Navigation und Service

Das BMF bei der deut­schen Bot­schaft in Wa­shing­ton

Die deutsche Botschaft in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ist auch für das BMF von besonderer strategischer Bedeutung. Elke Kallenbach leitet das Referat Finanzen. Sie und ihre Kolleginnen befassen sich insbesondere mit der US amerikanischen Wirtschafts-, Finanz-, Geld- und Steuerpolitik.

BMF-Weltweit: Standort Washington
Quelle:  iStock/Fotolia

Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Washington besteht aus den Abteilungen Politik, Wirtschaft, Kommunikation und Kultur, Rechts- und Konsularwesen, Verwaltung und einem Militärattachéstab. Sie wird von Botschafter Dr. Peter Wittig geleitet.

Die Botschaft hat insgesamt 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; die Wirtschaftsabteilung der Botschaft, in der auch das Finanzreferat angesiedelt ist, beschäftigt 26 Kolleginnen und Kollegen aus insgesamt sieben Ministerien.

Die Kolleginnen des Finanzreferats befassen sich mit allen für das BMF relevanten Themen, d. h. insbesondere mit der US-Konjunkturentwicklung, der Wirtschafts-, Finanz-, Geld- und Steuerpolitik, Themen des G7- und G20-Finanzministerprozesses, Fragen des Haushaltsverfahrens, der Finanzmarktregulierung und Maßnahmen gegen Geldwäsche und Finanzierung des internationalen Terrorismus. Zu den Aufgaben gehört es dabei auch, die Finanzpolitik Deutschlands und der EU bzw. der Eurozone im Gastland zu erläutern und die Positionen und Interessen Deutschlands zu vertreten.

Ein wichtiger Bestandteil der Tätigkeit ist darüber hinaus die Kontaktpflege und Zusammenarbeit mit den relevanten US-Institutionen, insbesondere Finanzministerium, Notenbank, Steuerverwaltung und den zuständigen Stellen des Kongresses, sowie mit EU- und ausgewählten G20-Kollegen und Think Tanks vor Ort.

Ein ebenso bedeutendes und spannendes Aufgabengebiet ist die Vorbereitung und Durchführung bilateraler Treffen und die Betreuung hochrangiger Besuchsdelegationen, z. B. von Vertretern der Bundesregierung und des Finanz- und Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestags. Eine feste Größe ist dabei die Begleitung der Delegation des Bundesfinanzministers zu den Frühjahrs- und Jahrestagungen von IWF und Weltbank in Washington. Zeitgleich finden dann auch die G20-Finanzministertreffen statt, so beispielsweise das letzte Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure unter deutscher G20-Präsidentschaft in Washington am 12./13. Oktober 2017.

In Washington arbeiten übrigens noch mehr BMF-Kolleginnen und Kollegen, nämlich in den Büros der deutschen Exekutivdirektoren und im Stab von IWF und Weltbank.

Interview mit Elke Kallenbach

Nachdem der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags 2015 vier neue BMF-Referatsleiterstellen an deutschen Auslandsvertretungen genehmigt hatte (Washington, Peking, London, Paris), war mein Interesse sofort geweckt. Bis dahin hatte das BMF im Ausland überwiegend Referentenstellen im Angebot. Nachdem ich die Ausschreibung für die Referatsleiterstelle in Washington gesehen hatte, fand ich es sofort äußerst reizvoll, ein neues Finanzreferat in einer Botschaft aufbauen zu dürfen, zusammen im Team mit meinen drei BMF-Kolleginnen, die bereits als Finanzreferentinnen vor Ort waren.

In meiner bisherigen Zeit im BMF war ich überwiegend in Bereichen mit Auslandsbezug tätig (Persönliche Referentin von Staatssekretär Caio Koch-Weser, Europaabteilung, Grundsatzabteilung und Finanzmarktabteilung). Auch war ich bereits als Finanzreferentin an der Ständigen Vertretung in Brüssel und an der Botschaft in Washington im Einsatz. Da lag ein weiterer Auslandseinsatz für mich durchaus nahe.

Zu den USA habe ich einen besonderen Bezug. Ich war bereits im Schüleraustausch in Virginia, zum Studium in Wisconsin und – wie gesagt – schon einmal drei Jahre beruflich in Washington. Von zahlreichen Urlaubsreisen ganz zu schweigen. Und jedes Mal habe ich ein neues Bild von den USA gewonnen.

Ich gebe zu, dass ich mir bei meiner Bewerbung den inzwischen deutlich gewordenen politischen Wechsel in den Vereinigten Staaten nicht vorstellen konnte. So komisch es klingt, aber die Zeit seit den Präsidentschaftswahlen hier hätte kaum spannender sein können. Wie sagte mein japanischer Kollege neulich zu mir: „President Trump has made diplomacy great again.“

Aus meiner Sicht ist der Standort Washington einer der interessantesten, den das BMF zu bieten hat - beruflich wie privat. Und zwar für jeden: Familien mit kleinen und großen Kindern, Paare, Singles, für Junge und Junggebliebene. Natürlich ist Washington nicht New York – aber da kann man ja am Wochenende hinfahren, wenn man möchte.

So ein Ortswechsel über den Atlantik ist sicherlich mit viel Aufwand verbunden, aber wenn man sich durch alle Anträge, Formulare, Versicherungs- und Bankangelegenheiten, Wohnungsbesichtigungen u.v.m. gekämpft hat, wird man mit einer spannenden Arbeit, unglaublich interessanten Begegnungen, tollen Freizeitmöglichkeiten, einem schönen Haus oder einer schönen Wohnung sowie – nicht zu unterschätzen - einem Auslandszuschlag und Mietzuschuss belohnt.

Auch unsere Besucher sind immer sehr von der Stadt angetan, die neben den vielen bekannten Regierungsgebäuden, „Monuments“ und den Museen an der National Mall inzwischen auch viele Radwege zu bieten hat.

Morgens verschaffen wir uns zunächst einen Überblick über die relevanten Neuigkeiten des Tages, verarbeiten die bereits zahlreichen E-Mails aus Deutschland und führen aufgrund der Zeitverschiebung möglichst alle wichtigen Telefonate mit Berlin. In den sogenannten Morgenrunden des höheren Dienstes werden die wichtigsten Themen und Termine mit dem Botschafter besprochen. Wir bereiten den Botschafter z.B. für Gespräche mit Senatoren und hochrangigen Unternehmensvertretern vor (z. B. zur Steuerreform) und begleiten ihn. Regelmäßig tauschen wir uns mit den „German Desks“ von Treasury und State Department oder mit „Staffern“ des Finanz- und Bankenausschusses im Kongress aus. Seit der Amtseinführung des neuen Präsidenten hat übrigens - neben den üblichen EU-Finanzreferententreffen - die ad hoc-Abstimmung mit anderen Botschaften (insbesondere mit größeren EU-Staaten, EU-Kommission, Schweiz, Kanada, Japan) stark an Bedeutung gewonnen. Wenn wir offizielle Besucher (z. B. von Kanzleramt, Ministerien, Bundestag) betreuen, bereiten wir ein Gesprächsprogramm vor und begleiten zu allen Terminen.

Eine Besonderheit Washingtons ist die ausgeprägte Think Tank-Landschaft, in der man zu allen denkbaren Fachthemen Diskussionen auf höchstem Niveau verfolgen und führen kann. Und natürlich berichten wir regelmäßig über unsere Erkenntnisse zur US-Finanz-, Haushalts-, Steuer- und Finanzmarktpolitik.

Natürlich ist für uns „BMF-ler“ hier in Washington immer der Besuch des Bundesfinanzministers und seiner Delegation zu IWF-Frühjahrs- und Jahrestagungen ein Höhepunkt des Jahres. Letzten Oktober war das dann auch eine ganz besondere Veranstaltung, mit dem Abschluss der deutschen G20-Präsidentschaft und der Abschiedstour von Bundesfinanzminister Dr. Wolfgang Schäuble. Wir sind alle sehr gespannt, welche Ministerin bzw. welchen Minister wir im April 2018 bei der Frühjahrstagung persönlich begrüßen dürfen.
Meine Abordnung für drei Jahre endet im Dezember 2018. Eine Verlängerung um ein weiteres Jahr ist möglich. Was mich nach Rückkehr in Berlin erwartet, ist noch völlig offen. Ich bin da überhaupt nicht festgelegt und lasse das auf mich zukommen, zumal ich schon in den unterschiedlichsten Bereichen des BMF gearbeitet habe.

Berlin ist meine Wahlheimat. Ich habe mich 1999 bewusst aufgrund des Berlin-Umzugs der Bundesregierung – von der Deutschen Bundesbank in Frankfurt aus – im BMF beworben. Ich finde es zugleich unglaublich Horizont erweiternd, auch einmal von außen auf Deutschland, seine Politik und seine Gesellschaft zu schauen. Ich würde immer wieder beruflich ins Ausland gehen und kann das jedem nur empfehlen!

Vielen Dank Frau Kallenbach für die interessanten Einblicke in Ihr Leben in Washington.


Seite teilen und drucken