„Wir haben im Internationalen Währungsfonds, dem IWF, gestern Abend beschlossen, die sogenannten Sonderziehungsrechte um 650 Milliarden US Dollar zu erhöhen. Das ist ohne Beispiel in der Geschichte. Es ist die richtige und angemessene Reaktion auf die Corona-Pandemie. Die internationale Staatengemeinschaft stellt damit zusätzliche Liquidität zur Verfügung und stabilisiert so die Weltwirtschaft. Insbesondere Schwellen- und Entwicklungsländern wird ein neuer Schub bei der Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gegeben.“ Bundesfinanzminister Olaf Scholz

Historische Entscheidung

Der Verwaltungsrat des IWF hat gestern in Washington die Zuteilung neuer Sonderziehungsrechte (SZR) an seine 190 Mitgliedstaaten bewilligt. Um der globalen Krise gemeinschaftlich und entschlossen entgegenzutreten, werden zum 23. August die Währungsreserven im Gegenwert von 650 Milliarden US Dollar (547 Mrd. Euro bzw. 456 Mrd. SZR) aufgestockt und Liquidität geschaffen.

Die Größenordnung der am 23. August erfolgenden Allokation von SZR ist wie die zu bewältigende Krise in der Geschichte des IWF beispiellos. Deutschland hat sich im IWF seit Ausbruch der Krise für eine solche SZR-Allokation eingesetzt. Denn es ist wichtig, dass der IWF nicht nur Kredite an die Länder vergibt, die sie benötigen, sondern auch dafür sorgt, dass die Länder eigene Reserven haben.

Sonderziehungsrechte sorgen für mehr finanziellen Spielraum

Das Sonderziehungsrecht ist ein 1969 vom IWF eingeführtes Reserveguthaben, ein Anspruch auf frei verwendbare Währungen der IWF-Mitglieder. Ein höherer Bestand an SZR verschafft allen IWF-Mitgliedstaaten zusätzlichen finanziellen Spielraum. Bislang hat der IWF die SZR aller Mitgliedstaaten dreimal aufgestockt. Eine allgemeine Zuteilung bzw. allgemeine Allokation gab es zuletzt 2009. Während der globalen Finanzkrise wurden SZR im Gegenwert von 250 Mrd. US-Dollar geschaffen.

Schwellen- und Entwicklungsländer profitieren

Vor allem die von der Corona-Pandemie hart getroffenen Schwellen- und Entwicklungsländer werden profitieren. Sie erhalten gut 42 Prozent der neu zugeteilten Reserven (275 Mrd. USD bzw. 231 Mrd. Euro bzw. 193 Mrd. SZR). Die Länder können diesen neuen finanziellen Spielraum bei der Krisenbewältigung und für die wirtschaftliche Erholung einsetzen. Eine erhöhte Transparenz soll dafür sorgen, dass die Länder die neuen Mittel produktiv und im Dialog mit dem IWF zur nachhaltigen Bewältigung der Krise einsetzen können.

Auf Deutschland entfallen ca. 30 Milliarden Euro an Sonderziehungsrechten. Diese werden der Bundesbank zur Verfügung gestellt. Sie erhöhen die Fremdwährungsreserven der Bundesbank.