- Datum 25.02.2026
-
Ort
Bundesministerium der Finanzen
- Redner/in Lars Klingbeil
[Es gilt das gesprochene Wort]
Herzlich willkommen hier im BMF. Ich will ganz herzlich gratulieren zu 20 Jahren BRUEGEL und der wirklich sehr beeindruckenden Arbeit, die dort in Brüssel geleistet wird. Und auch die Historie des Instituts ist spannend. Aber ich glaube, es geht vor allem um die Arbeit von Ihnen und dafür sage ich einmal ein ganz großes Dankeschön von mir persönlich – und ich denke auch von allen hier im Raum – für das, was seit 20 Jahren an wissenschaftlicher Expertise, aber dann auch für den konkreten politischen Diskurs geleistet wird.
Dass ist in diesen Zeiten wichtiger denn je, wenn wir über europäische Souveränität reden. Übrigens, das sage ich für mich sehr klar, nicht weil ich das will – im Sinne von Abschottung von anderen. Aber weil die Spielregeln sich gerade verändern.
Wir gucken auf China und sind gespannt, wie die Berichterstattung sein wird über den Besuch des Bundeskanzlers. Aber ich war selbst schon im November in China, als erstes Regierungsmitglied, und habe gesehen – ich sage das jetzt einmal vorsichtig –, wenn ich mit den Verantwortlichen zusammensitze und mir gesagt wird: Nein, es gibt keine staatlichen Gelder, die gerade in die Subventionierung von strategisch wichtigen Industrien fließen. Dann fiel mir das schon sehr schwer, Contenance zu bewahren in diesen Gesprächen.
Aber wir sehen, wie China die Spielregeln verändert und auf der anderen Seite sehen wir wie unsere transatlantische Beziehung sich gerade mindestens in einem schwierigen Umbruch befindet und auch die Amerikaner mit täglichen neuen Zolldrohungen das transatlantische Ganze in Atem halten. Und das führt ja auch dazu, dass wir in Europa angegriffen werden auf dieser Ebene.
Jetzt können wir in Europa immer diejenigen sein, die sagen: Aber wir haben doch jahrzehntelang davon profitiert, dass alle nach den Regeln gespielt haben und dass alle diesen Weg gegangen sind. Wir halten sozusagen die Fahne hoch von regelbasierter Ordnung und von Vertragstreue. Ich finde das im Prinzip noch richtig. Oder wir gucken darauf und sagen: Da gerät unser Modell gerade ganz schön unter Druck. Deswegen fragen wir uns auch, an welchen Stellen müssen wir eigentlich Spielregeln ändern?
Ich habe neulich einmal gesagt, ein bisschen mehr europäischer Patriotismus wünsche ich mir da für unsere Haltung und das Auftreten schon. So wie bei Grönland. Auch wenn das vordergründig mehr mit Sicherheit, als mit Wirtschaft und Handel zu tun hat – bei Grönland haben einen kurzen Moment gesehen, was möglich ist. Ich bin ein bisschen stolz drauf, dass ich der Erste in der Bundesregierung war, der sich öffentlich positioniert hat: Da ist jetzt die rote Linie erreicht und ab hier geht es keinen Schritt weiter. Und ich glaube, das entschlossene, geschlossene und konsequente Handeln der Europäer und das Signal an Donald Trump: Hier machen wir nicht mehr mit, hier gibt es keine Verhandlungssituation, hier ist die rote Linie überschritten, das war wichtig.
Wir verteidigen die Freiheit Grönlands und auch der Menschen in Dänemark. Das war ein sehr starker Move von uns Europäern. Das muss aber auch Konsequenzen haben, so dass wir jetzt daran arbeiten, wie wir unsere Souveränität ausfüllen: sicherheitspolitisch, ökonomisch, mit dem Blick auf die Kapital- und Finanzmärkte. Das gehen wir sicher gleich im Fireside-Chat durch.
Wir haben jetzt die Pflicht, wirklich daran zu arbeiten. Sich nicht auf diesem einen Moment auszuruhen und nicht wieder zurückzufallen in dieses Muster, wo wir sagen: Es ist alles nochmal gut gegangen, also müssen wir nichts machen in Europa. Den Punkt haben wir weit überschritten.