbesteuerung ist unterschiedlich geregelt. In einigen Staaten wird eine Einzelveranlagung vorgenommen (etwa in Österreich), in anderen eine Zusammenveranlagung, wobei diese mit Splitting (etwa in Deutschland) oder ohne (etwa in den USA) durchgeführt werden kann.

Auch bezogen auf die Einkommensteuerspitzensätze haben einige Staaten Änderungen vorgenommen. Irland und Spanien haben den Spitzensteuersatz leicht angehoben; Frankreich, Luxemburg, Portugal und Zypern nahmen eine kräftige Anhebung vor. Lettland senkte den Spitzensteuersatz und Ungarn führte eine Flat tax ein. Obgleich in Deutschland der Spitzensteuersatz unverändert geblieben ist, hat sich aufgrund der Anpassungen der anderen Staaten die relative Position Deutschlands leicht verbessert. Abbildung 4 zeigt die höchstmöglichen Steuersätze (inklusive sonstige Zuschläge) bei der Einkommensbesteuerung natürlicher Personen.

Abbildung 4: Einkommensteuerspitzensätze der Zentralstaaten und der Gebietskörperschaften sowie sonstige Zuschläge 2010 in Prozent

5 (Lohn-)Steuer- und Abgabenbelastung von Arbeitnehmern 2010

Für Arbeitnehmerhaushalte in verschiedenen Familienverhältnissen und Einkommensgruppen veröffentlicht die OECD regelmäßig eine international vergleichende Untersuchung. Abbildung 6 zeigt die Belastung des durchschnittlichen Bruttoarbeitslohns eines Arbeitnehmerhaushalts durch die Lohn- oder Einkommensteuer klassifiziert nach verschiedenen Familienverhältnissen (Alleinstehender, Familie mit Allein- und Doppelverdiener). Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse ist stark eingeschränkt, da die OECD Transferzahlungen länderspezifisch unterschiedlich berücksichtigt. Das Kindergeld wird z. B. in der Belastungsrechnung für Deutschland als Steuergutschrift behandelt, wenn die Berücksichtigung von Kindern in Form von Kindergeld erfolgt. Andernfalls wird der Kinderfreibetrag bei der Steuerberechnung abgezogen (Günstigerprüfung). Damit wird die Steuerbelastungsquote für Haushalte mit Kindern erheblich verringert. In anderen Staaten, wie in Frankreich, wird das Kindergeld als separate Transferleistung außerhalb des Besteuerungssystems behandelt und mindert daher nicht die Steuerbelastungsquote.

Abbildung 5: Einkommen-/Lohnsteuerbelastungen von Arbeitnehmern 2010

6 Besteuerung des Finanzsektors

Eine Finanztransaktionssteuer, die über die Erfassung von börslich gehandelten Finanzinstrumenten hinausgeht, wurde bislang in keinem Staat eingeführt. Am häufigsten ist die Börsenumsatzsteuer, die auf Umsätze an Wertpapierbörsen erhoben wird. Lange Tradition haben Stempelsteuern auf Wertpapiere oder Urkunden. Finanzaktivitätssteuern und Bankenabgaben sind ebenfalls in den Staaten recht unterschiedlich ausgestaltet, sofern sie überhaupt eingeführt sind. So ist z. B. die Bankenabgabe in Österreich mit 0,055 % bis 0,085 % der Bilanzsumme mehr als doppelt so hoch wie in Schweden (0,036 %). Auch die Bemessungsgrundlage ist unterschiedlich. In Österreich wird sie pauschal um 1 Mrd. reduziert, im Vereinigten Königreich beträgt der Freibetrag 20 Mrd. GBP.

7 Umsatzsteuersätze

Der Trend, die Umsatzsteuer zunehmend als Einnahmequelle zu nutzen, setzt sich fort. Bereits in den vergangenen beiden Jahren hoben einige Staaten ihre Umsatzsteuersätze an. In diesem Jahr erhöhten insgesamt sieben Staaten die Normalsätze: Italien von 20  % auf 21 %, Lettland von 21 % auf 22 %, Polen von 22 % auf 23 %, Portugal von 21 % auf 23 %, die Slowakei von 19 % auf 20 %, das Vereinigte Königreich von 17,5 % auf 20 %, die Schweiz von 7,6 % auf 8 %. Der in Deutschland erhobene Umsatzsteuer-Normalsatz von 19 % liegt nach wie vor im unteren Mittelfeld.

8 Fazit

Für die Einordnung der Position Deutschlands im internationalen Steuerwettbewerb können die Übersichten nützliche Hinweise liefern. Der Steuer- und Abgabenbelastung in Deutschland steht ein gut ausgebautes soziales Sicherungssystem gegenüber. Als Produktionsstandort ist Deutschland attraktiv. Die nominale Steuerbelastung in Deutschland versteuerter Gewinne liegt im oberen Mittelfeld der EU-Staaten. Ein nach Standorten suchender Unternehmer wird bei der Auswahl aber natürlich nicht isoliert die Abgabenbelastungen analysieren, sondern ebenso die „Leistungsseite“ des Standorts berücksichtigen (Infrastruktur, Qualifikationsniveau der Arbeitnehmer usw.). Hier kann ein Staat nur dann ein attraktives Angebot unterbreiten, wenn er die Mittel zur Finanzierung hat. Allerdings können auch bei gleichem Leistungs- und Abgabenniveau Unterschiede durch die Steuerstruktur entstehen. Dieser Ausgleich zwischen Steuerbelastung und Staatsleistung muss von allen Staaten regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

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