- Datum 04.02.2026
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Ort
München
- Redner/in Lars Klingbeil
[Es gilt das gesprochene Wort]
Lieber Dieter Reiter,
sehr geehrte Damen und Herren.
Ich bin sehr gerne in München. Für mich ist das als Norddeutscher übrigens auch ein bisschen Integration, wenn ich hier bin und viel lernen kann von anderen Kulturen und vom Ankommen.
Ich finde es sehr schön hier und ich will Ihnen gratulieren zu der Heimat, die Sie gefunden haben.
Bevor ich mit meiner Rede anfange, möchte ich Ihnen eine Anekdote erzählen, die mich sehr geprägt hat. Ich weiß, Sie haben alle schon die deutsche Staatsbürgerschaft, deswegen ist das keine Einbürgerungsfeier. Aber ich habe selbst in meinem Wahlkreis, der ist oben in der Lüneburger Heide, also zwischen Hamburg und Hannover, auch als Bundestagsabgeordneter ab und zu die Ehre, bei Einbürgerungsfeiern dabei zu sein. Ich darf dann auch die Urkunden überreichen, das ist ein sehr schöner Moment.
Ich erinnere mich daran, wie ich vor drei oder vier Jahren dann einem Mann, der aus den Niederlanden kam, die Urkunde für die deutsche Staatsbürgerschaft mit überreichen durfte.
Danach habe ich ihn gefragt, was seine Motivation war, weil ich mitbekommen hatte, dass er schon seit über 30 Jahren in Deutschland lebt. „Was war jetzt der Grund für Sie zu sagen: Sie wollen die deutsche Staatsbürgerschaft?“ Da hat er gesagt: „Ich werde immer älter und ich habe den großen Wunsch noch einmal im meinem Leben Fußballweltmeister zu werden.“
Da habe ich heute auf dem Weg hierher dran gedacht, weil das natürlich ein guter Zeitpunkt ist. Die Olympischen Winterspiele fangen an. Ich hoffe, dass wir gemeinsam für Deutschland viele Medaillen feiern können. Und natürlich wünsche ich mir auch, dass wir dann im Sommer eine schöne Fußballweltmeisterschaft haben werden und Deutschland Weltmeister wird und wir alle gemeinsam feiern können.
Diese Anekdote ist mir wichtig, weil sie auch für meinen Bezug zu diesem Thema steht. Ich will Ihnen wirklich sagen, dass ich finde, Sie können zu Recht feiern heute.
Dass Sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben, ist eine sehr persönliche Entscheidung.
Ich bin mir sehr sicher, dass Sie sich alle diese Entscheidung nicht leicht gemacht haben. Weil sie Abschied bedeutet, weil sie bedeutet, dass man Neuanfänge wagt.
Deswegen ist die Einbürgerung nicht nur ein formeller Akt, wo man eine Urkunde bekommt oder die Staatsbürgerschaft wechselt, sondern es ist ein großer Teil Ihrer sehr persönlichen Geschichte.
Und deswegen ist es mir bei allen Anekdoten und Witzen, die man machen kann, wirklich wichtig, dass ich hier als Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland sage:
Ich habe sehr großen Respekt vor Ihrem Weg. Es ist schön, dass Sie sich für unser Land entschieden haben. Und ich habe die herzliche Bitte an Sie, dass Sie mithelfen, dass wir unsere gemeinsame Heimat jeden Tag ein Stück besser machen.
Vielen Dank, dass Sie sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden haben.
Herzlich Willkommen als Mitbürgerinnen und Mitbürger unseres Landes.
Jede und jeder hier im Raum bringt Erfahrungen mit, Wissen und Ideen. Sie haben sich Ihr Leben in Deutschland vielleicht teils neu aufgebaut, Sie haben neue Freundschaften geschlossen, Sie haben sich vertraut gemacht mit unserem Land.
Deutschland ist ein modernes Land – wir sind ein Einwanderungsland.
Ich bin der festen Überzeugung, dass Vielfalt in unserem Land eine totale Bereicherung ist.
Jeden Tag erleben wir wunderbare Geschichten des Miteinanders – im Verein, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz. In Gewerkschaften und Betriebsräten.
Für mich ist klar: Nicht die Herkunft entscheidet, ob wir zusammengehören. Sondern die Verantwortung, die wir füreinander übernehmen.
Es ist nicht unser Aussehen, das entscheidet, ob wir in Frieden zusammenleben. Sondern es sind die Werte, für die wir gemeinsam als Gesellschaft einstehen.
Was uns unterscheidet, das trennt uns nicht. Ich bin davon überzeugt: Das hilft uns, besser zu werden.
Was zählt ist, dass wir hier gemeinsam leben, einander respektieren und zusammenhalten. Dass wir gemeinsam den Willen haben, unser Land, unsere Heimat nach vorne zu bringen.
Ich bin mir sicher: Sie alle hier im Raum werden München, werden Bayern, werden unser Land stärker machen.
Mit der deutschen Staatsbürgerschaft bekennen Sie sich auch zu unserer politischen Ordnung und zu unserem Grundgesetz.
Dieses Grundgesetz, Dieter Reiter hat es gerade gesagt, garantiert Rechte, es gibt Ihnen Freiheiten. Und es gibt Regeln, mit denen Sie Ihr Leben nach Ihren Wünschen dann auch gestalten können.
Deutschland ist ein Versprechen:
Ein Versprechen, dass Freiheit geschützt wird; ein Versprechen, dass die Würde des Menschen unantastbar ist; und ein Versprechen, dass Recht stärker ist als Macht.
Einige von Ihnen in diesem Raum wissen sehr genau, wie wertvoll diese Freiheit ist. Wir alle erleben gerade, in was für unruhigen Zeiten wir leben, dass Freiheit in vielen Ländern auf dieser Welt infrage gestellt wird.
Ich möchte heute nicht über die Konflikte auf der Welt sprechen, das soll ein fröhlicher und feierlicher Abend sein.
Aber als Vizekanzler möchte ich Ihnen – gerade in diesen unruhigen Zeiten – versichern: die Bundesregierung tut alles, damit Sie und damit wir in unserem Land und in der Europäischen Union in Frieden und in Freiheit leben können.
Und das mag vor einigen Jahren vielleicht noch eine politische Floskel gewesen sind, aber heute hat dieser Satz eine wahnsinnig große Bedeutung. Wir müssen jeden Tag daran arbeiten, dass unser Land stark bleibt.
Unsere Demokratie ist nicht selbstverständlich. Sie lebt davon, dass wir uns alle jeden Tag für sie stark machen.
Dass wir aufeinander Acht geben und uns gegenseitig respektieren, dass wir Hass und Hetze entgegentreten und dass wir unseren Rechtsstaat und unsere Freiheit verteidigen.
Artikel 1 unseres Grundgesetzes lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.
Und wir alle – auch Sie jetzt – sind jeden Tag dafür verantwortlich, dass das gilt. Jeden Tag. Überall. Dafür müssen wir kämpfen.
Liebe Mitbürgerinnen und -bürger,
ich wünsche mir und Ihnen, dass Sie in Deutschland nicht nur Freiheit und Sicherheit finden, sondern auch den notwendigen Respekt und die Anerkennung für das, was Sie leisten.
Dass Sie nicht nur Ihre Rechte wahrnehmen, sondern dass Sie auch Vertrauen durch den Staat erfahren.
Dass Sie Möglichkeiten finden in unserem Land, aber vor allem ein neues Zuhause.
Es ist wirklich für mich ein besonderer Moment: Weil wir so viel über Gegeneinander und Polarisierung in der Gesellschaft reden, dass ich an einem solchen Abend dabei sein kann. Dass ich erleben kann, wie unser Land vielfältiger, bunter, reicher und auch stärker wird.
Deswegen, lieber Dieter, Dir und auch allen hier im Raum: Ein großes Dankeschön, dass ich heute dabei sein darf. Ich wünsche Ihnen alles Gute, Gottes Segen, viel Kraft und ich freue mich darauf, dass wir jetzt gemeinsam die Nationalhymne singen.