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19.02.2016

Monatsbericht

Pro­dukt­in­for­ma­ti­ons­stel­le Al­ters­vor­sor­ge stei­gert Trans­pa­renz bei pri­va­ten Al­ters­vor­sor­ge­pro­duk­ten

Einheitliche Produktinformationsblätter mit vergleichbaren Kenngrößen erleichtern den Verbrauchern zukünftig den Produktvergleich bei Riester-Renten und Basisrenten

  • Die Absicherung des Lebensstandards im Alter wird immer wichtiger. Der Staat fördert deshalb die private Altersvorsorge. Die Merkmale dieser steuerlich geförderten Produkte werden künftig deutlich transparenter. Ab dem 1. Januar 2017 ist dem Verbraucher vor Vertragsabschluss das neue, einheitlich gestaltete Produktinformationsblatt auszuhändigen.

  • Auf dem neuen Produktinformationsblatt sind alle wichtigen Angaben für den Verbraucher zusammengefasst. Zur Steigerung der Transparenz werden auch eine einheitliche Kostenkennziffer („Effektivkosten“) sowie die „Chancen-Risiko-Klasse“ des Produkts ausgewiesen sein.

  • Die unabhängige „Produktinformationsstelle Altersvorsorge gGmbH“ (PIA) wird die Methodik zur Berechnung der Effektivkosten vorgeben, die von allen Anbietern von Altersvorsorge- und Basisrentenverträgen anzuwenden ist, und Ende März 2016 veröffentlichen. Die Zuordnung eines Produkts zu einer Chancen-Risiko-Klasse nimmt die PIA auf Antrag des Anbieters vor.

1 Einleitung

Private Altersvorsorge ist ein Thema, das zunehmend wichtiger wird. Unter bestimmten Voraussetzungen wird sie auch steuerlich gefördert. Die Inhaber eines Altersvorsorge- (Riester-Rente) oder Basisrentenvertrags (Rürup-Rente) können Zulagen erhalten und/oder die gezahlten Beiträge als Sonderausgaben steuerlich absetzen. Auf dem Markt wird eine Vielzahl zum Teil sehr unterschiedlicher Produkte angeboten. Altersvorsorgeverträge gibt es beispielsweise in Form von Rentenversicherungen, Fondssparplänen, Bausparverträgen, Banksparplänen, Genossenschaftssparverträgen und Darlehen für die Finanzierung einer selbst genutzten Wohnung. Es ist daher für den Verbraucher nicht immer einfach zu erkennen, welches Produkt für die eigenen Bedürfnisse das Richtige ist.

Exkurs: Steuerlich geförderte Altersvorsorgeprodukte

Riester-Rente
Die Riester-Rente ist eine durch Zulagen und Sonderausgabenabzug geförderte, privat finanzierte Altersvorsorge in Deutschland. Die Förderung wurde durch das Altersvermögensgesetz 2002 eingeführt und ist in den §§ 10a, 79 ff. im Einkommensteuergesetz geregelt.

Eigenheimrente
Die sogenannte Wohn-Riester oder Eigenheimrente bezieht die selbstgenutzte Wohnung in die Riester-Förderung mit ein. Diese Fördermöglichkeit wurde durch das Eigenheimrentengesetz im Jahr 2008 zuletzt wesentlich erweitert.

Basisrente
Die sogenannte Rürup-Rente oder Basisrente ist eine durch Sonderausgabenabzug geförderte, privat finanzierte Rente. Sie wurde im Jahr 2005 durch das Alterseinkünftegesetz eingeführt.

Um die Transparenz der angebotenen Produkte zu erhöhen und damit die Auswahl des passenden Vertrags für den Verbraucher zu erleichtern, hat der Gesetzgeber mit dem Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz (AltvVerbG) vom 24. Juni 2013 die Einführung eines einheitlich gestalteten Produktinformationsblatts für alle entsprechenden Produkte beschlossen. Das Produktinformationsblatt für die Altersvorsorge- und Basisrentenverträge ist dem Verbraucher ab dem 1. Januar 2017 vor Abschluss des Vertrags auszuhändigen und enthält alle relevanten Informationen. Unter anderem wird der Verbraucher damit vorab über die Höhe der Kosten sowie die mit dem Produkt verbundenen Chancen und Risiken informiert. Zur Höhe der Kosten ist auf dem Produktinformationsblatt u. a. die einheitliche Kostenkennziffer „Effektivkosten“ (s. a. Abschnitt 3.1) anzugeben. Um die Chancen und Risiken eines Altersvorsorgeprodukts einschätzen zu können, ist zudem die Angabe einer Chancen-Risiko-Klasse 1 bis 5 verbindlich. Kennzeichnend für diese Chancen-Risiko-Klassen ist, dass gerade nicht nur das Risiko bewertet wird, sondern auch die Renditechancen bei der Einteilung eine gleichwertige Rolle spielen.

Die am 8. Oktober 2015 in Kaiserslautern gegründete PIA wurde damit beauftragt, einheitliche Grundsätze zur Ermittlung der Kostenkenngröße „Effektivkosten“ festzulegen und zu veröffentlichen. Des Weiteren soll die PIA auf Antrag der Anbieter die obligatorische Zuordnung der entsprechenden Altersvorsorgeprodukte in Chancen-Risiko-Klassen vornehmen. Die Einordnung soll auf Basis von Wahrscheinlichkeitsrechnungen produkt- und tarifspezifisch vorgenommen werden. Dafür wird das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern mathematische Simulationsverfahren für die PIA durchführen. Mit der Beauftragung des ITWM werden die Aufgaben einem unabhängigen, wissenschaftlichen Institut übertragen.

Es ist vorgesehen, die Arbeit der PIA unter Einbindung von Interessenvertretern, Verbrauchern und Anbietern größtmöglich offenzulegen. Die PIA wird zudem Informationen zum methodischen Vorgehen auf ihrer Internetseite veröffentlichen.

2 Produktinformationsblätter

Jeder Anbieter von Altersvorsorge- und Basisrentenverträgen muss seinem Neukunden ab dem 1. Januar 2017 bei Vertragsabschluss ein individuelles Produktinformationsblatt aushändigen. Davon muss jedes gleich aufgebaut sein und muss beziehungsweise darf nur die vorgeschriebenen Inhalte aufweisen. Werbende Inhalte sind untersagt. Auch die Kostenstruktur des Produkts ist nach einem vorgegebenen Muster anzugeben. Werden Kosten auf diesem Blatt nicht ausgewiesen, schuldet der Verbraucher diese auch nicht. Das bedeutet, dass der Verbraucher in der Ansparphase nur die Kosten zahlen muss, die der Anbieter auf dem Blatt auch tatsächlich ausgewiesen hat. Dies ermöglicht einen schnellen und einfachen Vergleich vieler Produkte. Dadurch, dass auch Aufbau, Schriftgröße und Gestaltung des Blatts vorgegeben sind, können Verbraucher eine Information an der gleichen Stelle bei allen Produktinformationsblättern verschiedener Anbieter wiederfinden. Ergänzend zum individuellen Produktinformationsblatt für den einzelnen Verbraucher sind von den Anbietern zu jedem vertriebenen Tarif auch Muster-Produktinformationsblätter zu veröffentlichen. Die Muster-Produktinformationsblätter entsprechen in Form und Inhalt dem individuellen Produktinformationsblatt. Letzteres berücksichtigt aber die speziellen Daten des Kunden, wie Vertragslaufzeit, Alter, Beitragshöhe etc.

Muster-Produktinformationsblätter sind anhand gesetzlich vorgegebener Eckdaten für Musterkunden zu erstellen. Bezüglich der Ansparphase ist gesetzlich vorgegeben, dass jeweils ein Muster-Produktinformationsblatt für einen Musterkunden mit 12-, 20-, 30- und 40-jähriger Vertragslaufzeit bis zum Beginn der Auszahlungsphase zu veröffentlichen ist.

Die Muster-Produktinformationsblätter müssen von den Anbietern im Internet zur Verfügung gestellt werden. Damit besteht die Möglichkeit, für alle auf dem Markt angebotenen, geförderten Altersvorsorgeprodukte die Vertragsdetails für die standardisierten Muster-Kunden einzusehen. Auf dieser Basis können verschiedene Angebote einfach miteinander verglichen werden, da bei allen Muster-Produktinformationsblättern von gleichen Gegebenheiten ausgegangen wird. Insbesondere lässt sich zukünftig schneller feststellen, welche Unterschiede zwischen den verschiedenen Angeboten bestehen.

Durch die erhöhte Transparenz ist eine gesteigerte Marktdynamik zu erwarten. Kostenintensive Produkte können durch die neuen einheitlichen Veröffentlichungspflichten besser identifiziert und die Leistungen der einzelnen Produkte besser miteinander verglichen werden.

3 Produktinformationsstelle Altersvorsorge

Wichtige Vorarbeiten für die Erstellung des Produktinformationsblatts leistet die PIA. Sie gibt die Berechnungsmethode für die Effektivkosten vor und ordnet die angebotenen Produkte in Chancen-Risiko-Klassen ein.

3.1 Effektivkosten als vergleichbare Kostenkenngröße

Riester-Renten- und Basisrenten-Produkten wird oft nachgesagt, sie seien intransparent und kostenintensiv. Die bisherigen Informationspflichten würden kein einheitliches Bild über die anfallenden Kosten und deren Auswirkungen auf die Rendite des Produkts liefern. Damit sei ein unmittelbarer Kostenvergleich zwischen verschiedenen Angeboten erschwert.

Alle geförderten privaten Altersvorsorgeprodukte, die seit dem 1. Januar 2014 zertifiziert wurden, berücksichtigen bereits die mit dem AltvVerbG eingeführte verbindliche Kostenstruktur. Vorher zertifizierte geförderte Altersvorsorgeprodukte müssen sich spätestens zum 1. Januar 2017 auf die Kostenstruktur umstellen. Hiernach dürfen bei Altersvorsorge- und Basisrentenverträgen nur die in § 2a Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz (AltZertG) genannten Kostenarten vorgesehen sein. Dazu gehören beispielsweise die Abschluss- und Vertriebskosten oder die Kosten bei Vertragskündigung. Um die gewünschte Verbesserung bei der Markttransparenz zu erreichen, müssen die Anbieter alle anfallenden Kosten nun ab 1. Januar 2017 auf dem neuen Produktinformationsblatt ausweisen.

Zusätzlich müssen alle Anbieter die Kostenkennziffer Effektivkosten auf dem Produktinformationsblatt angeben. Mit dieser Kennziffer werden die Auswirkungen der anfallenden Kosten auf die Rendite des Produkts dargestellt. Die Effektivkosten geben an, um wie viele Prozentpunkte die Rendite eines Produkts durch Kosten verringert wird. Erzielt ein Produkt beispielsweise eine Rendite von 4,5 % und verbleibt nach Abzug der Kosten nur noch eine Rendite von 3 %, dann liegen die Effektivkosten bei 1,5 Prozentpunkten. Bei der Ermittlung dieser Kostenkennziffer werden anfallende Kosten im Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und Beginn der Auszahlungsphase berücksichtigt.

3.2 Einordnung in Chancen-Risiko-Klassen

Ein weiteres zentrales Element hin zur besseren Vergleichbarkeit der unterschiedlichen geförderten privaten Altersvorsorgeprodukte ist die Angabe einer Chancen-Risiko-Klasse.

Die Einordnung in die jeweilige Chancen-Risiko-Klasse 1 bis 5 übernimmt die PIA auf Antrag des Anbieters. Zu diesem Zweck legt die PIA ein Simulationsverfahren fest. Auf Basis der Ergebnisse des Simulationsverfahrens erfolgt die Einordnung eines zertifizierten geförderten privaten Altersvorsorgeprodukts in eine Chancen-Risiko-Klasse.

Mit dem Simulationsverfahren wird berechnet, wie sich das Produkt zukünftig entwickeln könnte und welcher Betrag zu Beginn der Auszahlungsphase zur Verfügung stehen könnte. Dazu werden 10 000 verschiedene Zukunftsszenarien unterstellt, wie sich der Kapitalmarkt in einem stark vereinfachten Modell entwickeln könnte. Für diese 10 000 Szenarien wird jeweils der sich darauf ergebende Betrag, die sogenannte Ablaufleistung, berechnet.

Das Simulationsverfahren wird jeweils für einen Musterkunden gerechnet. Es wird davon ausgegangen, dass dieser entweder noch 12, 20, 30 oder 40 Beitragsjahre bis zu Beginn der Auszahlungsphase vor sich hat. So ergeben sich beispielsweise für einen 37-jährigen Musterkunden, der noch 30 Jahre in seinen Vertrag einzahlen wird, auf Basis des Simulationsverfahrens 10 000 mögliche Beträge, die ihm im Alter von 67 Jahren zur Verfügung stehen könnten.

Nach dieser Berechnung kann eingeschätzt werden, welche Chancen und Risiken mit dem Produkt verbunden sind. Dazu wird untersucht, welche mittlere Ablaufleistung sich bezogen auf die 10 000 Ablaufleistungen sowie bei sehr schlechten Verläufen des Kapitalmarkts ergibt. Auf Basis dieser Ergebnisse erfolgt die Einordnung des Produkts für die entsprechend untersuchte Laufzeit in eine Chancen-Risiko-Klasse 1 bis 5. Die Chancen-Risiko-Klasse 1 steht dabei für „geringe Chancen/geringes Risiko“ und die Chancen-Risiko-Klasse 5 für „hohe Chancen/hohes Risiko“.

Die von der unabhängigen PIA ermittelte Chancen-Risiko-Klasse ist für den Vertrieb des Produkts gesetzlich vorgeschrieben und muss vom Anbieter ab dem 1. Januar 2017 auf dem neuen Produktinformationsblatt ausgewiesen werden.

4 Steigerung des Verbraucherschutzes

Ziel des Gesetzgebers ist es, mit dem neuen Produktinformationsblatt den Verbrauchern die Entscheidung für ein individuell passendes privates Altersvorsorgeprodukt zu erleichtern. Der Verbraucher kann beim Vergleich verschiedener Produkte auf einen Blick sehen, wie sich die Angebote beispielsweise hinsichtlich der Höhe der garantierten Leistungen unterscheiden oder in welchem Umfang die Anbieter Angaben, beispielsweise auch zu den Kosten in der Rentenbezugszeit, geben können.

Die bessere Darstellung und Vergleichbarkeit der Kosten und die klare Zuordnung der Produkte zu einer Chancen-Risiko-Klasse vereinfachen die Auswahl. Die Informationsflut für den Verbraucher wird auf die wesentlichen Produktmerkmale begrenzt und anschaulich zusammengefasst.

Die Einrichtung und Gründung der PIA war ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Transparenz und Verbraucherschutz im Bereich der geförderten privaten Altersvorsorge. Auch die Tatsache, dass das unabhängige ITWM in Kaiserslautern mathematische Simulationsverfahren für die PIA durchführen wird, wird voraussichtlich zu einer großen Akzeptanz der PIA beitragen.

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