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29.01.2016

Monatsbericht

Die Steuer­ein­nah­men des Bun­des und der Län­der im Haus­halts­jahr 2015

  • Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden (ohne Gemeindesteuern) stiegen im Haushaltsjahr 2015 gegenüber 2014 um insgesamt 4,6 % auf 620,3 Mrd. .

  • Die gemeinschaftlichen Steuern haben mit 490,6 Mrd. € oder 79,1 % den größten Anteil am Gesamtergebnis und bilden somit die Basis des Steueraufkommens 2015. Hier trugen insbesondere einkommens- und gewinnabhängige Steuerarten wie Lohnsteuer, veranlagte Einkommensteuer und die nicht veranlagten Steuern vom Ertrag zum guten Ergebnis bei.
  • Die Bundessteuern hatten mit 104,2 Mrd. € einen Anteil von 16,8 %, die Ländersteuern mit 20,3 Mrd. € einen Anteil von 3,3 % am Gesamtergebnis. Letztere entwickelten sich im Haushaltsjahr 2015 mit einem Zuwachs von 15,9 % besonders dynamisch; hervorzuheben sind hier die Grunderwerbsteuer (+ 20,4 %) sowie die Erbschaftsteuer (+ 15,4 %).

1 Entwicklung der Steuereinnahmen (ohne Gemeindesteuern) im Haushaltsjahr 2015

Im Haushaltsjahr 2015 konnten Bund, Länder und Gemeinden Steuereinnahmen (ohne Gemeindesteuern)1 in Höhe von 620,3 Mrd. € verbuchen. Gegenüber dem Haushaltsjahr 2014 mit Gesamteinnahmen von 593,0 Mrd. € ist dies ein Zuwachs von 27,2 Mrd. € oder 4,6 %.

Die Steuereinnahmen im Haushaltsjahr 2015 und die Veränderungen gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum sind in Tabelle 1 dargestellt. 

Tabelle 1: Entwicklung der Steuereinnahmen im Haushaltsjahr 2015

Steuereinnahmen nach Ertragshoheit

Haushaltsjahr

Änderung gegenüber
Vorjahr

in Mio. €

2015

2014

in Mio. €

in %

Gemeinschaftliche Steuern

490 585469 12721 4584,6

Bundessteuern

104 204101 8042 4002,4

Ländersteuern

  20 339 17 5562 78315,9

Zölle

   5 159  4 552 60713,3

Steuereinnahmen insgesamt (ohne Gemeindesteuern)

620 287593 03927 2484,6
Abweichungen in den Summen durch Rundung der Zahlen möglich.
Quelle: Bundesministerium der Finanzen.

Im Haushaltsjahr 2015 stiegen die Einnahmen aus den gemeinschaftlichen Steuern gegenüber dem Haushaltsjahr 2014 um 4,6 % auf 490,6 Mrd. €. Das Aufkommen der Bundessteuern stieg um 2,4 % auf 104,2 Mrd. €. Die Ländersteuern verzeichneten einen Zuwachs um 15,9 % auf 20,3 Mrd. €. Die Zolleinnahmen wuchsen um 13,3 % auf 5,2 Mrd. €.

Grundlage des Anstiegs der Steuereinnahmen war eine  trotz schwieriger außenwirtschaftlicher Bedingungen  anhaltend positive Wirtschaftsentwicklung in Deutschland. Diese ging mit deutlich steigenden Löhnen und Gewinnen einher. Daraus resultierte sowohl ein weiterer starker Anstieg des Lohnsteueraufkommens als auch eine anhaltende Aufwärtsentwicklung der Einnahmen aus den gewinnabhängigen Steuern, besonders der veranlagten Einkommensteuer und der nicht veranlagten Steuern vom Ertrag. Zudem schlug sich die gute binnenwirtschaftliche Nachfrage in einem entsprechenden Wachstum der Steuern vom Umsatz nieder.

Gemeinschaftliche Steuern

Basis für wachsende Einnahmen bei der Lohnsteuer war die gute Beschäftigungslage, die sich in einer weiteren Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse und kräftigen Lohnsteigerungen zeigte. Das Bruttoaufkommen der Lohnsteuer stieg dadurch im Haushaltsjahr 2015 auf 220,6 Mrd. €. Dies entspricht einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um 5,7 %. Hiervon abzuziehen ist das aus dem Lohnsteueraufkommen gezahlte Kindergeld. Das Kindergeld wurde mit dem Gesetz zur Anhebung des Grundfreibetrags, des Kinderfreibetrags, des Kindergeldes und des Kinderzuschlags vom 16. Juli 2015 um 48 € pro Jahr rückwirkend zum 1. Januar 2015 angehoben. Dadurch ergab sich  trotz einer tendenziell sinkenden Zahl von Kindergeldkindern  ein Plus von 2,3 % gegenüber 2014. Die mit dem vorgenannten Gesetz vorgenommene Erhöhung des Grundfreibetrags in Verbindung mit der Verschiebung der Tarifgrenzen  ebenfalls rückwirkend zum 1. Januar 2015  hatte noch keinen Einfluss auf das Kassenaufkommen im Jahr 2015, da deren Umsetzung im Monat Dezember 2015 erst im Januar 2016 kassenwirksam wird. Im Ergebnis stieg das Aufkommen der Lohnsteuer im Haushaltsjahr 2015 um + 6,5 % auf 178,9 Mrd. €.

Die veranlagte Einkommensteuer verzeichnete im Haushaltsjahr 2015 Bruttoeinnahmen in Höhe von 63,8 Mrd. €, was einer Steigerung von 2,7 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Abzugsbeträge von Investitionszulage und Eigenheimzulage beeinflussten das Ergebnis aufgrund des Auslaufens der Förderung nur noch unerheblich. Betragsmäßige Relevanz hatten hingegen die aus dem Aufkommen der veranlagten Einkommensteuer gezahlten Erstattungen an veranlagte Arbeitnehmer (§ 46 Einkommensteuergesetz). Unter Berücksichtigung der Abzugsbeträge ergeben sich Kasseneinnahmen im Haushaltsjahr 2015 in Höhe von 48,6 Mrd. €. Dies bedeutet einen Anstieg um 6,5 %.

Das Bruttoaufkommen der Körperschaftsteuer verringerte sich im Haushaltsjahr 2015 um 3,0 % auf 19,8 Mrd. €. Nach Abzug der betragsmäßig vergleichsweise geringen Investitionszulage ergibt sich ein Kassenaufkommen im Haushaltsjahr 2015 von 19,6 Mrd. € (- 2,3 % gegenüber 2014).

Das Steueraufkommen der nicht veranlagten Steuern vom Ertrag stieg im Haushaltsjahr 2015 brutto um 1,1 % auf 19,3 Mrd. €. Hiervon abzuziehen sind Erstattungen durch das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Diese lagen um 18,3 % unter dem Vorjahresniveau. Im Ergebnis stieg das Kassenaufkommen der nicht veranlagten Steuern vom Ertrag im Haushaltsjahr 2015 um 3,0 % auf 17,9 Mrd. €.

Das Kassenaufkommen der Abgeltungsteuer auf Zins- und Veräußerungserträge war im Haushaltsjahr 2015 deutlich höher als im Jahr zuvor. Es stieg um 5,7 % auf 8,3 Mrd. €. Im Aufkommen sind Einnahmen aus der EU-Quellensteuer enthalten, die im Haushaltsjahr 2015 in Höhe von insgesamt 124,3 Mio. € überwiesen wurden.

Die gute binnenwirtschaftliche Nachfrage schlug sich in einem entsprechenden Wachstum der Steuern vom Umsatz nieder. Im Haushaltsjahr 2015 wiesen die Steuern vom Umsatz insgesamt einen Zuwachs von 3,4 % gegenüber dem Haushaltsjahr 2014 auf und lagen bei 209,9 Mrd. €. Die (Binnen)-Umsatzsteuer zeigte ein Plus von 3,1 %, die Einfuhrumsatzsteuer auf Importe aus Nicht-EU-Ländern verzeichnete ein Plus von 4,1 %.

Bundessteuern

Bei den Bundessteuern wurde mit 104,2 Mrd. € im Haushaltsjahr 2015 das Vorjahresniveau um 2,4 % übertroffen. Die Energiesteuer ist mit einem Aufkommen von 39,6 Mrd. € im Haushaltsjahr 2015 die aufkommensstärkste Bundessteuer. Maßgeblich für das Volumen der Energiesteuer ist mit über 90 % Anteil am Aufkommen die Besteuerung des Kraftstoffverbrauchs, insbesondere von Benzin und Diesel. Hier stiegen die Steuereinnahmen im Vorjahrsvergleich um 1,4 %. Das Aufkommen aus der Energiesteuer auf Heizöl stieg ebenfalls um 2,2 %. Diese Einnahmezuwächse wurden jedoch durch den starken Rückgang bei der Energiesteuer auf Erdgas um 22,2 % mehr als ausgeglichen. Im Ergebnis ist bei der Energiesteuer ein leichter Rückgang um 0,4 % zu verzeichnen.

Die Tabaksteuer verzeichnete im Haushaltsjahr 2015 einen Anstieg der Einnahmen von 2,1 % auf 14,9 Mrd. €. Hierbei ist ein Blick auf die unterschiedliche Entwicklung im Jahresverlauf von Interesse. Während sich im 1. Halbjahr 2015 noch ein Rückgang von 4,5 % ergab, war im 2. Halbjahr 2015 eine Steigerung des Tabaksteueraufkommens von 7,0 % zu verzeichnen. Als Ursache für diesen Anstieg kann eine Vorproduktion von Tabaksteuererzeugnissen im 2. Halbjahr 2015 angenommen werden. Da aus Verbraucherschutzgründen ab dem Jahr 2016 nur noch Packungsgrößen von mehr als 20 Stück Zigaretten zulässig sind, wurden vermutlich Zigarettenpackungen mit einer Packungsgröße von 19 Stück vorproduziert.

Der Solidaritätszuschlag wies im Haushaltsjahr 2015 ein Einnahmewachstum um 5,9 % auf 15,9 Mrd. € auf. Damit folgt er der Entwicklung des überwiegenden Teils seiner Bemessungsgrundlagen  der Lohnsteuer, der veranlagten Einkommensteuer und der nicht veranlagten Steuern vom Ertrag. Als Zuschlag in Höhe von 5,5 % der festgesetzten Steuer profitierte der Solidaritätszuschlag von der Expansion dieser Steuern.

Das Kraftfahrzeugsteueraufkommen erhöhte sich im Haushaltsjahr 2015 um 3,6 % auf 8,8 Mrd. €. Auch bei der Versicherungsteuer gab es 2015 mit 3,1 % gegenüber 2014 deutliche Zuwächse im Steueraufkommen auf 12,4 Mrd. €. Die Luftverkehrsteuer legte um 3,3 % auf 1,0 Mrd. € zu. Die Stromsteuer schloss mit einem leichten Minus von 0,7 % bei 6,6 Mrd. € ab. Bei der Kernbrennstoffsteuer stieg das Aufkommen im Haushaltsjahr 2015 um 0,7 Mrd. € auf 1,4 Mrd. € an. Hier wirkte sich der Rechtsstreit um die Verfassungsmäßigkeit der Kernbrennstoffsteuer aus: Im Mai 2014 wurden rund 2,1 Mrd. € im Rahmen der Aussetzung der Vollziehung von Steuerbescheiden für frühere Jahre an die Unternehmen zurückgezahlt. Der Bundesfinanzhof entschied am 25. November 2014, dass anhängige Rechtsstreitigkeiten keine Aussetzung der Vollziehung rechtfertigen. Daraufhin wurden wiederum im Dezember 2014 circa 1,7 Mrd. € und im Januar 2015 circa 0,4 Mrd. € vom Fiskus vereinnahmt.

Es folgen die Absolutbeträge und Veränderungsraten für die vergleichsweise nur geringfügig zum Gesamtaufkommen beitragenden Bundessteuern im Haushaltsjahr 2015: Branntweinsteuer (2,1 Mrd. €; + 0,5 %), Schaumweinsteuer (0,4 Mrd. €; + 4,3 %) und Kaffeesteuer (1,0 Mrd. €; + 1,6 %).

Die Ländersteuern steigerten ihr Aufkommen im Haushaltsjahr 2015 gegenüber dem Vorjahr erneut deutlich um 15,9 % auf 20,3 Mrd. €. Wie in den Vorjahren konnte insbesondere die Grunderwerbsteuer um 20,4 % auf aktuell 11,2 Mrd. € zulegen. Hierbei kamen verschiedene Faktoren zum Tragen: Neben der Anhebung von Steuersätzen in den Ländern zeigte sich ein verstärkter Trend zum Immobilienerwerb, welcher wiederum mit einem Anstieg der Immobilienpreise verbunden war. Die Erbschaftsteuer stieg um 15,4 % auf 6,3 Mrd. €; die Rennwett- und Lotteriesteuer um + 2,3 % auf 1,7 Mrd. €, die Feuerschutzsteuer um + 1,0 % auf 0,4 Mrd. €. Das Biersteueraufkommen verringerte sich um 1,2 % auf 0,7 Mrd. €.

2 Entwicklung der Steuereinnahmen in den einzelnen Quartalen 2015

Ein Blick auf die Ergebnisse der einzelnen Quartale des Haushaltsjahres 2015 zeigt unterjährig zum Teil hohe Steigerungsraten der Einnahmen bei den gemeinschaftlichen Steuern sowie bei den Ländersteuern und den Zöllen. Beim Aufkommen der Bundessteuern zeigen sich starke Abweichungen in den Quartalen. Verursacht wird dies insbesondere durch die Auswirkungen von Gesetzesänderungen und Rechtsprechung, speziell bei Kraftfahrzeugsteuer und Kernbrennstoffsteuer.

Tabelle 2: Entwicklung der Steuereinnahmen in den einzelnen Quartalen 2015

Steuereinnahmen nach Ertragshoheit
in Mio. €

2015

1. Quartal

2. Quartal

3. Quartal

4. Quartal

Gemeinschaftliche Steuern

118 220,5122 242,0121 232,3128 890,0

Veränderung gegenüber Vorjahr in %

+ 4,1+ 5,2+ 6,4+ 2,8

Bundessteuern

22 268,524 891,8 25 637,231 406,6

Veränderung gegenüber Vorjahr in %

+ 6,6+ 8,8+ 2,8- 5,1

Ländersteuern

5 207,04 838,35 028,55 265,1

Veränderung gegenüber Vorjahr in %

+ 16,2+ 12,0+ 14,4+ 20,7

Zölle

1 227,8 1 182,9 1 408,81 339,3

Veränderung gegenüber Vorjahr in %

+ 16,6+ 13,6+ 13,3+ 10,4

Steuereinnahmen insgesamt
(ohne Gemeindesteuern)

146 923,8153 155,0153 306,8166 901,1

Veränderung gegenüber Vorjahr in %

+ 4,9+ 6,1+ 6,1+ 1,7
Quelle: Bundesministerium der Finanzen.

3 Verteilung der Steuereinnahmen auf die Ebenen

Im Haushaltsjahr 2015 konnten nahezu alle Ebenen bessere Ergebnisse erzielen als im Vorjahr. Basis dieser Entwicklung ist die Steigerung der gemeinschaftlichen Steuern. Die Verteilung der Steuereinnahmen im Haushaltsjahr 2015 auf Bund, EU, Länder und Gemeinden und die Veränderungen gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum sind in Tabelle 3 dargestellt.

Tabelle3: Verteilung der Steuereinnahmen auf die Ebenen

Steuereinnahmen nach Ebenen

Haushaltsjahr

Änderung gegenüber
Vorjahr

in Mio. €

2015

2014

in Mio. €

in %

Bund1

281 608270 74610 8614,0

EU

30 93830 986- 48-0,2

Länder1

267 939254 27613 6645,4

Gemeinden2

39 80237 0312 7717,5

Zusammen

620 287593 03927 2484,6
Abweichungen durch Rundung der Zahlen möglich.
1 Nach Bundesergänzungszuweisungen.
2 Lediglich Gemeindeanteil an Einkommensteuer, Abgeltungsteuer und Steuern vom Umsatz.
Quelle: Bundesministerium der Finanzen.

Fußnoten

1 Über die Einnahmen aus Gemeindesteuern berichtet das Statistische Bundesamt vierteljährlich. Diese Einnahmeergebnisse werden in der Fachserie 14 „Finanzen und Steuern“, Reihe 4 „Steuerhaushalt“ im Rahmen eines Gesamtüberblicks über die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden veröffentlicht.

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