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13.03.2026

Briefmarken und Sammlermünzen

Sonderpostwertzeichen „200. Geburtstag Julie Hausmann“

  • Nummer 04/2026
Sonderbriefmarke „200. Geburtstag Julie Hausmann“ BildVergroessern

Das Bundesministerium der Finanzen hat am 2. März 2026 ein Sonderpostwertzeichen „200. Geburtstag Julie Hausmann“ herausgegeben.

Das Bundesfinanzministerium stellt die Briefmarke am Dienstag in Berlin vor. Die Präsentation findet am 17. März 2026, um 17 Uhr in der Hohenzollerngruft des Berliner Doms, Am Lustgarten, 10178 Berlin statt.

Immer seltener schreiben wir einander Briefe. Damit tritt die Frage, welche Marke zu Anlass und Inhalt passt, in den Hintergrund. Gegen diesen Trend behaupten sich die Grüße zu Geburt, Hochzeit, Tod. Hier erscheint vielen das schnell getippte Wort unpassend; die Bedeutung ruft nach etwas Persönlicherem. Die Wahl von Papier und Stift, von Umschlag und Marke drücken Aufmerksamkeit aus, Anteilnahme am Leben der Empfängerinnen und Empfänger.

Die Marke zum 200. Geburtstag von Julie Hausmann (1826–1901) gibt Briefeschreibenden nun ein Motiv an die Hand, das sich besonders für Kondolenzschreiben eignet. Das von ihr verfasste Lied „So nimm denn meine Hände“ ist christlich geprägt, im Pietismus beheimatet. Doch die Graphik öffnet es hin zur allgemeinen Reflexion über Vergänglichkeit.

Das florale Muster, das von links nach rechts verblasst, ruft unmittelbar Assoziationen des Vergehens hervor. Man denkt vielleicht an Rilke: „Die Blätter fallen, fallen wie von weit.“ Bei Rilke fallen wir alle wie Herbstlaub, ist das Leben eine Bewegung auf den Tod zu. Doch das ist für ihn kein Grund zur Verzweiflung: „Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“
Auf diese Hände traute auch Hausmann, eine deutsch-baltische Dichterin aus Lettland. Sie lebte zurückgezogen, widmete sich Einkehr und Gebet. Zur Veröffentlichung ihrer Lieder und Texte musste sie gedrängt werden, stimmte zunächst nur anonymer Publikation zu, ließ die Einnahmen spenden. So wurde auch 1862 das heute so beliebte Trauerlied von Gustav Knak unter „Lieder einer Stillen im Lande“ herausgegeben. Mit dieser Sondermarke erfährt die Autorin nun eine späte Würdigung.
Wenn Trauernde sich die Zeit nehmen, nicht nur die Beileidspost zu lesen, sondern auch der Marke ihre Aufmerksamkeit schenken, kann diese ihnen vielleicht eine tröstende Gewissheit vermitteln: Ja, wir sind vergänglich. Ja, wir fallen wie welke Blätter. Und vielleicht spüren wir im Fallen gar nicht, dass wir gehalten sind. Aber wir fallen doch auf unsichtbare Hände zu:

„Wenn ich auch gleich nichts fühle
Von deiner Macht,
Du führst mich doch zum Ziele,
Auch durch die Nacht.“


Die Gestaltung des Postwertzeichens und der Ersttagsstempel stammen von: © Buero Beyrow Vogt, Berlin. Fotografie: © Constanze Vogt, 2025. Die Briefmarke hat einen Wert von 95 Cent und ist seit dem 2. März 2026 in den Filialen der Deutschen Post AG erhältlich.