- Datum 26.08.2026
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Ort
Köln
- Redner/in Lars Klingbeil
[Es gilt das gesprochene Wort.]
[Anrede]
Vielen Dank für die freundliche Begrüßung und vielen Dank, dass ich heute hier sein darf.
Für mich ist es nicht der erste Besuch auf der Gamescom und ich freue mich wahnsinnig, wieder hier zu sein. Und ich darf Ihnen und euch allen verraten: Das ist für mich auch etwas sehr Besonderes.
Ich weiß, wie ich 2009 in den Bundestag kam, damals wurde ich netzpolitischer Sprecher, so nannte sich das. Doro, wir beide waren damals viel zusammen unterwegs, auch mit anderen. Thomas Jarzombek war mit dabei, Jimmy Schulz, der leider viel zu früh von uns gegangen ist. Und ich hatte damals die Ehre, in der Deutschen Computerspielpreis Jury zu sein.
Und ich weiß noch, was das für ein Skandal war, als wir ein Ballerspiel ausgezeichnet haben. Große Schlagzeilen in den Zeitungen. Wie verrückt sie da in der Politik sind, dass sie jetzt ein solches Spiel auszeichnen.
Und ich freue mich ein bisschen, wenn man alles sieht, was hier heute rund um die Gamescom stattfindet. Liebe Doro, lieber Thomas, wir wussten das damals schon und hatten viele Verbündete an unserer Seite und das tut gut.
Lieber Felix, das will ich einmal sagen: Zu sehen, wie die Gamesbranche sich entwickelt hat - Herzlichen Glückwunsch zu dem Erfolg, den ihr seitdem hier an den Tag legt.
Es ist das erste Mal, das ist es gerade schon gesagt worden, dass die Vizepräsidentin der Kommission hier ist. Und morgen wird erstmalig ein Bundespräsident auf der Gamescom sprechen und diskutieren. Und das zeigt, welchen Stellenwert die Messe und welchen Stellenwert die Branche mittlerweile haben. Herzlichen Glückwunsch dazu! Das ist das wichtigste Branchentreffen der Welt. Ich kenne die Branche und den Verband jetzt seit vielen Jahren.
Games sind ein bedeutender Teil unseres Miteinanders, ein bedeutender Teil unseres Alltags, des Sports, der Bildung. Und es gibt viele Beispiele. Ich will einfach ein paar aufzählen, wo mir Games auch in den letzten Wochen und Monaten immer wieder begegnet sind:
Der eSport ist gerade angesprochen worden, schafft Communitys weit über die Konsolen hinaus. Mit Games trainieren Alzheimerpatienten ihr Vermögen, Schulen setzen Games fast wie selbstverständlich ein, um komplexe Themen leicht verständlich zu vermitteln. Und auch die Bundeswehr ist dieses Jahr auf der Gamescom wieder vertreten. Spielebasierte Technologien werden dort schon lange in der Ausbildung eingesetzt. Unternehmen nutzen die Gamification für das Onboarding von neuen Kolleginnen und Kollegen, für die Weiterbildung der Arbeitskräfte, aber auch für die Stärkung der Kundenbindung.
Das alles zeigt, dass Games Menschen zusammenbringen, dass sie Treiber von technologischen Innovationen, von Entwicklung sind, dass sie aber auch eine wichtige und bedeutende Wirtschaftsbranche sind.
Sehr geehrte Damen und Herren, ich will, dass die Games-Branche in Deutschland und in Europa weiterwächst. Und dafür stärken wir in Deutschland den Standort. Was die Kommission tun wird, das hören wir vielleicht von der Kollegin Virkkunen.
Aber für Deutschland, und das wird Dorothee Bär dann nachher sicherlich verstärken, kann ich sagen: Die Gamesbranche hat einen hohen Stellenwert in der Bundesregierung.
2020 sind wir in die direkte Gamesförderung eingestiegen und bis heute konnten Hunderte Games und Unternehmen damit unterstützt werden. Seit 2024 haben wir die Förderung des Bundes stark ausgebaut.
Und trotz einer schwierigen Haushaltslage, die wir faktisch haben, konnten wir die Förderung von 50 auf 120 Millionen mehr als verdoppeln. Und ich kann heute als Finanzminister zusagen, dass wir auch weiterhin dieses hohe Förderlevel in den nächsten Jahren halten wollen. Das zeigt, wie wichtig die Branche für uns ist.
Und besonders freue ich mich auch darüber, dass wir die Gemeinnützigkeit von eSports zum Gesetz gemacht haben. Ich erinnere mich, wie wir 2017, ich war gerade Generalsekretär meiner Partei geworden, die Verhandlungen über die Koalition angefangen haben.
Und es gab dann 2018 eine Situation, wo wir im großen Saal des Willy-Brandt-Hauses saßen. Wir hatten vorher verhandelt und hatten als Digitalpolitiker gesagt: Wir wollen, dass eSport als Sport anerkannt wird. Und wir guckten in die Augen von Angela Merkel, von Martin Schulz und Horst Seehofer. Und die merkten dann irgendwann: Die meinen das ernst. Das dauert in der Politik manchmal. Aber jetzt konnten wir, liebe Doro, das als Minister und Ministerin in diesem Kabinett umsetzen und das war uns wichtig.
Und es ist auch richtig, dass das so entschieden wurde. Für eSportvereine gilt ab jetzt, was für traditionelle Sportvereine schon länger gilt: Die steuerliche Erleichterung, bessere Chancen auf öffentliche Fördergelder und vor allem auch die gesellschaftliche Anerkennung, die der eSport verdient. Das ist eine richtige Entscheidung, die wir dort treffen konnten.
Ich weiß, dass einige, vielleicht sogar mehrere hier im Raum, jetzt darauf warten, dass ich die steuerliche Förderung der Games-Branche ankündige. Aber ich kann hier heute leider nicht mehr sagen, als dass wir Gespräche dazu führen in der Bundesregierung. Aber es steht im Koalitionsvertrag. Wir reden darüber in der Regierung. Und angesichts der schwierigen Haushaltslage sind es schwierige Gespräche. Ich kann Ihnen nur sagen: Wir wollen etwas hinbekommen, auch gemeinsam mit den Ländern für die Branche.
Was ich Ihnen aber versprechen kann, ist, dass wir daran arbeiten, dass wir in Deutschland weiter gute Bedingungen schaffen für innovative, für wachsende Branchen. Das hat große Priorität. Und dafür haben wir beispielsweise den Investitionsbooster auf den Weg gebracht, mit dem wir Investitionen in Deutschland fördern.
Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung investieren, profitieren von der Forschungszulage, die wir deutlich ausgeweitet haben. Und beides ist ein Innovationsbooster. Auch die Forschungszulage kommt der Gamesbranche zugute.
Die Förderung ist das eine, aber es geht auch um die Leistungsfähigkeit des Standortes insgesamt. Und da will ich hier erwähnen: Wir lösen gerade einen Investitionsstau auf in unserem Land, der sich über 20 Jahre aufgestaut hat.
Es sind 500 Milliarden aus dem Sondervermögen, die wir für die Modernisierung des Landes nutzen. Wir investieren Milliarden in unsere digitale Infrastruktur, in Kitas und Schulen. Wir bauen Bürokratie drastisch ab, auch um Kreativität und Eigenverantwortung zu stärken und mehr Freiräume zu geben. Und wir werben um die besten Köpfe aus dem Ausland. Deutschland ist ein hoch attraktiver Standort und die Gamescom zeigt, was in uns steckt an Innovationskraft, an Gründergeist, an wirtschaftlicher Kraft.
Und ich will, dass wir uns in Deutschland anstrengen, um diese riesigen Potenziale noch weiter für unser Land zu nutzen. Wir sehen, dass die Gründungszahlen in Deutschland nach oben gehen. Ich will auch, und daran arbeite ich als Finanzminister, dass wir nicht nur mehr Startups haben, sondern dass wir auch dafür sorgen, dass Unternehmen, die wachsen, dass die Scale ups, nicht irgendwann in die USA oder nach Asien abwandern.
Und dafür brauchen wir mehr Kapital. Dafür bringen wir die europäische Kapitalmarktunion voran. Dafür haben wir die private Altersvorsorge auf den Weg gebracht. Und das ist der Kampf, den wir in Europa führen, um ein attraktiver Standort zu sein. Das ist mehr als eine wirtschaftliche Frage.
Ich sage Ihnen in aller Klarheit, auch das ist eine gesellschaftliche Frage: Ich will, dass die Zukunft der künstlichen Intelligenz aus Europa heraus entwickelt wird. Und dass es ist nicht Menschen wie Peter Thiel und Elon Musk sind, die in der Hand haben, was mit der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz passiert. Ich will, dass wir in Europa mitreden.
Ich bin fest davon überzeugt: Wir haben die Kraft in Deutschland und in Europa. Wir sind 27 Mitgliedstaaten, 450 Millionen Bürgerinnen und Bürger. Wir sind damit eine Macht, wenn wir wollen.
Wir sind der zweitgrößte Markt der Welt. Und es gibt Partner, die vor der Tür stehen und mit uns zusammenarbeiten wollen: Kanada, Australien, Brasilien, Südafrika und viele andere, die sich nicht damit abfinden wollen, wenn einige wenige die Regeln ändern.
Ich finde, wir sollten selbstbewusster auftreten in Deutschland und Europa. Aber ja, wir müssen auch unsere Hausaufgaben machen und daran arbeiten, dass wir vorankommen. Ich habe die Kapitalmarktunion gerade genannt. Das ist ein wirklicher Gamechanger.
Sehr geehrte Damen und Herren, zum Schluss: Die Gamescom ist immer wieder eine Inspiration, Innovation, Kreativität. Ich bin gespannt auf den Rundgang gleich und auf alles das, was wir sehen.
Die Gamescom bringt den Digitalstandort Deutschland voran und diese Messe feiert auch immer Vielfalt und Offenheit unserer Gesellschaft. Es gibt viele, die sich engagieren und die dafür kämpfen, dass unsere Gesellschaft auch in Zukunft offen und bunt bleibt.
Sehr geehrte Damen und Herren, mit völliger Überzeugung will ich Ihnen am Ende sagen: Deutschland ist ein tolles Land. Wir haben Schwächen, wir haben Herausforderungen, wir haben Dinge, die wir meistern müssen.
Aber neben den wirtschaftlichen Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben, sollten wir uns auch bei einer solchen Messe immer wieder bewusst machen: Die Feinde unseres Landes, unserer Demokratie – die, die spalten und hetzen und uns auseinandertreiben wollen, die haben sich aufgemacht und denen sollten wir Vielfalt, Stärke und Lust auf Zukunft entgegensetzen.
Vielen Dank, dass ich heute hier sein darf.