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Das BMF bei den Ver­ein­ten Na­tio­nen in New York

Das Hauptquartier der Vereinten Nationen (VN) befindet sich in New York. Wesentliche Aufgaben der VN sind die Friedenssicherung, der Schutz der Menschenrechte sowie die Förderung der internationalen Zusammenarbeit. Seit September 2017 vertritt Karina Witt die Interessen der Bundesrepublik Deutschland im Hinblick auf das Budget der VN.

BMF-Weltweit: Standort New York
Quelle:  iStock/Fotolia

Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen (VN) in New York besteht aus mehreren Abteilungen (u.a. die Abteilungen Politik und Wirtschaft), wird vom Ständigen Vertreter im Range eines Botschafters geleitet und ist gemeinsam mit dem Deutschen Generalkonsulat im Deutschen Haus an der VN Plaza in Manhattan untergebracht.

Die meisten Beschäftigten der Ständigen Vertretung sind Angehörige des Auswärtigen Amtes. Für das BMF sind zwei Finanzreferenten/-innen dauerhaft vor Ort. Sie sind in dieser Zeit als Delegierte für den 5. Ausschuss, den VN-Haushaltsausschuss, tätig und vertreten dort die finanzpolitischen Interessen Deutschlands. Mit einem Anteil von ca. 6,4 % am regulären VN-Haushalt und an den Haushalten der friedenserhaltenden Missionen ist Deutschland derzeit der viertgrößte Beitragszahler der VN.

Deutschland steht dabei für das Ziel eines effizienten Einsatzes finanzieller Mittel u.a. für humanitäre Projekte, Entwicklungs- und Umweltvorhaben, internationale Gerichtshöfe und friedenserhaltende Missionen. Für interessierte Kolleginnen und Kollegen des BMF bietet die Tätigkeit bei den VN die Gelegenheit, in einem spannenden internationalen Umfeld und einer großartigen Stadt die Haushaltsverhandlungen zwischen den 193 VN-Mitgliedstaaten hautnah mitzuerleben und aktiv mitzugestalten.

Interview mit Karina Witt

Normalerweise bin ich in der Zoll- und Verbrauchsteuerabteilung (Abteilung III) für die Organisation der Zollverwaltung verantwortlich und betreue dort ein breites, querschnittliches Themenspektrum. Von der Ausbildung her bin ich Juristin und war zweieinhalb Jahre in der Zollverwaltung tätig, bevor ich 2012 in das BMF gewechselt bin. Nach dreieinhalb Jahren in der Zentralabteilung arbeite ich nun seit Anfang 2016 in der Abteilung III.

Bereits Ende 2016 gab es eine Interessenabfrage unter den Referentinnen und Referenten der Abteilung für eine sechsmonatige Verwendung bei den VN. Schon zu dieser Zeit hatte ich mich gemeldet und mein Interesse bekundet. Geklappt hat es dann aber erst ein halbes Jahr später.

Ich hatte schon seit längerer Zeit den Wunsch, einige Zeit beruflich im Ausland zu verbringen. Einerseits reizt mich der „Blick über den Tellerrand“, den eine Tätigkeit im internationalen Umfeld mit sich bringt; andererseits wollte ich auch meine Sprachkenntnisse verbessern. Der Finanzreferentenposten in New York ist dabei sicherlich einer der reizvollsten, den das BMF zu bieten hat! Für die Stadt und das VN-Arbeitsumfeld muss man natürlich keine Werbung machen. Man kann schon sagen, dass für mich ein Traum in Erfüllung ging, als ich im Mai die Zusage erhielt, für den Zeitraum September 2017 bis Februar 2018 nach New York zu gehen! Zu diesem Zeitpunkt kam die Nachricht absolut unerwartet. Umso mehr habe ich mich gefreut!

Der Bewerbungsprozess für den sechsmonatigen Auslandsaufenthalt war denkbar unkompliziert. Kurze Zeit nach dem „Ok“ meiner Abteilungsleiterin habe ich mich beim Personalreferat vorgestellt. Dort habe ich alles Wissenswerte zu den organisatorischen Rahmenbedingungen des Auslandsaufenthaltes erfahren bzw. weiterführende Kontakte, z.B. im Bundesverwaltungsamt, genannt bekommen. Da ich für meine Tätigkeit bei den Vereinten Nationen an das Auswärtige Amt abgeordnet bin, habe ich mich auch im dort zuständigen Fachreferat vorgestellt. Dies war hilfreich, da ich im jetzigen Tagesgeschäft meine Weisungen von den dortigen Kolleginnen und Kollegen erhalte.

Die Vorbereitung auf die Auslandszeit war insbesondere wegen der vielen Formalitäten recht aufwändig. Zum Glück konnten mir meine Vorgänger aus dem BMF viele hilfreiche Tipps zu Anträgen und Erstattungsmöglichkeiten geben. Für die Dauer der Abordnung habe ich Diplomatenstatus, was mir bei der Einreise in die USA so manche Warteschlange erspart hat.

Um eine Wohnung muss man sich tatsächlich aktiv kümmern, da von der Auslandsvertretung kein Apartment zur Verfügung gestellt wird. Man erhält aber Kontaktdaten von Maklern, mit denen andere Kollegen bereits gute Erfahrungen gemacht haben. Ich habe bereits im Vorfeld auf den einschlägigen Internetplattformen nach passenden Wohnungsangeboten geschaut, um mir einen groben Überblick zu verschaffen. Möblierter Wohnraum in New York ist wahnsinnig teuer und mit Berliner Maßstäben nicht zu vergleichen! Ich hatte dann großes Glück und habe mit Hilfe eines Maklers ein Apartment bekommen, das ich bereits von Deutschland aus ins Herz geschlossen hatte. Es liegt im Süden von Manhattan, im Financial District, und bietet aus der 50. Etage einen atemberaubenden Ausblick auf das One World Trade Center sowie auf Uptown Manhattan, aber auch auf Hudson und East River. Auf der Dachterrasse, die man als Mieter nutzen darf, habe ich so manchen schönen Feierabend verbracht! In unmittelbarer Nähe liegen die Wall Street sowie Battery Park City.

Mit dem gebrauchten Rad, das ich mir hier angeschafft habe, bin ich regelmäßig unterwegs und erkunde die Umgebung. Zwar ist Radfahren im dichten New Yorker Straßenverkehr recht gefährlich; es gibt aber teils sehr gut ausgebaute Fahrradwege, insbesondere entlang des Hudson River.

Ich bin bei klarem Wetter immer noch jeden Morgen beeindruckt von dem herrlichen Sonnenaufgang, den ich über dem East River beobachten kann. So startet man gern in den Tag! Weniger angenehm ist die Fahrt zur Arbeit in der stets überfüllten Subway. Bis zur Ständigen Vertretung an der VN Plaza bin ich ca. eine halbe Stunde unterwegs. Mein Arbeitstag beginnt mit der Sichtung der im 5. Ausschuss anstehenden Termine. In der aktuell stattfindenden „main session“ zum regulären VN-Haushalt finden täglich Beratungssitzungen statt, die oft auch kurzfristig neu terminiert werden. Regelmäßig trifft man sich morgens im Kreise der „like minded“ Staaten in einer der Landesvertretungen, um gemeinsame Positionen abzustimmen, die dann in den Ausschusssitzungen vertreten werden.

Meine Team-Kollegen hier vor Ort kommen überwiegend aus dem Auswärtigen Amt, einige auch aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Mit den deutschen Kollegen, die in anderen VN-Ausschüssen tätig sind, tauschen wir uns regelmäßig über die Themen aus, die Deutschland wichtig sind, und briefen sie für ihre jeweiligen Ausschusssitzungen.

Da im 5. Ausschuss das Einstimmigkeitsprinzip herrscht, gibt es oft sehr langwierige Verhandlungen unter den 193 Mitgliedstaaten. Im Dezember und insbesondere kurz vor Weihnachten, wenn der Einigungsdruck besonders groß ist, wird auch nachts und teils auch am Wochenende verhandelt. Binnen kurzer Zeit müssen dann Sprachvorschläge für die Resolutionen erarbeitet und mit dem Auswärtigen Amt abgestimmt werden.

Gelegentlich finden abends auch Empfänge in den Botschafts-Residenzen statt, die man gut zum „Networken“ nutzen kann. Vielfach werden hier auch Positionen ausgetauscht und Verhandlungslinien zu einzelnen Ausschussthemen abgestimmt.

Glücklicherweise bieten die Wochenenden und Abende meist genug Raum für Stadtbesichtigungen oder Kulturprogramm. Bei dem riesigen Angebot an Konzerten, Musicals, Ausstellungen und Sportveranstaltungen fällt die Auswahl manchmal schwer. Mein Favorit ist bislang die Carnegie Hall mit toller Atmosphäre und Akustik!

Viele Abende verbringe ich natürlich auch mit Freunden, Kollegen oder Familie, die die Gelegenheit nutzen, mich in New York zu besuchen!

Ein Höhepunkt war sicherlich die Generalversammlungswoche Ende September mit den Reden der Staats- und Regierungschefs, von denen ich einige miterleben konnte. Zu dieser Zeit herrscht Hochbetrieb in der deutschen Vertretung, aber auch in allen anderen „missions“, da überall Vorbereitungen zu treffen und „side-events“ für die jeweils anwesenden Staatsoberhäupter zu organisieren sind.

In sehr guter Erinnerung wird mir auch der Empfang der deutschen Vertretung am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) in einem Restaurant bzw. Boathouse mitten im Central Park bleiben.

Ich bin noch bis Ende Februar 2018 in New York, erlebe also den Abschluss der Verhandlungen zum regulären VN-Haushalt mit. Anschließend kehre ich – nach jetzigem Stand - in mein bisheriges Referat in der Zollabteilung zurück. Die dortigen Kolleginnen und Kollegen nehmen per WhatsApp und E-Mail sehr regen Anteil an meinem Aufenthalt hier!

Schwer zu sagen! Bei aller Vielfalt und Faszination New Yorks gibt es doch auch einige Schattenseiten, wie permanenten Lärm, Hektik und Dreck. Auf Dauer fühle ich mich daher in Berlin am Wohlsten.

Vielen Dank Frau Witt für die spannenden Eindrücke von Ihrer Arbeit bei den Vereinten Nationen in New York.