- Datum 22.05.2026
- Redner/in Lars Klingbeil
[Es gilt das gesprochene Wort.]
Frau Präsidentin,
liebe Kolleginnen und Kollegen.
Heute bringen wir eine Gesetzesänderung in den Bundestag ein, die erst mal klein klingt, aber hunderttausenden Familien das Leben leichter macht.
Mit dem antragslosen Kindergeld setzen wir nicht nur eine Vereinbarung im Koalitionsvertrag und auch eine Empfehlung der Sozialstaatskommission um. Sondern wir lösen auch ein Versprechen für Familien ein: mehr Zeit für ihr Baby zu haben – statt für Bürokratie.
Kaum ein Ereignis verändert das Leben so sehr, wie die Geburt eines Kindes. Junge Eltern sind überwältigt – vom Glück, von der neuen Mammutaufgabe und von schlaflosen Nächten.
In einer solchen Lebensphase gibt es Wichtigeres, als sich mit Papierkram herumzuschlagen. Und erst recht nicht für Leistungen, die einem ohnehin zustehen.
Eltern erhalten das Kindergeld künftig automatisch, unbürokratisch und schnell.
Das Gesetz soll im kommenden Jahr in Kraft treten und, wenn es vollständig umgesetzt ist, für alle Kinder gelten, die in Deutschland geboren werden.
Zunächst erfolgt die Auszahlung automatisch für alle Neugeborenen in Familien, die bereits Kinder haben und Kindergeld beziehen. Denn die Familienkasse kann hier auf bekannte Daten zurückgreifen.
Im nächsten Schritt soll dann auch für alle Erstgeborenen das Kindergeld antragslos ausgezahlt werden, sofern die Kontoverbindung eines Elternteils vorliegt.
Das antragslose Kindergeld hält nicht nur den Eltern den Rücken frei, sondern erleichtert auch die Arbeit in den Ämtern. Natürlich prüft die Familienkasse wie bisher, ob den Eltern das Kindergeld zusteht. Doch die notwendigen Informationen erhält sie dazu zukünftig von anderen Behörden.
Denn wieso soll der Staat die Familien behelligen und Daten wieder und wieder abfragen, wenn er die Informationen ohnehin schon hat?
Ist der Fall klar, wird das Kindergeld automatisch ausgezahlt. Wenn es Fragen gibt, geht man auf die Eltern zu.
Wir erwarten, dass rund 300.000 Erstanträge pro Jahr entfallen. Das vermeidet lästige Abstimmungsschleifen bei unvollständigen Anträgen. Das spart jede Menge Zeit, Geld und Nerven – auf allen Seiten.
Das antragslose Kindergeld ist ein weiterer Schritt in Richtung moderner Staat. Denn wir als Bund haben uns – zusammen mit den Ländern – im Rahmen der Modernisierungsagenda noch viel mehr vorgenommen. Ich danke auch insbesondere Bärbel Bas und Karsten Wildberger, die jetzt gemeinsam die Digitalisierung der Sozialverwaltung vorantreiben.
Wir wollen Verwaltungsleistungen nicht länger aus einer Zuständigkeit heraus denken, sondern aus Sicht der Menschen. Deshalb arbeitet die Bundesregierung intensiv an praxistauglichen Lösungen, die die Lebensrealität der Menschen erkennt.
Wir haben zum Beispiel diese Woche im Kabinett entschieden, dass der Personalausweis ab dem 70. Lebensjahr künftig nicht mehr erneuert werden muss. Und wir setzen die digitale Brieftasche um, mit der man alle Dokumente in einer App auf dem Handy hat und sich europaweit damit ausweisen kann.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mit dem hier vorgelegten Gesetzentwurf zeigt die Bundesregierung:
Wir machen die Verwaltung jetzt Schritt für Schritt einfacher und schneller.
Wir machen unseren Sozialstaat handlungsfähiger. Und vor allem – wir arbeiten daran, den Menschen das Leben besser zu machen.
Ich freue mich auf die Beratungen. Vielen Dank.