Das Bundesministerium der Finanzen hat am 3. November 2025 ein Sonderpostwertzeichen „200. Geburtstag Henriette Goldschmidt“ herausgegeben.
Das Bundesministerium der Finanzen stellt die Briefmarke am Freitag in Leipzig vor. Die Präsentation findet am 7. November 2025 um 14:00 Uhr im Zimeliensaal im Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig im Grassi, Johannesplatz 5-11, 04103 Leipzig statt.
„Henriette Goldschmidt ist an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine Pionierin und Vordenkerin der deutschen Frauenbewegung. Sie gehört 1865 zur Mitbegründerin des Leipziger Frauenbildungsvereins, aus dem noch im gleichen Jahr der Allgemeine Deutsche Frauenverein hervorgeht, dessen Gründung den Beginn der organisierten Frauenbewegung in Deutschland markiert. Beide Vereine verfolgen das Ziel, die Bildungschancen für Frauen zu verbessern und damit deren Berufstätigkeit zu fördern.
Goldschmidt wird 1825 in der preußischen Provinz Posen in eine jüdische Familie hineingeboren, deren Töchtern eine säkulare Bildung zuteilwird. Bereits in frühen Jahren sozial engagiert, zieht sie im Jahr 1858 mit ihrer Familie von Warschau nach Leipzig, wo ihr Ehemann Abraham Goldschmidt Prediger der 1847 gegründeten Israelitischen Religionsgemeinde wird.
Im Rahmen ihrer nun folgenden jahrzehntelangen politischen Betätigung und ihres öffentlichen Wirkens setzt sie sich ein für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben und im Bildungswesen. Angeregt durch die Ideen des deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel macht sie sich zur Fürsprecherin eines staatlichen Erziehungssystems und einer Kindergartenpflicht.
Den Höhepunkt ihres Wirkens bildet die Gründung der Hochschule für Frauen im Jahr 1911 in Leipzig. Hier können sich Frauen für eine Vielzahl von Berufen und Leitungsfunktionen überwiegend in der Sozialarbeit qualifizieren, darunter (Ober)Schwestern in sozialen Diensten, Jugend- und Kindergartenleiterin sowie Haus- und Fabrikpflegerin. Die Einrichtung ist die erste erfolgreiche Institution ihrer Art in Deutschland und Vorbild für viele weitere akademische Bildungsstätten für Mädchen und Frauen.
Henriette Goldschmidt stirbt 1920 in Leipzig. 1992 erfolgt die Neugründung der nun auch für junge Männer geöffneten Einrichtung unter dem Namen Berufliches Schulzentrum Henriette-Goldschmidt-Schule Leipzig. Seit 2020 erinnert eine Tafel am Gebäude der Schule an sie.
Die Bibliothek des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow verwahrt den umfangreichen Forschungsnachlass der Pädagogin Annerose Kemp zu Henriette Goldschmidt.“
(Text: Prof. Dr. Jörg Deventer, Stellvertreter der Direktorin, Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow)
Die Gestaltung des Postwertzeichens und der Ersttagsstempel stammen von Prof. Annette le Fort und Prof. André Heers aus Berlin. Portrait: Adolf Neumman und August Neumann / AddF – Archiv der deutschen Frauenbewegung / Gemeinfrei. Die Briefmarke hat einen Wert von 110 Cent und ist seit dem 3. November 2025 in den Filialen der Deutschen Post AG erhältlich.