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Das BMF beim In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds

Zu den Aufgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) zählt es, die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Währungspolitik zu intensivieren, die Ausweitung und ein ausgewogenes Wachstum des Welthandels zu erleichtern und die Stabilität der Wechselkurse zu fördern. Im Büro des deutschen Exekutivdirektors beim IWF in Washington sorgt auch unser Kollege Sandro Maluck dafür, dass die Position der Bundesregierung Gehör findet.

BMF-Weltweit: Standort Washington
Quelle:  iStock/Fotolia

Der IWF, gegründet 1944 auf der "Internationalen Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten und Assoziierten Nationen" in Bretton Woods, ist eine zentrale Institution im Bereich der internationalen währungs- und finanzpolitischen Kooperation. 189 Länder sind Mitglieder des IWF. Beim IWF arbeiten über 2600 Mitarbeiter aus 148 Ländern, vorwiegend Ökonomen.

Die Hauptaufgaben des IWF sind die Förderung globaler wirtschaftlicher und finanzpolitischer Stabilität. Er unterstützt seine Mitglieder in drei Arbeitsfeldern:

  1. Überwachung: Der IWF übt wirtschaftspolitische Überwachung aus und gibt wirtschaftspolitische Empfehlungen
  2. Kreditvergabe: Der IWF vergibt Kredite bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten von Mitgliedsstaaten unter wirtschaftspolitischen Auflagen
  3. Kapazitätsaufbau: Der IWF bietet technische Hilfe und Trainingsmaßnahmen an, insbesondere auf den Gebieten Haushaltsführung und Steuerverwaltung sowie Geld- und Finanzmarktpolitik, aber auch in den Bereichen Statistik und Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

Das Leitungsorgan des IWF ist der Gouverneursrat, in dem Deutschland durch den Bundesbankpräsidenten vertreten wird. Der Bundesfinanzminister ist zum einen dessen Stellvertreter im Gouverneursrat und zum anderen Mitglied im International Monetary and Financial Committee (IMFC). Das IMFC trifft sich zweimal im Jahr, um die strategische Lenkung des IWF zu vereinbaren und den Gouverneursrat zu Fragen der Überwachung des internationalen Währungssystems und zur etwaigen Reaktion auf plötzliche systembedrohende Störungen zu beraten.

Das Exekutivdirektorium nimmt die laufende Geschäftsführung des IWF wahr. Es besteht aus 24 Exekutivdirektoren. Acht Exekutivdirektoren vertreten jeweils einen Mitgliedstaat (USA, CHN, DEU, JPN, FRA, GBR, RUS, SAU), 16 Exekutivdirektoren vertreten die Interessen mehrerer Länder. Jedes Mitgliedsland hält einen Kapitalanteil am IWF, die sogenannte Quote. Die Quote bemisst sich aufgrund wirtschaftspolitischer Kerngrößen und bestimmt auch das Stimmrecht des jeweiligen Mitglieds. Das deutsche Stimmrecht wird vom deutschen Exekutivdirektor, Dr. Steffen Meyer, oder dessen Stellvertreter, Klaus Merk, wahrgenommen, die hierfür Weisungen von der Bundesregierung erhalten. Die Entscheidung, ob Deutschland zum Beispiel einem IWF-Kreditprogramm zustimmt, wird möglichst im Einvernehmen zwischen dem BMF und der Deutschen Bundesbank getroffen.

Im Büro des deutschen Exekutivdirektors arbeiten derzeit neben dem Exekutivdirektor und dessen Stellvertreter fünf Advisors sowie zwei Assistentinnen. Hier werden die Interessen der Bundesregierung und der Bundesbank im Exekutivdirektorium vertreten. Dazu ist das Büro natürlich in permanentem Kontakt mit den Kollegen in Berlin und Frankfurt. Auch Positionen mit anderen Mitgliedsstaaten werden hier koordiniert.

Interview mit Sandro Maluck

Fragen der internationalen Währungs- und Finanzpolitik haben mich meine gesamte Laufbahn begleitet: In meinem Studium der VWL, im Referendariat bei der Bundesbank und danach im Bundeskanzleramt, wo ich zunächst zu internationaler Finanzmarktpolitik und danach im G7/G20 Sherpastab gearbeitet habe. Unter anderem habe ich dort auch die IWF-Themen begleitet und dazu eng mit den Kollegen im BMF zusammengearbeitet.

Als Ökonom ist es natürlich etwas ganz Besonderes, beim IWF zu arbeiten. Als sich die Gelegenheit bot, für drei Jahre als Advisor des deutschen Exekutivdirektors beim IWF hautnah an den Fragen zur internationalen Währungs- und Finanzpolitik mitzuarbeiten, habe ich natürlich nicht gezögert und mich beworben.

Natürlich trifft man so eine Entscheidung gemeinsam mit der Familie, die von der Idee, für drei Jahre in die USA zu gehen, von Anfang an begeistert war. Jeden Tag auf dem Schulweg die gleichen Fragen von meinen Kindern: Gehen wir nach Amerika? Wird es klappen? Wann geht’s endlich los? Als dann die Zusage kam, war die Freude riesig, aber die Organisation und Vorbereitung ging dann natürlich erst los.

Wir wohnen im Stadtteil Tenleytown in Washington. Mit dem Fahrrad zur Arbeit, zu Fuß zur Schule, nicht zu weit zur Metro und Cafés und Restaurants in der Nachbarschaft waren wichtige Kriterien bei der Wohnungssuche für uns. Die Auswahl des Wohnorts war auch für die Schulwahl der Kinder wichtig, da die Zuweisung zu einer öffentlichen Schule wie in Deutschland durch den Wohnort bestimmt wird. Zwischen unserer Ankunft in Washington und dem Schulstart lag jedoch nur eine Woche. Wir waren also bei der Haussuche ziemlich unter Zeitdruck. Mit Hilfe eines Maklers haben wir es aber tatsächlich geschafft, in zwei Tagen ein Haus zu finden, indem wir uns bis heute sehr wohl fühlen.
Der Arbeitsalltag ist sehr vielseitig. Als Bindeglied zwischen Bundesregierung und Bundesbank auf der einen und IWF auf der anderen Seite sorgen wir für Informationsfluss in beide Richtungen: Kommen z.B. Anfragen zu dem Stand eines IWF-Programms oder zur aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung in einem bestimmten Land, sprechen wir hier mit den Experten des IWF vor Ort und beantworten die Fragen der Kollegen in Deutschland. Ebenso sind wir Ansprechpartner für die Arbeitsebene und das Management des IWF zur Haltung der Bundesregierung und Bundesbank zu bestimmten Fragen. Konkret im Alltag heißt das viel kommunizieren mit IWF-Experten oder anderen ED-Büros, um Positionen zu vertreten oder abzustimmen. Natürlich kommt hinzu das Schreiben von Positionierungen und Stellungnahmen zu einzelnen Länderfällen oder zu Fragen der IWF-Geschäftspolitik, das Vorbereiten von Sitzungen des Exekutivdirektoriums sowie das Verfassen von Berichten aus Diskussionen hier vor Ort für die Kollegen in Deutschland.

Die Wochenenden und freien Tage nutze ich mit meiner Familie intensiv, um das Land kennenzulernen. Wenn wir nicht unterwegs sind, freuen wir uns über die unzähligen Möglichkeiten, die diese Stadt zu bieten hat. Das kulturelle Angebot kommt vielleicht nicht an New York heran, aber die Museen der Smithsonian Stiftung sind phänomenal - für Groß und Klein. Und bei Sportveranstaltungen den großen Teams der Stadt zuzujubeln, begeistert die ganze Familie, sei es im Football, Baseball, Basketball oder Eishockey.
Die Frühjahrs- und Jahrestagungen des IWF, zu denen sich Finanzminister und Notenbankgouverneure aus den Mitgliedsländern in Washington einfinden, sind immer ein besonderes Ereignis, das viele Höhepunkte bietet. Noch eine Stufe spannender war es 2017, als Deutschland die G20-Präsidentschaft innehatte. Aber es sind auch die kleinen Höhepunkte, die die Arbeit hier unvergesslich machen: Das erste Mal selbst im Exekutivdirektorium für Deutschland zu sprechen war ein besonderes Erlebnis. Auch der Besuch der Vereinten Nationen in New York als Vertreter unseres Büros bei einem Meeting war definitiv ein besonderes Highlight.
Meine Entsendung an den IWF läuft insgesamt drei Jahre. Danach geht es für mich ins BMF zurück. Wohin dort genau, steht noch nicht endgültig fest. Ich würde sehr gerne weiterhin in den Bereichen internationale Wirtschafts- und Währungs- oder Finanzmarktpolitik arbeiten.

Das ist keine einfache Frage. Einen Umzug für immer nach Washington? Eher nein, dafür hängen wir zu sehr an Europa und an Berlin. Eine Rückkehr nach einer gewissen Zeit? Unbedingt! Schön wären drei Jahre hier, drei Jahre dort.

Vielen Dank Herr Maluck für die interessanten Einblicke in Ihr Leben in Washington.


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