- Datum 04.02.2026
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Ort
München
- Redner/in Lars Klingbeil
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für die Einladung nach München. Ich komme immer wieder gern hierher. Erst recht heute – zur Eröffnung der KI-Fabrik.
Diese Fabrik wird nicht nur die KI-Rechenleistung in Deutschland auf einen Schlag signifikant erhöhen. Sondern: sie ist auch ein wichtiger Schritt hin zur digitalen Souveränität unseres Kontinents.
Hier ist die erste rein privatwirtschaftlich finanzierte industrielle KI-Cloud eines deutschen Anbieters in Deutschland entstanden.
Und durch die Kooperation mit SAP wird auch die Software-Umgebung von einem deutschen Unternehmen betrieben.
Die Telekom zeigt mit dieser KI-Fabrik: sie ist ein Hochtechnologiekonzern und ein Innovationskraft-Paket. Die Fabrik sendet zudem das ganz wichtige Signal wirtschaftlicher Stärke: In Deutschland geht es voran. Wir setzen auf moderne Infrastruktur und bauen unsere digitale Souveränität aus.
Wenn es gelingt, bei diesen Fabriken künftig auch leistungsfähige Chips von europäischen Anbietern einzusetzen, dann können wir auch von voller Souveränität sprechen.
Europa hat bei der Chipherstellung den Anschluss verpasst und muss nun aufholen. Da sind wir dran. Und deshalb führt am derzeit größten Hightech-Unternehmen der Welt führt kein Weg vorbei, wenn man eine KI-Fabrik dieser Dimension errichtet.
Darüber freut sich NVIDIA. Und weil NVIDIA aus einer befreundeten Nation stammt, freue ich mich aufrichtig darüber, dass Sie hier als Partner an Bord ist. Einen großen Dank an NVIDIA und SAP.
Hier in München ist etwas Großes entstanden. In den vergangenen Jahren hat sich hier ein beeindruckendes Ökosystem entwickelt. Es führt Spitzenforschung mit Gründerszene und starken Industrieunternehmen zusammen.
Diese KI-Fabrik ist ein Aushängeschild für die ganze Metropolregion München. Zu Recht wird diese neue KI-Fabrik als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnet, auch wenn sie ironischerweise unter der Erde liegt.
Meine Damen und Herren,
wirtschaftliche Stärke, Innovationskraft, Souveränität – das sind Parameter, an denen sich die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung orientiert.
Der erste Monat des Jahres 2026 hat noch einmal gezeigt: Wir leben inmitten einer Umbruchsphase, manche sprechen auch von einem Epochenbruch.
Das hat tiefgreifende wirtschaftliche Folgen, gerade für unsere exportorientierte Volkswirtschaft, die erheblich unter Druck steht.
Damit wir nicht zum Spielball der Großmächte werden, müssen Deutschland und Europa stärker und unabhängiger werden – wirtschaftlich, technologisch und sicherheitspolitisch.
Da liegen noch ein paar Schritte vor uns, aber ich bin fest davon überzeugt: Die Herausforderungen sind lösbar. Denn: Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Wir sind ein verlässlicher Handelspartner. Wir zeigen, nicht nur hier in München, dass wir ein starker Hightech-Standort mit einer enormen Innovationskraft und hochqualifizierten Arbeitskräften wie bei der Telekom sind. Und: Wir sind verlässlich. Bei uns gilt die Stärke des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren.
Die Bundesregierung packt die Herausforderungen an: Im vergangenen Jahr haben wir die größte Investitionsoffensive in der Geschichte unseres Landes gestartet. Damit beginnen wir – wie nie zuvor – die Modernisierung unseres Landes – Straßen, Schienen, Schulen und auch: digitale Infrastruktur.
Deutschland ist immer dann stark, wenn wir an der Spitze der technologischen Veränderungen stehen. Wenn wir aus Innovationen auch Wertschöpfung holen.
Deshalb will ich deutlich sagen: Technologieführerschaft muss der Kern unseres künftigen Geschäftsmodells sein.
Technologieführer brauchen eine hochleistungsfähige, souveräne Infrastruktur. Und insbesondere im Bereich KI müssen wir systematisch Kapazitäten aufbauen.
Deshalb investieren wir als Bundesregierung systematisch entlang der Wertschöpfungskette – also von der digitalen Infrastruktur über souveräne Clouds, bis hin zu KI-Fabriken.
Das allein reicht aber nicht. Der Kapazitätsausbau wird erhebliche Investitionen erfordern – der Großteil muss von privater Seite kommen.
Damit das möglich wird, müssen wir als Politik den regulatorischen Rahmen so gestalten, dass er innovationsfreundlich ist. Dazu gehört zu allererst ein leichterer Zugang zu Kapital als bisher. Das geht nur im europäischen Rahmen.
Wir werden deshalb den Kapital- und Binnenmarkt der EU stärken und die Finanzierungsmöglichkeiten für Wachstumsunternehmen verbessern. Denn diese Wachstumsunternehmen sollen bei uns eine gute Zukunft haben. Es muss unser Anspruch sein, dass diese Unternehmen hier bleiben. Auch das ist für mich Teil eines Europäischen Patriotismus.
Wenn wir darüber reden, Europa stärker und robuster zu machen, dann müssen wir nicht nur über unsere digitale Souveränität sprechen, sondern auch über Resilienz.
Die Bedrohungslage ist da: Sabotage, Desinformationskampagnen, Cyberangriffe sind an der Tagesordnung.
Nur wenn wir über ein eigenständiges, digitales Ökosystem verfügen, können wir unsere Freiheit und Handlungsfähigkeit im digitalen Raum tatsächlich schützen.
Wir brauchen gezielte Investitionen in souveräne KI‑Rechenzentren und weitere kritische digitale Kapazitäten.
Der Bedarf an Rechenleistung wird durch KI weiter enorm steigen. Aktuelle Studien gehen von einer Verdrei- bis Vervierfachung des Bedarfs aus. Deshalb können wir es uns nicht erlauben, systematisch auf fremden Fundamenten zu bauen.
Die Bundesregierung wird in Kürze eine Rechenzentrumsstrategie vorstellen. Dabei wird auch wichtig bleiben, Energiekosten und bürokratische Hürden beim Bau von Rechenzentren weiter zu senken.
Zudem machen wir uns dafür stark, mindestens eine der fünf KI-Gigafactories nach Deutschland zu holen, die von der EU-Kommission geplant sind.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
dass Sie diese KI-Fabrik in nur sechs Monaten errichtet haben, ist beeindruckend. Das zeigt die Dringlichkeit. Das zeigt, wie überzeugt alle politischen und unternehmerischen Kräfte von der Wichtigkeit dieses Projektes waren.
Mit dieser KI-Fabrik beweist die Telekom erneut: Sie ist nicht nur ein Innovationstreiber und stabiler Arbeitgeber, sondern auch ein verlässlicher Partner für den Bund, die Länder und die Kommunen.
Für mich zeigt die Telekom aber auch, wie starke Sozialpartnerschaften ein erfolgreiches Unternehmen mitgestalten und maßgeblich voranbringen können.
Ich durfte vergangenen November auf der Betriebsräte-Konferenz der Telekom teilnehmen. Das war sehr bewegend. Denn ich glaube, dass es sehr wenige Unternehmen in Deutschland gibt, bei denen es eine so hohe Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen gibt.
Mein Dank gilt daher zum Schluss vor allem den Beschäftigten, die diese KI-Fabrik mit geplant und errichtet haben. Vielen Dank!