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12.09.2023

Briefmarken und Sammlermünzen

Vorstellung der Sonderbriefmarke und der 20-Euro-Sammlermünze „400 Jahre Rechenmaschine Wilhelm Schickard“

  • Nummer 23/2023
Sonderbriefmarke und der 20-Euro-Sammlermünze „400 Jahre Rechenmaschine Wilhelm Schickard“ BildVergroessern

Das Bundesministerium der Finanzen hat am 7. September 2023 ein Sonderpostwertzeichen und am 3. August 2023 eine 20-Euro-Sammlermünze „400 Jahre Rechenmaschine Wilhelm Schickard“ herausgegeben.

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Dr. Florian Toncar, stellt die Briefmarke und Münze am Donnerstag in Tübingen vor. Die Präsentation findet am 14. September 2023 um 10 Uhr in der Neuen Aula der Eberhard Karls Universität Tübingen, Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen statt.

Im September des Jahres 1623 hatte Wilhelm Schickard, Professor für Hebräisch und Astronomie im beschaulichen Tübingen, seinem Freund, dem berühmten Mathematiker und Astronomen Johannes Kepler, brieflich eine aufregende Mitteilung zu machen: „Ich habe eine Maschine konstruiert, bestehend aus elf ganzen und sechs verstümmelten Zahnrädern, welche gegebene Zahlen sofort automatisch verrechnet, addiert, subtrahiert, multipliziert und dividiert.“ Er fügte noch hinzu, dass Kepler sicherlich, wenn er vor Ort wäre und die Maschine bei der Arbeit sähe, vor Begeisterung laut lachen würde.

Ein knappes halbes Jahr später schickte er Kepler in einem weiteren Brief eine Skizze der Maschine mit näheren Erklärungen der Funktionsweise und bemerkte dazu, er habe bei seinem Mechaniker ein zweites Exemplar der Maschine in Auftrag gegeben, um es Kepler zu schicken. Leider sei dies aber bei einem nächtlichen Brand in der Werkstatt vernichtet worden und es sei nun — mitten im Dreißigjährigen Krieg — schwer, dafür Ersatz zu besorgen.

Schickard starb 1635 in Tübingen an der Pest; was aus seiner Maschine wurde, ist nicht bekannt. Man darf aber vermuten, dass sie einfach weggeworfen wurde, da niemand etwas damit anzufangen wusste. Zum Glück für uns sind seine Briefe an Kepler erhalten geblieben, da dieser unter anderem durch seine Planetengesetze ein sehr bedeutsamer Wissenschaftler geworden war.

Auch hat sich das kleine Notizbuch Schickards erhalten, in dem sich eine erste Skizze der Maschine mit einigen Erklärungen findet.

Dass es im Zwanzigsten Jahrhundert gelang, den Entwurf der Maschine zu rekonstruieren und moderne Nachbauten anzufertigen, ist fast eine Kriminalgeschichte. Mehrfach wurden, beginnend im 18. Jahrhundert, Hinweise auf die Maschine entdeckt, sogar publiziert und dann doch wieder vergessen. So hielt sich bis in die Neuzeit die Ansicht, der Erfinder der ersten Rechenmaschine sei Blaise Pascal in Frankreich gewesen. Ihm zu Ehren wurde sogar eine Programmiersprache benannt.

Es war ein Tübinger Philosophieprofessor, Bruno Baron von Freytag-Löringhoff, der in den 1950er Jahren die überlieferten Dokumente zusammentrug und anhand ihrer die Maschine von Schickard rekonstruierte. So dürfen wir im September 2023 das 400-jährige Jubiläum der ersten funktionsfähigen 4 Spezies-Rechenmaschine begehen.
(Text: Professor Dr. Herbert Klaeren, Universität Tübingen, Informatik)

Die Gestaltung der Sonderbriefmarke und der Ersttagsstempel stammen von Luzia Hein aus Hamburg. Die Briefmarke ist seit dem 7. September 2023 in den Verkaufsstellen der Deutschen Post AG erhältlich.

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Das Bundesministerium der Finanzen gibt zudem eine 20-Euro-Sammlermünze „400 Jahre Rechenmaschine Wilhelm Schickard“ heraus, um den Erfinder zu ehren, der den Vorläufer des ersten Computers erfand.

Die Münze besteht aus Sterlingsilber (Ag 925). Der Entwurf der Münze stammt von dem Künstler Florian Huhoff aus Berlin.

Die Bildseite zeigt im Zentrum die schematisierte historische Rechenmaschine, an der seitlich einige Funktionszusammenhänge, wie z. B. der Zahnradmechanismus, im Duktus eines Schaubilds gezeigt werden. Die Art der Darstellung besticht insgesamt durch ihre rationale Präzision. Der glatte Münzrand enthält in vertiefter Prägung die Inschrift: „MACHINAM EXTRUXI QUAE DATOS NUMEROS COMPUTET1 ד (Zur Bedeutung: „Ich habe eine Maschine konstruiert, welche gegebene Zahlen verrechnet.“ – Es ist die verkürzte Version eines Satzes aus einem Brief Schickards an Kepler, in dem Schickard über seine Erfindung berichtet.)

Die Gesamtauflage der Münze in der höherwertigen Sammlerqualität Spiegelglanz beträgt 120.000 Stück. Die Münzen können bei der Münze Deutschland online unter www.muenze-deutschland.de bestellt werden.

Münzen in der Prägequalität Stempelglanz werden mit einer Auflage von rund 620.000 Stück zum Nennwert von 20 Euro von der Deutschen Bundesbank in den Verkehr gebracht. Sie sind aber auch bei einigen Banken und Sparkassen erhältlich.